Wirtschaft
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In this photo taken Friday, Nov. 7, 2014, a mural depicting Communist icons, from left, Karl Marx, Friedrich Engels and Vladimir Lenin hangs on a wall of a bomb assembly and repair facility in an abandoned ex-Soviet military base near Nagyvazsony, Hungary. For Hungary, a pro-Russian leader in the White House offers hope the Western world might end the sanctions imposed over Russia’s annexation of Crimea and its role in eastern Ukraine. Many Poles, instead, fear a U.S-Russian rapprochement under Trump could threaten their own security interests. To most Poles, NATO represents the best guarantee for an enduring independent state in a difficult geographical neighborhood. (AP Photo/Darko Vojinovic)

Zeugnis einer gescheiterten Ideologie: Wandbild mit Marx, Engels und Lenin in einer ehemaligen sowjetischen Militärbasis in Ungarn. Bild: AP/AP

200 Jahre Marx: Warum der Kapitalismus einfach nicht untergehen will

Die Lehren von Karl Marx haben das 20. Jahrhundert geprägt, vor allem negativ. Das liegt nicht nur an ihrer «schlechten» Umsetzung. Der deutsche Denker hat vieles richtig erkannt, aber die falschen Schlüsse daraus gezogen.



Was haben Marxisten und Zeugen Jehovas gemeinsam? Sie warten seit rund 150 Jahren darauf, dass die von ihnen verabscheute Welt untergeht. Sehr wahrscheinlich werden sie noch einmal so lange warten müssen. Mindestens.

Die Zeugen Jehovas haben es mittlerweile aufgegeben, einen Zeitpunkt für die Wiederkehr Christi zu benennen. Zu oft sind sie in der Vergangenheit auf die Nase gefallen. Die Marxisten wiederum hoffen bei jeder wirtschaftlichen Krise auf den Kollaps des Kapitalismus. Nur um jedes Mal feststellen zu müssen, dass sie seine Widerstandskraft unterschätzt haben.

--- ARCHIVE --- KARL MARX, VOR 200 JAHREN AM 14. MAI 1818 IN TRIER GEBOREN, WURDE ZUSAMMEN MIT FRIEDRICH ENGELS ZUM EINFLUSSREICHSTEN THEORETIKER DES SOZIALISMUS UND KOMMUNISMUS. ZU DIESEM ANLASS STELLEN WIR IHNEN DIESES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Portrait of Karl Marx, Philosoph, Revolutionaer und Begruender des Marxismus, aufgenommen von John Mayall im Jahr 1875 in London. (KEYSTONE/IBA-ARCHIV/John Mayall)

Bild: IBA-ARCHIV

Karl Marx

Karl Marx wurde am 5. Mai 1818 als Sohn einer jüdischstämmigen Familie in Trier geboren. Seine Studien in Bonn und Berlin schloss er als Doktor der Philosophie ab. Wegen seiner radikalen Ansichten war er im Visier der preussischen Regierung. Ab 1849 lebte Marx mit seiner Familie in London, anfangs unter prekären Bedingungen. Nur drei seiner sieben Kinder erreichten das Erwachsenenalter. Karl Marx starb am 14. März 1883.

Umso erstaunlicher ist es, dass die Lehren von Karl Marx, der vor 200 Jahren geboren wurde, bis heute eine enorme Anziehungskraft ausüben. So versuchten die JUSO mehrfach, die Abschaffung des Privateigentums in das Wirtschaftspapier der SP Schweiz aufzunehmen. Am Parteitag im Dezember 2016 in Thun gelang es ihnen sogar, ehe die Parteileitung intervenierte.

Als die JUSO im Februar in Altdorf einen weiteren Anlauf nahmen, reagierte Roger Nordmann, der Chef der SP-Bundeshausfraktion, unwirsch: «Wir sind doch nicht die Kommunistische Partei!» Was in diesem Satz indirekt enthalten ist: Alle Versuche, die marxistische Utopie einer klassenlosen Gesellschaft in der realen Welt umzusetzen, endeten ernüchternd bis katastrophal.

