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bild: watson

Wie zwei watson-Asse am SVP-Jasscup Parteichef Rösti übertrumpft haben

Auf der Suche nach würdigen Gegnern haben wir uns entschlossen, den schweizerischsten aller Jass-Anlässe zu besuchen – den SVP-Jasscup. Mit Stolz können wir jetzt behaupten: Die watson-Trümpfe haben gestochen.

Reto fehr, sandro zappella



«Die Parlamentarier haben wieder geschwatzt statt vorwärtsgemacht», sagt der Shuttle-Bus-Chauffeur zu seiner Verspätung. Wir sind auf dem Weg an den schweizerischsten aller Anlässe des Schweizer Nationalsports Jassen. Was liegt da näher als der jährliche SVP-Jasscup? So treffen wir bald in der Sporthalle Güttingersreuti in Weinfelden im Schweizer Jassmekka ein.

Sandro Zappella: 
Ich schlängle mich durch den Pulk von Edelweiss-Hemden zur Anmeldung der Jasser mit Nachnamen W-Z. Während die Teilnahmegebühr und der Essensbon mein Portemonnaie um knappe 50 Franken erleichtern, wird mir auch gleich der Tarif durchgegeben: «Der Kindertisch ist da hinten.» Während Reto ein breites Grinsen im Gesicht hat, bin ich bereits jetzt etwas verunsichert, ob ich mein Sackgeld richtig investiert habe.

Reto Fehr:
Margrit ist meine erste Partnerin. Die 85-Jährige strahlt ob ihrem jungen Vis-à-Vis, der nicht mehr an den Kindertisch musste. «Ich komme jedes Jahr. 2010 habe ich gewonnen», sagt sie. Während ich äusserlich anerkennend lache, merke ich, wie sich innerlich ein schwerer Stein auf mein Herz schiebt. Mein Jass-Gewissen hämmert in den nächsten Minuten nur noch ein Mantra: «Jetzt nur kein dummer Fehler.»

SVP Jasscup 2017

Die Weinfelder Turnhalle Güttigersreuti wurde zum Jass-Mekka. 

Es gelingt meist gut. Nur selten erklärt Margrit: «Hast du gesehen, mit dem Banner im ersten Stich hab ich dir den Trumpf-Puur angezeigt.» – Hmm, nein. Und wenig später: «Dä Puur z’zweite nie spiele.» – Aha. Wir sammeln etwas mehr als 900 Punkte und Margrit holt zum Ritterschlag aus: «Du hast gut gejasst.» Voller Selbstvertrauen gehe ich in die zweite Runde.

Der Modus im Einzelschieber am SVP-Jasscup

Gespielt wird mit vier zugelosten Partnern, jeweils 12 Spiele. Es zählt alles einfach, keine Weise, keine Stöck. Das heisst, pro Tisch und Runde sind 1884 Punkte (12x157) zu vergeben, die dann jeder Einzelspieler auf seiner Resultatkarte notiert. 

Sandro Zappella:
In dem Moment, als ich mich für die erste Runde an den Tisch setze, merke ich, wie etwas gegen unten stürzt. Durchatmen, es ist nur der Altersschnitt, der gerade drastisch gefallen ist.

SVP Jasscup 2017

Grau ist Trumpf am SVP-Jasscup.  bild: watson

Bevor meine Rosen in der Hand blühen, stechen mich aber erst mal die Dornen. Denn dass ich der Eindringling in die Gilde der Erfahrenen bin, verdeutlicht mir Gegner Claudio bereits in der ersten Runde: Weil die Karten etwas einseitig verteilt sind und bald niemand mehr Trumpf angeben kann, ist sein Verdacht klar: «Ich dachte, jemand hat einen Fehler gemacht, zum Beispiel du», sagt er und blickt mich dabei mürrisch an.

«Da wäredmer hüt gschieder go Güllnä»

Reto Fehr: 
Die 2. Runde beginnt lahm. Weder wir noch unsere Gegner schreiben jeweils über 100 Punkte. Doch dann kassieren wir einen Match. «So gfallt's mer», jubelt Peter neben mir. Mein Partner Pius und ich lästern, dass er da ja «au dä Chnächt het chönä schicke».

