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Philippe Furrer ist wie der Rest des Teams masslos enttäuscht. 
Philippe Furrer ist wie der Rest des Teams masslos enttäuscht. Bild: KEYSTONE
Ringmeister Zaugg

Furrer und das dramatische Scheitern: «Ich kann es einfach immer noch nicht glauben»

Philippe Furrer (34) ist ein freundlicher Titan und ein WM-Silberheld von 2013. Es braucht also viel, bis er die Hockeywelt nicht mehr versteht. Aber nach der Niederlage gegen Deutschland versteht er die Welt nicht mehr.
20.02.2018, 20:20
klaus zaugg, pyeongchang

Er stapft nach der bitteren Niederlage vom Eisfeld in Richtung Kabine und wirkt fast ein wenig heiter. Als habe er gar nicht mitbekommen, was da soeben passiert ist. Und er bestätigt diesen Eindruck. Philippe Furrer versteht die Hockey-Welt nicht mehr: «Ich kann es einfach immer noch nicht glauben.»

Er schüttelt den Kopf, blickt ratlos umher und wiederholt: «Ich kann es einfach nicht glauben. Ich war so sicher, dass wir dieses Spiel gewinnen. Wir waren so gut drauf. Wir hatten so viel Energie. Ich kann es wirklich nicht verstehen und nicht erklären.» Und er sagt: «Das ist etwas vom bittersten, das ich in meiner Karriere erlebt habe. Mindestens so bitter wie damals beim SC Bern die Niederlage im siebten Finalspiel gegen die ZSC Lions durch ein Tor ein zweieinhalb Sekunden vor Schluss.»

Leere Blicke bei den Verlierern.
Leere Blicke bei den Verlierern.Bild: KEYSTONE

Philippe Furrer, der Luzerner, der in Bern ein Titan geworden ist und inzwischen als Verteidigungsminister in Lugano arbeitet, steht stellvertretend für seine Mitspieler. Es war tatsächlich eine bittere Niederlage. Aber sie hat sich früh abgezeichnet.

Dieses Spiel trägt von allem Anfang an den Keim des dramatischen Scheiterns in sich. Nationaltrainer Patrick Fischer wird hinterher sagen, man habe resolut auftreten und ein Zeichen setzen wollen. Mit ein paar harten Hits. Aber Cody Almond übertreibt es. Er schickt Deutschlands Verteidigungsminister Christian Erhoff bereits nach neun Sekunden mit einem brutalen Check gegen den Kopf vorübergehend ins Land der Träume. Der Titan mit mehr als 800 NHL-Spielen taumelt in die Kabine und wird erst nach der ersten Pause wieder zurückkehren. Auch Cody Almond muss in die Kabine. Fünfminutenstrafe und Restausschluss.

Das Powerplay nützen die Deutschen zum 1:0. Und wieder sind die Hockeygötter ungnädig. Der ansonsten untadelige Jonas Hiller, der das Turnier mit einer famosen Fangquote von 95,60 Prozent beenden wird, rutscht der Puck zwischen den Beinen durch.

Nach dem Spiel wird er seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklären. «Es war mein letztes Turnier. Ich habe diesen Entscheid Patrick Fischer bereits vor dem Turnier mitgeteilt. Ich habe es mir lange überlegt. Aber ich habe einfach nicht mehr genug Energie für internationale Einsätze.»

Es reicht noch zum Ausgleich (1:1). Der Riese Simon Moser befördert einen Abpraller ins Netz. Aber nicht zu mehr. Der unglückliche Beginn hat das Spiel der Schweizer «vergiftet». Sie versuchen zwar alles. Niemand kann den Vorwurf erheben, es habe am guten Willen gefehlt. Aber es fehlt die ruhige Zuversicht, die Ruhe im Spiel. Es fehlen die Impulse von der Bande.

Skorer ausser Form

Die Hektik ist gross, die Fehlerquote zu hoch. Das Powerplay funktioniert nicht. Das «Lauftier» Andres Ambühl ist ein charismatischer, aber glückloser Vorkämpfer. Enzo Corvi findet gegen die robusten Deutschen keinen Raum für seine Tricks. Captain Raphael Diaz versucht immer wieder, Angriffe auszulösen. Aber er läuft oft ins Leere, die Räume vorne sind zu.

Jene, die jetzt in der Offensive die Differenz machen könnten, sind einfach ausser Form. Vor allem Vincent Praplan und Denis Hollenstein, an einem guten Abend die beste Flügelzange unsere Liga.

Natürlich ist es immer einfach, die Geschichte eines Spiels vom Ende her zu erzählen. Wenn man das Resultat weiss. Aber bei dieser Partie spürt der sensible Beobachter von allem Anfang an, dass die Hockeygötter gegen die Schweizer sind. Deshalb ist das bittere Ende logisch.

Yannic Seidenberg trifft nach 26 Sekunden in der Verlängerung zum 2:1. Ausgerechnet Andres Ambühl, Simon Moser, Ramon Untersander und Eric Blum kassieren diesen fatalen Gegentreffer. Ambühl und Moser gehörten zu den Besten. Auch das gehört zur Dramaturgie dieses Spiels: die Besten sind am Ende die Versager.

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quelle: ap/ap / michael probst
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