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«Verzichte auf vulgäre Ausdrücke» – diese 7 Punkte sind für unsere Olympia-Teilnehmer in Rio auf Twitter und Co. tabu

Die australische Delegation weigerte sich, ins olympische Dorf einzuziehen. Dass es von den offenbar erbärmlichen Zuständen der Zimmer fast keine Bilder gibt, hat auch mit unzähligen Regeln zu tun, die das IOC für die Spiele in Rio aufgestellt hat. Die Schweizer Athleten müssen sich ebenfalls daran halten. Nach dem Eklat vor vier Jahren erst recht. 



Es war der unrühmliche Höhepunkt eines verpatzten Auftritts der Schweizer Fussballmannschaft an den Olympischen Spielen 2012 in London. Nachdem die Truppe von Pierluigi Tami gegen Südkorea 1:2 verloren hatte, setzte Michel Morganella einen Tweet ab, der ihn bis heute begleitet. In der französischen Jugendsprache Verlan schrieb er: «Ich mache alle Südkoreaner nieder. Verpisst euch alle, ihr Bande von geistig Behinderten.» Die Meldung der verbalen Entgleisung des Schweizers ging um die Welt, Swiss Olympic schickte Morganella sofort nach Hause. 

Switzerland's Michel Morganella looks on while Korea's players celebrate after scoring the 1-0 during the Group B preliminary match between Switzerland and South Korea at the City of Coventry Stadium in Coventry, Great Britain, at the London 2012 Olympic Summer Games, pictured on Sunday, July 29, 2012. After a problematic tweet on social media platform twitter after the match, Morganella now faces a possible exclusion from the Swiss Olympic Team. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Auf dem Platz verriss die Nati in Grossbritannien keine grossen Stricke und daneben fiel vor allem Morganella negativ auf.  Bild: KEYSTONE

Ein solcher Ausrutscher soll sich in Rio de Janeiro auf keinen Fall wiederholen. Deshalb hat Swiss Olympic basierend auf den IOC-Vorschriften eine 15-seitige Broschüre verfasst mit Regeln und Verhaltensgrundsätzen. Hier die wichtigsten Punkte: 

Du bist kein Journalist

General view of athletes' accommodation can be seen during a guided tour for journalists to the 2016 Rio Olympics Village in Rio de Janeiro, Brazil, July 23, 2016. REUTERS/Ricardo Moraes

Vom Athletendorf in Rio gibt es praktisch nur offizielle Bilder. 
Bild: RICARDO MORAES/REUTERS

Teammitglieder dürfen während den olympischen Spielen nicht journalistisch tätig sein. Es ist ihnen nicht erlaubt für irgend ein Medium zu schreiben oder zu fotografieren. Ausgenommen davon sind die eigenen Social-Media-Kanäle der Athleten. Ein Beispiel: Marco Brunner vom Schweizer Segelteam hat watson am 26. Juli ein Interview gegeben und über die nicht ganz einfachen Verhältnisse in der Bucht Marina da Gloria berichtet. Selber gemachte Fotos des verschmutzten Wassers oder des Bauschutts im olympischen Dorf durfte er watson nicht zukommen lassen. Er hätte sie allerdings auf seinem Twitter-Account veröffentlichen können. 

Gleich nach dem Wettkampf darfst du nicht allen Interviews geben

epa03339796 Nicola Spirig of Switzerland sits on the Olympic rings caught in the finish line tape as Lisa Norden of Sweden (L who won silver) collapses and  Erin Densham of Australia (bronze,R) slows to a walk after crossing the line in a sprint finish in the women's Triathlon held at Hyde Park, in the London 2012 Olympic Games in London, Britain, 04 August 2012.  EPA/BARBARA WALTON

Nicola Spirig nach ihrem Fotofinish in London. In dieser Zone darf sie nur mit der SRG reden. 
Bild: EPA

Das IOC hat olympische und nicht olympische Zonen definiert. Zur ersten gehören alle Wettkampfstätten und das olympische Dorf. Als nicht olympische Zone gilt die Stadt Rio sowie das House of Switzerland. Zudem gibt es bei der Presse sogenannte Rightholder – das sind die SRG-Medien – und die Non-Rightholder, das sind alle anderen. Nicola Spirig darf nach der Zielüberquerung auf dem Gelände des Triathlons also nur mit dem SRF reden. Im House of Switzerland hingegen dürfte ihr auch watson Fragen stellen. 

