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epa07234180 Dortmund's head coach Lucien Favre (R) celebrates during the German Bundesliga soccer match between Borussia Dortmund and SV Werder Bremen in Dortmund, Germany, 15 December 2018.  EPA/FRIEDEMANN VOGEL CONDITIONS - ATTENTION:  The DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video.

Das Bild der Bundesligahinrunde: ein jubelnder Lucien Favre. Bild: EPA/EPA

Lucien Favre zeigt bei Dortmund, dass er zu den besten Trainern der Welt gehört

Im Stile eines Magiers. Lucien Favre hat bei Borussia Dortmund im Rekordtempo talentierte Puzzleteilchen zu einer Einheit zusammengefügt.

markus brütsch / Aargauer Zeitung



Lucien Favre sieht etwas bleich und abgekämpft aus. Eben noch ist er sich mit seinem Staff in den Armen gelegen und hat den 2:1-Sieg über Borussia Mönchengladbach gefeiert. Jetzt wartet noch die allerletzte Pressekonferenz des Jahres, bevor über Weihnachten endlich ein paar Tage der Ruhe in der Schweizer Heimat anstehen. Vielleicht wird Favre erst dann so richtig bewusst, was sich in seinem ersten halben Jahr als Trainer von Borussia Dortmund alles ereignet hat.

Dass seine Mannschaft als Leader sechs Punkte Vorsprung auf Bayern München hat. Sie mit 42 Punkten die zweitbeste Vorrunde in der Klubgeschichte gespielt hat. Sie mit 44 Toren die meisten Treffer der Liga erzielt hat. Sie keines der 13 Pflichtheimspiele verloren hat. Sie in der Champions League Gruppensieger geworden ist und im Achtelfinal gegen Tottenham antreten wird. Und auch im DFB-Pokal noch dabei ist und Bremen empfängt.

Nach dem Spiel gegen Mönchengladbach wird Favre gefragt, was seine Mannschaft in der Rückrunde noch besser machen könne. Seine Antwort: «Ich geniesse den Sieg. Ich mache mir jetzt noch keine Gedanken darüber.» Für einmal hat selbst dieser «Tüpflischisser» keine Lust auf eine Mängelliste.

Wobei dies am Ende einer solch berauschenden und vielversprechenden Halbserie ja auch seltsam herübergekommen wäre. Denn die Herbstmeisterschaften des BVB in den Jahren 1994, 1995 und 2010 waren allesamt Ouvertüren zu Titelgewinnen gewesen. In 38 von 55 Fällen wurde in der Bundesliga der Erste nach der Vorrunde Meister.

«Favre versucht, Dinge zu verbessern, an welche die Spieler noch gar nicht gedacht haben.»

Michael Zorc, Sportdirektor BVB

Die Wahrscheinlichkeit, dass Favre wie seine Landsleute Roman Bürki, Marwin Hitz und Manuel Akanji am Ende die Schale in den Händen halten wird, beträgt 69 Prozent. «Er versucht, Dinge zu verbessern, an welche die Spieler noch gar nicht gedacht haben», sagt Sportdirektor Michael Zorc.

Was Favre seit Sommer und nach einem radikalen Dortmunder Neustart geschafft hat, verdient Respekt. Gewiss, er trainiert das beste Kader seiner Trainerkarriere. Wie schnell er aber die einzelnen Puzzleteilchen zu einer geschlossenen Einheit zusammengefügt hat, die erst kurz vor Weihnachten das erste Bundesligaspiel verlor, ist gleichwohl beeindruckend. Selbst wenn in den ersten Wochen das Glück ein treuer Begleiter war. Genau daran hat nach dem letzten Spiel am Freitag Marco Reus erinnert. «Vielleicht wäre ohne diesen Dusel alles etwas anders gekommen», gab sich der Captain demütig.

Dortmund's Marco Reus, right, celebrates after he scored his side's second goal after an assist by Dortmund's Mario Goetze, left, during the German Bundesliga soccer match between Borussia Dortmund and Borussia Moenchengladbach in Dortmund, Germany, Friday, Dec. 21, 2018. (AP Photo/Martin Meissner)

Unter Favre wieder aufgeblüht: Mario Götze und Marco Reus. Bild: AP/AP

Apropos Reus: Der 29-Jährige ist unter Favre mit elf Toren und acht Assists zu einer Hochform aufgelaufen. Und seit Gladbacher Zeiten des Trainers Vertrauensmann. Der Prototyp auch von Favres Tempofussball. Endlich ist der sonst so verletzungsanfällige Nationalspieler einmal gesund geblieben und hat in 25 Pflichtspielen nur einmal gefehlt.

Auch andere Profis sind unter Favre aufgeblüht. Der Spanier Paco Alcacer, beim FC Barcelona auf der Ersatzbank versauert, führt die Torjägerliste mit 12 Toren an; keiner hat mehr Assists (9) als das 19-jährige Flügeltalent Jadon Sancho aus England. Favre hat auch dafür gesorgt, dass der Belgier Axel Witsel nach anderthalb Jahren in China ohne Verzögerung erstmals in einer Topliga seine Klasse als Regisseur zeigen kann.

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Highlights von Paco Alcacer im schwarz-gelben Dress. Video: YouTube/Nzey Football Highlights

Hoch anzurechnen ist dem Trainer ebenso, dass er Megatalenten wie Dan-Axel Zagadou (19), Achraf Hakimi (20), Jacob Bruun Larsen (20), Christian Pulisic (20) und Sancho das Vertrauen geschenkt hat. Und dann gibt es noch Mario Götze. Seit seinem entscheidenden WM-Tor 2014 in einem Formtief steckend, hat ihn Favre sorgsam aufgepäppelt. Am Freitag war Götze mit seinen zwei Assists eine entscheidende Figur.

