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Test-Länderspiel

Schweiz – Japan 2:0 (1:0)

epa06794708 Switzerland's Granit Xhaka (C) talks to Switzerland's head coach Vladimir Petkovic (R) during the international friendly soccer match between Switzerland and Japan at the Cornaredo stadium in Lugano, Switzerland, 08 June 2018.  EPA/PETER KLAUNZER

Der Chef ist zurück, doch Granit Xhaka ist noch nicht mit allem zufrieden. Bild: EPA/KEYSTONE

Nati gewinnt letzten WM-Test: «Fahren mit grossem Selbstvertrauen nach Russland»

Das Schweizer Nationalteam reist am Montag mit einem Sieg im Gepäck nach Russland. Das Team von Trainer Vladimir Petkovic gewinnt das letzte WM-Vorbereitungsspiel in Lugano gegen Japan mit 2:0.



» Hier gibt's den Liveticker der Partie zum Nachlesen.

1:1 in Spanien, 2:0 gegen Japan. Der WM-Fahrplan der Schweizer stimmt knapp eine Woche vor dem Startspiel in Rostow gegen Brasilien, auch wenn spielerisch noch nicht alles golden ist, was vom Resultat her glänzt. Das Führungstor durch Ricardo Rodriguez (42.) fiel mittels Foulpenalty, nachdem der Schiedsrichter nach einem Stolperer von Breel Embolo grosszügig auf Penalty entschieden hatte.

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Der Penalty zum 1:0 von Rodriguez. Video: streamable

Den Sieg sicherte schliesslich Haris Seferovic nach einer Vorlage per Kopf vom ebenfalls spät eingetretenen François Moubandje (82.). Für den Stürmer von Benfica Lissabon war es das erste Tor in der Nationalmannschaft seit über neun Monaten. Diesen Treffer hatte Xherdan Shaqiri vorbereitet, der nicht nur in dieser Aktion herausstach. Er war gerade nach der Pause der auffälligste Schweizer.

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Seferovic erhöht nach herrlicher Kombination auf 2:0 für die Schweiz. Video: streamable

Dass diesmal ein Offensivspieler das grösste Lob abholen konnte, erstaunte nicht. War in Spanien am vergangenen Sonntag vor allem die Abwehr gefordert, befand sich gegen Japan das Schwergewicht im Schweizer Team vermehrt in der gegnerischen Platzhälfte.

Um in dieser Zone für Dynamik zu sorgen, nahm Nationalcoach Vladimir Petkovic hier drei Wechsel vor und brachte Breel Embolo auf dem linken Flügel, Remo Freuler zentral hinter der einzigen Spitze, die dieses Mal Mario Gavranovic war. Für das Trio sassen Steven Zuber, Blerim Dzemaili und Haris Seferovic zunächst auf der Ersatzbank. Das sind allesamt Spieler, die wohl noch am wenigsten eines Stammplatzes sicher sein dürfen.

Die Stimmen:

Vladimir Petkovic:

«Ich habe gesehen, dass alle Spieler sich empfohlen und gute Leistungen gebracht haben und es für den Trainer schwieriger gemacht haben. Wir haben das über die Jahre provoziert, indem wir den Kader erweitert und viele Junge geholt haben. Ich bin zufrieden nach diesen zwei Wochen voller Reisen und Training, die Mannschaft ist positiv geblieben, auch nach dem 2:0 haben wir versucht, kein Tor zu bekommen und sogar selbst noch eins zu machen.»

Stephan Lichtsteiner:

«Wichtig war für uns dieses Spiel zu gewinnen. Wir haben einen relativ guten Match gezeigt, aber in gewissen Situationen fehlte uns die Kraft und die Spritzigkeit. Die Mannschaft ist müde nach zwölf Tagen harter Arbeit. Am Schluss konnten wir die Bälle nicht mehr halten und kamen nicht mehr aus dem Pressing heraus. Aber jetzt haben wir zwei Tage frei, dann greifen wir an der WM an.»

