Wirtschaft
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epa05980362 A handout photo made available by the Saudi Press Agency (SPA) shows US President Donald J. Trump (R), US First Lady Melania Trump (R-2), King Salman bin Abdulaziz al-Saud of Saudi Arabia (C) and Egyptian President Abdel Fattah al-Sisi (L) opening the World Center for Countering Extremist Thought in Riyadh, Saudi Arabia, 21 May 2017. President Trump is in Ridayah to attend the Gulf Cooperation Council summit (GCC).  EPA/SAUDI PRESS AGENCY HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Mystik statt Politik: Trump bei seinem Besuch in Saudi-Arabien. Bild: EPA/SAUDI PRESS AGENCY

Willkommen im Dschungel der Weltpolitik

Die hilflose Art, wie Trump mit der Affäre Khashoggi umgeht, ist ein Zeichen, wie brüchig die liberale Weltordnung geworden ist. Aber hat es diese liberale Weltordnung überhaupt je gegeben?



Donald Trump glaubt zwar inzwischen auch, dass Jamal Khashoggi ermordet worden ist. Doch er weigert sich, die notwendigen Schlüsse daraus zu ziehen und harte Sanktionen gegen das Regime von Mohammed bin Salman (MBS) zu ergreifen. Zu viel steht für ihn auf dem Spiel: Waffenexporte in der Höhe von mehr als 100 Milliarden Dollar und die Achse USA-Israel-Saudi-Arabien gegen den Iran im Nahen Osten.

«Es gibt nach wie vor Hitlers und Stalins unter uns, die nur auf ihre Chance warten.

Robert Kagan

Nicht zufällig hat Trump Riad als erste Station als Präsident besucht. Saudi-Arabien ist ein autoritäres Königreich, das Gegenteil eines liberalen, demokratischen Rechtsstaates wie der Vereinigten Staaten. Doch Trump hat bekanntlich eine Vorliebe für Diktatoren wie Wladimir Putin oder Kim Jong Un.

epa07097314 A handout photo made available by Saudi Royal Palace shows US Secretary of State Michael R. Pompeo (L) meeting with Saudi Crown Prince Mohammed bin Salman in Riyadh, Saudi Arabia, 16 October 2018. Pompeo travelled to Saudi Arabia for talks over missing Saudi journalist Jamal Khashoggi, who disappeared after entering the Saudi consulate in Istanbul, Turkey on 02 October.  EPA/BANDAR ALGALOUD HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Verstanden sich bestens: US-Aussenminister Mike Pompeo (links) und Mohammed bin Salman. Bild: EPA/SAUDI ROYAL PALACE

Auch mit MBS versteht er sich bestens, nicht nur, weil der junge saudische Herrscher gerüchteweise geschäftlich mit ihm verbunden ist. Das Schicksal der Weltgemeinschaft hingegen kümmert ihn nicht. «Sagt Hello zum Zusammenbruch der liberalen Weltordnung, welche die USA einst gesichert haben», klagt daher der Historiker Robert Kagan in der «Washington Post».

Die These der liberalen Weltordnung lässt sich wie folgt zusammenfassen: Auf den grauenhaften Ersten Weltkrieg und die noch schrecklicheren Verbrechen von Hitler und Stalin in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts folgte nach dem Zweiten Weltkrieg eine lange Friedensphase unter dem Schutzschild der Amerikaner. Der Harvard-Politologe Joseph Nye schreibt dazu:

«Der nachweisliche Erfolg dieser Ordnung, in den letzten sieben Jahrzehnten die Welt sicherer und stabiler zu machen, hat zu einem starken Konsensus geführt, sie auch zu verteidigen. Diese Ordnung zu vertiefen war und bleibt eine zentrale Aufgabe der US-Aussenpolitik.»

Robert Kagan.

Er fürchtet sich vor einem neuen Mittelalter: Historiker Robert Kagan.

