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Croatian President Kalinda Grabar-Kitarovic hugs Croatia's Ivan Rakitic at the end of the final match between France and Croatia at the 2018 soccer World Cup in the Luzhniki Stadium in Moscow, Russia, Sunday, July 15, 2018. (AP Photo/Thanassis Stavrakis)

Kroatiens Staatspräsidentin Kalinda Grabar-Kitarovic tröstet Ivan Rakitic. Bild: AP/AP

Rakitic zum verlorenen WM-Final: «Der Regen war kein Zufall, sogar der Himmel war traurig»

Ivan Rakitic hat den Sprung auf den Fussball-Gipfel verpasst. Gold holten die Franzosen, und zum besten Spieler der WM wurde sein Teamkollege Luka Modric gewählt. Dennoch war auch der schweizerisch-kroatische Doppelbürger Rakitic eine prägende Figur dieser WM 2018.



Die Zeit muss quälend lang gewesen sein. 29 Minuten dauerte es nach dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Nestor Pitana, bis FIFA-Präsident Gianni Infantino und Russlands Staatschef Wladimir Putin für die Siegerehrung bereit waren. Und weil in dieser halben Stunde auch noch der Moskauer Himmel seine Schleusen öffnete, stand er da im strömenden Regen, regungslos und mit leerem Blick, wie ein begossener Pudel. Ivan Rakitic, der erste Schweizer in einem WM-Final, hat den Traum vom WM-Titel nicht realisieren können.

Rakitic im Interview

«Es ist schwierig zu beschreiben, wie ich mich jetzt fühle. Wir können stolz darauf sein, was wir alles erreicht haben. Aber im ersten Moment, bin sehr traurig und enttäuscht. Wir waren über weite Strecken die bessere Mannschaft. Sie machen aus nichts die ersten drei Tore. Aber so ist Fussball. Wir gratulieren Frankreich zum Titel. Der zweite Platz für ein Land wie Kroatien ist unglaublich. Jetzt freuen wir uns auf zuhause, um das mit den Fans zu geniessen.»

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Ivan Rakitic nimmt bei SRF Stellung zur Finalniederlage. bild: screenshot srf

«Nationalheld hin oder her – am liebsten hätte ich den Pokal mit nach Hause genommen. Es braucht ein bisschen Zeit, bis wir das verarbeitet haben. Ich bin unheimlich stolz auf die Mannschaft. Wir haben es geschafft, dass die ganze Welt ausser Frankreich heute für uns war. Ich glaube, es war kein Zufall, dass es zum Schluss zu regnen begann. Sogar der Himmel war traurig.»

«Ich hoffe, dass wir irgendwann noch einmal die Chance bekommen, diesen Pokal zu holen. Momentan bin ich ziemlich kaputt. Ab Dienstag sind Ferien angesagt, mit meiner Frau und den Kindern. Ich gratuliere auch der Schweizer Nati zu ihrem Turnier und danke alles Fans in der Schweiz, die uns unterstützt haben. Es war ein wunderschöner Monat.»

Der phantastischen Karriere, die im Alter von vier Jahren in Möhlin im Kanton Aargau begann, beim FC Basel unter Christian Gross lanciert wurde und Rakitic über Schalke und den FC Sevilla zum Weltklub FC Barcelona führte, blieb in Moskau die Krönung verwehrt. «Im Moment bin ich sehr traurig und sehr enttäuscht», sagte der 30-jährige Mittelfeldspieler nach seinem 99. Länderspiel.

Vielleicht dachte Rakitic in diesem Moment zurück an die 79. Minute. Sein Schuss flog knapp am Tor von Hugo Lloris vorbei. Es war die letzte Chance der kroatischen Stehaufmännchen, vielleicht nochmals einen Weg zurück zu finden in diesen Final. Doch es blieb beim 4:2 für die Franzosen. Den letzten Schritt zum Titel schaffte Rakitic nicht mehr. Er musste im Final den französischen Superstars Antoine Griezmann, Kylian Mbappé und Paul Pogba den Vortritt lassen. Und seinem Teamkollegen beim FC Barcelona, Samuel Umtiti. Mit zusammengepressten Lippen sagte er später, Kroatien sei im Final «die klar bessere Mannschaft» gewesen.

Aber Rakitic ist gleichwohl so etwas wie eine Symbolfigur für diese WM in Russland, diesem bunten Turnier der vielen Ethnien, Religionen, Sprachen und Herkünfte. In einer Zeit, in welcher in der Schweiz über Doppelbürger debattiert und in der Welt des Fussballs (und nicht nur hier) über Globalisierung diskutiert wird. Verwurzelt in Kroatien, der Heimat seiner Eltern, aufgewachsen und sozialisiert in der Schweiz im Kanton Aargau, ausgestattet mit dem schweizerischen und kroatischen Reisepass, verheiratet mit einer Andalusierin und wohnhaft mit Familie und Kindern in Katalonien. Rakitic verkörpert die moderne Gesellschaft.