Der Traum von der klassenlosen Gesellschaft

Trotzdem bleibt die Vorstellung einer Welt, in der die Klassengegensätze, die Nationen und am Ende auch der Staat verschwinden, für viele Menschen verlockend. Weshalb Karl Marx in einem ZDF-Dokudrama zu seinem 200. Geburtstag als «wirkungsmächtigster Deutscher neben Martin Luther» bezeichnet wird. Beide haben mit ihrem Denken die Welt verändert.

Wer Marx kennenlernen will, greife zum «Manifest der Kommunistischen Partei», das er 1848 mit seinem Freund Friedrich Engels veröffentlicht hatte. Die Lektüre lohnt sich nicht nur, weil es sich um einen kurzen und im Vergleich zu seinem monströsen Hauptwerk «Das Kapital» leicht verständlichen Text handelt. Für Kenner steckt darin im Grundsatz bereits alles, worauf Marx hinaus will.

Berühmt wurde das Manifest durch seinen ersten und den letzten Satz. Es beginnt mit einer Feststellung:

«Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus.»

Und es endet mit dem Aufruf:

«Proletarier aller Länder, vereinigt euch!»

Dazwischen entwickeln Marx und Engels ein Programm zur Überwindung der bourgeoisen Eigentumsverhältnisse durch eine kommunistische Revolution. Die Radikalität des Textes ist geprägt durch die Zustände im damaligen Frühkapitalismus, als die Menschen – darunter häufig Kinder – unter erbärmlichsten Umständen in den Fabriken schuften mussten.

Es entbehrt nicht der Ironie, dass Karl Marx diese Realität kaum kannte. Er beklagte das Schicksal der Arbeiter, hatte selber aber ein gespaltenes Verhältnis zur Erwerbsarbeit. Im Londoner Exil nach 1848 arbeitete er als Journalist, doch die Honorare reichten nirgendwo hin. Marx sass lieber in der British Library und verschlang Bücher, während seine Familie kaum etwas zu beissen hatte.

Ausgerechnet Russland

Über Wasser halten konnte sie sich nur dank den Zuwendungen des Fabrikantensohnes Friedrich Engels, der als Kapitalist und Revolutionär selber eine widersprüchliche Figur war. Er vollendete die Bände 2 und 3 des «Kapitals» aus den hinterlassenen Manuskripten des 1883 verstorbenen Freundes. Marx selbst hatte trotz jahrelanger Arbeit nur den ersten Band zur Druckreife gebracht.

Das Buch

Bild: KEYSTONE

Weder Marx noch der 1895 verstorbene Engels erlebten, wie ihre Lehre von der klassenlosen Gesellschaft in die Praxis umgesetzt wurde. Als «Versuchslabor» diente ausgerechnet Russland, ein agrarisch geprägtes Land, in dem es kaum Industrie und damit keine eigentliche Arbeiterschaft gab. Trotzdem gelangten die Kommunisten mit der Oktoberrevolution 1917 an die Macht.

Kein Apostel der Gewaltlosigkeit

Die Folgen sind bekannt. Der real existierende Sozialismus hält sich noch in Ländern wie Kuba und Nordkorea, die man kaum als Vorbilder bezeichnen kann. Die Machthaber in China sind nur dem Namen nach Kommunisten. Marx habe die «schlechte» Umsetzung seiner Lehre nicht voraussehen können, heisst es oft entschuldigend. Ebenso wenig die damit verbundenen Exzesse.

Mag sein, dass Karl Marx, der selber ein Opfer politischer Verfolgung war, die stalinistischen Säuberungen, die chinesische Kulturrevolution oder den Terror der Roten Khmer in Kambodscha verurteilt hätte. Der Vordenker der klassenlosen Gesellschaft war jedoch kein Apostel der Gewaltlosigkeit. Ihm war bewusst, dass die Revolution nicht friedlich verlaufen würde.

Die Diktatur des Proletariats

Die Kommunisten erklärten offen, «dass ihre Zwecke nur erreicht werden können durch den gewaltsamen Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnung», heisst es am Ende des «Manifests». Konkret geschehen werde dies «vermittelst despotischer Eingriffe in das Eigentumsrecht und in die bürgerlichen Produktionsverhältnisse», schrieben Marx und Engels im gleichen Text.