Videos aus der olympischen Zone sind tabu

Switzerland's Fabian Cancellara, gold medalist of the Road Cycling Men's Individual Time Trial, holds his gold medal during the medal ceremony after the race at the Beijing 2008 Olympics in Beijing, Wednesday, August 13, 2008. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Hätte sich Fabian Cancellara in diesem Moment in Peking selber gefilmt, er hätte das Material nicht weitergeben dürfen. 
Bild: KEYSTONE

Video und Tonaufnahmen aus der olympischen Zone gehen gar nicht. Da versteht das IOC keinen Spass. Sie dürfen nirgends veröffentlicht werden. Das Recht ist alleine den Rightholdern vorbehalten. Innerhalb der olympischen Zone dürfen die Athleten alleine für sich Aufnahmen machen, diese aber über keinen Kanal weitergeben. 

Poste keine Propaganda 

Michel Morganella

Auszug des damaligen Tweets von Michel Morganella. Vier Jahre später gibt es klare Anweisungen im Umgang mit Twitter.

Social Media erlauben das IOC und Swiss Olympic den Athleten. Es gibt jedoch folgende Vorschriften: 

Du darfst bloggen, aber ...

Tagebuch

Internettagebücher findet das IOC voll okay.

Bloggen ist erlaubt. Selbst Internetportale oder Zeitungen dürfen Blog-Inhalte von Athleten publizieren. Die Sportler sind für den Inhalt verantwortlich. Interviews anderer Teammitglieder sind zum Beispiel verboten. Alle Beiträge müssen in der Ich-Form geschrieben sein. Ist dem nicht so, betrachtet das IOC die Form als Journalismus, was nicht erlaubt ist (siehe Punkt 1). 

Die olympischen Ringe sind heiliger als heilig 

The 2016 Rio Olympics mascot Vinicius attends the inauguration ceremony of the Olympic Rings placed at the Copacabana Beach in Rio de Janeiro, Brazil, July 21, 2016. REUTERS/Ricardo Moraes

Ein solches Bild dürfen Sportler nur mit Bewilligung posten. 
Bild: RICARDO MORAES/REUTERS

Hände weg von den olympischen Ringen. Athleten dürfen diese auf Social Media nicht verwenden. Auch anderes olympisches Eigentum wie das Logo von Swiss Olympic, dieses von Rio 2016 sowie die Maskottchen sind ein heikles Thema. Im Gegensatz zu den Ringen sind sie nicht ganz verboten. Wer eine schriftliche Genehmigung einholt, darf sie posten. 

Decke deine Sponsoren ab

BILDMONTAGE - HANDOUT - Zur Medienmitteilung Swiss Olympic vom 07.07.2016 - Die Beachvolleyballerinnen Isabelle Forrer und Anouk Verge-Depre, Leichtathlet Kariem Hussein, Fechter Max Heinzer und Leichtathletin Mujinga Kambundji, aufgenommen am 23.03.2016 in Zuerich (vlnr). Fuer Rio 2016 hat Swiss Olympic zusammen mit Ausruester Ochsner Sport eine sportlich-elegante Kollektion fuer die Schweizer Olympia-Delegation entworfen. Auch die Fans koennen die Bekleidung des Swiss Olympic Team tragen: Sie ist ab sofort im Handel sowie auf roadtorio.ochsnersport.ch erhaeltlich.(PHOTOPRESS/Swiss Olympic)

Nike rüstet die Schweizer Delegation aus. Daran müssen sich alle halten. 
Bild: PHOTOPRESS

Gibt Stan Wawrinka eine Pressekonferenz in Rio, darf er das nicht in einem Yonex-T-Shirt – seinem persönlichen Ausrüster – tun. Er muss in einem Kleidungsstück der «Swiss Olympic Kollektion 2016» erscheinen. Diese stellt in Rio Nike zur Verfügung. Nur während den Matchs darf er Yonex tragen. Alle zusätzlichen Sponsoren auf seinem Trikot muss er abkleben. Sämtlichen Athleten ist es verboten, in irgendeiner Art Werbung für eine Marke, ein Produkt oder eine Dienstleistung zu machen. 

40 Sportler geschult 

All diese Vorschriften gelten für den Zeitraum vom 27. Juli bis zum 24. August. Jedes Teammitglied muss das entsprechende Regelwerk unterschreiben. Wer dagegen verstösst, dem drohen Geldstrafen oder der Entzug der Akkreditierung. 

Im Vorfeld der diesjährigen Spiele hat Swiss Olympic den Sportlern Medienschulungen angeboten. Laut Sprecher Alexander Wäfler nahmen 40 Athleten das Angebot wahr. 

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