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Patrick Fischer, head coach of Switzerland national ice hockey team looking at a practice session ahead of the IIHF 2018 World Championship at the Malley 2.0 arena in Lausanne, Switzerland, Thursday, April 12, 2018. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Nati-Trainer Patrick Fischer weiss, worauf es im heutigen Eishockey ankommt. Bild: KEYSTONE

Interview

Fischer: «Hockey entwickelt sich weg von Härte, mehr in Richtung Tempo und Technik»

Nach dem missglückten Olympia-Turnier steht das Nationalteam mit der WM in Dänemark vor dem zweiten Saisonhöhepunkt. Kurz vor dem Start wirft Trainer Patrick Fischer einen kritischen Blick zurück und sagt, was im heutigen Eishockey die Schlüsselfaktoren sind.



Patrick Fischer blickt noch einmal zurück auf die Olympischen Spiele, an denen die Schweiz in den Achtelfinals am späteren Silber-Medaillengewinner Deutschland gescheitert ist. Er gibt im Interview mit der Nachrichtenagentur SDA Fehler zu und erzählt, was er im Nachhinein anders machen würde.

Der 42-jährige Zuger hofft, für seine dritte WM nach jener in Moskau (2016/11. Rang) und Paris (2017/6.) die richtigen Lehren aus Pyeonchang gezogen zu haben. Die Schweizer starten am Samstag gegen Aufsteiger Österreich in die WM.

Tristan Scherwey of Switzerland, Simon Moser of Switzerland, Patrick Fischer, head coach of Switzerland, and Simon Bodenmann of Switzerland, from left, react after the men ice hockey play-off qualification match between Switzerland and Germany in the Kwandong Hockey Center in Gangneung during the XXIII Winter Olympics 2018 in Pyeongchang, South Korea, on Thuesday, February 20, 2018. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Das Olympia-Abenteuer in Pyongchang ging gründlich in die Hose. Bild: KEYSTONE

Patrick Fischer, das Olympia-Turnier im Februar misslang dem Nationalteam. Was würden Sie im Rückblick anders machen?
Patrick Fischer: Wir haben vor dem Turnier in der Trainingsmethodik Fehler gemacht. Wir liessen die Spieler eher ausruhen, mit dem Ziel, dass sie sich erholen. Leider brachten wir sie bis zum Turnierstart nicht mehr auf Touren. Die Intensität des Meisterschaftsbetriebs weiterziehen wäre im Nachhinein wohl die bessere Variante gewesen.

Ihre Spieler kamen – mit anderen Worten – ausgelaugt ins Nationalteam?
Nein, nicht ausgelaugt. Aber wir hatten viele Spieler, die ein strenges Programm hinter sich hatten mit fünf oder sechs Spielen in acht oder neun Tagen. Es ist in der Schweiz noch nicht lange so, dass die Spieler in einer Saison 70, 80 oder 90 Partien zu bestreiten haben. Das ist keine Ausrede, die Spieler sind grundsätzlich fit.

Aber?
Die Voraussetzung, dass wir erfolgreich spielen können, ist die Schnelligkeit, das Tempo und die Hartnäckigkeit. Das hat uns in Südkorea gefehlt. Wir erreichten in den ersten drei Partien nicht das Level, das wir normalerweise erreichen und das wir auch an der letzten WM erreicht haben.

ARCHIVBILD - NINO NIEDERREITER UNTERSCHREIBT FUENFJAHRESVERTRAG BEI MINNESOTA WILD - Switzerland's Nino Niederreiter looks on his teammates from the bench, during a training session of the IIHF 2016 World Championship at the practice arena of the Ice Palace, in Moscow, Russia, Friday, May 13, 2016. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Die Schweizer Hoffnungen ruhen auf den NHL-Cracks Niederreiter, Andrighetto, Berra und Müller. Bild: KEYSTONE

Sie hätten andere Spieler aufbieten können ...
Nein, das Spielermaterial wäre dasselbe, ich vertraue diesen Spielern. Wenn wir noch mehr ändern könnten, wären wir in der Vorbereitung im Herbst anders vorgegangen. Ich hätte den Schlüsselspielern am Spengler Cup wahrscheinlich freigegeben. Der Spieler ist es sich gewöhnt, dass er über Weihnachten eine Pause erhält. Der Spengler Cup war ein super Event, aber irgendwann fehlte den Spielern dann die Erholung.

Was ziehen Sie aus diesen Erkenntnissen für Schlüsse auf die bevorstehende WM hin?
Eine WM ist eine ganz andere Situation. Wir haben eine viel längere Vorbereitung, in der wir die Spieler im Detail vorbereiten können. Klar gibt es zum Beispiel die Playoff-Finalisten, die nach dem Einrücken weniger Zeit haben bis zum Start. Aber sie sind noch im Wettkampfmodus, das kann auch förderlich sein.