«Wenn wir Brasilien so viel Platz geben, dann wird es extrem schwer. In der letzten Viertelstunde liefen die Japaner mit zwei, drei Mann auf unsere Abwehr zu. Wir müssen schauen, dass wir die Bälle besser laufen lassen und nicht gleich den Weg aufs Tor suchen.​

Granit Xhaka:

«Meinem Knie geht es gut, ich bin fit und habe keine Schmerzen. Das war ein gutes Testspiel, Japan hat uns das Leben extrem schwer gemacht. Am Schluss wurden wir vielleicht etwas müde, aber am Ende sind wir froh, haben wir dieses Spiel gewonnen und mit einem grossen Selbstvertrauen nach Russland reisen können.»

«Der Auftritt gegen Japan war souverän, weil wir hinten nicht viel zugelassen haben. Aber gegen Brasilien werden wir natürlich ganz anders auftreten müssen. Ricardo Rodriguez, Fabian Schär und ich haben versucht, viele lange Bälle und Seitenwechsel zu spielen. Denn Brasilien wird hoch angreifen und einseitig verschieben. Dann kann man mit einer Spielverlagerung für Überraschung sorgen.»

Mario Gavranovic:

«Ich bin schon zufrieden mit meiner Leistung, aber es kann immer besser sein. Ich hätte gerne ein Tor geschossen. Ich hatte meine Chancen, vielleicht hätte ich etwas mehr Glück gebraucht. Ob Haris oder ich an der WM spielen, kann ich nicht beeinflussen. Darüber mache ich mir darum auch keine Gedanken.»

Haris Seferovic:

«Wenn ich reinkomme, gebe ich immer das Beste und heute habe ich das Tor gemacht. 2:0 gewonnen, das ist sicher positiv. Wir nehmen mit, dass wir immer an uns arbeiten müssen, und natürlich Selbstvertrauen. Zur Stürmerfrage: Wir haben sicher viele gute Stürmer hier. Ich habe hier einfach das Selbstvertrauen, das ich im Klub nicht habe und fühle mich einfach besser. Deshalb hat es heute gepasst. »

Durcheinander gewirbelt wurden die Hierarchien allerdings auch auf diesen Positionen nicht. Dafür war der Auftritt der SFV-Auswahl dann doch zu wenig brillant. Wohl waren die Schweizer meist tonangebend, doch so richtig gefährlich waren sie lange Zeit nicht. Einen ersten guten Abschluss gab es durch Gavranovics Kopfball nach 26 Minuten, nach einer halben Stunde erst kamen die Schweizer zum ersten Corner.

Die Rekordspieler der Schweizer Nati

Bei allgemein gemächlichem Rhythmus gingen den Bemühungen die Überraschungsmomente ab oder auf geschickte Seitenwechsel folgten unpräzise Flanken in den Strafraum. Die beste Phase hatten die Schweizer in der jeweils letzten Viertelstunde der beiden Halbzeiten. Da fielen die Tore, da gab es auch einen Kopfball von Embolo an den Pfosten (37.) und einen gerissenen Heber von Shaqiri aus 35 Metern, der knapp über das Tor flog (75.).

Am Ende stellte sich dann weniger die Frage nach Freuler oder Dzemaili und nach Gavranovic oder Seferovic als vielmehr nach dem idealen System für diese Auswahl. Die mangelnde Präsenz im gegnerischen Strafraum würde nach einer Aufstellung mit zwei Stürmer verlangen, zumal eine klare Nummer zehn im Team fehlt. Weder Dzemaili noch Freuler spielen im Klub auf dieser Position. Auch Xherdan Shaqiri und Breel Embolo nicht. Dennoch: Es ist nicht anzunehmen, dass Petkovic nach zwei Jahren mit sehr guten Resultaten im 4-2-3-1-System kurz vor der WM über Änderungen im grösseren Stil nachdenkt.