--- ARCHIVE --- KARL MARX, VOR 200 JAHREN AM 14. MAI 1818 IN TRIER GEBOREN, WURDE ZUSAMMEN MIT FRIEDRICH ENGELS ZUM EINFLUSSREICHSTEN THEORETIKER DES SOZIALISMUS UND KOMMUNISMUS. ZU DIESEM ANLASS STELLEN WIR IHNEN DIESES BILD ZUR VERFUEGUNG --- In this file photo taken Sept. 14, 1966, youths are seen at a rally during the height of the Red Guard upheaval waving copies of the collected writings of Communist Party Chairman Mao Zedong, often referred to as Mao's Little Red Book and carrying a poster of Karl Marx. On May 16, 1966, the Communist Party's Politburo produced a document announcing the start of what was formally known as the Great Proletarian Cultural Revolution to pursue class warfare and enlist the population in mass political movements. Launched by leader Mao Zedong, it set off a decade of tumult to revive communist goals and enforce a radical egalitarianism. (KEYSTONE/AP Photo/Str)

Chinesische Rotgardisten demonstrieren während der Kulturrevolution mit einem Marx-Porträt. Bild: AP

Gewalt war demnach ein unvermeidliches Mittel zur Überwindung des Kapitalismus. Auch zur «Diktatur des Proletariats» – der Begriff stammte nicht von ihm – hatte Marx ein unverkrampftes Verhältnis. Dass dieser Weg nicht ins Paradies der Werktätigen führen würde, sondern zu Tyrannei, Umweltzerstörung und Mangelwirtschaft, konnte er wohl tatsächlich nicht voraussehen.

Die Dynamik des Kapitalismus

Das gilt erst recht für die Beständigkeit des Kapitalismus. Wenn SP-Nationalrat Cédric Wermuth im Interview mit dem «Tages-Anzeiger» erklärt, der Kapitalismus sei «kein stabiles System», so hat er natürlich recht. Er ist im Gegenteil ein dynamisches System, das zerstörerische, aber auch kreative Energien freisetzen kann. Ein Aspekt, den Marxisten oft übersehen oder kleinreden.

Der Kapitalismus ist auch lernfähig. Dank Sozialpartnerschaft und sozialer Marktwirtschaft sind zumindest in der westlichen Welt unzählige Proletarier in jene «Mittelstände» aufgestiegen, die im Kommunistischen Manifest als «reaktionär» verunglimpft werden. Damit hatte Karl Marx kaum gerechnet, andernfalls hätte er sich wohl seine eindrucksvolle Haarpracht gerauft.

Wo sind die linken Ideen?

Die Idee einer klassenlosen Gesellschaft mag für manche Linke verlockend sein. Für die meisten Menschen bleibt sie eine abstrakte bis bedrohliche Perspektive. Privateigentum beschränkt sich nicht auf das Zahnbürstli oder andere persönliche Besitztümer, wie die JUSO treuherzig erklären. Es bildet einen wichtigen Anreiz für Innovationen, ob das einem passt oder nicht.

Hamburg im G20-Ausnahmezustand

Es ist kein Zufall, dass die Linke kaum von den Herausforderungen des Kapitalismus durch die Globalisierung und die Finanzkrise 2008 profitieren konnte. Es sind im Gegenteil die Rechten, die zugelegt haben. Sie locken mit der vermeintlichen Geborgenheit des Nationalstaats, während sich die globalisierungskritische Linke Leerformeln wie den «solidarischen Protektionismus» absondert.

Marx hat vieles richtig erkannt. So wird im Kommunistischen Manifest die Globalisierung vorweg genommen. Seine Ideen aber scheitern wie praktisch alle Ideologien an der Unberechenbarkeit der menschlichen Natur. Die Marxisten werden dennoch unverdrossen auf den Untergang des Kapitalismus warten.

Karl Marx selbst hatte zu seinen Anhängern ein durchaus zwiespältiges Verhältnis. Darauf lässt zumindest jener Satz schliessen, der von Freund Engels überliefert wurde:

«Alles, was ich weiss, ist, dass ich kein Marxist bin.»

