Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Image

Schön liegt es ja, das Dinamo-Stadion von Lutsch-Energija Wladiwostok. Nur doof, dass es sich für viele Gegner am Ende der Welt befindet. bild: livejournal.com

Der Fussballklub, der für Auswärtsspiele über 5 Mal um die Erde fliegen muss 

Kaum ist die WM vorbei, kehrt der Fussball-Alltag zurück. Beim WM-Gastgeber Russland startet die zweithöchste Liga schon heute wieder. Mit dabei ist auch Lutsch-Energija Wladiwostok, der abgelegenste Profiklub der Welt.

Eigentlich stieg Lutsch-Energija Wladiwostok letzte Saison aus der zweithöchsten russischen Liga ab. Das Team erreichte nur den 18. von 20 Plätzen und damit einen der fünf Abstiegsränge. Aber dann geschah, was in Russland halt geschehen kann: Alle fünf Absteiger hielten die Klasse. Die Gründe:

So spielt das Team mit dem Tigerwappen noch immer in der heute beginnenden 1.-Division-Meisterschaft mit. Freuen wird dies höchstens einen der 19 Gegner. Denn abgelegener als Wladiwostok kann ein Fussballklub kaum liegen.

Lutsch was?

луч (ausgesprochen Lutsch) ist das russische Wort für «Strahl». Der Vereinsname bedeutet also «Energiestrahl Wladiwostok». 2017 stand für wenige Spiele der ehemalige Bundesliga-Stürmer Valdas Ivanauskas als Trainer an der Seitenlinie. In der letzten Spielzeit verbrauchte das Team sechs Trainer. Zur neuen Saison hin wurde Rustem Khuzin engagiert.

1993 sowie von 2005 bis 2008 spielte das Team in der höchsten Liga und war der östlichste 1.-Ligaverein der UEFA.



Hier sind die Gegner von Wladiwostok zuhause

Die Mannschaft von Wladiwostok trägt nur ein Spiel gegen einen Gegner aus der gleichen Zeitzone (!) aus. Zwei Teams (Sibir Nowosibirsk und Tom Tomsk) weisen drei Stunden Unterschied aus, ein Team (Tyumen) fünf, 14 Mannschaften sieben Stunden Zeitunterschied und für die Partie gegen Baltika Kaliningrad müssen gar acht Zeitzonen durchquert werden.

Image

Der Trip ihres Lebens

Im Jahr 2006 fuhren drei Fans von Zenit St.Petersburg in einem 20-jährigen Honda zum Auswärtsspiel in Wladiwostok. Sie schafften die rund 9500 km und sahen einen 2:0-Sieg ihres Teams, doch ihr Auto gab am Zielort den Geist auf. Kurzerhand schenkte der Klub dem Trio ein neues Auto. Der Honda ist heute in Zenits Klubmuseum ausgestellt.

Pro Saison legt Lutsch-Energija 222'328 km auf dem Weg an Auswärtsspiele zurück

Über 220'000 Kilometer Auswärtsfahrten in einer Saison. Gehen wir davon aus, dass das Team jeweils mit einem direkten Charterflug anreisen kann, sitzt die Equipe rund 400 Stunden im Jahr im Flugzeug für Auswärtsreisen. Das entspricht knapp 17 Tagen. Oder 16-mal von Zürich nach New York retour.

Image

Die kürzeste und weiteste Anreise im Vergleich

Der am naheliegendste Gegner von Lutsch-Energija ist in Chabarowsk zuhause. Für das «Derby» reisen die Spieler ca. 750 Kilometer weit. Das entspricht fast der Distanz zwischen Schweizer Meister YB und RB Leipzig.

Der weiteste Weg führt mit 10'400 Kilometern auf dem Landweg nach Kaliningrad, also ungefähr die Strecke von Bern nach Mombasa in Kenia.

Image

Müsste Schweizer Meister YB die Distanzen der kürzesten (760 Kilometer) und längsten (10'400 Kilometer) Auswärtsfahrt zurücklegen. Es gäbe Spiele gegen RB Leipzig und Kenias Erstligist Bandari Mombasa.   bild: watson

Lugano legt in der Super League am meisten Kilometer zurück

In der Schweiz ist der «abgelegenste» Superligist Lugano. Die Tessiner sind mit ihren rund 8592 Kilometern für Auswärtsfahrten pro Saison aber noch sehr gut bedient. Lugano könnte nämlich fast 26 Spielzeiten in der aktuellen Super League bestreiten und hätte erst dann die Distanz einer Saison von Lutsch-Energija.