Alles in allem aber waren die Japaner zu schwach, um die Schweizer in Verlegenheit zu bringen. Das alleine ist eine gute Erkenntnis, auch wenn die Asiaten, ähnlich wie die Schweizer, auf drei oder vier Stammspieler verzichteten. Denn die Japaner waren nicht bloss als Sparringpartner in die Schweiz gereist. Auch sie nehmen an der WM in Russland teil und – begleitet von einem Medientross von über 150 Journalisten – waren nicht gewillt, im vierten Testspiel des Jahres die dritte Niederlage zu kassieren.

epa06794592 Switzerland's Valon Behrami (L) in action against Japan’s Keisuke Honda during the international friendly soccer match between Switzerland and Japan at the Cornaredo stadium in Lugano, Switzerland, 08 June 2018.  EPA/SAMUEL GOLAY

Behrami gibt wie immer vollen Einsatz. Bild: EPA/KEYSTONE

So bestätigten die Schweizer ihre Stärken auch in diesem Spiel. Die Mannschaft steht in der Rückwärtsbewegung tadellos und ist jederzeit hervorragend organisiert. Daran änderte sich beispielsweise auch nichts, als nach der Pause Nico Elvedi in der Innenverteidigung den Platz von Manuel Akanji übernahm oder links Moubandje für Rodriguez verteidigte.

Das vielleicht beste am Abend, neben dem positiven Resultat natürlich, war für Petkovic wohl das Comeback von Spielgestalter Granit Xhaka, der über die gesamten 90 Minuten ohne Probleme im Einsatz war. Mit dosiertem Risiko in den Zweikämpfen zwar, aber nun spricht wirklich nichts mehr dagegen, dass Xhaka in acht Tagen gegen Brasilien in WM-Verfassung sein wird. Wie hatte Petkovic am Tag vor dem Spiel gegen Japan gesagt: «Wichtig ist, dass sich keiner verletzt.» Diese Mission wurde erfüllt.

Das Telegramm:

Schweiz – Japan 2:0 (1:0)
Cornaredo, Lugano. - 7010 Zuschauer (ausverkauft). - SR Delerue (FRA).
Tore: 42. Rodriguez (Foulpenalty/Foul an Embolo) 1:0. 82. Seferovic (Moubandje) 2:0.
Schweiz: Bürki; Lichtsteiner, Schär, Akanji (46. Elvedi), Rodriguez (73. Moubandje); Behrami, Xhaka; Shaqiri (83. Drmic), Freuler (64. Dzemaili), Embolo (64. Zuber); Gavranovic (64. Seferovic).
Japan: Kawashima; Gotoku Sakai (56. Hiroki Sakai), Yoshida, Makino, Nagatomo; Hasebe; Haraguchi, Honda (76. Kagawa), Oshima (70. Shibasaki), Usami (55. Inui); Osako (40. Muto).
Bemerkungen: Schweiz komplett. 37. Kopfball von Embolo an den Pfosten. Verwarnungen: 14. Behrami (Foul). 74. Shibasaki (Foul). 78. Hasebe (Foul). (pre/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Walser 10.06.2018 11:49
    Highlight Highlight Wir müssen zufrieden sein dass wir überhaupt in Russland sind. Mit Glück und top Leistungen gehts vielleicht in die nächste Runde. „Hop Schwiz“
  • Joe Smith 08.06.2018 23:37
    Highlight Highlight Ein «Stolperer» von Breel Embolo? Eine himmeltraurige Schwalbe gefolgt von einem sterbenden Schwan! Aber das darf man ja nicht laut sagen, ist doch unser aller Embolo …
  • Hans Franz 08.06.2018 23:25
    Highlight Highlight wo war der Videobeweis? wenn schon für die WM getestet wird dann richtig
  • Theodorli 08.06.2018 22:02
    Highlight Highlight Hatte eher Grümpelturnier-Niveau !!!
    Japaner spielten "teilweise" besser,Passmässig.
    Embolo,Schwalbe !!
    Xherdan Shaqiri gut gearbeitet !!!
    ohne Ihn kein Tor .
    • ldk 08.06.2018 23:03
      Highlight Highlight Ok!
    • leu84 09.06.2018 00:06
      Highlight Highlight Japan ist keine schlechte Mannschaft und man überschätzt sie schnell. Sie haben eine andere Mentalität beim Fussball

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