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Ski: Odermatt gewinnt auch «richtige» Lauberhorn-Abfahrt – Kilde stürzt

Abfahrt der Männer, Wengen
1. Marco Odermatt (SUI) 2.25,64
2. Cyprien Sarrazin (FRA) +0,59
3. Dominik Paris (ITA) +1,92
4. Adrian Sejersted (NOR) +2,20
5. Vincent Kriechmayr (AUT) +2,49

8. Niels Hintermann (SUI) +2,74
13. Stefan Rogentin (SUI) +3,23
14. Franjo von Allmen (SUI) +3,79
15. Josua Mettler (SUI) +3,89
22. Alexis Monney (SUI) +4,63
24. Lars Rösti (SUI) +4,95
27. Gilles Roulin (SUI) +5,13
Out: Justin Murisier (SUI), Aleksander Kilde (NOR), Arnaud Boisset (SUI)
Marco Odermatt of Switzerland reacts in the finish area during the men's downhill race at the Alpine Skiing FIS Ski World Cup in Wengen, Switzerland, Saturday, January 13, 2024. (KEYSTONE/Peter S ...
«Als ich im Ziel war, wusste ich, dass ich nicht hätte besser fahren können»: Marco Odermatt siegt in Wengen erneut.Bild: keystone

Nun gewinnt Odermatt auch die «richtige» Lauberhorn-Abfahrt – Sarrazin erneut stark

Marco Odermatt gewinnt in Wengen auch die Abfahrt über die Originaldistanz. Der Nidwaldner triumphiert mehr als eine halbe Sekunde vor Cyprien Sarrazin und fast zwei Sekunden vor Dominik Paris. Ein Sturz von Aleksander Kilde wirft einen Schatten auf das Rennen.
13.01.2024, 15:2613.01.2024, 16:34
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Perfektes Wetter, traumhafte Kulisse mit Tausenden Fans und ein unschlagbarer Lokalmatador in Überform: Die erste Lauberhorn-Abfahrt über die Originaldistanz seit 2020 beinhaltet alle Ingredienzen für ein tolles Skifest. Aber ein heftiger Sturz von Aleksander Kilde und weitere Zwischenfälle trüben die Stimmung – und werfen ein schlechtes Licht auf die FIS und deren Kalender-Gestaltung.

In sportlichen Belangen entwickelt sich das Rennen zur Machtdemonstration von Marco Odermatt. Der 26-jährige Weltcup-Dominator aus Hergiswil hatte schon die verkürzte Abfahrt am Donnerstag überlegen gewonnen, nun holte er mit einer weiteren, nahezu perfekten Fahrt auch den prestigeträchtigen Sieg über die Originaldistanz. Es ist sein zweiter Abfahrtssieg im Weltcup in Folge, nachdem er sich in der schnellsten Disziplin lange hatte gedulden müssen. Achtmal war er zuvor Zweiter, dreimal Dritter gewesen.

Die Differenz zum formstarken Sarrazin, der in Wengen als einziger einigermassen an das Level von Odermatt herankam und das Berner Oberland mit zwei 2. Plätzen in den Abfahrten und dem Sieg im Super-G verlässt, war wiederum fast identisch wie an den Vortagen: Am Donnerstag hatte Odermatt mit 58 Hundertsteln Vorsprung gewonnen, nun trennten die beiden momentan stärksten Speedfahrer 59 Hundertstel. Den Sieg im Super-G hatte sich Sarrazin mit 58 Hundertsteln Vorsprung vor dem Schweizer geholt.

Die übrige Konkurrenz vermochte nicht ansatzweise mit Odermatt mitzuhalten. Dominik Paris schaffte es mit 1,92 Sekunden Rückstand auf das Podest. Niels Hintermann wurde 2,74 Sekunden hinter dem derzeitigen Weltcup-Dominator Achter. In die Top 15 schafften es mit mehr als drei Sekunden Rückstand auch Stefan Rogentin (13.), Franjo von Allmen (14.) und Josua Mettler (15.).