Am Montag werden Rakitic und seine Kollegen in Zagreb wie Helden empfangen. Wie sehr die Menschen im kleinen Land an der Adria mit seinen vier Millionen Einwohnern wegen des Fussball-Nationalteams mit Stolz erfüllt sind, demonstrierte im Luschniki-Stadion die Höchste des Landes, Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic. Im Fussball-Dress gekleidet nahm sie bei der Übergabe der Silbermedaille jeden einzelnen kroatischen Spieler liebevoll in den Arm. Tränen hatte sie dabei in den Augen, aber auch einen Glanz und ein Strahlen, die Freude und Stolz ausdrückten.

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Die Highlights des WM-Finals zwischen Frankreich und Kroatien. Video: streamable

Bald wird auch bei Rakitic der leere Blick Platz machen für ein Strahlen. In seinem Palmarès wird die WM-Silbermedaille irgendwann so golden glänzen wie der silbrige Champions-League-Pokal, den er 2015 mit Barcelona gewann. Vorerst aber kämpfte Rakitic noch mit der Enttäuschung des verlorenen WM-Finals. Etwas mehr als eine Stunde nach dem Schlusspfiff sagte er mit dünner und leiser Stimme gegenüber dem Schweizer Fernsehen SRF: «Sogar der Himmel über Moskau hat mit uns geweint.»

Die restlichen Stimmen der Kroaten

Zlatko Dalic (Trainer):

«Ich habe den Spielern gesagt: Ihr könnt erhobenen Hauptes gehen, ihr könnt stolz sein. Hätte uns einer vor dem Turnier gesagt, dass wir Zweiter werden, hätten wir das wunderbar gefunden. Ich danke allen meinen Spielern. Wenn ich zurückblicke, erfüllt es mich mit Stolz. Ich kommentiere nie Schiedsrichter-Entscheide. In einem WM-Final gibst du so einen Penalty aber nicht. Es schmälert jedoch in keiner Weise den Sieg der Franzosen. Und der Schiedsrichter hat nur entschieden, wie er es gesehen hat.»

Davor Suker (Verbandspräsident):

«Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft. Ich habe viele Nachrichten bekommen, dass die Leute Kroatien bewundern. Wir haben drei Spiele mit Verlängerung gespielt, das ist in Wirklichkeit ein Spiel mehr. Trotzdem kann niemand sagen, dass die Spieler nicht ihr Leben gegeben hätten auf dem Platz. Ich möchte jetzt erst einmal eine Woche an die Adria ans Meer fahren und mich ausruhen. Ich bin tot – innen und aussen.»

Die Stimmen der Franzosen

Didier Deschamps (Trainer):

«Zu schön, zu wunderbar, für die Spieler – eine junge Generation. Mit 19 Jahren Weltmeister zu werden, das hat es vor langer Zeit schon mal gegeben. Riesig war das Spiel zwar nicht, aber wir haben viel Qualität an den Tag gelegt. Ich bin super glücklich für mein Team, für meine Jungs. Es war ein langer Weg und es war nicht immer einfach, aber dank harter Arbeit und weil die Spieler zugehört haben, haben wir schwierige Momente hinter uns gebracht und jetzt sind sie auf dem Dach der Welt vier Jahre lang.»

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bild: screenshot srf

Antoine Griezmann (Torschütze):

«Ich habe noch keine Ahnung, weiss überhaupt nicht wo ich bin, aber ich bin überglücklich. Es war ein schwieriges Spiel, Kroatien hat sehr gut gespielt und war ein starker Gegner. Das Herz ist glücklich, wir haben es geschafft und bringen den Pokal nach Frankreich.»

Kylian Mbappé (Torschütze):

«Ich bin so glücklich. Unsere Ambition war es, zu gewinnen. Der Weg zum Titel war weit, aber wir sind sehr stolz darauf, dass wir die Franzosen glücklich machen konnten, damit sie ihre Alltags-Sorgen vergessen können. Jetzt feiern wir, und wir werden den ganzen Sommer feiern. Es gibt eine Zeit für alles - in ein paar Wochen werden wir dann wieder mit der Arbeit beginnen können.»

France's Antoine Griezmann, points to two stars on his jersey indicating two world cup wins, as he celebrates with Paul Pogba and Kylian Mbappe after the final match between France and Croatia at the 2018 soccer World Cup in the Luzhniki Stadium in Moscow, Russia, Sunday, July 15, 2018. France won the final 4-2. (AP Photo/Matthias Schrader)

Der zweite Stern für Frankreich. Bild: AP/AP

Olivier Giroud (Chancentod):;

«In der Kabine feiern wir gerade mit den Präsidenten Macron und Putin und ich wurde auserwählt, mit der Presse zu reden. Eigentlich will ich so schnell wie möglich zu meinen Teamkollegen zurück. Ich war die letzten zehn Minuten auf der Bank und als der Abpfiff kam, sind alle Dämme gebrochen. Ich bin einfach gerannt und habe geweint. Ich werde sicher meine Wette einlösen und mir den Kopf rasieren lassen. Aber bitte erst nach der Taufe meines dritten Kindes.»

Benjamin Pavard (Verteidiger):

«Lilian Thuram war immer mein Idol und jetzt bin ich wie er Weltmeister. Ich bin aus dem Nichts gekommen, vor zwei Jahren stand ich noch mit meinen Kumpels während der EM in der Fanzone und bin nun Weltmeister, mit nur 22 Jahren. Ich kann es kaum erwarten, nach Hause zu kommen und mit den Franzosen zu feiern.»

(pre/sda)

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