Wirtschaft
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Russischer Superdiscounter will Europa erobern – und so sieht er aus

maureen welter, leipzig / watson.de



Dienstag, irgendwo am Rande Leipzigs. Hier soll er sein, der Supermarkt, der noch günstiger als Aldi sein will. Tiefstpreisgarantie importiert aus Russland. TS-Markt heisst die Kette, die sich seit dem 29. Januar auch auf deutschen Boden wagt. Hier unter dem Namen Mere.

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Tiefstpreise jeden Tag - wohl auch für die Branddesigner von Mere. Bild: Maureen Welter

Was ist Mere? 

Hinter der ersten Mere-Filiale in Deutschland steckt der russische Discounter Torgservis. Mit niedrigen Preisen und spärlichem Design bietet der Markt auf 1000 Quadratmetern vor allem Lebensmittel an. Die deutsche Tochter TS-Markt will Schritt für Schritt weitere Filialen in Ostdeutschland eröffnen und hier die Marktführer Aldi und Lidl angreifen. 

Die Einrichtung ist äusserst schlicht. Kunden greifen die Ware direkt von der Palette ab. Lebensmittel machen etwa 70 Prozent des Angebotes aus, aber auch Textilien, Drogerieartikel und Haushaltwaren gehören zum Sortiment. (dpa)

Trotz Neueröffnung wirkt alles schon recht abgenutzt. Innen gibt es zwar kaum Regale, dafür ist die Decke nur teilweise abgedeckt. Die Kunden scheint das wenig zu stören, genauso wenig wie der leichte Plastikduft, der in der Luft liegt und eher an Billig-Discounter, statt an Wurst- und Käsewaren erinnert. Doch viel gibt es hier nicht. Während es Fleisch in allen Formen und Varianten gibt, finde ich Käse nur in Form von Streukäse für die Pizza.

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Vorne im Bild: Der einzige Käse. Bild: Maureen Welter

Auch Nüsse, Schokolade oder gar Obst suche ich hier vergeblich. Dafür gibt es Putzmittel und Milch. Sehr viel Milch. Wer hier einkauft, scheint wenig Auswahl gegenüber Hamsterkauf zu Billigpreisen zu bevorzugen. Denn dieses Versprechen wird gehalten.

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Wer sich beim Anstehen langweilen sollte, kann sich mit Milch zählen die Zeit vertreiben. Bild: Maureen Welter

Fast alles hier kostet unter einem Euro.

Wurst für 60 Cent oder auch eine Klo-Garnitur für unschlagbare 63 Cent locken viele Kunden an, hauptsächlich Rentner. Was man an Geld spart, muss man in Zeit investieren. Die drei Kassenschlangen gehen bis ans andere Ende des Ladens. Ich frage zwei weiter vorne stehende Frauen, wie lange sie schon anstehen würden – eine Stunde.

Darum steht Mere in der Kritik:

Die deutsche Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) warnte vor einer weiteren Verschärfung des Preiskampfs bei Lebensmitteln. Die Eröffnung der deutschlandweit ersten Filiale von Torgservice sei ein Alarmsignal, sagte der NGG-Vorsitzende Guido Zeitler. Wer mit dem Versprechen antrete, die ohnehin schon günstigen Discounter in Deutschland drastisch zu unterbieten, der drehe weiter an der Preis-Abwärts-Spirale. Aber Lebensmittel seien Qualitätsprodukte, die nicht unter Wert verkauft werden dürften, so Zeitler.

Die 2009 gegründete Firma Torgservice, die nach eigenen Angaben in Osteuropa und Asien 928 Filialen betreibt, gibt sich sehr zurückhaltend. Auf Nachfrage wurden keine Angaben zu Strategie und Ausbauplänen gemacht. (dpa)

Auch wenn es mir der Blaue Zweigelt für 1.04 Euro angetan hat, so lange anstehen will ich dann doch nicht. Ich frage, ob ich für etwas Geld meinen Wein dazu legen dürfte. «Wir sind doch keine Kapitalisten», sagen die Damen lachend und legen meinen Einkauf zu ihrem dazu. Sie sind gut gelaunt, trotz Wartezeit. Nur dass es hier keine Produkte aus Russland gibt, ärgert sie.