Image

Der FC Lugano legt mit Hin- und Rückreise pro Saison 8'592 km zurück. bild: watson

Das abgelegenste Team der Schweiz

Selbst im Schweizer Amateurfussball gibt es ein Team, das pro Auswärtsmatch mindestens 100 Kilometer zurücklegen muss. Es ist dies der Bündner Drittligist Valposchiavo Calcio. Der nächstgelegene Gegner in der neuen Saison ist mit 102 Kilometern Entfernung Thusis-Cazis, am längsten dauert die Anreise ins glarnerische Netstal (193 Kilometer). Während der ganzen Saison wird das Team rund 3000 Kilometer für die elf Auswärtsspiele zurücklegen.

Den Weg über den Bernina und wahlweise Julier, Albula, Flüela oder den Autoverlad Vereina nahmen in den letzten Jahren leider nicht immer alle Gegner gerne in Kauf. Im Mai 2017 beklagten sich die B-Junioren aus dem Puschlav in der «Südostschweiz», dass nur zwei ihrer sechs letzten Heimspiele ausgetragen wurden. Den anderen war die Anfahrt zu mühsam.

Image

Die elf Gegner von Valposchiavo Calcio in der 3. Liga, Gruppe 1 des Ostschweizer Fussballverbands.  bild: watson

Vergleich mit dem Champions-League-Sieger

Vergleichen wir die Distanz von Lutsch-Energija noch mit Real Madrid, dem aktuellen Champions-League-Sieger. Die Madrilenen legten in der abgelaufenen Saison ca. 84'400 Kilometer zurück. Allerdings sind darin sämtliche Partien inklusive Europacup, nationaler Cup, Klub-WM, Supercups und Vorsaisons-Testspiele in den USA miteinbegriffen. Real Madrid müsste also zweieinhalb Saisons lang so viele Partien absolvieren, wie in der letzten Spielzeit, um die Reisedistanzen von einer Lutsch-Energija-Saison zu erreichen.

Image

bild: watson

Längste Reise der UEFA

Lutsch-Energija spielte zwischen 2005 und 2008 auch schon in der höchsten russischen Liga. Weil die Russen in der Hauptstadtregion die Spiele jeweils nachmittags sehen wollten, wurde bei Wladiwostok-Heimspielen um 8 oder 9 Uhr morgens angepfiffen. Auswärts gab es damals jeweils – ähnlich wie in der NHL – gleich zwei bis drei Partien nacheinander.

Die Regionalverwaltung wollte zusammen mit dem Energiekonzern «Dalenergo» gar die nationale Spitze erobern und den europäischen Fussball aufmischen. Das Ziel wurde verfehlt. Das erspart (bisher) aber auch eine theoretisch mögliche Europacup-Partie auf den Azoren. In Portugal stieg mit Santa Clara aus Ponta Delgada das westlichste UEFA-Mitglied in die höchste Spielklasse auf.

Die Anreise würde mit einem theoretischen Direktflug 23 Stunden dauern (der momentan längste Direktflug dauert 18 Stunden). Ein aktuell einigermassen sinnvoller Anreiseweg wäre Wladiwostok – Nowosibirsk – Moskau – Lissabon – Azoren. Unterwegs wäre das Team rund 25 Stunden. Immerhin ist der Preis für diese lange Reise ein Schnäppchen: nur ca. 1600 Euro.

Image

Der direkte Weg von den Azoren nach Wladiwostok. Ein Direktflug wird aber schwierig. bild: watson

Santa Clara spielte übrigens tatsächlich einmal europäisch. Die Kicker von den Azoren mussten 2002 für die erste Runde im UI-Cup fast 6000 Kilometer nach Gyumri (Armenien) zurücklegen. Vorerst bleibt die Distanz-Bestmarke sowieso in Portugal. Sporting Lissabon und Astana halten den Rekord der längsten Anreise im UEFA-Gebiet. Sie trafen in der Champions League 2015/16 aufeinander (6174 Kilometer für einen Weg). 