Trailer zu «Der junge Karl Marx»

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126Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Billy the Kid 07.05.2018 13:41
    Highlight Highlight 1. Die Behauputung, dass im "Kommunistischen Manifest" schon alle Erkenntnisse von Marx "in a nutshell" drin stehen würden ist völliger Quatsch. Hier handelt es sich ganz klar um ein Flugblatt, dass sehr raffiniert den Gegner attackiert.
    2. Falls man das "Manifest" liest fällt einem gerade die Zeitlosigkeit dieses Flugblatts auf. Nichts erinnert "hauptsächlich an den Frühkapitalismus". Der Autor widerspricht sich ja selber, wenn er dann darauf hinweist, dass schon die Globalisierung des Kapitals erwähnt wird.
    3. Bevor man über Marx schreibt - sollte man ihn auch tiefer analysieren.
  • chr_bopp 06.05.2018 22:52
    Highlight Highlight Die dümmste Frage: Hatte Marx Recht? Er hat das immer noch geltende System analysiert. Und viele bedenkswerte Dinge beim Namen genannt. Da liegt er sicher nicht falsch. Hat er irgendetwas prophezeiht? Wenn, dann nur etwas: Würden wirklich freie Menschen bei vollem Bewusstsein ihrer Wünsche so etwas wählen, wie es Stalin installierte? Wohl kaum. Gibt es solche Proletarier? Wenn man schaut, wer Trump gewählt hat, muss man sagen: Auch eher nicht. Sie wollen nur eins: Einen Job, anständig bezahlt. Und wenn es Kohle ist oder zu teurer Stahl: Egal. Keine Idee, dass es auch anders gehen könnte.
  • redeye70 06.05.2018 15:44
    Highlight Highlight Der Kapitalismus hat den Vorteil, dass er sich verändern kann. Viel ist geschehen seit dem Manchesterkapitalismus. Der Sozialismus wie auch der Kommunismus gerieten schnell zum unveränderbaren Dogma. Der Prager Frühling steht exemplarisch dafür. Der Kapitalismus wird sich meines Erachtens aber selber abschaffen, da er nicht genügend Nachhaltigkeit erschafft. Ewiges Wachstum und schwindende Ressourcen werden ihren Preis fordern.
    • PaLve! 06.05.2018 17:52
      Highlight Highlight Das gilt für den Marxismus-Leninismus. Heutige Kommunisten sollten nicht dauernd an der Oktober-Revolution hängen bleiben, sondern sich wieder unabhängig von Ideologien mit dem Marxismus beschäftigen, das ist heute dringender nötig denn je.
  • PaLve! 06.05.2018 11:54
  • PaLve! 06.05.2018 11:51
    Highlight Highlight Ist eigentlich den Kapitalisten schon mal aufgefallen dass ein grossteil der heutigen Wirtschaft von einigen wenigen Konzernen betrieben wird? Wenn das freie Marktwirtschaft sein soll, bei dem ein kleines Unternehmen kaum mitmischen kann, ist mir ein Sozialismus bei dem grosse Konzerne verstaatlicht sind und kleinen Händlern so ein fairer Wettbewerb (die übrigens nach marxistischer Theorie nicht verstaatlicht werden) ermöglicht wird, sollte jedem klar sein, welches System fairer ist.
    • Rabbi Jussuf 07.05.2018 01:14
      Highlight Highlight Du bist mir ein schöner Fantast!
      Glaubst du wirklich ein verstaatlichtes Unternehmen würde noch Platz lassen für kleine Konkurrenten?
      Um die auszuschalten gibt es dann staatliche Gesetze, 5-Jahrespläne und dergleichen Unsinn mehr. Die Wirtschaft wäre in nullkommanichts am Boden. Kennen wir alles aus der DDR. Von Fairness ist da keine Spur zu sehen.
    • PaLve! 07.05.2018 09:19
      Highlight Highlight Wie gesagt: Grosse Konzerne, die lebensnotwendige Mittel produzieren, verstaatlichen und demokratisieren, kleinere Unternehmen, die Luxusgüter produzieren, in privater Hand lassen.
      Die jugoslawische Arbeiterselbstverwaltung war in ein Schritt in die richtige Richtung. Planwirtschaft nach sowjetischem Model hingegen ist heute nicht mehr wettbewerbsfähig. Und kann Menschen ähnlich brutal ausbeuten und die Natur ähnlich schänden, wie die ''Freie Marktwirtschaft'' es macht.
    • PaLve! 07.05.2018 13:11
      Highlight Highlight Nicht nur ähnlich sondern noch schlimmer, zeigt schon mal wie ''sozialistisch'' der Ostblock wirklich war. Diktatur-technisch steht so gut wie kein Land der damaligen stalinistischen UdssR nahe.
      Nicht mal im 3. Reich wurden Dissidenten so effizient verfolgt wie in der Sowjetunion unter Stalin.
  • PaLve! 06.05.2018 11:36
    Highlight Highlight 2/2
    Gegen welches kapitalistische Land besteht den eine fast weltweite Blockade, wie die gegen Kuba? In welchem kapitalistischen 3. Weltland kann man so sicher leben wie in Kuba? In welchem afrikanischen Staat gab es so rasche humanitäre Fortschritte wie in Burkina Faso des Thomas Sankaras? Fragen über Fragen die mir kein Kapitalist beantworten kann.
  • PaLve! 06.05.2018 11:36
    Highlight Highlight 1/2
    Wieso wird Kommunismus immer auf Länder des Ostblockes und des Maoismus reduziert? Wieso nie auf Jugoslawien, Burkina Faso, Chile, Kuba, Rojava usw. wo der Sozialismus gutes bewirkt hat. Immer wieder wurde der Sozialismus durch die USA gehindert oder gewaltsam entfernt.
    st
  • Nunja 06.05.2018 07:52
    Highlight Highlight Das Land, welches dem Kommunismus meiner Meinung nach am erfolgreichsten nahe kam war die Schweiz von 1937-1980. Die meisten wichtigen Lebensbereiche waren durch staatliche Organisationen oder die genialen (kommunistisch inspirierten und kompatiblen) Genossenschaften abgedeckt und kontrolliert. Kapitalistisch organisiert waren die Exportwirtschaft, das Gewerbe und ein Teil der Banken. Genossenschaften als stabilisierendes, soziales und demokratisches Element wären die Lösung für einen milden Kapitalismus oder den echten Kommunismus.
  • Alienus 06.05.2018 06:56
    Highlight Highlight Würde man die Diskussion um Marx und Engels mit ihren Thesen auf eine imaginäre Medizinebene transformieren, würde ich mich zur Heilung von MuE zwecks Analyse gerne untersuchen, jedoch ja nicht behandeln lassen.