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Mit Lagerhaus-Charme werden Kunden aus ganz Ostdeutschland angelockt. Bild: maureen welter

Mit Lagerhaus-Charme in Autobahnlage will der russische Supermarkt gegen die globalen Player Aldi und Lidl ankämpfen. Doch wer nicht gerade zwei Kilogramm Thunfisch oder eine Jahrespackung Putzlappen sucht, der wird bei Mere nicht fündig werden.

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Stundenlanges Anstehen. Damit es sich lohnt, packen manche gleich ganze Kartons ein. bild: maureen welter

Geschäfte, die uns mit ihrem Humor um den Finger wickeln

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37Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Bowell 30.01.2019 15:20
    Highlight Highlight Da ist mir meine Zeit zu teuer. Ich steh doch nicht eine Stunde an um ein paar Franken/Euros zu sparen...
  • Brezel Hugger 30.01.2019 11:36
    Highlight Highlight Nicht dass ich in so einem Laden einkaufen würde (für eine Vegetarierin komplett uninteressant), aber perverser finde ich Läden wie Coop mit den Billiglabels für die Unterschicht und den Slowfood-Delikatessen für die Besserverdienenden anstatt einer soliden Einheitsqualität zu einem angemessenen Preis (Obst z.B welches nicht Bon-Gusto ist, kann man meist nicht essen).
    • 54er 30.01.2019 12:46
      Highlight Highlight Was ist daran schlecht ? Ist doch gut das es für beides was gibt, so hat man die Möglichkeit auszuwählen. Heisst ja auch nicht dass Billiglabels nur für die Unterschicht sind. Aber ich hab so zb die Auswahl um bei Waschmittel oder ähnlichem, wo ich lieber die Billiglabels nehme auch diese zu nehmen. Und dann beid Produkten wie Fleisch eher Bio mit der besseren Qualität zu einem höheren Preis zu nehmen.
  • DomKi 30.01.2019 11:30
    Highlight Highlight Sind das Vorboten einer kommenden Lebensmittelknappheit weil viele sich Qualität nicht mehr leisten können und so nur noch das Nötigste verkauft wird?
  • TheWall_31 30.01.2019 11:01
    Highlight Highlight Lasst doch Menschen einfach tun, was sie tun wollen. Ewig heisst es nur Geiz ist geil, aber jeder soll doch einkaufen, wo er es für richtig hält. Und wenn Mere langfristig gut läuft, hat auch dieser Laden eine Daseinsberechtigung.
  • saukaibli 30.01.2019 11:00
    Highlight Highlight Ich begreife einfach nicht, wie Menschen sogar noch stolz darauf sein können, wenn sie Lebensmittel möglichst billig kaufen. "Juhuu, dank mir müssen Tiere unter grausamsten Bedingungen leben. Juhuu, dank mir werden Tiere in Lastwagen über Tausende Kilometer verfrachtet, um sie dort zu schlachten wo es am billigsten ist. Juhuu, ich bin dafür verantwortlich, dass Menschen zu Hungerlöhnen arbeiten müssen." Es ist einfach schade, dass Lebensmittel für viele Menschen scheinbar keinen Wert mehr haben. Es mag Menschen geben, die sich nichts besseres leisten können, das ist ein anderes Problem.
    • Pitsch Matter 30.01.2019 11:32
      Highlight Highlight Glsube mir, bildungsferne Schichten darunter viele Ausländer haben noch nie was von Massentierhaltung gehört. Die denken wenn das Biofleisch doppelt so teuer ist wie das billigste, dann zockt mich jemand ab, den Fleisch ist Fleisch und kommt vom Bauernhof. Die wissen nicht dass das Fleisch aus einer Fabrik kommt.
  • Heinzbond 30.01.2019 10:52
    Highlight Highlight Hauptsache billig, wie die Milch, Eier Fleisch und alles andere produziert wird ist ja egal... Hauptsache heute 1,45 gespart
    • 54er 30.01.2019 12:49
      Highlight Highlight Du vergisst dass viele Leute keine andere Möglichkeit haben. Vorallem die älteren Menschen aus dem Osten in Deutschland haben wenig bis praktisch kein Geld. Dass dir die 1,45 mehr oder weniger auf dem Konto egal sind ist mir klar, nur sieht das bei vielen die dort einkaufen gehen ganz anderst aus.
  • Spooky 30.01.2019 10:51
    Highlight Highlight Viele Leute haben keine andere Wahl
    als möglichst billig einzukaufen.
    • saukaibli 30.01.2019 11:04
      Highlight Highlight Ja, weil sie sich sonst ihr Handy-Abo und die neuen Klamotten nicht leisten können. Es mag tatsächlich Leute geben, die keine andere Wahl haben, das sind aber nicht so viele wie das von sich behaupten. Früher hat man ein Vielfaches mehr von seinem Lohn für Lebensmittel ausgegeben, aber halt weniger für Klamotten, Multimedia und anderen Luxus. Dass es immer noch Menschen gibt, die sich nichts leisten können, während andere Millionen verdienen, ist ein anderes Problem, aber von den meisten Wählern in Demokratien ja so gewollt.
    • Spooky 30.01.2019 11:59
      Highlight Highlight "Es mag tatsächlich Leute geben, die keine andere Wahl haben, das sind aber nicht so viele wie das von sich behaupten."

