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Olympia 2026: Marco Odermatt und Franjo von Allmen im Vergleich

The winner Franjo von Allmen of Switzerland celebrates with Marco Odermatt of Switzerland after the podium ceremony of the the men's Downhill race at the Alpine Skiing FIS Ski World Cup, in Crans ...
Franjo von Allmen und Marco Odermatt sind die ganz grossen Stars im Swiss-Ski-Team.Bild: keystone

Odermatt gegen von Allmen, Perfektionist gegen Büetzer: So verschieden sind die Ski-Stars

Bisher ist Franjo von Allmen der Star der Olympischen Spiele. Im Super-G möchte Marco Odermatt zurückschlagen. Der grosse Vergleich.
11.02.2026, 06:4311.02.2026, 09:01
Martin Probst, Bormio / ch media

Marco Odermatt ist für viele Skifans fast so etwas wie ein Heiliger. Doch nun kommt Franjo von Allmen und macht ihm seinen Platz im Skiolymp streitig. Es ist ein Duell der Giganten. Hier Odermatt, 28-jährig, der Traum aller Schwiegermütter. Da von Allmen, 24-jährig, Typ bodenständiger Büezer. Vor dem Olympia-Super-G am Mittwoch vergleichen wir die beiden.

Charakter

Marco Odermatt: Er erinnert mit seiner Art immer mehr an Roger Federer. Egal, was Marco Odermatt tut, er macht es eloquent, professionell und sympathisch. Odermatt ist ein Perfektionist. Er führt To-do-Listen und Renntagebücher. Er reflektiert und analysiert – und überlässt nichts dem Zufall.

Fast alles in Odermatts Leben folgt einem Plan. Selbst das Auspacken der Kleider. «Ich kann nicht nach Hause kommen und einfach den Koffer in den Gang stellen. Ich will alles verräumen – zack, zack, zack –, dann duschen, bäm, und dann ... kann ich mich entspannen», sagt er in seiner Biografie.

Odermatt ist ein Teamplayer. Selbst nach Enttäuschungen zieht er sich nicht zurück. Unvergessen sind die Bilder, die ihn an der WM 2025 mit Halbglatze zeigen. Obwohl er in der Abfahrt das Podest verpasste, feierte er ausgelassen und ohne Neid mit den Schweizer Medaillengewinnern.

Die wilden «Frisuren» der Schweizer Skirennfahrer nach WM-Gold

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Die wilden «Frisuren» der Schweizer Skirennfahrer nach WM-Gold
Bilder für die Ewigkeit. Die Schweizer Abfahrer und ihre Trainer erschienen bei der Siegerehrung der WM-Abfahrt 2025 mit spektakulären Frisuren und sorgten für Schlagzeilen über die Landesgrenze hinaus.
quelle: keystone / jean-christophe bott
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Franjo von Allmen: Am frühen Morgen ist Franjo von Allmen gemäss eigener Aussage nur schwer zu ertragen. Das führt sogar so weit, dass er extra früh aufsteht, damit er alleine frühstücken kann. Im Weltcup teilt er sich das Zimmer meist mit Lars Rösti. Und der braucht einen richtig guten Schlaf – von Allmen gilt als lautester Schnarcher im Team der Schweizer Skifahrer.

Dafür schläft er selbst «wie ein Baby». Überhaupt lässt sich von Allmen selten aus der Ruhe bringen. «Ich bin eigentlich nie nervös», sagt er. Diese Unbekümmertheit spiegelt sich in seinem Fahrstil. Von Allmen fährt mit Risikobereitschaft und Mut. Das führt aber immer wieder zu brenzligen Situationen.

Von Allmen spricht, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Der Berner ist so etwas wie der Gölä des Skisports. Im Schweizer Skiteam ist er weniger stark verankert als Odermatt. Er braucht weniger Harmonie und sucht auch mal den eigenen Weg. Er sagt: «Ich funktioniere nicht wie Marco.»

KEYPIX - Switzerland's Franjo von Allmen reacts in the finish area during the men's alpine skiing team combined downhill race at the 2026 Olympic Winter Games at the Stelvio Ski centre in Bo ...
Von Allmen ist bisher die grosse Schweizer Figur an den diesjährigen Winterspielen.Bild: keystone

Popularität

Marco Odermatt: Sobald Marco Odermatt an einem Skirennen auftaucht, kreischen die Fans. Sein Fanklub hat über 3500 Mitglieder aus zwanzig Nationen. Und auf Instagram folgen Odermatt bald 600'000 Personen. Odermatt ist ein Idol – und bewegt sich gekonnt auf jedem Parkett. Auch auf dem roten Teppich fühlt er sich wohl. Das macht ihn zum perfekten Botschafter.