Zu diesem Schluss kommt auch Kagan, denn er ist überzeugt, dass es auch heute noch genügend totalitäre Herrscher mit bösen Absichten gebe. «Wir wollen glauben, dass Hitler und Stalin bloss bizarre Produkte einer anderen Ära waren», so Kagan. «Aber es gibt nach wie vor Hitlers und Stalins unter uns, die nur auf ihre Chance warten. Wir wissen beispielsweise, dass Wladimir Putin grosse Ambitionen hat, die er bisher noch nicht umsetzen konnte. Er verehrt Stalin, aber er ist nicht Stalin. Aber wie wird ein Putin sein, der nicht mehr kontrolliert wird (will heissen, von einer Schutzmacht wie den USA in Schach gehalten wird, Anm. d. Verf.)?»

Kagan fürchtet, dass der Zusammenbruch der liberalen Ordnung zu einer Welt im Sinne des Philosophen Thomas Hobbes führen wird, einer Welt, in der wieder jeder gegen jeden kämpft und alle nur ihren eigenen Vorteil suchen. Durch die Periode des langen Friedens nach dem Zweiten Weltkrieg verwöhnt, können wir uns im Westen die Schrecken dieser Welt nicht mehr vorstellen.

FILE--In this Feb. 5, 2013 file photo, Graham Allison, Professor of Government at Harvard's John F. Kennedy School, speaks during an event in Boston. Imagine a dream team of the nation's top historians, recruited by the White House to advise the president on major decisions. That's the idea being pitched by two Harvard University scholars who allege that many U.S. leaders know alarmingly little about history, both in their own country and in others. Campaigns for Hillary Clinton and Donald Trump did not immediately say whether they support the idea. (AP Photo/Elise Amendola, File)

Hält die liberale Weltordnung für einen Mythos: Harvard-Politologe Graham Allison. Bild: AP/AP

Doch hat es diese liberale Weltordnung überhaupt je gegeben? Nein, sagt der Harvard-Politologe Graham Allison. In einem Essay im Magazin «Foreign Affairs» demontiert er diese Vorstellung als Mythos. «Der ‹lange Friede› war kein Resultat einer liberalen Ordnung, sondern das zufällige Produkt einer gefährlichen Machtbalance zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten während den 45 Jahren des Kalten Krieges und einer kurzen Periode einer amerikanischen Dominanz», so Allison.

Ferner sei das US-Engagement nie getrieben gewesen «vom Wunsch, den Liberalismus in anderen Teilen der Welt zu fördern oder eine internationale Ordnung zu verteidigen. Es war getrieben von der Notwendigkeit, die liberale Ordnung zuhause aufrechtzuerhalten.»

Zudem: So friedlich sei diese liberale Weltordnung auch nicht gewesen. Während des Kalten Krieges hätten die beiden Supermächte jede Menge Stellvertreterkriege führen lassen, so Allison weiter. Nur das atomare Gleichgewicht des Schreckens habe einen heissen Krieg zwischen den beiden Supermächten verhindert.

Ist Trump nur ein Symptom?

Die Pfeiler der liberalen Weltordnung – Marshall-Plan, IWF, Nato – seien als Schutz gegen die Sowjetunion gegründet worden. «Jede dieser Initiativen diente als Baustein in einer Ordnung, die in erster Linie dazu diente, den sowjetischen Feind zu besiegen», so Allison.

Als Gegenpol zu den USA hat China die Sowjetunion abgelöst. Das, und nicht die Aussenpolitik von Trump, sei die eigentliche Bedrohung, stellt Allison fest. «Der Aufstieg Chinas, das Comeback von Russland und der Machtverlust der Vereinigten Staaten sind eine viel grössere Herausforderung als Trump», so Allison. «Und wir können der Frage nicht ausweichen: Ist Trump mehr ein Symptom als die Ursache für diesen Umstand?»

