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07.03.2016; St.Gallen; Fussball Super League - FC St.Gallen - Grasshopper Club Zuerich; Danijel Aleksic und Albert Bunjaku (St.Gallen) bejubeln das Tor zu 2:0
(Steffen Schmidt/freshfocus)

Danijel Aleksic lässt momentan seine Muskeln spielen.
Bild: Steffen Schmidt/freshfocus

Einst wollten Real und Co. das Wunderkind. Jetzt startet Aleksic bei St.Gallen endlich durch

Als «Perspektivspieler» verpflichtete St.Gallen vor einem Jahr das tiefgefallene einstige Wunderkind Danijel Aleksic. Nach einer passablen Vorrunde startet der Serbe jetzt durch: In vier Spielen der Rückrunde traf er fünfmal. Endlich scheint die Karriere doch noch lanciert zu werden.



«Er ist ein Perspektivspieler», erklärte Jeff Saibene, der damalige Trainer bei St.Gallen, bei der Verpflichtung von Danijel Aleksic im Februar 2015. Schon wieder so ein «Perspektivspieler» bei den Ostschweizern. Selten haben sie eingeschlagen. Das «St.Galler Tagblatt» titelte fast ernüchtert: «Noch ein Stürmer.»

Vier hatte man damals schon bei den Espen. Und jetzt kam noch dieser 23-jährige Serbe, der kurz zuvor seinen Vertrag bei Lechia Gdansk aufgelöst hatte. Er sei nicht glücklich gewesen in Polen, meinte der Offensivakteur. Immerhin war Aleksic ablösefrei. «Er ist ein Spieler mit Perspektive, der viel Potenzial hat. Wir geben ihm Zeit für seine Entwicklung. Vielleicht kann man etwas aufbauen – wie vor einigen Jahren bei Dejan Janjatovic», verteidigte Saibene.

Ein Jahr später ist alles anders. 2016 ist er der Überflieger. Fünf Tore in vier Spielen, dazu ein Assist. Kein Kicker der Super League traf in der Rückrunde öfter (Hoarau ebenfalls fünf). Gestern war Aleksic neben Goalie Daniel Lopar einer der grossen Aktivposten und der Torschütze zum entscheidenden 2:0. Seine Quote in der Rückrunde: Alle 69 Minuten kachelt's. Dabei agiert er selten wirklich in der Spitze, als vielmehr im offensiven Mittelfeld.

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Aleksic mit seinem bisher letzten Tor in der Super League.
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Dabei tat sich der Techniker vor einem Jahr noch schwer. Oder eben: Er war halt ein Perspektivspieler. Bis Mitte Mai stand er nur 18 Minuten auf dem Platz. In den letzten drei Meisterschaftsspielen wurde er dann länger eingesetzt. Zum Abschluss erzielte Aleksic ein Traumtor gegen Basel. Von den SRF-Zuschauern wurde der Treffer zum schönsten der Saison gewählt. «Ronaldo-mässig» habe er den Ball getreten:

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Aleksics Traumtor gegen Basel.
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Auch gejubelt hatte er, wie dies Ronaldo ebenfalls könnte: Er formte mit seinen Händen Muscheln und legte sie an die Ohren. Einige verstanden die Botschaft als Affront gegen die Basler. Aleksic aber erklärte später, die Geste galt jenen, die ihn längst abgeschrieben hatten.

Zu denen gehörten viele. Als Wunderkind wurde der Serbe gepriesen, lief für diverse U-Nationalmannschaften auf. Mit 17 Jahren wurde Aleksic der jüngste Nationalspieler Serbiens. Die 45 Minuten im Testspiel gegen Polen sind bis heute seine letzten geblieben. Danach jagte den Mittelfeldmann mit dem guten Freistoss, der stupenden Technik und den flinken Körpertäuschungen halb Europa

Startet Danijel Aleksic jetzt richtig durch?