Diese Ligen wären näher

Moskau liegt rund 6400 Kilometer Luftlinie von Wladiwostok entfernt. Ein Flug dauert 8:30 Stunden. Japans Hauptstadt Tokio trennen nur rund 1000 Kilometer Luftlinie von der ostrussischen Stadt am Pazifik. Da würde es Sinn machen, wenn Lutsch-Energija in Japans Liga unterkommen würde.

Doch nicht nur bei einer Teilnahme im Land des Lächelns würden die Auswärtsfahrten (teilweise) markant kürzer. Bei der Liga-Teilnahme in sage und schreibe 33 FIFA-Mitgliedsländern hätten die Spieler von Wladiwostok weniger lange Anreisen im Gegensatz zur russischen Liga. 

Image

Rot umrahmte Länder wären näher für Wladiwostok. Es sind dies: Afghanistan, Bangladesch, Bhutan, Brunei, China, Guam, Indien, Indonesien, Japan, Kambodscha, Kasachstan, Kirgistan, Laos, Macau, Malaysia, Mongolei, Myanmar, Nepal, Nordkorea, Osttimor, Pakistan, Papua-Neuguinea, Philippinen, Salomonen, Singapur, Sri Lanka, Südkorea, Tadschikistan, Taiwan, Thailand, Turkmenistan, Usbekistan, Vietnam. bild: watson

Noch mehr verrückte Auswärtsfahrten, welche die Bezeichnung verdienen:

Wenn wir schon bei weiten Distanzen sind:

Wer lieber mit dem Auto als mit dem Flugzeug eine Reise tut:

Play Icon

Video: watson/Knackeboul, Madeleine Sigrist, Lya Saxer

Das könnte dich auch interessieren:

«Meine 20 Jahre ältere Affäre erniedrigt mich»

Link to Article

Wutbürger nehmen Grossrätin wegen Baby ins Visier– und so reagiert der Grossvater 

Link to Article

Die Weihnachtswünsche dieser alten Leute sind so bescheiden, dass es dir das Herz bricht

Link to Article

«Hi-Tech-Roboter» in russischer Fernsehshow entpuppt sich als verkleideter Mensch

Link to Article

«Es war alles ein verdammter Fake»: Schweizer Adoptiveltern packen aus

Link to Article

11 Dinge, die du schon immer von einem orthodoxen Juden wissen wolltest

Link to Article

Warum die Chinesen die Amerikaner im KI-Wettrennen schlagen werden

Link to Article

Das Sexismus-Dinner des FC Basel sorgt weltweit für Schlagzeilen

Link to Article

Herzschmerz pur! 15 Leute erzählen, wie sie vom Seitensprung ihres Partners erfuhren

Link to Article

Netflix' zweite deutsche Original-Serie ist da – und ein riesiger Fail

Link to Article

Queen Ariana Grande singt sich mit neuem Song auf den YouTube-Thron 👀

Link to Article

Jetzt ist es da! Das geilste Polizeiauto der Schweiz

Link to Article

«14 Uhr: Claras Haut ist rot»: Kitas informieren Eltern neu per Liveticker über ihre Kids

Link to Article

Doch noch geeinigt! 30 Minuten vor Ablauf der Deadline rief Nylander in Toronto an

Link to Article

Diese 13 Bilder zeigen, wieso «Doppeladler» völlig zu Recht das Wort des Jahres ist

Link to Article

Ade Pelz: Schweizer zeigen Canada Goose die kalte Schulter

Link to Article

Der Super-Beau, der in weniger als 15 Minuten alles verkackt!

Link to Article

7 Duschmomente, die uns (vermutlich) allen bekannt vorkommen 

Link to Article

In diesem Land wohnt nur ein einziger Schweizer. Wir haben mit ihm gesprochen

Link to Article

Du regst dich über die Migros-Suppe auf? Dann kennst du diese Gender-Produkte noch nicht!

Link to Article

Nach SBI-Niederlage: Jetzt beginnt der nächste Streit in der Aussenpolitik

Link to Article

Selbst Trump spricht nun von einem Impeachment

Link to Article

Über Zürich fliegen jetzt die Viren-Drohnen

Link to Article

Netflix killt die nächste Superhelden-Serie

Link to Article

Tumblrs neuer Pornofilter ist ein riesiger Fail – wie diese 19 Tweets beweisen

Link to Article

7 ausgefallene Punsch-Rezepte, die du diesen Winter unbedingt ausprobieren solltest!

präsentiert vonBrand Logo
Link to Article

Welche dieser absolut dämlichen Studien gibt es tatsächlich?