Den Worten lassen wir Taten folgen und antworten bei eigener Ansage mit zwei Matches in Serie. «Da wäredmer gschider go bschütte hüt», murmelt Armin seinem Ostschweizer Kumpel Peter über den Jassteppich. «Bschütte?», frage ich. «Güllnä für dich», zickt Landwirt Peter. Er wird sich bald noch einmal ärgern.

SVP Jasscup 2017

In der Ostschweiz wurde am Samstag gejasst, nicht «bschüttet». bild: watson

Sandro Zappella:
«Die kann nicht jassen, dafür hat sie immer gute Karten», verrät mir Walter, einer der Gegner, als er meine Partnerin für die dritte Runde an den Tisch kommen sieht. Er muss es wissen, wie viele andere ist es auch für ihn nicht der erste SVP-Jasscup. Werde ich nach zwei guten Runden nun wegen einer Anfängerin ausgestochen? «Ich habe mit ihr schon an so manchen Turnieren gestritten», erzählt mir Walter weiter.

Meine Partnerin jasst dann tatsächlich miserabel, verspielt sogar einen aufgelegten Match. Ich kann es kaum fassen, versuche aber ruhig zu bleiben. Dank unseren guten Karten holen wir zusammen aber trotzdem ordentlich Punkte. Immerhin.

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Ziemlich genau so wie in diesen Archivbildern hat meine Reaktion auf den verspielten Match meiner Partnerin wohl ausgesehen.

Reto Fehr:
«Hab' mich um zehn Punkte verzählt», motzt Peter und wirft das Stammblatt nach den zwölf Runden hin. «Ihr könnt den Fehler suchen.» Mein Partner Pius zählt nach. Tatsächlich schrieb unser Gegner bei einer Runde 98 Zähler für sich und 69 für uns. Peter sagt: «Dann habt ihr da 10 weniger.» Wir sagen: «Du hast eher falsch gerechnet, weil normalerweise zählen ja die mit weniger.»

Wir einigen uns auf minus fünf Punkte für beide. Wie sich später herausstellen wird, ein Kompromiss, den ich wohl bis an mein Lebensende bereuen werde. Oder bis zum Jasscup 2018.

Albert Rösti nöd dä gröschti

Sandro Zappella:
Nach weit über drei Stunden jassen ohne Pause ist auch die letzte Runde durch. Ich hole auch mit meinem vierten Partner nochmals mehr Punkte als der Gegner, damit lässt es sich leben. Für ganz nach vorne reicht das leider nicht, ich schaffe es aber unter die besten 25 Prozent aller Teilnehmer. Noch wichtiger: Ich bin nicht nur besser als der Titelverteidiger, sondern auch SVP-Parteipräsident Albert Rösti (mit 3364 Punkten nur auf Rang 304) und vor allem mein Chef Reto sind hinter mir klassiert. 

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Albert Rösti verrät den Kollegen vom Ostschweizer «TVO» weshalb er nicht mithalten konnte. Video: streamable

Reto Fehr: 
Ja, der Zappella. Ich hätte gegen alle 319 weiteren Teilnehmer problemlos verlieren können. Aber ausgerechnet gegen den Zappella. Wobei: Verloren hab ich ja nur auf dem Papier. Es trennen uns nämlich genau die verschenkten fünf Pünktli.

Reto Fehr Punkte SVP-Jasscup #mittelmass #hatsichmühegegeben

Meine Punktekarte ist eigentlich ganz in Ordnung ... bild: watson

Punkte Sandro Zappella SVP-Jasscup #grossartig #jassenmitmigrationshintergrund

... hätte der Zappella nicht diese fünf Punkte mehr geholt. 

Weil wir es aber beide in die Top 100 – und als inoffizielle Sieger der Kategorien U40, U30 und Jasser mit Migrationshintergrund – schaffen, gibt's reichlich Preise vom Gabentisch. Man könnte meinen, wir hätten gewonnen.