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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • sowhat 21.10.2018 19:56
    Highlight Highlight Ich fürchte Allison hat recht. Mit einer Ausnahme, Trump potenziert die Gefahr. Er ist also durchaus ein grosses Pröblem. Mit einem breiter und differenzierter denkenden Präsidenten liesse sich die Gefahr wahrscheinlich reduzieren.
    5 3 Melden
  • Vanessa_2107 21.10.2018 18:24
    Highlight Highlight Es mag egoistisch tönen, aber manchmal bin ich froh, nicht mehr 20ig zu sein. Was wird da alles noch auf uns zukommen? Schon nur der Tag, an dem es kein Erdöl mehr haben wird.
    1 2 Melden
  • rodolofo 21.10.2018 16:20
    Highlight Highlight Die heutigen Staaten sind von Mittelalterlichen Schlössern und Burgen gar nicht so verschieden!
    Da ist das Schloss mit dem König und dem Hofstaat, seinen Soldaten und Rechtsgelehrten, Handwerkern und Künstlern, dem prunkvollen Speisesaal, der Folterkammer, den Waffen-und Rüstungs-Säälen, Wehrgängen und Räumen für Pferdekutschen und Kanonen.
    Im Schloss wird die Zivilisation weiter entwickelt und kultiviert, mit Hilfe von Frontdiensten und Steuer-Abgaben aus dem vom Hofstaat kontrollierten und ausgebeuteten, aber auch mit neuer Technologie ausgerüsteten Bauern, der damaligen 3.Welt...
    3 2 Melden
  • rodolofo 21.10.2018 13:21
    Highlight Highlight Die Gefahr von solchen düsteren Endzeit-Szenarien liegt halt darin, dass sie zu sich selber erfüllenden Prophezeiungen werden.
    Ausserdem wissen wir aus dem Verkehrskunde-Unterricht vor der Fahrzeug-Prüfung, dass wir immer dort hin fahren, wo wir auch hinschauen!
    Darum müssten wir eigentlich bereits in Normalverkehrs-Zeiten immer wieder mal einüben, ZWISCHEN die Bäume einer Allee zu schauen, wenn wir von der Strasse abkommen, damit wir nicht direkt in den Baum hinein krachen!
    Da die Aufmerksamkeit für einen Leerraum aber unseren Instinkten zuwiderläuft, tun wir's in der Regel auch nicht...
    10 4 Melden
  • WHYNOT 20.10.2018 22:18
    Highlight Highlight Sehr treffende Analyse! ...Einzig sei mir die Anmerkung verziehen, dass die Handlungen der Amerikaner immer und einzig durch eigene Machtansprüche getrieben waren und sie sich moralisch damit nie und nimmer von anderen heutigen oder künftigen Weltmächten unterschieden haben und einzig in diesem Licht ist die ‚Pax Americana‘ für die Nachwelt zu sehen. Der Mensch ist Mensch (Grönemeyer), aber China hat die USA als Weltmacht längst abgelöst, was wirtschaftlich und schon gar nicht militärisch evident sein mag....und wie reagiert die in die Enge getriebene Supermacht auf die Ablösung?!
    16 14 Melden
  • Kubod 20.10.2018 22:08
    Highlight Highlight Jede Änderung eines Systems an das man sich gewöhnt hat, ist mit Unwägbarkeiten und unvorhersehbaren Aktionen und Reaktionen verbunden. Selbstverständlichkeiten sind auf einmal nicht mehr selbstverständlich.
    Man nennt diese Perioden "unsichere Zeiten".
    Einer solchen Periode gehen wir gerade entgegen.
    30 4 Melden
  • Altweibersommer 20.10.2018 21:23
    Highlight Highlight Seit wann sind die USA ein "liberaler, demokratischer Rechtsstaat"?
    44 31 Melden
    • Heinz Nacht 21.10.2018 11:27
      Highlight Highlight Seit 1776. Jedenfalls aus der jeweiligen Zeitsicht. Natürlich gab es zeitweise Stillstand und manchmal Rückschritte. Und natürlich gibt es diverse Baustellen im System. Aber insgesamt sind sie es, auch wenn manche dies aus der propagandisierten Sicht nicht sehen wollen und können.
      16 6 Melden
  • Dong 20.10.2018 21:04
    Highlight Highlight Die Pax Americana war auch nicht für alle friedlich - Vietnam, Korea, Nahost lassen grüssen - trotzdem aber auch eine Phase von Entwicklung und immensem Fortschritt.
    Ob es je um liberale Werte ging, würde ich allerdings bezweifeln - wohl eher Wirtschafts-Interessen.