    Marx hatte scheints im Hirn eine Lupe eingebaut zu haben. Vom Kleinen zum Großen, vom Großen zum Kleinen.

    Marx, ein Erkenner der unsichtbaren Fäden, an denen der Homo oeconomicus angebunden ist und immer noch heftig zappelt.

    Die Fäden haben sich inzwischen leider zu superdicken Schiffstauen entwickelt.
    • Alienus 06.05.2018 18:27
      Highlight Highlight An die lieben @Blitzer.

      Früher hat man Boten schlechter Nachrichten umgebracht.
  • karl_e 06.05.2018 00:01
    Highlight Highlight Der Leitartikel "Ein Lob auf Marx" in der gestrigen NZZ (!) scheint wesentlich differenzierter als das übliche billige Marx-Bashing hier im Watson.
    Marx trägt für die Verbrechen der Marxisten etwa gleich viel Schuld wie Jesus für die Verbrechen der Christen.
  • David Schaltegger 05.05.2018 22:48
    Highlight Highlight Es erscheint mir doch ein wenig zünisch wenn die Wohlhabenden eines Systems die Argumente der Verliererals nichtig abstempeln. Der "Kapitalismus" beschäftig auch heute noch Kinder, einfach nicht in Europa.
    • Toerpe Zwerg 06.05.2018 06:41
      Highlight Highlight Das haben Sie falsch rum. Erst das Witschaftssystem un der damit verbundene Wohlstand hat Kinder von Arbeit befreit.
    • McStem 06.05.2018 10:47
      Highlight Highlight @Toerpe Zwerg
      Ssg das mal den Kindern in 3. Weltländern, die Kleidung zusammennähen "dürfen".
    • David Schaltegger 06.05.2018 22:07
      Highlight Highlight @Toerpe Zwerg
      Ihre Aussage stimmt leider keineswegs. Ich würde ihnen noch so gerne zustimmen!
      Doch die Kinderarbeit in Europa wird aus Gründen der Gewinnmaximierung nur durch Kinderarbeit in anderen Ländern substituiert.

