Noch ist es nicht offiziell, aber wenn Adrian Wojnarowski und Shams Charania sagen: «Klay Thompson unterschreibt bei den Dallas Mavericks», dann kann man davon ausgehen, dass dies bald Tatsache wird. Die beiden Journalisten sind sozusagen Fabrizio Romano und Florian Plettenberg der NBA. Es ist also zu erwarten, dass der 34-jährige Basketball-Star bald als Mitspieler von Luka Doncic auf Korbjagd gehen wird.
Feststeht, dass die überaus erfolgreiche Ära der Golden State Warriors um Thompson, Stephen Curry und Draymond Green endet. Denn angekündigt hat Thompson seinen Abgang schon. In zwölf gemeinsamen Jahren – Green wurde 2012 gedraftet, nachdem Thompson (2011) und Curry (2009) bereits zuvor im Draft von den Warriors gewählt wurden – gewannen die drei Stars gemeinsam vier Meisterschaften und standen zwei weitere Male in den NBA-Finals. Damit prägten sie eine der erfolgreichsten Ären in der Geschichte der besten Basketball-Geschichte der Welt.
Die Golden State Warriors haben den Shooting Guard bereits verabschiedet. «Wir können Klay Thompsons unglaubliche und legendäre Leistungen während seiner 13 Jahre im Team gar nicht hoch genug einschätzen», schrieb das Team aus San Francisco in einer Medienmitteilung und fügte an: «Die Freude und das Glück, das Klay den Warriors-Fans bereitet hat, war immens und kann nicht kleingeredet werden.»
Besonders seine Leistungen in Drucksituationen und entscheidenden Playoff-Spielen – diese brachten ihm auch den Spitznamen «Game 6 Klay» ein – wurden hervorgehoben. «Sein Vermächtnis wird immer weiterleben und wir freuen uns auf den Tag, an dem wir sein Trikot mit der Nummer 11 unter das Stadiondach ziehen können.» Diese Ehre wird den grössten Legenden im US-Sport zuteil, ihre Nummer wird von den jeweiligen Teams nicht mehr vergeben.
Auch Thompson selbst richtete sich nun an das Team und vor allem die Bay Area, die Region, zu der auch San Francisco gehört. «Aus tiefstem Herzen möchte ich mich bei euch für die besten Zeiten meines Lebens bedanken. Es war eine grosse Ehre, das Trikot der Warriors zu tragen», schrieb er auf Instagram. Das Beste an seiner Zeit bei Golden State seien nicht die Meisterschaften, sondern die Freundschaften fürs Leben, die er dabei schloss.
Der fünffache All-Star ist jedoch nicht nur aufgrund seiner Leistungen einer der beliebtesten NBA-Profis bei Fans, Teamkollegen und Trainern gleichermassen. Warriors-Coach Steve Kerr wurde nicht müde zu sagen, dass Thompson extrem pflegeleicht sei. Der Sohn des bahamaischen Ex-NBA-Profis Mychal Thompson hatte keinerlei Star-Allüren und ist unter den oftmals egozentrischen NBA-Superstars damit einmalig. Thompson ist ein Kämpfer und brauchte den Ball kaum, was ihn zum perfekten Mitspieler machte – in seinem mit 60 Zählern besten Spiel prellte er den Ball nur elfmal.
Sein langjähriger Teamkollege Stephen Curry sandte via Instagram eine herzliche Botschaft, als er von Thompsons Abschied erfuhr: «Ich werde dich vermissen. Obwohl wir unsere Reise nicht gemeinsam beenden werden, wird das, was wir getan haben, nie wieder geschehen.» Gemeinsam mit Green hätten die beiden das Spiel verändert, schrieb Curry und fügte an: «Vielen Dank für alles, Bruder. ‹Splash Bros› fürs Leben.» Den Spitznamen «Splash Brothers» erhielten Curry und Thompson aufgrund ihrer zuvor noch nie gesehenen Wurffähigkeiten.
Auch wegen dieser gehört er zum kleinen Kreis der Spieler, die in der NBA in jedes Team passen würden. Klay Thompson ist eben so einer, neben den man vier beliebige Basketballer stellen könnte und das Team würde immer noch funktionieren. Weil er in den Bereichen zu den Besten gehört, die jedes Team braucht: Dreier und Verteidigen. Zumindest tat er dies lange – in Sachen Defensive ist er nicht mehr auf dem Niveau seiner besten Tage.
Das liegt auch an seinen schlimmen Verletzungen: In den NBA-Finals 2018/19 riss er sich das Kreuzband im linken Knie, woraufhin er die komplette nächste Saison verpasste. Vor der Spielzeit 2020/21 riss dann seine rechte Achillessehne, erneut musste er lange pausieren. 941 Tage lang stand Klay Thompson in keinem professionellen Basketballspiel im Einsatz. Als er zurückkam, brauchte er etwas Eingewöhnungszeit, doch in den Playoffs trat er dann auf, als wären die Verletzungen nie gewesen.
In der Saison 2021/22 lieferte er mit Curry und Green sein Meisterstück. Obwohl es ihnen kaum noch jemand zugetraut hat, gewannen Golden State Warriors noch einmal die Meisterschaft. Es war der letzte Beweis dafür, dass dieses Trio auch ohne Kevin Durant, dem besten Warriors-Spieler bei den Titelgewinnen 2016/17 und 2017/18, weiterhin erfolgreich sein kann. Denn trotz der Meisterschaft 2014/15 und dem Rekord an Siegen in der Regular Season (73) im Jahr danach gab es noch immer Zweifel.
Umso wichtiger war dieser neuerliche Triumph der alternden Stars gemeinsam mit jüngeren Leistungsträgern wie Andrew Wiggins oder Jordan Poole. Doch bald einmal bröckelte der Zusammenhalt. Green verpasste Poole im Training einen Faustschlag ins Gesicht, die Warriors sowie Curry und Thompson stellten sich hinter den Defensivspezialisten, Poole wurde ein Jahr später getradet.
Und auch der ansonsten eigentlich immer gut gelaunte Klay Thompson begann unzufrieden zu werden. Jener NBA-Star, der bei Fans mit seiner Coolness und sympathischen Art für Begeisterung sorgte. Der gerne mal mit dem Boot zum Stadion fuhr. Der einmal einer unwissenden Reporterin ein Interview über Gerüstbau in New York gab. Und dessen bester Freund der Vierbeiner Rocco ist.
Dieser Klay Thompson, einer der wichtigsten Spieler beim möglicherweise besten Team der NBA-Geschichte, war gemäss ESPN unglücklich. Ein Grund dafür sei gewesen, dass er nicht mehr der Alte war, seine Qualitäten zu schwinden begannen. Aber es ging auch darum, dass er sich nicht im gleichen Masse respektiert fühlte wie Curry und Green, die beide weiterhin lukrative Verträge haben, während Thompson kein ähnliches Angebot wie letzterer erhielt. Er war gekränkt. Deshalb unterschrieb er nun für rund 50 Millionen Dollar für drei Jahre in Dallas.
Dass Thompson bei Golden State nicht mehr zufrieden war und auch litt, zeigt die Tatsache, dass sogar Draymond Green in seinem Podcast sagte: «Ich bin froh, dass er geht.» Er meine damit nicht, dass er nicht mehr mit ihm spielen wolle – Green zeigte sich sichtlich traurig über Thompsons Abgang. Vielmehr wolle er, dass sein Freund glücklich sei. Und das war bei den Warriors offenbar nicht mehr möglich.