Wie haben Sie das enttäuschende Abschneiden von Pyeongchang persönlich verarbeitet?
Es ist schade. Die besten Spieler der Welt fehlten, das erhöhte unsere Chancen. Davon bin ich noch immer überzeugt. Wir haben uns viel vorgenommen, wir waren immer einen Schritt zu spät, das Momentum kippte nicht auf unsere Seite. Das hat am Anfang extrem geschmerzt. Aber so ist der Sport, man kann ihn nicht planen. Man kann nur daraus lernen, analysieren, den Helm richten und weitermachen.

Das tönt nach einer «Jetzt-Erst-Recht-Stimmung» für die WM.
Klar wollen wir es in Dänemark besser machen. Das spürte man auch in der Vorbereitung. Die Spieler sagen nicht ab, sie kommen und wollen die Schweiz wieder gut vertreten. Wir haben es an Olympia nicht geschafft, das motiviert nicht nur mich. Wir wollen die Scharte gemeinsam auswetzen.

Die Kritik fiel nicht zum ersten Mal hart aus nach Olympia. Wie gehen Sie damit um?
In der Schweiz geht es sehr schnell in die eine, aber auch sehr schnell wieder in die andere Richtung. Das kenne ich schon aus der Zeit als Spieler. Dass die Kritik nach Olympia kam, war logisch und auch richtig. Die Erwartungen waren gross. Dazu trugen wir auch selbst bei, nicht zuletzt mit der guten WM vor einem Jahr. Wir wollen ja auch mehr erreichen. Ich predige ständig, dass wir lernen müssen, grösser zu denken und auf dem Feld nicht nur versuchen, die Spiele nicht zu verlieren.

Spüren Sie deshalb einen besonderen Druck vor der WM?
Es ist völlig klar, dass wir nach diesen Olympischen Spielen in der Bringschuld sind. Die Ausgangslage vor der letzten WM war genau gleich, nachdem wir ein Jahr zuvor unsere Ziele nicht erreicht hatten.

Das Auf und Ab prägt bisher Ihre Ära als Nationaltrainer. Wie bringen Sie Konstanz hin?
Wir sind in einem Prozess drin. Die Spieler und wir Trainer wissen, was wir verbessern müssen. Wir sprechen seit Jahren vom selben, nämlich dass wir zu wenig effizient sind im Toreschiessen und dass wir im Powerplay schwach sind. Dies lässt sich nicht von einer zur anderen WM verbessern, das braucht Zeit. Es ist eine neue Generation Spieler, die wir versuchen heranzuführen. Letztlich geht es darum, dass wir unser Eishockey weiterbringen und dass wir gegen jeden Gegner auch unsere offensiven Waffen einsetzen können. An der letzten WM ist uns das gelungen, an Olympia nicht.

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Die Highlights des letzten Testspiels gegen Lettland. Video: YouTube/MySports

Wie gross sind die Fortschritte in diesem Prozess?
Vor zehn Jahren waren wir offensiv nirgends. Ich war einst ein offensiver Spieler, gegen die besten Nationen hatten wir aber gar nie die Scheibe. Einen ersten, auslösenden Pass gab es nicht, wir spielten einfach den Puck aus dem eigenen Drittel. Unsere jungen Spieler sind ganz eindeutig besser ausgebildet. Sie haben schon mit 16, 17 Jahren viel mehr drauf, schiessen um einiges besser als meine Generation.

Sie sprechen es an, das Eishockey entwickelt sich weiter. In welche Richtung tendiert die Sportart denn?
Es gibt sogenannte «Generation-Players», wie zum Beispiel Connor McDavid (NHL-Topskorer dieser Saison – Red.). Er ist nicht übermässig gross, dafür schnell und trickreich. Das ist das Eishockey von heute. Die Leute lamentieren, dass die Sportart in der Schweiz weicher geworden ist. Sie ist aber auch in der NHL weicher geworden, es gibt auch dort weniger Checks – und alles ist viel schneller. Es gibt mittlerweile auch in der NHL kleine Verteidiger, die sich mit Skills alleine durchsetzen können. Die grösste Variable im Eishockey ist der Scheibenbesitz. Man benötigt Spieler, die die Scheibe halten können, einen guten Pass spielen können, etwas mit der Scheibe anzufangen wissen. In diese Richtung entwickelt sich das Eishockey, weg von der Härte, mehr in Richtung Tempo und Technik. Und das ist das Spiel, das wir auch mit dem Nationalteam spielen wollen.