    PS: Die Neoliberale Weltordnung kann mich mal.
    45 12 Melden
    • meine senf 21.10.2018 11:24
      Highlight Highlight Das Wort "liberal" sollte man nach eh streichen oder zumindest nur mit Vorsilben verwenden.

      Je nach Zusammenhang kann ganz was anderes darunter verstanden werden:

      - Gegenteil zu "autoritär" (hier wohl so gemeint)
      - wirtschaftsliberal/neoliberal
      - gesellschaftsliberal
      - links-/rechtsliberal
      - im europäischen/amerikanischen Sinne (wobei die amerikanische Interpretation auch zu uns rüberschwappt)

      Die Verwirrung, die das schafft, wird durchaus ausgenutzt. Etwa wenn die Opfer des Neoliberalismus nur deswegen Anhänger von autoritären Figuren werden, weil die "gegen den Liberalismus" sind.
      4 2 Melden
  • Imnon 20.10.2018 21:04
    Highlight Highlight Könnte der Zerfall des jahrzehntelangen Status Quo vielleicht eine Chance auf etwas Neues und vor allem Gesünderes sein?
    12 11 Melden
    • roger.schmid 20.10.2018 22:18
      Highlight Highlight @Imnon: Im Moment sieht es leider nicht danach aus.
      Der Nationalismus ist z.z. auf dem Vormarsch und das kann eigentlich nur zu Krieg und Diktatur führen.
      37 11 Melden
    • Kunibert der fiese 21.10.2018 09:38
      Highlight Highlight Die letzten die sich eine änderung des status quo nach einer längeren friedensperiode in europa gewünscht haben, liegen bei verdun unter der erde.
      14 2 Melden
    • Imnon 21.10.2018 11:10
      Highlight Highlight Die Frage wird wohl sein: Kann sich die Menschheit überhaupt ändern? Oder wird es für immer so sein, dass sich die Ellbögler durch jedes System an die Spitze kicken und sich von dort aus auf Kosten der Masse übermässig bereichern?
      Das wär mir noch egal, solange die Masse nicht verhungert und es ihr auch einigermassen gut geht. Die ganz nebensächliche Zerstörung des Planeten kann ich hingegen nicht akzeptieren.
      7 1 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Salvador Al Daliente 20.10.2018 20:31
    Highlight Highlight Bei den teilweise immer schon sehr labilen Staatsmännern braucht es tatsächlich nicht viel und das Fass schwappt über...
    19 10 Melden

«Wir haben es in der Hand, ein Massensterben zu verhindern»

Die Artenvielfalt ist in den letzten 50 Jahren dramatisch gesunken. Das zeigt der WWF in seiner neuesten Ausgabe des Living Planet Index auf. Zum Glück findet ein Umdenken bei den Menschen statt. Das sagt Thomas Vellacott, CEO des WWF Schweiz. 

60 Prozent der Tierarten sind in den letzten 50 Jahren verschwunden. Ist es also gerechtfertigt, von einem sechsten Massensterben zu sprechen? Ja, heute sterben 100 bis 1000 Mal mehr Arten aus als in vergangenen Zeiten. Das ist einmalig – und wir Menschen sind die Ursache. Der Living Planet Index des WWF untersucht die Populationstrends und zeigt so Veränderungen sehr früh an.

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