      https://www.planet-wissen.de/geschichte/menschenrechte/kinderarbeit/index.html

  • Limpleg 05.05.2018 20:40
    Highlight Highlight Gerechter veretilen im Namen des Kommunismus/Sozialismus, ja das hat Commandante Chavez in Venezuela auch versucht... Was daraus 20 Jahre später wurde sieht man heute...
    • phreko 06.05.2018 01:25
      Highlight Highlight Wer eine Einmann Diktatur mit den Werten Marx gleichsetzt, hat sich wohl nicht damit auseinandergesetzt und behauptet ahnungslos.
    • PaLve! 06.05.2018 11:30
      Highlight Highlight Indem Chavez das venezolanische Öl verstaatlicht hat, hat er den Zorn des Yankke-Imperiums auf sich geholt, und die wieder um haben riesen Erfolg mit ihrer Anti-Venezuela Propaganda wie ich gerade beobachte.
    • Herr J. 07.05.2018 10:05
      Highlight Highlight Klar, die Missstände in Venezuela sind nur Propaganda der USA. Und haben selbstverständlich nichts mit dem Sozialismus zu tun.
      Wann merkt ihr, wie einfältig solche Parolen sind?
    Weitere Antworten anzeigen
  • dath bane 05.05.2018 20:24
    Highlight Highlight Wir befinden uns schon lange in einem Klassenkampf gegen die Unterschicht. Während das reichste prozent immer reicher wird, ist seit 2015 die Zahl der Hungernden weltweit wieder gestiegen. Seit dem 2. Wk waren nicht mehr so viele auf der Flucht. Der Klassenkampf hat sich nicht nur international, sondern auch auf andere Spezies ausgedehnt und immer mehr Tierarten werden ausgerottet. Und die Linke führt lieber Luxusdebatten über LGBT-Rechte und menstruationsferien anstatt das ideal einer heilen Schweiz als Katalysator im Prozess der weltweiten Kapitalakkumulation zu verstehen.
    • Upsi 06.05.2018 11:51
      Highlight Highlight @ peter silie (1): vielleicht hat das mehr mit korrelation als mit kausalität zu tun?!?
  • Dominik Treier 05.05.2018 20:22
    Highlight Highlight Das Problem am Kapitalismus? Zu viel Egoismus und zu wenig Regulierung... Das Problem am Kommunismus. Zu viel Regulierung und zu viele Möglichkeiten zum Machtmissbrauch dadurch. Die Lösung? So etwas wie ein liberaler Sozialismus... Jeder kann tun was er will, aber der Staat schafft einen Rahmen mit Anreizen und Sicherheiten, wie Grundeinkommen und Versicherungen. Finanziert durch evtl. eine Finanztransaktionen und massiv mehr Steuern auf Kapitalgewinne und Vermögen in grössenordnungen in denen eine Erwirtschaftung durch Arbeit kaum möglich ist (ü. 20 Mio)... Alles demokratisch regiert.
    • Kemni 06.05.2018 01:22
      Highlight Highlight Schliesse mich dir komplett an. Wie siehts aus, hättest Du zufällig Interesse dran, mit mir einen Libertär-sozialistischen Staat aufzubauen?😊
  • salamandre 05.05.2018 19:45
    Highlight Highlight Eine soziale Welt wär schön. Asoziale Sozialisten oder gar Komunisten gibts leider auch mehr als genug
  • Lienat 05.05.2018 19:43
