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Der Schweizer Moto GP2 Motorradrennfahrer Dominique Aegerter, vom MV Agusta Forward Racing Teams, bereitet sich auf eine Session vor, anlaesslich der offiziellen Moto GP 2 Testtage, auf der Rennstrecke in Jerez, Spanien, am Donnerstag 21. Februar 2019. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

Was kann man in dieser Saison von Aegerter erwarten? Bild: KEYSTONE

Dominique Aegerter – viel zahlen und hinterherfahren

Dominique Aegerter (28) ist bei MV Agusta in ein grandioses italienischen Töff-Volkstheater geraten. Er steht vor der härtesten Saison seiner Karriere und muss froh sein, wenn er in die WM-Punkte kommt.

klaus zaugg, jerez



Draussen versinkt gerade die Sonne Andalusiens hinter dem Horizont. Dominique Aegerter sitzt im Büro des Teamlasters wie ein Häufchen Elend.

Der einst so charismatische Siegfahrer, in seinen besten Zeiten auf Augenhöhe mit Tom Lüthi, wirkt kleinlaut und verloren wie ein Zugvogel, der den Abflug nach Süden verpasst hat.

Der zweite von drei offiziellen Testtagen in Jerez ist zu Ende. Wie jedes Jahr treten hier erstmals alle Moto2-Haudegen mit ihren neuen Höllenmaschinen an. Und nun zeigt sich: MV Agusta ist nicht konkurrenzfähig. Dominique Aegerter fährt hinterher. Er ist gerade mal die Nummer 24 unter 32 Piloten, auch weit hinter Tom Lüthi (12.).

Ein Töff-Volkstheater

In diesem Geschäft gilt eine unerbittliche Regel: Wer bei den Tests nicht mindestens unter den ersten 15 ist, kann den Rückstand bis zum Ende der Saison nicht mehr aufholen. Am 10. März folgt in Doha (Katar) bereits das erste Rennen. Damit zeichnet sich ab: Dominique Aegerter muss unter diesen Voraussetzungen froh sein, wenn er in die WM-Punkte (Top 15) fahren kann.

Langsam dämmert ihm, was da auf ihn zukommen wird. Er erzählt, schon Ende Dezember habe ihn ein ungutes Gefühl beschlichen. «Ich habe zum ersten Mal in San Marino die Werkstatt besucht, in der unsere Chassis gebaut werden. Alles war so sauber und gut aufgeräumt, dass ich mich selbst gefragt habe, ob da überhaupt gearbeitet wird …»

Der Schweizer Moto GP2 Motorradrennfahrer Dominique Aegerter, vom MV Agusta Forward Racing Teams, faehrt aus der Box, anlaesslich der offiziellen Moto GP 2 Testtage, auf der Rennstrecke in Jerez, Spanien, am Donnerstag 21. Februar 2019. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

Dominique Aegerter bei den Testtagen in Jerez. Bild: KEYSTONE

Die Frage war wahrscheinlich berechtigt. 2019 wird nicht mehr mit Vierzylinder-Motoren von Honda, sondern mit Dreizylinder-Triebwerken von Triumph gefahren. Alle haben wiederum die gleichen Motoren. Aber alle mussten ein neues Fahrwerk bauen.

Während die Konkurrenz – KTM, Kalex – bereits während der letzten Saison intensiv testete und weiterentwickelte, war man bei MV Agusta offenbar schon ein wenig saumselig. Dominique Aegerter klagt jedenfalls: «Wir haben vor diesen Test in Jerez ja kaum 100 Runden richtig fahren können …» Nun zeigt sich immer mehr: Er ist in eine grandiose «Commedia dell’arte» gerutscht. In ein italienisches Töff-Volkstheater.

MV Agusta ist ein magischer Name. Mit dem italienischen Fabrikat ist Giacomo Agostini der beste Fahrer aller Zeiten geworden. Mit noch mehr Siegen als Valentino Rossi. Aber MV Agusta, im Hauptgeschäft Helikopter-Hersteller, trat vor mehr als 40 Jahren von der grossen Töff-Bühne ab. Doch der magische Klang des Namens ist geblieben. Diese Magie müsste doch wieder zu beleben und zu Geld zu machen sein! So dachten ein paar schlaue «Töff-Generäle» durchaus logisch. Also haben sie die Marke MV Agusta wiederbelebt.