Link to Article

So läuft das Weihnachtsessen mit den Arbeitskollegen ab. Immer. Jedes Jahr. Die Timeline

präsentiert vonBrand Logo
Link to Article

Brennende Leichen und blühender Aberglaube – ein Besuch in Indiens heiligster Stadt

Link to Article

Führerscheinentzug nach 49 Minuten – so witzelt die Polizei über den «Tagesschnellsten»

Link to Article

Viva la nonna! – weshalb ich mega Fan vom neuen Jamie-Oliver-Buch bin (dazu 5 Rezepte)

Link to Article

Miet-Weihnachtsbäume sind in Hipster-Hochburgen in – doch die Sache hat einen Haken

Link to Article
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

8
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • MrNiceGuy 19.07.2018 11:25
    Highlight Highlight Toller Artikel, mehr davon. :)
  • Amboss 17.07.2018 21:30
    Highlight Highlight Hehe, schon krass. Und man muss immer noch bedenken, dass die nach JEDEM Spiel wieder nach Hause fliegen...
    Nicht wie im Hockey, wo sie Roadtrips machen und Grad jeweils 4,5,6 Spiele pro Reise mitnehmen..

    Darum die sau dumme Frage: Wer bezahlt das?
    Und: Das ist Fussball, im Fussball ist doch noch ein bisschen Geld vorhanden. Aber gibt es das im Volleyball, Handball, Wasserball, oder wo auch immer auch?
    Wer bezahlt das dort?

    Verrückt, die Russen ;)
  • salamandre 17.07.2018 17:49
    Highlight Highlight Der Durchnittsschweizer fliegt 9000 km pro Jahr. vermutlich fliegen in diesem Club 20 - 25 Personen pro Match das wäre dann bereits in etwa das Selbe!
  • maxi 17.07.2018 16:26
    Highlight Highlight noch vor ein par jahren spielten die in der uefacup quali gegen utrecht. der sieger der partie durfte gegen den fc luzern spielen... schade wurde uns diese reise verwehrt.
  • Ulmo Ocin 17.07.2018 16:18
    Highlight Highlight Ja, die Reise nach Poschiavo ist jeweils sehr mühsam.. Ca. 3 Stunden Anfahrt und nochmals so viele retour. Teilweise unangenehme Anspielzeiten am Sonntagabend, was will man mehr :) Der Verein wollte in Italien mitspielen doch der OFV lehnte dies ab.. Es wäre allen geholfen..
  • Nelson Muntz 17.07.2018 16:15
    Highlight Highlight „Weil die Russen in der Hauptstadtregion die Spiele jeweils nachmittags sehen wollten, wurde bei Wladiwostok-Heimspielen um 8 oder 9 Uhr morgens angepfiffen.„

    8.00h minus 7h Zeitunterschied wäre 01.00h in Moskau... oder nicht?
  • urwe 17.07.2018 16:05
    Highlight Highlight Wenn Lugano in Sion antritt werden sie wohl nicht den Weg via den Nufenenpass nehmen wie eingezeichnet. Insbesondere nicht während der Wintersperre. ;-)
  • winglet55 17.07.2018 15:59
    Highlight Highlight Und ich bekomme ein schlechtes Gewissen, wenn ich mal mit dem Flieger in die Ferien verreise.

Daniela Ryf und Nino Schurter sind die Schweizer Sportler des Jahres

Nino Schurter und Daniela Ryf wurden an den Credit Suisse Sports Awards in Zürich als Schweizer Sportler und Sportlerin des Jahres ausgezeichnet. Den Preis für das Team des Jahres erhielt die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft.

Zahlreiche Schweizer Sportler haben 2018 Ausserordentliches geleistet, deshalb präsentierte sich das Feld der Nominierten für die Sports Awards von heute hochkarätig wie selten zuvor. Mit Triathletin Daniela Ryf und Mountainbiker Nino Schurter setzten sich im Gegensatz zum Vorjahr, als Wendy Holdener und Roger Federer triumphierten, zwei Athleten durch, die eher aus Randsportarten stammen.

Die weiteren Awards in der TV-Gala gingen an Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer (Trainer …

Artikel lesen
Link to Article