    Highlight Highlight Gab es überhaupt schon einmal einen kommunistischen Staat? Ich würde sagen nein, aber es gab und gibt diverse Diktaturen, die sich selbst als kommunistisch bezeichnen. Das Kommunismus nicht funktioniert, wird wahrscheinlich scho stimmen. Bewiesen ist das aber nicht, weil es noch nie wirklich versucht wurde.
    • der Denker 05.05.2018 20:37
      Highlight Highlight Standard antwort aller Sozialisten und Kommunisten. Wenn selbst sozialismus in Ländern mit perfekten bedinungen, z. B. Venezuela nicht funktioniert. Wie soll dan erst Kommunismus funktionieren?
    • Toerpe Zwerg 05.05.2018 22:36
      Highlight Highlight Kommunismus kann nur in einer Diktatur existieren.
    • Rabbi Jussuf 05.05.2018 23:33
      Highlight Highlight Man hätte weder Venezuela, noch die Udssr, noch China gebraucht um zu wissen, dass Kommunismus niemals funktionieren kann. Dazu hätte es gereicht etwas Marx zu lesen.
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  • Julian Flury (1) 05.05.2018 19:10
    Highlight Highlight Ja, dieser Kommunismus ist wie erwähnt gescheitert. Ja, vielleicht ist er eine schöne Utopie, die nicht funktionieren kann. Solche Artikel habe ich schon x-mal gelesen. Was ich vermisse: wieso wird so getan, als ob dann der gegenteilige, vergötterte Kapitalismus obsiegte? Der Kapitalismus in Reinform, ist genauso wie der Kommunismus in Reinform, gescheitert. Der Unterschied ist, dass man dem Kapitalismus die Chance gab, sich zu entwickeln (auch über Gewalt). Wäre noch flott, dies mal zu erwähnen.
    • Toerpe Zwerg 05.05.2018 22:34
      Highlight Highlight Eigentumsgarantie hat aber obsiegt.
    • Rabbi Jussuf 05.05.2018 23:35
      Highlight Highlight Der Kommunismus eine schöne Utopie?
      Grauenhaft!
      Utopien sollte man nie verwirklichen wollen.
    • PaLve! 06.05.2018 11:42
      Highlight Highlight Sobald ein sozialistisches Land Erfolg hat, wird es mit Sanktionen überschüttet. Kuba erfuhr in den ersten Jahren Castros beträchtliche wirtschaftliche Erfolge -> Embargo; Burkina unter Thomas Sankara machte beträchtliche humanisitsche Fortschritte -> Sankara wird ermordet; Chavez verstaatlicht Öl in Venezuela und macht damit einen Sozialismus möglich von dem allen Venezolaner profitieren -> USA beginnt Handelskrieg. Man könnte ewig weitermachen. Aber wieso wird der Kapitalimus nie auf Länder wie Saudiarabien, Bangladesh, oder Kongo reduziert?
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  • Areus 05.05.2018 19:09
    Highlight Highlight Toller Artikel. Bin immer wieder erstaunt, wie viele den Kapitalismus gleich "überwinden" wollen, obwohl er sich ständig verändern kann. Vollgeld-Initiative ahoi!
  • Ueli der Knecht 05.05.2018 19:08
    Highlight Highlight Marx liesse sich auch differenzierter betrachten. Leider kann man ihn heute nicht mehr fragen. Aber ich glaube, da tut ihm Peter Blunschi ziemlich Unrecht.

