Das war schlicht grossartig: Mit einer Vorlage und einem traumhaften Schlenzer zum 2:0-Endstand verdiente sich Ruben Vargas im EM-Achtelfinal gegen Italien die Auszeichnung als bester Spieler des Spiels. Noch in der Halbzeit habe ihm Granit Xhaka gesagt: «Mach bitte ein Tor!» Als Vargas dann 25 Sekunden nach der Pause den Ball hatte, rief Xhaka «Schiess», wie Vargas verriet. Das tat er dann auch – und zwar so, dass es besser nicht gehen könnte. Es ist der neue Höhepunkt in einer starken Saison des 25-jährigen Flügelspielers.
1 Goal ⚽
— 🇨🇭 Nati (@nati_sfv_asf) June 29, 2024
1 Assist 📩
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In Augsburg zeigte er mit je vier Treffern und Assists eine starke Bundesliga-Saison – endlich machte er den nächsten Schritt in seiner Entwicklung, den viele von ihm schon nach der für ihn starken Europameisterschaft vor drei Jahren erwartet hatten. Doch vorerst stagnierte Vargas und verlor bei den bayrischen Schwaben zwischendurch gar seinen Stammplatz.
Die zwischenzeitliche Baisse – auch bedingt durch Verletzungen – ist spätestens mit dem grandiosen Auftritt gegen Italien vergessen. Schon vor dem Turnier kündigte er an, bereit zu sein für den nächsten Schritt. Nach fünf Jahren bei Augsburg, das in der Bundesliga meist gegen den Abstieg spielt, peilt er einen Transfer an. Vor einem halben Jahr hiess es, dass die AC Fiorentina den Schweizer gerne unter Vertrag nehmen würde.
Nun hat sich Ruben Vargas aber wohl auch bei anderen Klubs ins Rampenlicht gespielt und könnte die EM so als ganz grosses Sprungbrett nutzen. Damit ist er bei der Nati nicht alleine.
Mit dem 23-jährigen Westschweizer zeigt ein weiterer Flügelspieler der Nati eine starke EM. Wobei Dan Ndoye vor allem auch mit seiner Versatilität glänzt. So kam er gegen Ungarn und Deutschland als hängende Spitze zum Einsatz, gegen Schottland besetzte er die Sturmspitze und nun spielte er rechts neben der Dreierkette in einer verhältnismässig defensiven Rolle.
Besonders aufgrund seiner Fähigkeit, eben auch diese Position zu besetzen, hat der schnelle und dribbelstarke Ndoye das Interesse des italienischen Meisters auf sich gezogen. Inter Mailand sieht den Bologna-Profi als Konkurrenten und auch als möglichen Nachfolger für Denzel Dumfries. Der Niederländer hat nur noch ein Jahr Vertrag und könnte die Nerazzurri verlassen.
Auf der rechten Aussenbahn fällt die aktuell noch begrenzte Torgefahr Ndoyes nicht ganz so stark ins Gewicht. Doch mit seinem Treffer gegen Deutschland machte er auch in diesem Bereich Hoffnung auf Besserung. Neben Inter Mailand, wo Ndoye Mitspieler von Goalie Yann Sommer werden würde, soll gemäss Transfer-Experte Gianluca Di Marzio auch Manchester United die Fühler nach dem Ex-Basel- und Lausanne-Profi ausgestreckt haben. Ein Jahr nach seinem Wechsel nach Bologna könnte Ndoye also gleich den nächsten Schritt tun.
Was die Gerüchteküche angeht, brodelt diese bei einem weiteren Schweizer Bologna-Profi noch nicht so heiss. Der Mittelfeldspieler – beim Serie-A-Klub meist neben Remo Freuler – wechselte im Sommer 2022 von YB in die Emilia Romagna und gehörte in der letzten Saison zum festen Bestandteil der Stammformation des italienischen Überraschungsteams. Nun zeigt Aebischer auch an der EM starke Leistungen.
Anders als gewöhnlich spielte der 27-Jährige für die Nati jedoch nicht im Zentrum, sondern auf der linken Aussenbahn. Dort erfüllte er seine Aufgaben defensiv wie offensiv stark. Besonders im ersten Gruppenspiel gegen Ungarn brillierte er mit einem Tor und einer Vorlage, im Achtelfinal gegen Italien bereitete er einen weiteren Treffer vor – wobei die Vorlage beim Traumschlenzer von Vargas eher zweitrangig war.
Dennoch ist nicht auszuschliessen, dass Aebischer bald einige Angebote auf dem Tisch hat, um Bologna zu verlassen. Andererseits spielt auch sein jetziges Team in der nächsten Saison in der Champions League – bleibt der Freiburger, würde er die Früchte der eigenen hervorragenden Arbeit während der letzten Saison ernten.
Zugegeben: Der 31-jährige Verteidiger ist nicht der typische Spieler, um eine EM als Sprungbrett zu nutzen. Und im Falle von Ricardo Rodriguez wäre es wohl auch nicht unbedingt ein Sprungbrett, sondern eher ein Auffangnetz. Denn der bisherige Captain des FC Torino steht ab Montag ohne Vertrag da.
Nati-Captain Granit Xhaka machte schon nach dem 1:1 gegen Deutschland Werbung für seinen guten Freund: «Schaut ihn euch an! Dass Ricci ablösefrei ist, versteht niemand. Er muss einen langfristigen Vertrag haben.» Im Achtelfinal gegen Italien zeigte der langjährige Italien-Söldner erneut eine sackstarke Leistung. Spätestens jetzt möchte man Xhaka beipflichten: Rodriguez müsste jede Menge Angebote auf dem Tisch haben.
Gegenüber «Blue Sport» sagte er zuletzt: «Ich bin offen für alles. Egal, wo ich unterschreiben werde, meine Familie kommt mit. Wir werden sehen, wo wir landen werden. Es kann auch Saudi-Arabien sein.» Wichtig sei lediglich, dass der Klub einen Plan habe und ihm das Projekt zusage. Finanziell dürfte sich ein Wechsel in die Wüste lohnen – aus Fan-Sicht gesehen wäre es schade, wenn Rodriguez bereits in die sportliche Irrelevanz wechselt.