Ist die Schweiz denn eine Eishockey-Nation?
In der Schweiz hat der Sport generell nicht ganz dieselbe Bedeutung wie in anderen Ländern. Wir sind ein Uhrenland und ein Schokoladenland, aber nicht bekannt dafür, dass wir eine Sportnation sind. Wir gelten auch nicht als Fussballland. Für unser kleines Land erzielen wir aber in vielen Sportarten gute Resultate, auch im Eishockey. Die Kanadier oder Amerikaner haben einen grossen Respekt vor unserer Ausbildung. Auch sie wissen, dass wir verhältnismässig schmal besetzt sind in der Anzahl Spieler und Eisbahnen. Trotzdem können wir hin und wieder einem «Grossen» ein Bein stellen. Es wurde in den letzten 15, 20 Jahren hervorragend gearbeitet. Dank dieser Arbeit sind wir in der Weltrangliste unmittelbar hinter den Topnationen klassiert. Jetzt geht es um den nächsten Schritt. Je höher rauf du willst, umso schwieriger wird es. Der Weg wird zur Spitze immer steiler. (pre/sda)

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • ujay 03.05.2018 15:39
    Highlight Highlight Fischer hat recht. Ich höre sie, die schlichten Gemüter, die sich an hartem Spiel ergötzen. Aber in der NHL und der KHL haben diese oldfashion Teams in den letzten Jahren an der Spitze keine Change mehr. Härte sieht zwar für die Zuschauer attraktiver aus, ist aber nicht sehr effizient und gibt zuviele Strafen. Technisch gute Spieler lassen sich durch Härte kaum mehr aus dem Spiel nehmen und verleiten die Gegenspieler zu Fouls.
  • eupho 03.05.2018 07:04
    Highlight Highlight Da täuscht er sich aber gewaltig. Der EHC Kloten hat seit Jahren auf Tempo und Technik gesetzt. Wo das hingeführt hat konnte man dieses Jahr miterleben. Dieses Spiel wurde immer einfacher zu durchschauen und mit einer gewissen Härte relativ einfach entgegenzuwirken.
  • Coffey 03.05.2018 02:35
    Highlight Highlight Playoff Serie Winnipeg gegen Nashville schauen und Aussagen nochmals überdenken, würde ich vorschlagen. Horrendes Tempo und krachende Härte.
  • länzu 02.05.2018 23:13
    Highlight Highlight Das meint auch nur Fischer. Der sollte sich einmal ein Playoff-Spiel der NHL anschauen. Da wird sehr hart gespielt. Gute Technik gilt dort als Voraussetzung. Darüber muss man nicht mehr diskutieren. Aber unser Nationaltrainer hat wohl zuviel in seiner Bibel gelesen und meint jetzt, er dürfe niemandem Weh machen. Nun, ich glaube, dass sich das Thema nach der WM erledigt hat, weil, nach einem Abstieg wird Fischer nicht mehr zu halten sein.
    • ujay 03.05.2018 04:34
      Highlight Highlight @Länzu....schon lange nicht mehr so gelacht😂😂😂😂😂😂😂😂😂😂😂
    • dizzy 03.05.2018 07:59
      Highlight Highlight amen 😂
  • Ah-Jah 02.05.2018 21:37
    Highlight Highlight Woher kommt der Sinneswandel innerhalb von wenigen Monaten? Fischer sagte er wolle mit grossen Spielern an die WM,zur gleichen Zeit setzten die Kanadier nicht mehr nur auf Hühnen!!! Das hat der Trainer jetzt ein bisschen später wohl auch bemerkt!!!
  • San_Fernando 02.05.2018 20:44
    Highlight Highlight Ouh, da zieht aber Fischer einen ganz falschen Schluss. Die Härte hat keineswegs abgenommen - sie hat sich ins Spiel verlagert. Heute wird viel intensiver gespielt als früher. Dafür haben die Scharmützel nach Abpfiff abgenommen. Und da hat die Schweiz einiges an Aufholbedarf...
    Was uns fehlt ist die Intensität während dem Spiel. Anschauungsunterricht gibt es aktuell ind den NHL-Playoffs!
    • Schreiberling 02.05.2018 21:37
      Highlight Highlight Das stimmt nur bedingt. Du hast recht, dass es immer weniger Scharmützel gibt. Aber auch in der NHL verändert sich das Spiel in Richtung mehr Tempo und Technik. Hart spielende Teams wie Anaheim oder LA hatten in diesen Playoffs keine Chance. Schnelle Teams wie Nashville, Winnipeg oder Vegas dominieren.

      Aber natürlich hat die Schweiz bezüglich Intensität noch viel Aufholbedarf.
    • samy4me 03.05.2018 01:10
      Highlight Highlight Winnipeg hat Minnesota auch durch die enorme Härte geschlagen. Hast Du ein Spiel der Jets in dieser Serie gesehen? Das hat geknallt wie am 1. August.
    • kanu 03.05.2018 09:39
      Highlight Highlight Intensität = Härte, man sollte beides nicht miteinder verwechseln.

      Bei uns wird im Gegensatz zur NHL in der quali viel mehr Intensität von den Fans/Medien verlangt, in der NHL kannst du dann sehr gut eine Schippe zu legen, bei vielen NHL-qualispiel würde der Zuschauer in der Schweiz durchdrehen weil er immer 120% sehen möchte während allen Spielen
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