      Liebe/r saukaibli, frag einmal die Caritas, wie viele es sind!
    • Spooky 30.01.2019 12:07
      Highlight Highlight saukaibli:
      "In der Schweiz leben derzeit rund 615'000 Menschen in Armut, weitere 600'000 leben in prekären Verhältnissen knapp oberhalb der Armutsgrenze."

      [https://www.watson.ch/959938393-caritas-schweiz-fordert-eine-aktive-armutspolitik-auf-bundesebene]
  • Nik G. 30.01.2019 10:50
    Highlight Highlight Naja man kann nach dem Einkauf später noch für die Umwelt schreien....
    Hauptsache gespart!
  • buhuch 30.01.2019 10:35
    Highlight Highlight Sieht's in "westlichen" Discountern anders aus? Wer nicht "muss", muss ja nicht...
  • Willy.Hufschmid 30.01.2019 10:18
    Highlight Highlight Nicht jedermann muss in einem EVENT TEMPEL seine Einkäufe machen. Die Strategie der hier ansässigen Grossverteiler schlägt sich im Preis nieder, besser gesagt auf den Preis des Produktes.
    Vor einigen Jahren war das Wort Eventshoping das Schlagwort der Manager. Grösser, besser, schöner, mehr Auswahl, bessere Qualität, zentraler, jeder Zeit..!
    Der Erfolg von Denner, Lidl, Aldi,... so gesehen erklärbar.
  • Janis Joplin 30.01.2019 09:24
    Highlight Highlight Ist doch nichts Neues. Mich erinnern diese Bilder an Aldi vor 25 Jahren in Konstanz - Der Laden war samstagmorgens genauso rappelvoll und ich hörte vor allem schweizerdeutsch um mich herum...
    • Olmabrotwurst vs. Schüblig 30.01.2019 10:23
      Highlight Highlight Da Schmunzle ich immer in Konstanz.
    • Alterssturheit 30.01.2019 10:39
      Highlight Highlight Das heisst also - du warst auch dort einkaufen...oder nur zum schauen -:))
      Ist ja klar, es gab und wird immer Leute geben denen Tier-und anderes Wohl egal sind. Es werden auch nie alle auf ÖV umsteigen, etc.
      Aber vielleicht verringert sich die Zahl der Unbelehrbaren mit der Zeit, das wär doch schon was.
    • DomKi 30.01.2019 11:31
      Highlight Highlight Hatte Aldi keine Auswahl an Produkten? Dies hier tönt nach künstlicher Lebensmittelknappheit...
    Weitere Antworten anzeigen
  • goschi 30.01.2019 09:23
    Highlight Highlight Geiz ist geil und Hauptsache billig
    Leider gerade bei Lebensmitteln in Deutschland ein grosses Problem, denn die Qualität ist oft grässlich und die Herstellungsbedingungen fragwürdig.
    Was will man erwarten, wenn das Brathähnchen unter einem Euro kostet? wie viel wert hat dann das Tier?

