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Spain's Rafael Nadal poses for photographers with his trophy after his win over Switzerland's Roger Federer in the men's singles final on the Centre Court at Wimbledon, Sunday, July 6, 2008. (AP Photo/Filipe Trueba,pool)

2008: Rafael Nadal posiert in der Londoner Dunkelheit mit der Wimbledon-Trophäe. Bild: AP POOL,EPA

Legendärster Wimbledon-Final: «Werden noch im Schaukelstuhl darüber sprechen»

Heute vor genau zehn Jahren schreiben Roger Federer und Rafael Nadal Sportgeschichte. Im Wimbledonfinal spielen sie den für viele besten Tennismatch aller Zeiten.



Tiebreak im 4. Satz. Matchball Nadal – und Federer spielt den besten Rückhand-Passierball des gesamten Turniers. Drei Minuten später hat er den Final ausgeglichen, der sechste Wimbledontitel in Folge ist immer noch möglich.

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Die erweiterten Highlights der Partie. Video: YouTube/Wimbledon

Es sind Bilder wie dieses, die im Kopf jedes Sportfans haften geblieben sind. Erst dieser Final machte aus der in der Tennisszene bereits grossen Rivalität zwischen den beiden Stars eine der weltweit meistbeachteten Sportgeschichten überhaupt. Federer und Nadal liessen die relativ kleine Welt des Tenniszirkus hinter sich. Erstaunlich: Auch zehn Jahre später sind die beiden immer noch – oder wieder – die Nummern 1 und 2 der Welt.

Stoff für einen Film

Die Partie hatte alles, was ein Klassiker braucht. Drama mit zwei Regenunterbrechungen, fantastisches Tennis, ein Favorit, der sich nach klarem Rückstand zurückkämpft und schliesslich der Underdog, der bei einbrechender Dunkelheit endlich den Titel holt, von dem er schon als Kind geträumt hatte. Es ist jetzt sogar Stoff für einen 98-minütigen Film des amerikanischen «Tennis Channel».

«Bei diesem Matchball habe ich gedacht: Das ist es, ich gewinne Wimbledon.»

«Ich denke sonst nie, ich gewinne, aber bei diesem Matchball habe ich gedacht: Das ist es, ich gewinne Wimbledon», erzählt Nadal im Film. Es war es noch nicht. «Das war das schlimmste Gefühl, das ich je auf einem Tennisplatz hatte.» Um 19.53 Uhr Lokalzeit – beim Stand von 2:2 im 5. Satz – setzt nochmals Regen ein, das Ende am gleichen Abend scheint kaum noch möglich.

FILE - In this July 6, 2008, file photo, Switzerland's Roger Federer, left, and Spain's Rafael Nadal pose with their trophies after Nadal defeated Federer in the Men's Singles final at the Wimbledon tennis tournament in London. Go back 15 years, to the start of Wimbledon in June 2003, Federer was 21 and had not yet reached No. 1 in the ATP rankings. Nadal hadn't hadn't even entered a major tournament in 2003. These days, he trails only Federer in the all-time men's Grand Slam standings, with 17 of his own, including No. 11 at the French Open just this month. (AP Photo/Anja Niedringhaus, File)

Roger Federer und Rafael Nadal nach dem epischen Final. Bild: AP/AP

Dan Bloxham, der Headcoach des organisierenden All England Lawn Tennis and Croquet Clubs und der Mann, der die Spieler im Final jeweils auf den Centre Court führt, wartet dennoch mit den Spielern in der Garderobe. Das ist nicht Fussball, die Kontrahenten auf dem Platz teilen sich den selben Raum.

Um 20.23 Uhr erfolgt der Ruf zur Fortsetzung. Als Bloxham mit den Spielern zurückkommt, sind die Helfer erst gerade daran, das Netz wieder zu installieren. Man verliert diesmal keine Sekunde. Nach menschlichem Ermessen bleibt noch etwa eine halbe Stunde genügend Tageslicht.

«Das ist wahrscheinlich meine härteste Niederlage.»