Kildes Sturz und viel Kritik

Überschattet wurde die längste Abfahrt des Winters von einem schweren Sturz von Aleksander Kilde. Der Norweger verlor im Ziel-S die Kontrolle und prallte heftig in die Fangnetze. Informationen des ORFs zufolge zog sich der Lauberhorn-Sieger von 2022 und 2023 einen offenen Unterschenkelbruch zu.

Kilde, der seit dem Jahreswechsel von einer Erkältung geschwächt ist, sich in der Abfahrt und im Super-G am Donnerstag und Freitag dennoch als Dritter auf dem Podest klassiert hatte, war nach dem Sturz bei Bewusstsein. Er blieb aber liegen und musste mit dem Helikopter abtransportiert werden. Das Rennen wurde für eine längere Zeit unterbrochen.

Neben Kilde, der zu den fittesten Athleten im Ski-Weltcup gehört, bekundeten im dritten Speedrennen innert 48 Stunden auch viele andere Fahrer Probleme. Am Donnerstag und Freitag waren in Wengen bereits Marco Kohler und Alexis Pinturault schwer gestürzt. Beide zogen sich Kreuzbandrisse zu. In der Summe nähren die Vorfälle Zweifel an dem so dicht wie noch nie bepackten Weltcup-Kalender, zumal den drei Rennen in Wengen auch noch zwei Abfahrtstrainings vorangingen.

Das sagt Sieger Marco Odermatt:

«Ich habe wieder gemischte Gefühle. Es war eine geniale Fahrt, ein Traumlauf mit grossen Emotionen. Im Ziel wusste ich, das kann ich nicht besser fahren und scheinbar auch sonst niemand. Aber der Sturz von Kilde nimmt die Freude ein wenig. Trotzdem muss ich das jetzt geniessen, denn es ist etwas Einmaliges und nochmal schöner als am Donnerstag. Das war ein Ersatzrennen, da kommt man nicht auf den Stein. Dass ich nochmal die Energie hatte und auch heute gewinne, ist genial.»

Niels Hintermann meinte gegenüber SRF: «Am Freitag hatten wir den längsten Super-G, heute die längste Abfahrt. Die Fahrzeit im Rennen am Donnerstag dauerte auch fast 1:45 Minuten. Es sind lange Tage, die Zeit zur Erholung ist sehr kurz. Die Stürze ergaben sich zwar aus Fahrfehlern, aber es waren wohl erzwungene Fahrfehler.»

Auch Cyprien Sarrazin hielt mit Kritik nicht zurück: «Drei Renntage hier, die mit der längsten Abfahrt enden, das ist zu viel, viel zu viel. Wenn wir sehen, wie Kilde, der Stärkste von uns allen, so stürzt, ist das nicht normal.»

Am Sonntag steht in Wengen noch ein Slalom auf dem Programm.

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33 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Schlaf
13.01.2024 12:53registriert Oktober 2019
Nicht. Zu. Fassen!!!!
Dieser Odi ist von einem anderen Stern!

Glückwunsch zu dieser äusserst, äussersten Fahrt👏🏻👏🏻👏🏻
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code-e
13.01.2024 13:10registriert November 2018
Odi wie so oft nicht von dieser Welt 🤩 Einfach unglaublich! Herzliche Gratulation 👏🏼 Jetzt hoffe ich nur noch, dass sich Kilde nicht schwer verletzt hat. Dem sympathischen Norweger alles, alles gute 🍀🍀🍀
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egemek
13.01.2024 14:02registriert Mai 2016
Es scheint, als wurde mit dem Marathonprogramm die Grenze des Machbaren für die Athleten überschritten. Ich hoffe, dass die nicht ganz so starken Fahrer auch noch gut ins Ziel kommen. Und Andi Sander wünsche ich viel Kraft für seinen Re-Run. 🙈 Gute Besserung an alle Gestürzten!
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