Als auf das Turnier von 2016 hin die EM von 16 auf 24 Teams aufgestockt wurde, war die Skepsis gross. Kritiker bemängelten zwei Punkte: Erstens wurde befürchtet, die zusätzlichen Teams würden die Qualität des Turniers verschlechtern. Zweitens passte vielen der neue Modus nicht – also dass neu auch vier Gruppendritte den Weg in den Achtelfinal schaffen.
Nach zwei Turnieren und einer weiteren Gruppenphase ist klar: Zumindest die erste Befürchtung war unbegründet. Die zusätzlichen Teams schaden der EM nicht, sie machen sie besser. Werden wir in ein paar Jahren an diese EM zurückdenken, wird kaum jemandem das 0:0 zwischen Frankreich und den Niederlanden oder das 1:0 Spaniens gegen Italien in Erinnerung bleiben.
Es werden die Geschichten der Kleinen sein, über die wir auch später noch sprechen werden: Spiele wie der Sieg von Georgien über Portugal und die anschliessenden Feiern in einem Land, das sich endlich auf der grossen Fussball-Bühne beweisen kann. Es sind diese Emotionen, welche Länderspiel-Turniere so schön machen.
Doch es sind nicht nur die seltenen Erfolge Davids gegen Goliath, welche die Spiele der vermeintlich «Kleinen» an einer EM reizvoll machen. So boten an der EM bislang vor allem die Spiele Spektakel, von welchen man es eigentlich nicht erwartete. Das Spiel zwischen der Türkei und Georgien war das bisher wohl attraktivste des Turniers. Aber auch etwa Kroatien gegen Albanien, Polen gegen Österreich und Tschechien gegen die Türkei lieferten beste Fussball-Unterhaltung. Im Gegensatz zu den Spielen Englands, Frankreichs oder Belgien, welche bislang kaum auszuhalten waren.
Während die Sorge bezüglich Attraktivität also unbegründet ist, macht der neue Modus tatsächlich weniger Spass. So ist dieser schlicht nicht fair – erstens können Teams, die später spielen, bereits ausrechnen, welches Resultat zum Weiterkommen reicht. Zweitens treffen manche Gruppenerste auf einen Dritten (etwa Spanien gegen Georgien) und haben so auf dem Papier eine einfachere Aufgabe als Erste, die auf einen Zweiten treffen (etwa Deutschland gegen Dänemark).
Um nun die Vorteile der «neuen» EM zu behalten und gleichzeitig die Nachteile zu eliminieren, gibt es eine einfache Lösung: Eine Aufstockung von 24 auf 32 Teams.
Auch hier würden viele Fans befürchten, dass das Niveau des Turniers stark darunter leiden würde. Dabei geht vergessen: Die Leistungsdichte im europäischen Fussball ist aussergewöhnlich hoch.
Die acht zusätzlichen Teams wären also kaum Fussball-Zwerge wie Liechtenstein oder die Färöer. Da wären etwa die Norweger mit ihren beiden Superstars Erling Haaland und Martin Ödegaard. Da wären die Griechen, die 2004 bestens bewiesen haben, wozu die Aussenseiter an einer EM fähig sein können. Vielleicht würden sich die Iren, die Bosnier oder die Waliser mit ihren enthusiastischen Fans qualifizieren. Oder die unbequemen Skandinavier Schweden, Island oder Finnland, die in der Vergangenheit schon für Sensationen sorgen konnten – vor allem Italiener und Engländer werden sich daran erinnern.
Bei einer Aufstockung auf 32 Teams wäre die EM neu gleich gross wie eine WM und das Niveau kaum geringer. Der Modus wäre derselbe – acht Gruppen, pro Gruppe kommen zwei Teams in den Achtelfinal. Für gute Spiele wäre also gesorgt. Und für noch grössere Emotionen ebenfalls.
So können Wettswil und Bonstetten allenfalls zwei separate Mannschaften stellen.