Roger Federer

Es ist dann aber zehn nach neun, als Nadal das erste Break des 5. Satzes zum 8:7 gelingt. Die Leute vor dem Fernseher können nicht ahnen, wie dunkel es schon ist, erst Bilder von der Siegerehrung mit dem Blitzlicht der Fotografen machen klar, dass kaum eine Minute länger hätte gespielt werden können. Bei 8:8 wäre die Fortsetzung auf Montag verschoben worden. Es wäre irgendwie ein unbefriedigendes Ende gewesen – ausser vielleicht für Federer.

Switzerland's Roger Federer sits in his courtside chair following his five set loss to Spain's Rafael Nadal in the men's singles final on the Centre Court at Wimbledon, Sunday, July 6, 2008. (AP Photo/Anja Niedringhaus)

Ein enttäuschter Roger Federer sitzt nach der Niederlage auf seinem Stuhl. Bild: AP

«Das ist wahrscheinlich meine härteste Niederlage», sagte der damals 26-jährige Schweizer – und sieht das noch heute so. Aber er weiss mittlerweile auch den Wert dieser Niederlage einzuschätzen. «Ich brauchte ein paar Wochen, um zu realisieren, dass es ein grossartiges Spiel war. Und die Niederlage machte mich vielleicht irgendwie menschlicher.» Tatsächlich bekamen die Tennisfans Qualitäten des «Mr. Perfect» zu sehen, die er in den Jahren zuvor kaum je gebraucht hatte: Kampfgeist, Entschlossenheit und der Wille, nie aufzugeben.

«Ich werde nicht verlieren»

Für Nadal wäre eine Niederlage allerdings wohl noch bitterer gewesen. Er hatte bereits im Jahr zuvor in fünf Sätzen gegen Federer verloren, obwohl er eher der bessere Spieler gewesen war. In der Nacht darauf weinte er bittere Tränen, wie er in seiner Autobiographie gestand. «Ich dachte, das war vielleicht meine letzte Chance, Wimbledon zu gewinnen.»

Im Gegensatz zu vielen Spaniern hatte er als Bub nicht nur das Sandmekka Roland Garros im Blickfeld. «Ich träume davon, Wimbledon zu gewinnen», sagt ein Nadal im Teenager-Alter im Film «Strokes of Genius» (Geniestreiche).

«Ich glaube, wir werden in vielen Jahren noch im Schaukelstuhl davon erzählen.»

Rafael Nadal

Es ist allerdings anzunehmen, dass sich Nadal auch von einem weiteren Rückschlag nicht hätte entmutigen lassen. Toni Nadal, sein Coach und Onkel, erinnert sich, dass er dachte, er müsse seinen Schützling beim zweiten Regenunterbruch aufmuntern. Weit gefehlt. Im Film erklärt Rafael Nadal seine Gemütslage: «Ich sagte zu Toni: Ich werde dieses Spiel nicht verlieren. Es kann sein, dass Roger gewinnt. Aber es wird nicht sein, weil ich verliere.»

Spain's Rafael Nadal falls to the court after defeating Roger Federer, in the Men's Singles final on the Centre Court at Wimbledon, Sunday, July 6, 2008. (AP Photo/Alessia Pierdomenico, pool)

Rafael Nadal liegt nach seinem Triumph auf dem Rasen von Wimbledon. Bild: AP POOL, REUTERS

Dieses Spiel, zusammen mit vielen anderen, hat Federer und Nadal zusammengeschweisst. «Ich glaube, wir werden in vielen Jahren noch im Schaukelstuhl davon erzählen.» Vor allem machte diese Rivalität beide Spieler besser. Oder wie es Federers Fitnesscoach und langjährige Mentor Pierre Paganini sagt: «Roger ist ein Artist, der auch kämpfen kann. Und Nadal ist ein Fighter, der auch ein Künstler sein kann.»

Nie wurde dies deutlicher als an diesem Nachmittag und Abend des 6. Juli 2008 in Wimbledon. Selbst John McEnroe, sonst nie um einen Spruch verlegen, fehlten für einmal die Worte. «Dieses Spiel spricht für sich selbst, da muss man nichts mehr sagen», meinte der dreifache Wimbledonsieger als Kommentator des amerikanischen TV-Senders ESPN.

Und er prophezeite: «Von diesem Spiel wird man in zehn Jahren noch reden.» Tut man. Und: «Ich glaube nicht, dass es in den nächsten 50 Jahren ein besseres Spiel geben wird.» Auch da wagt ihm keiner zu widersprechen. (abu/sda)

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