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Murat Yakin bleibt Nationaltrainer – das schreibt die Schweizer Presse

Switzerland's head coach Murat Yakin blows his whistle during a training session one day before the UEFA Euro 2024 qualifying group I soccer match between Romania and Switzerland at the National  ...
Für Murat Yakin ist der Schlusspfiff noch nicht ertönt.Bild: keystone

«Fauler Kompromiss», «fehlender Mut» – die Schweizer Presse zum Festhalten an Yakin

Murat Yakin bleibt bis zur EM 2024 in Deutschland Trainer der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft. Der Verband hält am Coach, der in den letzten Wochen wegen ausbleibender Siege in starke Kritik geraten war, fest. So wird dieser Entscheid kommentiert.
29.11.2023, 07:2129.11.2023, 14:52
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Blick

«Yakin bleibt – und damit auch die Probleme»

So titelt die Boulevardzeitung gross auf der Frontseite. Mit dem Festhalten des Verbands am Nationaltrainer entstehe der Eindruck, «dass der Verband die Lösungsfindung für die vorhandenen Probleme lediglich in den nächsten Spätsommer verschoben hat.» Für den «Blick» ist klar:

«Die Diskussionen der vergangenen Wochen werden bei der erstbesten Gelegenheit wieder ausbrechen, diejenigen über die Zukunft werden Trainer und Team vor und während des Turniers in Deutschland begleiten.»

Während der Trainer als Sieger hervorgeht, wird als Verlierer des Entscheids Nati-Direktor Pierluigi Tami ausgemacht, der den Coach zuletzt öffentlich in Frage gestellt hatte:

«Tamis Position ist geschwächt. Sollte das EM-Abenteuer in die Hose gehen, dürfte im Sommer nicht nur die Ära Yakin, sondern auch die von Tami im SFV zu Ende gehen.»
Pierluigi Tami, Director of Swiss Football Federation SFV, looks on prior to the UEFA Euro 2024 qualifying group I soccer match between Romania and Switzerland at the National Arena stadium in Buchare ...
Wie geht es mit ihm weiter? Pierluigi Tami.Bild: keystone

Tages-Anzeiger

«Was für ein fauler Kompromiss!»

... ärgert sich der Kommentator der Tamedia-Zeitungen:

«Yakin darf zumindest an die EM, aber danach ist alles wieder offen, alles wird wieder analysiert und erneut bewertet. So liest sich ein fauler Kompromiss, wie er nicht nur für die nette Schweiz steht, sondern eben auch für zaudernde Fussball-Funktionäre.»

Auch im «Tages-Anzeiger» bekommt Tami, und mit ihm die gesamte Funktionärsriege, das Fett weg:

«Ein halbes Jahr wird damit die Diskussion über die Zukunft des Nationaltrainers in der Luft liegen: die Monate vor der EM und vor allem während der EM. Hauptsache, Tami kann danach wieder analysieren, wie er das den ganzen Herbst über angeblich schon getan hat. Das Prozedere und die Aussagen langweilen nur noch.»

Dabei wäre es Zeit, zu handeln. Seit einem Jahr habe die Nationalmannschaft keine Fortschritte gemacht: «Statt durch diese Qualifikation zu stürmen, begann ihr Motor massiv zu stottern.»

NZZ

Die Verbandsführung wird auch in der Neuen Zürcher Zeitung angezählt:

«Schon im September kam die Frage auf, ob Yakin die Mannschaft verloren habe – was nicht überrascht hätte, weil bereits bei anderen Arbeitgebern früher oder später atmosphärische Störungen aufgetreten waren. Der SFV will sie offenbar aushalten oder moderieren – oder bestenfalls aus der Schweizer Fussballwelt schaffen.»

Wer die Mitteilung des Verbands genau lese, dem falle auf, dass womöglich Yakins Co-Trainer ausgewechselt wird. Ob diese Änderung wegweisend ist für die Kehrtwende zurück zum Erfolg?

«Wer auch immer das Team ergänzt: Die Mission EM 2024 wird auch eine Mission ‹Zusammenraufen›. Yakin und Xhaka sollten nicht an die Endrunde reisen, ohne das eine oder andere klärende Gespräch geführt zu haben, ebenso Yakin und Tami, der seinem Trainer noch letzte Woche nicht mehr üppig viel Vertrauen entgegenzubringen schien.»

