Daniel Stuckis Abgang beim FC Basel ist ein Verlust, aber auch ein Eingeständnis
Königstransfer, Meistertitel, Cupsieg. Diese drei Erfolge in der ersten Saison als Sportdirektor des FC Basel kann Daniel Stucki keiner mehr nehmen. Und er darf sie sich auch voller Stolz ans Revers heften. Denn er hat an allen drei grossen Anteil. Diese Bilanz wird auch nicht geschmälert dadurch, dass auf dieses Hoch eine noch immer laufende Saison folgte, die eine zum Vergessen ist – und gleichbedeutend mit der zweiten und letzten Stuckis in dieser Funktion.
Am Dienstag gab der Klub bekannt, dass der 44-Jährige sein Amt als Sportchef per 30. Juni diesen Jahres niederlegen wird. Noch ein Jahr Vertrag hätte er gehabt. Doch Stucki selbst bat um die frühzeitige Auflösung und der FCB akzeptierte dies – «mit Bedauern», wie der Klub betont.
Zwei Jahre als Sportchef sind keine Ewigkeit, doch Stucki hat schon zuvor seine Spuren beim FCB hinterlassen. Und der Klub Spuren bei ihm. Immer wieder hat er, der ab 2020 in verschiedenen Positionen im Nachwuchs und der Sportkommission tätig war, betont, dass der Job, den er nun seit Sommer 2024 innehatte, zehre. Dass die Zeit für die Familie zu kurz komme. Ein No-Go für den zweifachen Vater.
Man tritt Stucki wohl kaum zu nahe, wenn man festhält: Der Verschleiss war ihm jüngst auch anzusehen. Rund um den Brand im Kabinentrakt wirkte er vor den Kameras müde, die Kommunikation war in dieser Spielzeit ebenfalls nicht mehr so souverän wie noch in seiner Debüt-Saison. Dass es sportlich nicht funktionieren wollte und will, kommt noch obendrauf.
Seit Saisonstart musste der Sportchef Brandherde moderieren. Das Out in der Qualifikation zur Champions League, die (falsche) Kader-Zusammenstellung seinerseits, den Trainerwechsel.
Vielleicht spürte Stucki auch, dass er dieser Mannschaft und diesem Klub in seiner Funktion alles gegeben hat, was er konnte und sollte. Als er den Posten vor zwei Jahren übernahm, brachte er Strukturen in einen Klub, der chaotisch war. Sowohl was Disziplin als auch was Abläufe im Alltag angeht, ordnete Stucki vieles neu, machte aus der stockenden Maschine eine, die wie frisch geölt daher kam. Gar die Differenzen mit Ex-Coach Fabio Celestini rüttelten nicht an den Grundfesten – zu stark hatte Stucki diese errichtet.
Ausserdem schaffte Stucki, was seinem Chef Degen immer etwas abgeht: eine saubere, nachvollziehbare Kommunikation gegen aussen im richtigen Moment. Der wortgewandte Stucki überdeckte Mängel der Klubführung und war so ein Segen für ebendiese – genau so wie für die Öffentlichkeit, die endlich jene Antworten bekam, die sie so lange vermisst hatte. Der nüchterne Stucki war der Gegenpol zum emotionalen Degen.
Dass Stucki es mit diesem Auftreten und seiner Überzeugung schaffte, den FCB-Boss von einer Rückkehr Xherdan Shaqiris zu überzeugen, das werden ihm die Anhänger des Klubs für immer zugutehalten. Denn ohne Stucki kein Heilsbringer, ohne Heilsbringer kein Double. Der FCB wäre wohl auch in der vergangenen Saison da zu finden gewesen, wo er sich nun wieder findet: gewissermassen im sportlichen Niemandsland. An diesem Absturz ist Stucki jedoch mitschuldig.
Dass er nun den Hut nimmt, ist so nachvollziehbar wie konsequent. Auf persönlicher Ebene kann er sich dem Älterwerden seiner Kinder widmen, muss das Handy nicht mehr für eine Stunde ausschalten, um mal Ruhe zu haben.
Auf sportlicher Ebene mag es für viele wie eine Kapitulation wirken. Vielleicht kann man es als solche sehen. Doch viel mehr ist es ein Eingeständnis, dass Stucki dem Klub nicht mehr das geben kann, was er braucht, und deshalb den Platz freimacht. Auch, weil es jüngst immer wieder lautstarke Differenzen zwischen ihm und Degen gab, mag dieser Schritt nicht allzu sehr überraschen. Ob es vielleicht gar ein beidseitiger Vertrauensverlust war, der am Ursprung des vielleicht doch nicht ganz freiwilligen Abschiedes steht?
Zwar steckt der Klub in einer diffizilen Phase, mitten in der Planung der neuen Saison. Entsprechend wirkt auch der Zeitpunkt der Bekanntgabe zumindest fragwürdig. Schliesslich geht es für den FCB in den verbleibenden vier Partien noch um viel. Dennoch ist es besser, jetzt zu gehen, am Ende der Saison, als nach der Sommerpause oder den ersten Spielen der neuen Meisterschaft.
Denn kapitale Entscheide zu spät zu treffen, das war beim FC Basel in den vergangenen Jahren oft ein Problem. Vielleicht hat Stucki dies als Learning mitgenommen – und kann er dem FCB so mit seiner letzten, wichtigen Entscheidung weisen, wie es besser geht. (bzbasel.ch)