    Ich bin wahrlich kein Verächter von Fleisch, aber bis zu seinem Tod sollte das Tier angemessen gehalten sein und das bedingt hohe Mindeststandards im Tierschutz, es sind dann eben doch Lebewesen und die sollten nicht industriell gehalten werden wie eine Shampooflasche.
    • River 30.01.2019 09:47
      Highlight Highlight Mein Shampoo ist wie mein Fleisch aus der Bio Freilandhaltung.
    • Madison Pierce 30.01.2019 09:48
      Highlight Highlight Die Fokussierung auf den Preis ist auch bei uns ein Problem. Man schaue nur mal, woher das Brennholz und die Weihnachtsbäume in der Landi kommen.

      Bei Fleisch und Fisch kommt natürlich noch das Problem mit der Tierhaltung hinzu. Bei Milch für 49 Cent pro Liter bleibt weder für den Bauern noch für die Kuh ein grosser Anteil.
    • Hein Doof 30.01.2019 10:24
      Highlight Highlight @goschi: Wie überprüfst du bei deinem Fleischkauf ob die Tiere gut lebten? Verlässt du dich da einfach auf Aussagen von profitorientierten Unternehmen aus einem Sektor der in den vergangenen Jahren diverse Skandale hervorgebracht hat?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Sheez Gagoo 30.01.2019 09:21
    Highlight Highlight Sehr Sowjetisch im Stil. Ausser, dass die Regale voll sind.
  • Erarehumanumest 30.01.2019 09:11
    Highlight Highlight Mere: in zehn - 15 Jahren auch in der Schweiz...
  • Alterssturheit 30.01.2019 09:09
    Highlight Highlight Traurig, dass es so etwas überhaupt gibt. Aber vielen älteren Leuten im Osten geht's nicht um "Geiz ist geil", sie haben schlicht nicht mehr Geld.
    Möchte nicht wissen, aus welchen Tierhaltungen z.B. das Fleisch stammt....
    • Dominik Treier 30.01.2019 09:49
      Highlight Highlight Das stimmt leider aus meiner Erfahrung überhaupt nicht. Diese Leute haben nicht weniger als Junge, nur war das eine andere Zeit als sie erzogen wurden. Man hatte nicht viel oder hatte Eltern die als Kind nichts hatten und deshalb wurde einem beigebracht jeden Rappen drei mal zu spalten und die meisten ändern jetzt, da es ihnen besser geht, ihr Verhalten einfach nicht. Ist in der Schweiz noch schlimmer. Senioren, die in Deutschland den Ausverkauf abwarten und denken sie sparen was obwohl sie noch ein paar 100k auf dem Konto haben. Arbeitsbedingungen der Angestellten oder Tierhaltung egal...
    • El Vals del Obrero 30.01.2019 10:13
      Highlight Highlight Es gibt sicher beides. Pauschalisierungen und Schubladisierungen von Gruppen bringen selten was.
      Der durchschnittliche Rentner im deutschen Osten hat garantiert nicht mehrere 100'000 auf der Seite.
    • ingmarbergman 30.01.2019 10:41
      Highlight Highlight Das ist leider eine Spirale die nach unten geht. Wenn die Preise tief sind, zahlt der Discounter auch weniger Löhne. Wenige Löhne heissen auch, es wird weniger konsumiert, etc etc
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