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Super League: Weshalb der Schweizer Fussball so spannend ist wie nie

Felix Mambimbi (FCSG) bejubelt sein 4-1, Nikola Katic (FCZ) reagiert enttaeuscht, im Fussball Meisterschaftsspiel der Swiss Super League zwischen dem FC St. Gallen (FCSG) und dem FC Zuerich (FCZ), am  ...
Mit 4:1 fertigte der FCSG um Felix Mambimi Leader FCZ ab und rückte damit in die Spitzengruppe vor.Bild: keystone

Fünf Klubs fast gleichauf – weshalb die Super League so spannend ist wie noch nie

Fünf Teams haben in der Super League nach sieben Runden 13 oder 14 Punkte. So spannend war der Schweizer Fussball wohl noch nie – das sind die Gründe.
25.09.2024, 11:1825.09.2024, 14:37
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Der FC Zürich hätte sich an der Spitze der Super League etwas Luft verschaffen können. Als Leader reisten die Zürcher nach St.Gallen – und kassierten dort eine 1:4-Klatsche. Nachdem es lange 1:1 gestanden hatte, machten effiziente Gastgeber dem FCZ in der Schlussphase den Garaus. Innert 13 Minuten traf der FCSG am Dienstagabend dreimal und stiess damit auf Platz 4 vor.

Damit präsentiert sich im Schweizer Oberhaus ein spannendes Bild in der Tabelle. Die ersten fünf Klubs befinden sich innerhalb von einem Punkt, auch der siebtplatzierte FC Basel liegt nur vier Zähler hinter dem FCZ.

Nachdem die Spitzenklubs in der Super League schon in der letzten Saison lange Zeit sehr nah beieinander waren, könnte es nun noch spannender sein. Derzeit scheint es auch nicht so, als würde sich daran wirklich etwas ändern – und das hat vorwiegend drei Gründe.

Kein Überteam

Anders als während der Regentschaften des FC Basel von 2010 bis 2017 oder YB im Anschluss bis in diesem Sommer – mit dem Unterbruch in der Saison 2021/22, als ein entfesselter FCZ der Konkurrenz deutlich enteilte – gibt es in dieser Saison kein Überteam. Zwar liegen die Young Boys in Sachen Marktwert des Kaders (62 Millionen Euro) deutlich vor der Konkurrenz aus Basel (36 Mio.) und Lugano (35 Mio.), doch deutete sich schon in der letzten Saison an, dass YB nicht mehr so dominant ist, wie in den Vorjahren.

Derzeit befinden sich die Berner in einer Krise, erst am vergangenen Sonntag konnten sie unter Trainer Patrick Rahmen den ersten Sieg in der Liga feiern. Dass YB plötzlich einen Schalter umlegen kann und alle PS auf den Rasen bringt, scheint aktuell nicht besonders glaubwürdig. Zu instabil wirkt der 17-fache Schweizer Meister in der Defensive nach wie vor. Dazu kommt die Doppelbelastung mit der Champions League, die mindestens bis Ende Januar andauern wird.

YBs Loris Benito jubelt nach dem dritten Tor fuer YB beim Fussballspiel der Super League FC Winterthur gegen BSC Young Boys im Stadion Schuetzenwiese in Winterthur am Sonntag, 22.September 2024. (KEYS ...
Ein erster Schritt aus der Krise? Die Erleichterung über den ersten Sieg war bei Loris Benito und Co. in jedem Fall gross.Bild: keystone

Mangel an Talenten

Dass dem so ist, liegt nicht zuletzt daran, dass die starken Jahrgänge bei den einzelnen Klubs derzeit fehlen. Die Dominanz des FC Basel war untrennbar mit den starken Eigengewächsen wie Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri oder Breel Embolo verbunden. Bei YB waren es vor allem günstig geholte Talente wie Djibril Sow, Kevin Mbabu oder später auch Cédric Zesiger und Eigengewächs Fabian Rieder, welche den Bernern zu reihenweise Titeln verhalfen. Schon bei den drei Titeln des FCZ zwischen 2006 und 2009 spielten mit Blerim Dzemaili, Gökhan Inler oder Florian Stahel selbst ausgebildete Spieler eine grosse Rolle.

Derzeit verfügt aber kein Schweizer Klub über einen grossen Pool an Talenten, die dem Team schon jetzt helfen können. Auch nicht Servette, das ebenfalls schon viele gute junge Spieler hervorgebracht hat. Zuletzt kritisierte Nachwuchs-Kenner Peter Knäbel das Vorgehen der Schweizer Klubs, die immer weniger auf die eigenen Junioren setzen und dafür Talente aus dem Ausland holen.

