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Olympia in Rio: Dan Craven, bärtiger Veloprofi aus Namibia

Dan Craven of Namibia competes in the men's road cycling individual time trial at the 2016 Summer Olympics in Rio de Janeiro, Brazil, Wednesday, Aug. 10, 2016. (Bryn Lennon/Pool Photo via AP)
Mit einem gewöhnlichen Rennvelo unterwegs: Craven im Zeitfahren in Rio.Bild: AP/Pool Getty Images South America

Der Letzte, der auch ein grosser Sieger ist: Dan Craven, der bärtige Veloprofi aus Namibia

Die ganz grosse Geschichte im Zeitfahren schrieb Fabian Cancellara mit seinem überraschenden Olympiasieg. Ein ebenso schönes Märchen, ein wahres noch dazu, lieferte der Letztplatzierte: Dan Craven.
11.08.2016, 12:0911.08.2016, 17:19
Ralf Meile
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Dan Craven wusste, dass er keine Chance haben würde. Und das störte den 33 Jahre alten Radprofi aus Namibia zunächst auch. Dennoch trat er zum olympischen Zeitfahren an – wo er den zweitletzten Platz nur ganz knapp verpasst hat. Dafür eroberte der Bartträger die Herzen der Fans.

Es ist Sonntag, der Tag nach dem Strassenrennen. Dan Craven nahm daran teil, nun ist er im olympischen Dorf und schleckt ein Glacé. Gönnt sich ein Bierchen. Die Massage lässt er sausen, sein Olympia-Einsatz ist ja vorbei.

Kein Material und keine Vorbereitung

Da wird dem zweifachen Landesmeister zugetragen: Wegen der vielen Stürze im Strassenrennen und deshalb verletzten Athleten sei ein Startplatz fürs Zeitfahren frei geworden. Namibia erhält ihn und Craven ist der einzige Athlet des afrikanischen Landes in Rio. Ob er fahren wolle, wird er gefragt.

Im Normalfall wäre die Antwort rasch gefällt und einsilbig: Ein lautes «Ja!» müsste vom seit sieben Jahren als Profi fahrenden Craven zu vernehmen sein. Aber der Namibier tut sich schwer mit einem Entscheid. Schliesslich hat er kein Zeitfahrvelo dabei. Keinen Zeitfahranzug. Weder Triathlonlenker, noch Scheibenräder – und spezifisch trainiert hat er für die 54,5 km lange Prüfung auf dem schweren Kurs auch nicht.

2016 Rio Olympics - Cycling Road - Final - Men's Individual Time Trial - Pontal - Rio de Janeiro, Brazil - 10/08/2016. Dan Craven (NAM) of Namibia competes. REUTERS/Paul Hanna FOR EDITORIAL USE ONLY.  ...
Steiler Aufstieg: Craven machte sich trotz letztem Platz einen Namen.Bild: PAUL HANNA/REUTERS

Frage nie Twitter um Rat …

«Wir sind Profis und ein Zeitfahren auf einem normalen Rennvelo zu absolvieren, ist nicht professionell. Wir haben alle unsere Ansprüche», sagt Craven zu «Velonews». Ein völlig aussichtsloser Exot ist er nämlich nicht: 2014 bestritt er die Vuelta, die er als 140. auch beendete. Lanciert hatte er seine Karriere einst in der Schweiz, in die er 2005 nach abgeschlossenem Studium in Politik, Philosophie und Wirtschaft zog – mit dem Traum, Profi zu werden.

Beim Zeitfahren in Rio starten oder darauf verzichten? Dan Craven bittet seine Twitter-Follower um Rat. Ob er wirklich antreten solle in diesem Zeitfahren, fragt er in die Runde. «Dan from Nam», wie er sich im sozialen Netzwerk nennt, muss nicht lange auf Antworten warten. Der überwältigende Tenor lautet: Auf jeden Fall solle er antreten.

Botschafter für die Heimat

In Craven reift der Entschluss, trotz Chancenlosigkeit anzutreten. «Ich spazierte ein wenig im olympischen Dorf herum und dachte über die Sache nach. ‹Überlege ich wirklich, eine Startgelegenheit bei Olympia nicht wahrzunehmen? Das wäre ja verrückt›», sagt er sich – und nimmt an.

Craven tut es nicht nur für sich, sondern auch für sein Land. Namibia ist zwar 20 Mal grösser als die Schweiz, hat aber nur zwei Millionen Einwohner. Deshalb ist es einerseits eher unbekannt und hat andererseits auch nur höchst selten für Aufsehen auf der sportlichen Bühne gesorgt. Vier olympische Silbermedaillen sind die gesamte Ausbeute, errungen 1992 und 1996 vom legendären Sprinter Frankie Fredericks. Dieser sei für ihn als Jugendlichen damals sehr wichtig gewesen, betont Craven: «Seine Erfolge zeigten mir, dass man auch Erfolg haben kann, wenn man aus Namibia kommt.»

Um ein (Bart)haar nicht Letzter

Und weil Erfolg relativ ist, zählen nicht nur Siege. Sondern in diesem Fall auch, überhaupt bei Olympia dabei zu sein. Also steht Dan Craven beim Zeitfahren am Start: Mit seinem gewöhnlichen Strassenrand, ohne Triathlon-Lenker, ohne aerodynamischen Zeitfahranzug. Dafür mit der Einstellung, für den Nachwuchs in der Heimat vielleicht ein Vorbild zu sein. «Okay, wahrscheinlich werde ich Letzter. Aber man nimmt mich in Namibia wahr und wird sich sagen: ‹Hey, es ist möglich, auch wir können bei Olympischen Spielen dabei sein!›»

Mit seiner Prognose behält Craven recht: Er wird Letzter. 15 Minuten verliert er auf den überragenden Sieger Fabian Cancellara, bloss zehn Sekunden auf den Vorletzten Ahmet Orken aus der Türkei. Doch das spielt keine grosse Rolle: Dan Craven, das ist der Letzte, der sich mit einem beherzten Auftritt einen kleinen Eintrag im Geschichtsbuch der Olympischen Spiele 2016 gesichert hat. Nicht nur in Namibia.

Am anderen Ende: Der Gold-Jubel von Fabian Cancellara

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Die Gold-Emotionen von Fabian Cancellara in Rio
quelle: epa/dpa / soeren stache
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9 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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patnuk
11.08.2016 13:00registriert August 2015
15 Minuten Rückstand, ist ja auch keine Ewigkeit, tolle Leistung!
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Cool Beans
11.08.2016 13:24registriert Juli 2015
Geile Siech!
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Paul_Partisan
11.08.2016 14:30registriert November 2014
Mal so als Frage an die Experten: Fäbu Cancellara fährt die gleiche Strecke 2 Mal, einmal mit mit der selben Ausrüstung wie Craven und einmal mit seiner "normalen" Ausrüstung. Was würde das schätzungsweise für einen zeitlichen Unterschied machen?
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