Se non è vero, è ben trovato

Nun ist es nicht so einfach, sich einen Platz auf der grossen Bühne zurückzuerobern. Eine Höllenmaschine für die Königsklasse MotoGP zu bauen, ist unmöglich. Deshalb erfolgt das Comeback in der Moto2-WM. In der zweitwichtigsten WM gibt es auch schon ordentlich Publizität, alle bekommen den gleichen Motor und die gleichen Reifen geliefert und man muss «nur» noch ein Fahrgestell bauen.

Der Italiener Giovanni Cuzari ist seit 2009 mit überschaubarem Erfolg im Töff-Zirkus. Er steht mit seinem Team hinter dem Comeback von MV Agusta. Deshalb heisst sein Team nun etwas sperrig «MV Agusta Idealavoro Forward Racing Team». Die Anschubfinanzierung kommt offenbar von einem russischen Oligarchen.

Der Schweizer Moto GP2 Motorradrennfahrer Tom Luethi, rechts, im Gespraech mit seinem Riding Coach Alvaro Molina, links, vom Dynavolt Intact GP-Team, anlaesslich der offiziellen Moto GP 2 Testtage, auf der Rennstrecke in Jerez, Spanien, am Donnerstag 21. Februar 2019. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

Einst fuhr Aegerter auf Augenhöhe mit Tom Lüthi. Bild: KEYSTONE

Dominique Aegerter also MV-Agusta-Werksfahrer? Ach was. Kratzt man den Lack ab, kommt darunter Cuzaris alte Forward-Mannschaft mit der kessen Teammanagerin Milena Körner hervor.

Die Schwierigkeiten von MV Agusta waren vorhersehbar. Eigentlich hätte der Schweizer Eskil Suter das Fahrwerk bauen sollen. Eigentlich. Aber inzwischen ist diese Zusammenarbeit beendet worden. Gewährsleute erzählen, die Rechnungen seien nicht bezahlt worden und deshalb sei Suter inzwischen ausgestiegen. Se non è vero, è ben trovato. Es ist, wie es ist: Im letzten Sommer haben sämtliche vom Team angefragten Piloten (auch Tom Lüthi) wohlweislich abgesagt.

Vertrag lag bereit

Wenn schon keine Stars zu haben sind, warum dann überhaupt Geld für Fahrer-Gagen ausgeben? Wenn schon Ruhm und Ehre ausbleiben, so soll wenigstens ordentlich Geld verdient werden. Das ist ja sowieso wichtiger. Ruhm vergeht heute gar schnell. Geld bleibt. Die logische Konsequenz: Wer MV Agusta fahren will, muss kräftig zahlen. Und tatsächlich hat der schlaue Giovanni Cuzari zwei gefunden, die zahlen. Um hinterherzufahren.

Stefano Manzi (20), ein Bruchpilot (2018 31 Unfälle – Rekord) und Kumpel von Valentino Rossi hat sich für zwei Jahre eingekauft. MV Agusta war für den WM-24. so ziemlich die einzige Möglichkeit, in der Moto2-WM zu verbleiben.

Der Schweizer Moto GP2 Motorradrennfahrer Dominique Aegerter, vom MV Agusta Forward Racing Teams, bereitet sich auf eine Session vor, anlaesslich der offiziellen Moto GP 2 Testtage, auf der Rennstrecke in Jerez, Spanien, am Donnerstag 21. Februar 2019. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

Die Situation Aegerters ist fordernd. Bild: KEYSTONE

Dominique Aegerter hat mangels Alternativen den zweiten Platz bei MV Agusta erworben. Sonst hätte der WM-17. seine GP-Karriere beenden müssten. Die erste Rate von vier beinahe sechsstelligen Raten musste er schon überwiesen. Das übrige Geld sollen ihm nun die zwei neuen Manager Heinz Schlatter und Imfeld besorgen. Auf die Herren mit Erfahrung im Hockey- und Musik-Geschäft wartet viel Arbeit.

Was für Dominique Aegerter besonders bitter ist: im letzten Sommer hatte er noch vom hohen Ross herab die Offerte abgelehnt, sich zu sehr günstigen Bedingungen im NTS-Team des Holländers Jarno Janssen einzukaufen. Der Vertrag lag unterschriftsreif bereit.

Bei MV Agusta muss er nun mehr als das Doppelte bezahlen. Für schlechteren Service. Jarno Janssens bester Pilot steht nach drei Testtagen in Jerez auf Platz 15.

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