Dies liegt aber auch daran, dass in der Schweiz in den letzten Jahren kein Ausnahmetalent entdeckt wurde. Somit sind die Super-League-Klubs auf gute Transfers angewiesen, die aber einerseits immer eine Ungewissheit mit sich bringen. Andererseits gibt es hier nur geringe Vorteile für wenige Klubs. Abgesehen von YB, Lugano und Basel befinden sich die Super-League-Vereine finanziell auf einem ähnlichen Niveau.

Über Jahre gewachsene Konkurrenz

Und Klubs wie Servette oder St.Gallen können diese Nachteile durch Konstanz im Kader ausgleichen. Leistungsträger wie Miroslav Stevanovic, Timothé Cognat oder Steve Rouiller spielen schon seit mindestens fünf Jahren in Genf. Beim FCSG befindet sich nicht nur Captain Lukas Görtler bereits in seiner sechsten Saison. Auch Jordi Quintilla, der bereits nach einem halben Jahr in Basel zurückkehrte, Goalie Lawrence Ati Zigi oder Eigengewächs Christian Witzig gehören schon seit einigen Jahren zum Grundgerüst.

Enttaeuschte St. Gallens Jordi Quintilla, Mitte, und Lukas Goertler nach dem 0-2 im Fussball Super League Spiel zwischen dem FC St. Gallen und dem BSC Young Boys, am Sonntag, 6. Februar 2022, im Kybun ...
Jordi Quintilla und Lukas Görtler (r.) spielten ab 2019 gemeinsam beim FC St.Gallen.Bild: KEYSTONE

So konnten die Teams über Jahre wachsen und sich finden. Servette erntete mit dem Cupsieg in der Vorsaison und einigen Europacup-Teilnahmen bereits erste Früchte, auch dem FCSG ist mit dem Erreichen der Conference League erstmals seit elf Jahren die Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb gelungen. In der Super League sind beide mit vier Siegen und einem Unentschieden aus den ersten sieben Spielen gestartet.

Noch besser lief der Saisonstart für den FC Luzern, der die Vorsaison noch auf Platz 7 beendet hatte. In der Leuchtenstadt sucht man Spieler, die schon seit Jahren für die Profis des FCL spielen, zwar vergebens, doch ist zumindest Trainer Mario Frick bereits seit fast drei Jahren im Amt. Der Liechtensteiner kann auf eine gute Mischung aus erfahrenen Spielern wie Pius Dorn oder Jesper Löfgren und interessanten Talenten wie Lars Villiger oder Luca Jaquez zurückgreifen. Auch sie tragen zur derzeit spannendsten Super League bei.

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34 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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TRN
25.09.2024 13:01registriert Dezember 2021
Also es ist anfangs Saison, da ist es normal, dass die Streuung noch nicht so gross ist. Ich selber empfinde das nicht als "so spannend wie noch nie". Aber vielleicht liegt es an mir und bin ich einfach emotional abgestumpft.
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    Also doch: Kein Frauenhockey – kein Geld mehr von der Postbank
    Im letzten Herbst hat die Postbank (PostFinance) angekündigt, künftig nur noch NL-Klubs mit Direktsponsoring zu alimentieren, die ein Frauenteam in der höchsten Liga betreiben. Nun folgt die offizielle Bestätigung, dass diese «Drohung» tatsächlich wahr gemacht wird.

    Die Kommunikations-Abteilung der PostFinance bestätigt auf Anfrage: «Ja, das Konzept wird wie angekündigt umgesetzt.» Und im Detail wird ausgeführt: «Unsere Ligapartnerschaften mit der National League und der PostFinance Women’s League stehen im Mittelpunkt unseres Engagements. Alle Klubs beider Ligen profitieren weiterhin von der Topscorer-Prämie, die direkt an die Klubs ausgezahlt wird. Zusätzlich engagieren wir uns gezielt im Sponsoring von einzelnen Klubs. Ab der nächsten Saison ist eine der Voraussetzungen für ein solches Sponsoring, dass der Klub sowohl in der National League als auch in der PostFinance Women’s League ein Team stellt. Mit den betroffenen NL-Klubs haben wir bereits vor über einem Jahr das Gespräch gesucht und unsere Strategieanpassung frühzeitig kommuniziert. Die Partnerschaften mit dem HC Ambri-Piotta und dem SC Bern sind verlängert worden.»

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