Aargauer Zeitung

«Das Ja zu Yakin ist auch ein Nein zu Tami»

Das lesen wir in den Blättern von CH Media. Hier wird das Festhalten an Murat Yakin als richtiger Entscheid bewertet. Denn:

«Yakin hat in dieser EM-Qualifikation nicht nur neue, hoffnungsvolle Spieler wie Zeki Amdouni, Fabian Rieder, Dan Ndoye oder Filip Ugrinic eingebaut. Er hat auch das taktische Repertoire erweitert. Die Nati agiert unter ihm unberechenbarer und flexibler als früher. Und bei allem Ärger über die verpassten Siege dürfen wir nicht ausser Acht lassen: In jedem dieser Spiele war die Schweiz die bessere, dominantere Mannschaft mit mehr Torchancen als der Gegner. Deshalb: Es war nur eine Resultatkrise.»

Und so wird Pierluigi Tami als grösstes Problem eruiert:

«Statt seinem Trainer Rückendeckung zu geben, hat der Nati-Direktor erst nur zugeschaut und später mit zweifelhaften Äusserungen die Yakin-Kritiker weiter mit Nahrung versorgt. Auch hat Tami nie das Bild vom angeblich zerrütteten Verhältnis zwischen Yakin und seinem Captain Granit Xhaka korrigiert. Er hat einfach nur tatenlos zugeschaut, wie diese Geschichte medial eine Eigendynamik angenommen hat, ohne je dazwischen zu gehen. Und zuletzt hat er kaum noch Zweifel daran gelassen, den Trainer auswechseln zu wollen. Kurz: Die Trainerdiskussion ist auch aufgekommen, weil Tami sie zugelassen hat.»

Der Verband betone immer wieder, er wolle die bestmöglichen Voraussetzungen für die EM schaffen. Deshalb, so die Schlussfolgerung, sollte man nun Tami auf den Prüfstand stellen: «Derzeit ist es jedenfalls schwer vorstellbar, dass der Direktor den von ihm gekappten Draht zu seinem Trainer reparieren kann.»

Pierluigi Tami, Direktor der Schweizer Nationalteams, links, und Murat Yakin, Trainer der Schweizer A-Fussballnationalmannschaft, rechts, besuchen das Training der Schweizer U21-Fussballnationalmannsc ...
Wie lange muss Yakin noch auf Tami hören?Bild: keystone

24 Heures

Sarkastisch lobt das Westschweizer Produkt eine bis dato unbekannte Seite des Nationaltrainers:

«Wir wussten es nicht, aber Murat Yakin hätte ein Staranwalt sein können. Ein Mann, der Sie von einer alternativen Realität überzeugen kann, selbst wenn das Offensichtliche sich vor Ihren Augen abspielt. Er brauchte nur ein oder zwei Gespräche, um all das vergessen zu machen, was er in den letzten drei oder vier Monaten nicht erreicht hatte. Stark.»

In der Romandie wird der Verbandsspitze um Präsident Dominique Blanc und Nati-Direktor Tami fehlender Mut vorgeworfen, «die Entscheidung zu treffen, die für das Wohl und die Ruhe des Schweizer Fussballs notwendig gewesen wäre»:

«Sie blieben rational und zogen es vor, den Vertrag zu erfüllen, anstatt die Vernunft siegen zu lassen: Es gibt einen Bruch zwischen der Schweizer Nationalmannschaft und ihrem Publikum, Murat Yakin ist die Ursache dafür, und der SFV kümmert sich nicht darum.»

(ram)

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quelle: keystone / georgios kefalas
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51 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Truth Hurts
29.11.2023 09:42registriert Mai 2016
"Die Nati agiert unter ihm unberechenbarer und flexibler als früher."

Ja, unberechenbar und flexibel SCHLECHT.
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fandustic
29.11.2023 07:53registriert Juni 2021
Man kann davon halten was man will. Ich ging ehrlich gesagt auch davon aus, dass die Tage von Yakin gezählt sind. Es wird seine Gründe haben, warum er nun an die EM darf, das gilt es zu akzeptieren. Die mediale Schlammschlacht gegen Yakin ist allerdings langsam peinlich. Gemäss den Medien hatte der Mannschaftsrat ja auch die Möglichkeit sich zu Yakin zu äussern...er ist immer noch da, also kann es nicht so schlimm sein, wie es medial jeweils herangetragen wird. Lebt damit, ich tu's.
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