Die «Fanliebe» hat aber auch Schattenseiten. Immer öfter muss Odermatt von betrunkenen Fans abgeschirmt werden. Einmal wurde er sogar am Hintern begrapscht. Der Kontakt mit den Fans führt auch zu speziellen Situationen. Beispielsweise, als an einem Autogrammtermin plötzlich eine Frau auftauchte, die Odermatts Unterschrift auf ihr Dekolleté tätowiert hatte.

epa12694038 Marco Odermatt (R) of Switzerland takes photographs with fans in the finish area after a training session for the men's Downhill race at the Alpine Skiing FIS Ski World Cup, in Crans- ...
Die Fans lieben Odermatt.Bild: keystone

Franjo von Allmen: Im privaten Kreis ist von Allmen ein geselliger Typ. Auf die grosse Bühne könnte er verzichten, gewöhnt sich aber immer mehr daran. «Wenn ich den Rummel sehe, den Marco erlebt, bin ich froh, ist es bei mir anders», sagt er. Gleichzeitig steigt mit den Erfolgen auch das Interesse an seiner Person rapide an. Nach seinem Olympia-Sieg in der Abfahrt interessierten sich auch Journalisten aus Japan und den USA für ihn. «Ich muss dringend an meinem Englisch arbeiten», bilanzierte er.

Auf Instagram folgen von Allmen fast 250'000 Menschen. Sein Fanklub knackt bald die Marke von 1000 Mitgliedern. Und mit jedem Erfolg steigt der Absatz des Schnapses, den der Fanklub nach seinem Geheimrezept vertreibt.

Fans celebrate for the winner Franjo von Allmen of Switzerland during the price giving ceremony of the men's Downhill race at the Alpine Skiing FIS Ski World Cup, in Crans-Montana, Switzerland, S ...
Auch von Allmen ist bei den Zuschauern sehr beliebt.Bild: keystone

Kindheit

Marco Odermatt: Als Kind konnte es Marco Odermatt kaum abwarten, Rennfahrer zu werden. Kurz nach seinem zweiten Geburtstag stand er erstmals auf Ski. Sein Vater war damals Trainer im Skiclub Hergiswil. «Marco wollte ständig mit ins Training. Aber erst, als er selbstständig auf die Toilette konnte, nahm ich ihn mit. Er war 5 oder 6», sagt Vater Walter Odermatt.

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Odermatt zusammen mit seinen Eltern Priska und Walter Odermatt.Bild: keystone

Aufgewachsen ist Odermatt in Buochs. «A de Matt» liessen sich vor rund 600 Jahren seine Vorfahren nieder. Als Skifahrer ging er den klassischen Weg. Noch heute ist er komplett in die Strukturen von Swiss-Ski integriert.

Odermatt besuchte die Sportmittelschule Engelberg und schloss die Matura mit Auszeichnung ab. Schon früh träumte er von den grossen Siegen – der Riesenslalom in Adelboden wurde zu seinem Sehnsuchtsort. 2018 gewann er an den Junioren-Weltmeisterschaften fünfmal Gold.

Franjo von Allmen: Die Schule prägte Franjo von Allmen fürs Leben – oder besser gesagt: der Schulweg. 400 Höhenmeter musste er zweimal täglich überwinden. Meist auf dem Velo. Nach Hause ging es bergauf.

Von Allmen wuchs in Boltigen auf. Am Jaunpass lernte er das Skifahren. «Unsere Mutter stellte uns die Ski an die Bushaltestelle, damit wir nach der Schule keine Zeit verlieren», sagt er. Anders als Odermatt träumte er nicht von einer Skikarriere: «Wir machten vor allem viel Blödsinn», erinnert er sich.

Trotzdem trat von Allmen dem lokalen Skiklub bei und fuhr schon bald Rennen – und das ziemlich schnell. Zu den Siegerehrungen kam er oft zu spät, weil er mit Freunden noch irgendwo eine Schanze baute. 2022 gewann von Allmen an den Junioren-Weltmeisterschaften dreimal Silber.

Als von Allmen 17 war, verstarb unerwartet sein Vater. Das Geld wurde knapp. Freunde organisierten ein Crowdfunding – und retteten damit von Allmens Karriere. Daneben schloss er eine Lehre als Zimmermann ab.

Einkommen

Marco Odermatt: Insider schätzen, dass Marco Odermatt inzwischen jährlich Einnahmen von bis zu fünf Millionen Franken generiert. Die Preisgelder – Odermatt gewann in seiner Karriere über 3,5 Millionen Franken – machen dabei nur einen Teil aus. Odermatt hat laufende Verträge mit 17 Premiumpartnern, fünf Ausrüstern und drei Supportern.