Denn noch immer spielte er bei seinem Jugendverein Vojvodina in der Heimat. Gegen Wechsel zu Roter Stern oder Partizan Belgrad wehrte sich der Verein. Manchester City soll bereit gewesen sein, neun Millionen Franken zu bezahlen. Mit Real Madrid habe man sich schon geeinigt gehabt: Sieben Millionen betrug das Angebot. Doch Aleksic wollte nicht in den Nachwuchs wechseln. Auch Arsenal, Manchester United und Ajax hätten das Wunderkind gerne zu sich gelotst. Kaum ein Jungstar war im Sommer 2009 so begehrt.

22.11.2015; St.Gallen; Fussball Super League - FC St.Gallen - FC Basel; Danijel Aleksic (St.Gallen) gegen Mohamed Elneny (Basel)
(Steffen Schmidt/freshfocus)

Der Ball klebt am Fuss: Danijel Aleksic streichelt den Ball.
Bild: Steffen Schmidt/freshfocus

Der serbische Stürmerstar Marko Pantelic posaunte damals: «Aleksic ist ein Riesentalent. Bleibt er verletzungsfrei, wird er ein ganz Grosser.» Verletzungsfrei blieb er, doch ein ganz Grosser ist er nicht geworden. Oder sicher noch nicht. Denn Aleksic unterschrieb bei Genua. Gut drei Millionen habe er gekostet. Heute sagt er, sie hätten ihn einfach verkauft, er habe sich mit 18 Jahren nicht wehren können.

Rückblickend war der Transfer ein «grosser Fehler», wie Aleksic im letzten Jahr dem «St.Galler Tagblatt» sagte. Es begann eine Odyssee durch Europa. Von Genua wurde der Linksfuss an Greuther Fürth ausgeliehen. Ein Verkauf scheiterte an den zu hohen Forderungen der Italiener. Es ging weiter über St-Etienne nach Arles-Avignon und schliesslich nach Polen zu Lechia Gdansk. 33 Einsätze absolvierte der einst hochgejubelte junge Fussballer dabei nur. In den viereinhalb Jahren bis zum Wechsel zu St.Gallen waren es lediglich deren 17.

Bei St.Gallen steht der Serbe seit letztem Sommer bei 20 Partien. Zum Saisonauftakt gegen Lugano schlug er während seinem 24-minütigen Joker-Einsatz ein wie eine Bombe. Dank seinen beiden Treffern zum 2:0 rückte er nach dem Traumtor gegen Basel zum zweiten Mal in den öffentlichen Fokus.

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Die beiden Tore von Danijel Aleksic zum Saisonauftakt gegen Lugano.
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Früher wäre er wohl abgehoben nach so einem Auftritt. Doch jetzt sei «in seinem Kopf etwas passiert». Bei Genua hiess es immer «domani, domani». Das sei in St.Gallen anders: «Hier versucht man, mir zu helfen. Ich erhalte das Gefühl, wichtig zu sein.» In den folgenden Monaten erkämpfte sich Aleksic einen Platz in der Startelf, traf aber nur noch zwei weitere Male.

Seit der Rückrunde scheint der Knoten definitiv geplatzt zu sein. Fünf Tore, darunter ein so wunderschöner Freistoss wie das 3:3 gegen Lugano:

Nach dem Auftritt gestern twitterte ein serbischer Fussball-Blog: «Aleksic scheint die Aufmerksamkeit von Curcic auf sich ziehen zu wollen.» Radovan Curcic heisst der aktuelle Nationaltrainer Serbiens. Doch der Spieler erklärte kürzlich, er konzentriere sich auf St.Gallen, alles andere ergebe sich schon, wenn die Zeit reif sei. Sein Vertrag bei den Ostschweizern läuft noch bis 2018. Eigentlich ist Aleksic noch immer ein «Perspektivspieler». Nur verschieben sich die Perspektiven für den 24-Jährigen anscheinend gerade etwas. 

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