SVP Jasscup 2017

Bier, Fleisch und Röteli – unsere Redaktionskollegen werden sich über unsere Geschenke freuen. bild: watson

Doch was zählt schon das Resultat, Margrit wusste es schon ganz zu Beginn, als ich sie fragte, wie sie 2010 den Titel holte: «Da braucht's immer auch Kartenglück.»

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    Alle Leser-Kommentare
  • coronado71 21.02.2017 17:49
    Highlight Highlight Toller Artikel - und auch für einen Jass-Trottel (wie ich) sehr unterhaltsam geschrieben. Irgendwo hab' ich glaub' noch Jasskarten herumliegen - die könnte ich mal wieder reaktivieren. Falls ich Fragen habe zu "Trumpf-Nell", "Banner" und "geschmiert" dann weiss ich jetzt ja, wo ich fragen kann :D
  • Platon 20.02.2017 20:13
    Highlight Highlight @Reto Fehr. Wieso zeigt Margrit den Trumpfpuur an? Sie kann ihn doch behalten...
    • Reto Fehr 20.02.2017 21:34
      Highlight Highlight Also, das war so:
      Ich spielte das trumpf-nell, der 1. gegner trumpf-könig, sie das trumpf-banner, der 2. gegner noch irgend einen tiefen trumpf.
      Hätte sie angst vor dem trumpfpuur gehabt, hätte sie nicht die 10 geschmiert.
      (Ziemlich) sicher ist dann: der 2. gegner hat den puur nicht. Sie hat ihn, weil geschmiert. Der erste gegner wohl nicht, weil er hätte das nell gestochen.
    • humpfli 20.02.2017 22:06
      Highlight Highlight Da wäre ich wohl auch nicht drauf gekommen. Hätte genauso gut sein können, dass sie gedacht hat, dass du den puur hast, oder dass es ihr einziger Trumpf war.
  • Spooky 20.02.2017 17:30
    Highlight Highlight Ich kann nicht jassen, habe den Artikel aber trotzdem bis zum Ende gelesen, weil er so spannend geschrieben ist. Habe zwar nur Bahnhof verstanden, aber ich habe gespürt, dass da geniale Jasser gejasst haben 😜💪
  • Nuscheltier 20.02.2017 15:45
    Highlight Highlight Wirklich gelungener Artikel! Ist auch schön spielt die politische Ausrichtung mal nicht eine übergeordnete Rolle!
  • Makatitom 20.02.2017 15:34
    Highlight Highlight Da braucht ihr euch gar nichts darauf einzubilden, die Economiesuisse hat dem Roesti nicht subventionierte Karten untergejubelt, mit denen kann der leider nichts anfangen :)
  • DINIMAMIISCHNDUDE 20.02.2017 15:10
    Highlight Highlight Yes! Ganz guter Artikel :D
  • Lord_Curdin 20.02.2017 15:06
    Highlight Highlight Bitte mehr solche heitere Beiträge!
  • chraebu 20.02.2017 15:05
    Highlight Highlight Tönt nach einem witzigen Ausflug. Und am Jasstisch spielt dann auch die politische Ausrichtung hoffentlich keine zu grosse Rolle.

    Zwei Fragen:

    Der Match zählt bei diesem Modus "nur" 157 und nicht 257?

    Wie wäre es mit einem Watson Jassturnier? -> Aber für die Berner müsste es dann auch noch "richtige" (sprich französische) Jasskarten geben ;)
    • Paesq 20.02.2017 15:31
      Highlight Highlight Jaa, ein Watson Jassturnier, da würde ich sogar meine Anonymität aufgeben. ;)
    • DINIMAMIISCHNDUDE 20.02.2017 15:34
      Highlight Highlight Bin ich auch am Start
    • Sandro Zappella 20.02.2017 15:35
      Highlight Highlight Ja, für den Match gibt es leider keine Bonuspunkte. Das ist in diesem Turnier-Modus praktisch kaum zu umgehen.

      Ein watson-Jassturnier wäre tatsächlich etwas tolles. Vielleicht lässt sich ja sowas organisieren :)
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