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50-50: Shohei Ohtani knackt Baseball-Rekorde und begeistert die USA

Los Angeles Dodgers' Shohei Ohtani heads to third as Freddie Freeman grounds into a double play to end the third inning of a baseball game against the Colorado Rockies, Sunday, Sept. 22, 2024, in ...
Bester Baseballer der Welt: Shohei Ohtani.Bild: keystone

«Ich habe keine Ahnung, warum ich so gut bin» – dabei ist Shohei Ohtani ausserirdisch gut

Ein Japaner begeistert die Sportfans in den USA. Der Baseballspieler Shohei Ohtani stellt gerade neue Rekorde auf, die kaum von dieser Welt sind.
23.09.2024, 19:19
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50-50 – die Kombination wird in der Regel verwendet, um etwas ausgeglichenes zu beschreiben. In der Major League Baseball hat 50-50 eine andere Deutung. Shohei Ohtani hat es unlängst als erster Spieler in der Geschichte geschafft, in einer Saison sowohl 50 Homeruns zu schlagen wie auch 50 Bases zu stehlen.

Um zu verdeutlichen, wie einzigartig diese Leistung ist, hilft ein Blick in die Bibliotheken voller Baseball-Statistiken. Denn es gab in der Major League überhaupt erst zwei Spieler, die in beiden dieser Statistiken einmal in ihrer Karriere auf 50 oder mehr kamen. Das waren Barry Bonds (1990: 50 Steals, 2001: 73 Homeruns) und Brady Anderson (1992: 53 Steals, 1996: 50 Homeruns).

Los Angeles Dodgers' Shohei Ohtani drops his bat as he heads to first for a solo home run during the ninth inning of a baseball game against the Colorado Rockies, Sunday, Sept. 22, 2024, in Los A ...
Auf zum nächsten Homerun: Ohtani am Sonntag gegen die Colorado Rockies.Bild: keystone

Ein mehr als perfektes Spiel

Ohtani ist dieses Double in der gleichen Saison gelungen – und diese Saison dauert zudem noch an. Die Los Angeles Dodgers, bei denen der Japaner mit einem Zehn-Jahres-Vertrag insgesamt 700 Millionen Dollar verdient, haben in der Regular Season noch sechs Partien vor sich. Aktuell steht der 30-jährige Ohtani bei 53 Homeruns und 55 Steals.

Dabei ist das Erreichen dieser aussergewöhnlichen 50-50-Marke nur die halbe Geschichte, weshalb die USA (wieder einmal) im Ohtani-Fieber sind. Denn die Art und Weise, wie er diese Marke erreichte, war für ESPN-Analytiker David Schoenfield «die vielleicht beste individuelle Leistung in der Geschichte der Major League Baseball». Denn ihm gelang gegen Miami dies alles:

Wer sich mit Baseball beschäftigt, kann diesen Abschnitt überspringen. Allen anderen sei kurz erklärt, was die Begriffe bedeuten:

  • RBI = Run Batted In. Einem Schlagmann wird ein RBI angerechnet, wenn durch seine Aktion ein Läufer einen Punkt erzielt.
  • Hits. Erreicht ein Schlagmann nach einem Treffer eine Base, kann er sich einen Hit notieren.
  • XBH = Extra Base Hits. Kommt ein Schlagmann nach einem Treffer über die erste Base hinaus, gibt es in dieser Statistik ein «Strichli».
  • HR = Homerun. Ein Schlagmann schafft dies, wenn er nach einem Treffer alle vier Bases ablaufen und die Home Plate erreichen kann. Dazu muss er den Ball in der Regel aus dem Feld befördern.
  • SB = Stolen Base. Ein Spielzug, bei dem ein Läufer während eines gegnerischen Pitches zur nächsten Base vorrückt und diese erfolgreich erreicht, ohne «Aus» gemacht zu werden.

Wie die Mondlandung

Nur Aaron Judge von den New York Yankees hat mit 55 Homeruns noch mehr dieser besonders spektakulären Schläge geschafft als Ohtani. Der Japaner wird als Stilist beschrieben, der mit einem unglaublichem Drehmoment aus Hüften und Beinen schlägt. «Kraftvoll, majestätisch und absolut grossartig», fasst Schoenfield zusammen.