Viel Zeit zum Durchatmen hat Favre jedoch nicht. In zehn Tagen beginnt die Vorbereitung auf die Rückrunde. Im Trainingslager in Südspanien wird ihm vielleicht die Sonne etwas Farbe ins Gesicht zaubern. Mitte Mai werden wir dann wissen, ob der 61-Jährige nach Ottmar Hitzfeld, Matthias Sammer und Jürgen Klopp der vierte BVB-Meistertrainer in der Bundesliga ist.

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • davej 24.12.2018 23:48
    Highlight Highlight Ja zu den besten. Dazu gehören Trainer, die die Champions League mehrmals gewannen. Dazu noch Europa League. Oder alle Titel in England, Spanien oder Italien. Aber der Favre gewinnt mit dem FCZ die Meisterschaft. Respekt. Egal Wenger war 15 Jahre ohne Titel und auch Klopp verliert gerne die entscheidende Spiele. Schön das auch Trainer die nichts gewinnen, zu den "besten" gehören
  • Nelson Muntz 24.12.2018 10:33
    Highlight Highlight Wäre Favre Deutscher, Italo, Franzose oder Spanier, würde sein Name jeweils ganz heiss gehandelt werden, wenn Real, Barça, Juve, Man Utd, Chelsea, Arsenal, Bayern oder PSG einen neuen Trainer suchen.

    So langts halt „nur“ für Glattbach, Nizza und den BVB.
    • Clank 24.12.2018 14:03
      Highlight Highlight Also Favre wurde oft mit Bayern in Verbindung gebracht. Trainierst du einmal. so eine grosse Mannschaft einigermasse erfolgreich, wirst du bei allen "grossen" Clubs gehandlet.
      Aber BVB ist ja auch gross als Sprungbrett (siehe Klopp, Tuchel).
      Ich glaube aber, Favre hat selber wenig Interesse diese Topclubs zu übernehmen, voller Topstars, wo er als Trainer, nicht wirklich das Sagen hat.
    • Amboss 24.12.2018 14:21
      Highlight Highlight Nun, die Bayern Bosse haben ja mehr als nur einmal davon geredet, dass Favre ihr neuer Trainer sein solle.
      Insofern ist deine Aussage, nur weil er ein kleiner Chue-Schwizer ist, sei er nicht Trainer bei einem Topclubs, schon Mal obsolet.
      Zudem: Just in dem Sommer, als die Bayern einen neuen Trainer brauchten, hat Favre zum BVB gewechselt...
      Könnte es echt sein, dass Favre gar nicht Bayern-Trainer werden WOLLTE?
      Ganz einfach wegen der besseren Perspektiven: jüngeres Team, mehr Euphorie, mehr Geld zur Verfügung, realistische Erwartungen, mehr Gestaltungsraum...
    • Nelson Muntz 24.12.2018 15:38
      Highlight Highlight Favre war(wäre) bei Bayern ein Thema weil sein alter Zimmerpartner Kalle dort ist.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Bobby Sixkiller 24.12.2018 09:36
    Highlight Highlight Es war mit Favre in Berlin, Gladbach und Nizza genau gleich: In der ersten Saison war er sehr erfolgreich, war nahe an der Meisterschaft dran aber verpasste sie knapp. Ab Jahr Zwei gings dann jeweils stetig bergab. Ich hoffe sehr, dass sich das beim BVB anders abspielen wird und er den Titel holt!
    • Imfall 24.12.2018 09:50
      Highlight Highlight das hing fast immer mit einem ausverkauf und budgetkürzung zusammen...
    • Raembe 24.12.2018 09:57
      Highlight Highlight Bei Gladbach war er mehrere Saisons top, obwohl wichtoge Leistungsträger gingen. Bei Nizza wurden fast alle seine Leistungsträger verkauft, darum gings bergab.
  • Zwaeg 24.12.2018 09:20
    Highlight Highlight Grosse Trainer holen auch Titel und da sieht es bei Favre ausserhalb der Schweiz nach wie vor rar aus. Zu oft sind seine Mannschaften (Berlin, Gladbach, Nizza) gegen Ende einer Saison eingebrochen. Bin gespannt wie es diese Saison mit Dortmund wird. Alein vom Renommee und den Ansprüchen des Vereins sollten die Spieler in meinen Augen, und das sicher auch im vergleich zu den vorherigen Trainerstationen, jedoch weniger „Angst“ vor dem Titel haben.
    • Jol Bear 24.12.2018 10:34
      Highlight Highlight Berlin, Gladbach und Nizza waren ja jeweils alles andere als Titelkandidaten. Favres Leistung bestand darin, mit diesen Teams weit mehr erreicht zu haben, als man erwarten konnte, das hätte auch Pep nicht besser machen können. Nun hat er einen hochkarätigeren Kader und ebenfalls in kurzer Zeit überrascht. BVB erster oder zweiter hinter Bayern ist jetzt eine realistische Erwartung, wahrscheinlich auch Favres eigener Anspruch.
    • MacB 24.12.2018 18:53
      Highlight Highlight Das waren auch stets teams aus der dritten (nicht mal der zweiten) Reihe... Unvergleichbar.
  • Laeddis 24.12.2018 08:27
    Highlight Highlight Bin ein grosser BVB-Fan seit 1996. Ich wünsche es Favre und co. sehr, dass sie Meister werden. Jedoch wird in der Rückrunde Phasen geben wo es nicht mehr läuft. Genau dann sollte man die Ruhe bewahren...Es sind noch erneut 17 Spiele und 6 Punkte Rückstand sind für die Bayern nicht viel.

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