Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Nach einem Anruf aus Paris fuhr Lucky Loser Marco Trungelliti mit dem Auto in 10 Stunden von Barcelona nach Paris.  bild: weiter

Die 10-Stunden-Odyssee, die in einem Tennis-Märchen endete

Der glückliche Lucky Loser und seine Oma: Marco Trungelliti war schon mit der Grossmutter in den Ferien, als ihn ein Anruf aus Paris ereilte. Nach einer 10- stündigen Autofahrt schrieb er ein Tennis-Märchen, das noch nicht zu Ende ist.

simon Häring, paris / Aargauer Zeitung



Am frühen Morgen, um 07.40 Uhr, als auf der Anlage des French Open noch Vogelgezwitscher zu hören ist, hilft ein junger Mann mit wilden Locken einer älteren Dame eine Treppe hoch. Es sind der Argentinier Marco Trungelliti und seine Grossmutter Daphne. Jetzt sind beide so etwas wie Stars für einen Moment. Denn 24 Stunden zuvor waren der Tennisspieler und seine Grossmutter noch im 1098 Kilometer entfernten Barcelona am Strand

«Meine Grossmutter war in der Dusche, als ich ihr sagte: ‹Okay, wir gehen nach Paris.›»

Marco Trungelliti

Am Donnerstag hatte Trungelliti im Final der French-Open-Qualifikation verloren. Seine Aussichten, für einen verletzten Spieler als Lucky Loser ins Hauptfeld aufzurücken, waren gering. Doch es kam anders. Gleich acht Spieler sagten noch ab, und weil der Inder Prajnesh Gunneswaran, der als Nächster aufgerückt wäre, bereits beim nächsten Turnier in Italien weilte, kam Trungelliti zum Handkuss.

«Meine Grossmutter stand unter der Dusche, als ich sagte: ‹Okay, wir gehen nach Paris›», erzählte Trungelliti. Also packte er die Tasche und fuhr die zehn Stunden im Auto nach Paris. Drei Flüge von Barcelona nach Paris waren am Sonntag gestrichen worden, «und der französischen Bahn traute ich nicht», sagte Trungelliti. Seinen Roadtrip durch Frankreich dokumentierte der 28-jährige Argentinier mit seinem Smartphone.

Oma hat «von Tennis keine Ahnung»

Erst um 23.50 Uhr checkten er, sein Bruder Andre, Mutter Susanne und Grossmutter Daphne im Hotel ein. Nur fünf Stunden schlief Trungelliti. Bis um 10.30 Uhr musste er am nächsten Tag im Turnierbüro seine Teilnahme mit einer Unterschrift bestätigen, eine halbe Stunde später stand er bereits auf dem Platz. Doch die Geschichte wird noch besser: Nur drei Mal stand die aktuelle Nummer 190 der Welt im Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers, und noch nie war er in der 1. Runde gescheitert.

Auch gestern nicht: Trungelliti besiegte den Australier Bernard Tomic, der sich zuvor durch die Qualifikation gespielt hatte, in 3:30 Stunden und vier Sätzen. 35'000 Dollar Preisgeld hat Trungelliti in diesem Jahr bisher verdient. Alleine in Paris kommen nun 59'000 Euro dazu.

Argentina's Marco Trungelliti's grandmother Dafne Botta and his brother Andre answer reporters after he defeated Australia's Bernard Tomic in their first round match of the French Open tennis tournament at the Roland Garros stadium, Monday, May 28, 2018 in Paris. Trungelliti defeated Tomic 6-4, 5-7, 6-4, 6-4. (AP Photo/Alessandra Tarantino)

Dafne Botta fuhr mit ihrem Enkel von Barcelona nach Paris. Bild: AP/AP

Für jemanden, der in den letzten sieben Jahren zwischen Platz 126 und 400 in der Welt platziert war, eine Menge Geld. Die Benzinkosten für die Fahrt sind damit längst gedeckt. Doch das Abenteuer geht am Mittwoch gegen den Italiener Marco Cecchinato weiter.