Odermatt könnte aber noch viel mehr verdienen. Fast täglich müsse er Angebote ablehnen, sagte sein Manager Michael Schiendorfer dieser Zeitung. Ein kasachischer Multimillionär wollte beispielsweise einmal 150'000 Franken für zwei private Skitage mit Odermatt bezahlen. «Mit solchen Dingen fangen wir aber gar nicht erst an», sagt Schiendorfer.

Winner Switzerland's Marco Odermatt, right, and fellow-countryman second placed Franjo von Allmen pose with their trophies of a men's World Cup super-G, in Kitzbuehel, Friday, Jan. 23, 2026. ...
Von Allmen und Odermatt werden beide von Red Bull gesponsort.Bild: keystone

Franjo von Allmen: Sein Geld gibt Franjo von Allmen gerne aus. «Das ist doch auch etwas Schönes, oder nicht?», sagt er. Im Vergleich zu Marco Odermatt ist er im Bereich der Vermarktung allerdings zurückhaltend. «Marco macht mehr, als ich es mir zurzeit vorstellen kann», sagt er.

Von Allmen besitzt neben einem Hauptsponsor fünf Premiumpartner, drei Ausrüster und zwei Supporter. Bei den Karrierepreisgeldern überschritt er jüngst die Grenze von einer halben Million Franken. Nach seinem WM-Titel 2025 schätzte ein Insider, von Allmen könne mit Sponsoren pro Jahr bis zu einer Million Franken verdienen. Künftig dürfte es noch deutlich mehr sein.

Privatleben

Marco Odermatt: Mit Stella Parpan ging Marco Odermatt schon in den Kindergarten. Doch erst vor sechs Jahren wurden die beiden ein Paar, nachdem sie sich zwischenzeitlich etwas aus den Augen verloren hatten. Odermatt schrieb ihr auf Instagram, sie lud ihn zu einem Spieleabend ein. Seit vergangenem Frühling wohnen sie in einer Wohnung in Ennetbürgen.

Marco Odermatt of Switzerland celebrates with his girlfriend Stella Parpan during the medals ceremony of the men's Downhill race at the 2025 FIS Alpine World Ski Championships, in Saalbach-Hinter ...
Odermatt zusammen mit seiner Partnerin Stella Parpan.Bild: keystone

Franjo von Allmen: Mit seinem Bruder Kilian wohnt Franjo von Allmen im ehemaligen Elternhaus in Boltigen. Zum Putzen kommt regelmässig die Grossmutter vorbei. Am wohlsten fühlt sich von Allmen unter ehemaligen Handwerkerkollegen. «Ich würde manchmal gerne zurück auf den Bau und ein wenig quatschen», sagt er. Über seinen Beziehungsstatus schweigt von Allmen.

Hobbys

Marco Odermatt: Neben den Bergen hat es Marco Odermatt das Wasser angetan. Er ist im Besitz des Bootführerscheins und auch gelegentlich auf dem Surfbrett anzutreffen. Seit einigen Jahren ist Odermatt Mitglied in einem Tennisklub. Und mit den Teamkollegen vertreibt er sich die Zeit beim Jassen.

Auch einer Party ist Odermatt nicht abgeneigt. Odermatt versteht es, Erfolge richtig auszukosten. Zumindest, wenn es der Moment erlaubt. Nach seinem Weltmeistertitel in der Abfahrt 2023 stürmte Odermatt in eine Après-Ski-Bar. Die Bilder gingen viral. Danach sagte er: «Das bin ich als Typ und wenn es jemanden stört, ist mir das egal. Ich habe da schon meine Grenzen.»

Franjo von Allmen: Als Ausgleich zum Skifahren schraubt Franjo von Allmen gerne an alten Autos. Er selbst besitzt einen Golf der ersten Generation. Aber auch das Motocrossfahren hat es ihm angetan. Im Sommer lässt er es auf dem Töff ordentlich krachen. Nicht immer zur Freude seiner Trainer. «Aber das lasse ich mir nicht nehmen», sagt er.

Auch von Allmen weiss, wie man feiert. Nach seinem Weltmeistertitel 2025 sagte der Berner: «Heute gehen wir zu Boden.» Von Allmen braucht diesen Ausgleich. Gleichzeitig ist er sich bewusst, wann er sich zurücknehmen muss. Nach Gold in der Team-Kombination sagte er mit Blick Richtung Olympia-Super-G: «Das Feiern überlasse ich Tanguy Nef. Ich muss Energie sparen.» (riz/aargauerzeitung.ch)

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