«Das ist wie Neil Armstrongs Spaziergang auf dem Mond. Eine unmögliche Leistung, ermöglicht durch den unmöglichsten Spieler, den wir je gesehen haben.»
David Schoenfield, ESPN-Analytiker, über Shohei Ohtanis Erreichen von 50-50

Der Spieler selber sagte, er könne nicht genau sagen, weshalb ihm so viele Homeruns gelingen wie nie zuvor in der Karriere. «Ich kenne den Grund nicht und ehrlich gesagt, bin ich vermutlich am meisten überrascht. Ich habe keine Ahnung, aber ich bin froh, dass ich heute gut gespielt habe», sagte Ohtani nach seinem historischen Spiel.

Mit einem Homerun macht Ohtani seine 50-50-Saison perfekt.Video: YouTube/MLB

«Dahinter steckt eine Menge Arbeit»

Eindrücklich sind auch die gestohlenen Bases, für die ein Spieler zugleich schnell, schlau und mutig sein muss. Sitzt Ohtani auf der Bank – im Baseball stehen nie alle Spieler gleichzeitig im Einsatz – schaut er besonders aufmerksam zu und tauscht sich häufig mit den Coaches aus.

Dem Japaner entgeht kein Detail, wenn er den Gegnern zuschaut; und er analysiert, wann es sich auszahlen kann, den Versuch eines Diebstahls zu wagen. Für Clayton McCullough, den First Base Coach der Dodgers, spricht das Erreichen der 50-50-Marke deshalb für das Gespür, das sein Schützling fürs Baseball habe. «Und es zeigt, wie sehr er sich um Nuancen kümmert. Denn es ist kein Zufall, dass er diese Marke erreicht hat, dahinter steckt eine Menge Arbeit.»

Los Angeles Dodgers' Shohei Ohtani, right, slides into second in an attempt to steal as Milwaukee Brewers second baseman Brice Turang jumps over him during the third inning of a baseball game Sun ...
Vor dem Ball da: Ohtani klaut gegen die Milwaukee Brewers eine Base.Bild: keystone

Erstmals Playoffs – und schon 60-60 im Visier?

Neue Regeln haben das Stehlen von Bases zwar begünstigt, in der letzten Saison war die Anzahl so hoch wie zuletzt 1987. Besser als Ohtani ist aber nur einer, Elly De La Cruz von den Cincinnati Reds mit 65 Stolen Bases. Weil der Japaner sich gut vorbereite, sagt sein Coach. «Er hat ein sehr gutes Auge. Und ich denke, dass er auch in Echtzeit Dinge erkennt und spontan handelt, wenn er das Gefühl hat, dass es sich lohnen kann.»

Nach dieser Regular Season wird Shohei Ohtani Neuland kennenlernen: Erstmals überhaupt hat er sich mit seinem Team für die Playoffs qualifiziert. Aber vorher stellt er vielleicht in den letzten sechs Spielen noch einen weiteren wahnwitzigen Rekord auf. «So wie ich ihn kenne, wird er wahrscheinlich schon 60-60 ins Visier genommen haben», sagte Dodgers-Cheftrainer Dave Roberts. «Bei ihm weiss man nie.»

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10 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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magicfriend
23.09.2024 19:42registriert Oktober 2014
Habe dem schon gerne bei den Angels zugeschaut. Und um sein absolutes Talent zu unterstreichen: Der hat bei den Angels eher mehr gepitcht als geschlagen. Also er war auch Werfer. Man kann dies wohl am besten so vergleichen: Ein Spieler ist bei einem bekannten Profi-Fussballverein Torhüter und auch problemlos als Feldspieler auf der Flügelposition einsetzbar. Dass dies ein Junior im früheren Alter kann, mag ja sein. Dass man dies auch als Profi noch schafft ist absolut aussergewöhnlich. Der Typ ist ein Phänomen. Und dabei völlig am Boden geblieben.
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Jupiter Jones
23.09.2024 20:08registriert September 2016
…und was bei dieser unglaublichen Offensiv-Leistung nicht vergessen werden darf: Er ist auch noch einer der besten Pitcher der Welt (wenn auch aktuell am Wurfarm verletzt).
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