Nicht überliefert ist, wie sehr sich Grossmutter Daphne darüber freut. Sie wollte in Barcelona eigentlich nur eines: an den Strand. Und den gibt es in Paris bekanntlich nicht. «Sie hat von Tennis keine Ahnung und weiss nicht mal, wie man zählt. Sie hat erst kapiert, dass ich gewonnen habe, als alle geklatscht haben», erzählte der Enkel. Immerhin: Ein bisschen stolz sei sie dann doch auf ihn gewesen.

Die besten Bilder des French Open 2018

Unvergessene Tennis-Geschichten

«Yips» beschert Kurnikowa einen unglaublichen Negativrekord – und trotzdem gewinnt sie

Link zum Artikel

Hingis bodigt in Melbourne erst Serena Williams und macht dann Kleinholz aus Venus

Link zum Artikel

Federer nach seinem ersten Sieg gegen eine Nummer 1: «Jetzt will ich in die Top 10»

Link zum Artikel

«Disgusting bitch!» – Patty Schnyder teilt mal so richtig aus

Link zum Artikel

Vier vergebene Matchbälle! Hingis' Traum schmilzt in Melbourne bei 50 Grad weg

Link zum Artikel

Eine krachende Vorhand rettet Federer auf dem Weg zum Karriere-Slam

Link zum Artikel

Paris verliebt sich in Nadal, das «Kind mit der donnernden Linken»

Link zum Artikel

Chang treibt Lendl mit Mondbällen und «Uneufe»-Aufschlag in den Wahnsinn

Link zum Artikel

Mit einem Return für die Ewigkeit beendet Federer die Wimbledon-Ära des grossen Sampras

Link zum Artikel

Oh là là! Eine Flitzerin stiehlt den Wimbledon-Finalisten kurz die Show

Link zum Artikel

Mit 16 wird Martina Hingis die jüngste Wimbledon-Siegerin des 20. Jahrhunderts

Link zum Artikel

Wimbledon-Triumph als Weltnummer 125 – Ivanisevics Traum wird endlich wahr

Link zum Artikel

Djokovic fügt Wawrinka die Mutter aller heroischen und bitteren Niederlagen zu

Link zum Artikel

Gut gebrüllt: «Niemand schlägt Vitas Gerulaitis ­17 Mal hintereinander!»

Link zum Artikel

Weil sich Courier von Kuhglocken irritieren lässt, darf die Schweiz vom Davis Cup träumen

Link zum Artikel

Frankreich holt sich den dramatischsten Davis-Cup-Triumph der Geschichte

Link zum Artikel

Im Interview mit CNN hat Roger Federer seinen legendären Lachanfall

Link zum Artikel

Wegen Rossets Dummheit des Jahres bricht Hingis beim Hopman Cup in Tränen aus

Link zum Artikel

Nach Federers Gegensmash schmeisst Roddick frustriert sein Racket weg

Link zum Artikel

Nach den Olympischen Spielen in Sydney entfacht die grosse Liebe zwischen Roger und Mirka

Link zum Artikel

«Who is the beeest? Better than the reeest?» – Federer rockt beim Davis Cup das Festzelt

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen

Unvergessen

Söderling haut Nadal raus und ebnet Federer den Weg zum Karriere-Grand-Slam

31. Mai 2009: Im Achtelfinal der French Open geschieht Historisches. Robin Söderling, die Weltnummer 25, schlägt den vierfachen Titelträger Rafael Nadal, der bis dahin in 31 Spielen bei den French Open unbesiegt blieb.

Deutlicher könnte die Ausgangslage kaum sein: Der topgesetzte Rafael Nadal trifft im Achtelfinal der French Open auf die Weltnummer 25, Robin Söderling aus Schweden. Seit seinem Paris-Debüt 2005 hat der Spanier insgesamt 31 Matches und vier Titel gewonnen. Seit Roger Federer im Final 2007 war es keinem Spieler in Paris mehr gelungen, Nadal auch nur einen Satz abzunehmen.

Und da steht er nun, dieser Robin Söderling. Vor einem Monat hatte Nadal den Schweden in Rom noch mit 6:1 und 6:0 gedemütigt.

Doch …

Artikel lesen
Link zum Artikel