Sport
Kommentar

Kommentar: US Open ohne Roger Federer – zum Heulen

13.09.2015; New York; Flushing Meadows; Tennis - US Open 2015 - Final Roger Federer (SUI) 
(Manuela Davies /freshfocus)
Etwa so wie Federer hier fühlen sich seine Fans an diesem US Open.Bild: Manuela Davies
Kommentar

Ein Grand-Slam-Turnier ohne Roger Federer – einfach nur zum Heulen

Erst zum zweiten Mal seit 1999 verpasst Roger Federer ein Grand-Slam-Turnier. Anders als beim French Open im Frühling konnten wir uns diesmal frühzeitig auf das Fehlen des «Maestros» vorbereiten, was das Ganze allerdings auch nicht besser macht. 
30.08.2016, 13:5830.08.2016, 14:19
Philipp Reich
Folge mir
Mehr «Sport»

«Ein Grand Slam ohne Federer. Geht das überhaupt? Darf der Grand Slam das?», fragte Tennis-Journalist Jörg Allmeroth, als Roger Federer Mitte Mai wegen Rückenproblemen fürs French Open absagen musste. Die kurzfristige Absage kam damals aus dem heiteren Himmel und schlug hohe Wellen. Schliesslich stand der 17-fache Grand-Slam-Sieger zum ersten Mal seit dem US Open 1999, als er in der Qualifikation überraschend gegen Ivo Heuberger verlor, nicht im Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers.

Seine Fans, ja, die ganze Tennis-Welt, hofften damals, dass sich Federer so schnell wie möglich erholt, und atmeten auf, als der «Maestro» in Wimbledon scheinbar in alter Frische antrat. Doch die Freude währte nur kurz. Federer scheiterte im Halbfinal an Milos Raonic und gab wenig später bekannt, dass er die Saison wegen anhaltenden Knieproblemen vorzeitig abbrechen muss.

Nun ist es also wieder soweit. In New York findet nur drei Monate nach dem French Open das nächste Grand-Slam-Turnier ohne Roger Federer statt. Über einen Monat konnten sich seine Fans, ja die ganze Tennis-Welt, auf diesen Moment vorbereiten und trotzdem trifft sie uns erst jetzt. Diese Leere. Das Gefühl, das etwas fehlt.

Gefühlt seit Menschengedenken fieberte ich Major-Turnier für Major-Turnier mit King Roger mit. In den Jahren seiner Dominanz bewunderte ich seine Eleganz, die Leichtigkeit, wie er von Sieg zu Sieg, von Titel zu Titel flog. Später, als die Konkurrenz stärker und die Siege mühsamer wurden, war es sein Kampfgeist, seine Hartnäckigkeit, die mir so gefiel. Ich wurde wie unzählige andere auf dem Tennis-Planeten zum «Bel18ver». Seit seinem 17 und bislang letzten Grand-Slam-Titel 2012 hoffte ich inbrünstig, dass doch endlich ein 18. dazukommen möge. Leider vergeblich.

Trotzdem: Federer war über all die Jahre ein Garant für grosse Emotionen, nun fehlt die Anspannung. Mehr noch als im Frühling beim French Open. Dort waren seine Chancen auf Grand-Slam-Titel Nummer 18 eher bescheiden gewesen, in New York aber, da wären sie intakt gewesen. Beim Gedanken an den letztjährigen Final gegen Novak Djokovic, als Federer 19 Breakchancen ausliess und nur knapp scheiterte, kommt sofort Wehmut auf. Ach wäre er doch nur wieder dabei, dieses Mal würde es klappen. Ganz bestimmt!

epa04919508 Roger Federer of Switzerland reacts after defeating John Isner of the US during their match on the eighth day of the 2015 US Open Tennis Championship at the USTA National Tennis Center in  ...
Ein Roger Federer, der sich nach vorne peitscht – so lieben wir ihn.Bild: DANIEL MURPHY/EPA/KEYSTONE

Ich werde jetzt in New York zwangsläufig mit den anderen Schweizer Tennis-Cracks mitfiebern. Mit Marco Chiudinelli, der sensationell die zweite Runde erreicht hat. Mit Belinda Bencic, die nach ihren Verletzungen hoffentlich wieder in Fahrt kommt. Mit Timea Bacsinszky, Martina Hingis und natürlich mit Stan Wawrinka, der unser heissestes Eisen im Feuer ist.

Doch Stan ist trotz seiner zwei gewonnenen Grand-Slam-Titel für mich nie wie Roger geworden. Anders als bei Federer, wo ich von der 1. Runde an mitfieberte, ist bei ihm nicht dieselbe Leidenschaft im Spiel. Ich schaue bei ihm nicht schon zu Beginn des Turniers auf alle Kleinigkeiten, wie gut die Form ist, wie die Rückhand funktioniert, wie der Aufschlag.

Ich freue mich zwar über jeden Sieg von Stan, so richtig interessant wird er für mich aber erst, wenn er ab dem Viertelfinal auf die ewigen Federer-Rivalen Djokovic, Nadal oder Murray trifft. Die grossen Emotionen kommen – so ungerecht das auch sein mag – erst dann.

ARCHIV --- ZUR OLYMPIA-ABSAGE VON STAN WAWRINKA STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Stan Wawrinka of Switzerland leaves the center court after losing his second round match against Jua ...
Ein frühes Wawrinka-Aus – längst nicht so schlimm wie bei Federer.Bild: KEYSTONE

Was bleibt also? Nur die grosse Hoffnung, dass Federer wie angekündigt im 2017 in alter Frische und Stärke zurückkehrt und mich nochmals zum «Bel18ver» macht. So gern würde ich nochmals bei einem Grand-Slam-Final mitfiebern, mitleiden, mitzittern und – nach unzähligen Bissen ins Sofa-Kissen – mitjubeln.

Die vielen Gesichter des Maestros: So hat sich Roger Federer über die Jahre verändert

1 / 102
Die vielen Gesichter des «Maestros»
Nicht drängeln, es hat genügend Bilder für alle! Roger Federers Werdegang vom Talent zum Superstar in 100 Fotos.
quelle: x90003 / issei kato
Auf Facebook teilenAuf X teilen

Unvergessene Tennis-Geschichten

Alle Storys anzeigen

Hol dir jetzt die beste News-App der Schweiz!

  • watson: 4,5 von 5 Sternchen im App-Store ☺
  • Tages-Anzeiger: 3,5 von 5 Sternchen
  • Blick: 3 von 5 Sternchen
  • 20 Minuten: 3 von 5 Sternchen

Du willst nur das Beste? Voilà:

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
6 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Hunnam
30.08.2016 14:33registriert Januar 2016
Du sprichst mir aus der Seele
234
Melden
Zum Kommentar
6
«Pirat» Pantani spurtet an der Alpe d'Huez zu einem Rekord für die Ewigkeit
19. Juli 1997: Der italienische Publikumsliebling Marco Pantani ist bei den Bergetappen der Überflieger des Radsports. An der Alpe d'Huez zieht er allen davon und stellt eine neue Bestzeit auf. Nach positiver Dopingkontrolle findet seine Karriere jedoch ein jähes Ende.

Kaum steigt die Strasse an, gibt es für ihn kein Halten mehr. Marco Pantani, der mit einer Grösse von 1,72 Metern und 52 Kilogramm die perfekten körperlichen Voraussetzungen zum Kletterer besitzt, ist in den 90er-Jahren der unumstrittene Bergspezialist im Peloton und kämpft an der Tour de France nach ersten Achtungserfolgen bald auch um den Gesamtsieg mit.

Zur Story