    ZB. wollte Marx nicht privates sondern nur bürgerliches/feudales Eigentum abschaffen:

    "Erarbeitetes, erworbenes, selbstverdientes Eigentum! Sprecht ihr von dem kleinbürgerlichen, kleinbäuerlichen Eigentum, welches dem bürgerlichen Eigentum vorherging? Wir brauchen es nicht abzuschaffen, die Entwicklung der Industrie hat es abgeschafft und schafft es täglich ab."

    Auch mit "Gewalt" meinte Marx wohl kaum Blutvergiessen oder Waffengewalt.
    • Rabbi Jussuf 05.05.2018 23:39
      Highlight Highlight Um "Gleichheit" herzustellen, braucht es Gewalt, Blutvergiessen und Waffen.
      Das wusste selbst Marx schon.
    • Ueli der Knecht 06.05.2018 00:28
      Highlight Highlight Rabbi: Auch "Gleichheit" verstand Marx vermutlich nicht in völliger Absolutheit.

      Einerseits behauptete er, dass nicht der Kommunismus sondern der Kapitalismus gleichmachend wirke: Arbeitsverhältnisse würden für alle gleichermassen prekär werden, alle Arbeiter würden gleichermassen enteignet werden und verarmen; die Interessen der Arbeiter würden daher immer gleicher.

      Anderseits forderte Marx nur die Abschaffung der Bourgeoisie: Gleiche Chancen, Rechte und Pflichten für alle, unabhängig von Klassenzugehörigkeiten. Diese Forderung ist mehrheitlich unbestritten. Ausser bei der Bourgeoisie.
    • Ueli der Knecht 06.05.2018 00:45
      Highlight Highlight Marx rief nicht zu Gewalt auf. Nicht der Kommunismus sei gewalttätig, sondern der Kapitalismus, der

      "so gewaltige Produktionsmittel hervorgezaubert hat, gleicht dem Hexenmeister, der die Gewalten nicht mehr zu beherrschen vermag.

      Wodurch überwindet die Bourgeoisie Krisen? [...] Dadurch, daß sie [...] gewaltigere Krisen vorbereitet und die Mittel, den Krisen vorzubeugen, vermindert.

      Die Waffen [...] richten sich jetzt gegen die Bourgeoisie.

      Die Bourgeoisie hat nicht nur die Waffen geschmiedet [...]; sie hat auch die Männer gezeugt, die diese Waffen führen werden - [...] die Proletarier."
    Weitere Antworten anzeigen
  • Jesses! 05.05.2018 18:57
    Highlight Highlight Radikale Systeme funktionieren nicht. Aber weshalb finden wir die goldene Mitte nicht? Dass das Kapital ungerecht verteilt ist, sieht ja jeder! Der Kapitalismus sollte wenigstens gebändigt werden. Denn die, die davon profitieren, verlieren den den Boden unter den Füssen.
    • lilie 05.05.2018 19:21
      Highlight Highlight Das Kapital wird immer ungerecht verteilt sein.

      Und in meiner Erfahrung beklagen sich die Leute selbst dann noch, wenn alle dasselbe haben - der Mensch ist nie zufrieden mit dem, was er hat.

      Deshalb sind Systeme, die auf Equilibrium ausgelegt sind, nie auf Dauer erfolgreich. Der Mensch will kreativ sein und ständig neue Ziele anstreben.

      Das kann man beklagen. Oder einfach akzeptieren.

      Kapitalismus bändigen erscheint mir jedenfalls erfolgsversprechender als ihn abzuschaffen. Und das ist ja, mit den ganzen Regulationen, das, was wir im Augenblick ungefähr haben.
    • FrancoL 05.05.2018 21:28
      Highlight Highlight Weil die Jünger des Kapitalismus meinen in der goldenen Mitte zu sein.
    • Gohts? 06.05.2018 11:31
      Highlight Highlight Das Kapital ist nicht ungerecht verteilt. Die in denen Augen ungerechte Verteilung ist bloss die Folge davon, wie es ausgegeben wurde.

      Wer ausschliesslich in Verbindlichkeiten (Dinge, dich laufend kosten und/oder an Wert verlieren) "investiert" wird immer zur Unter- oder Mittelschicht angehören.

      Wer möglichst viel in Vermögenswerte (Dinge, die dir Gewinn bringen) investiert, wird unweigerlich reich - auf lange Sicht.

      Jeder hat mit jedem einzelnen Rappen die Wahl wohin die Reise geht. Was bitteschön soll daran ungerecht sein?
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Wohin steuert der Kapitalismus?

Karl Marx hatte recht: Der Kapitalismus hat die verkrusteten Strukturen des Feudalismus und der Aristokratie aufgebrochen und eine Welle der Innovation und des Fortschritts losgetreten. Es ist kein Zufall, dass die Phase der rasanten technologischen Entwicklung und der massiven Erhöhung unserer Lebensstandards, die mit der Industriellen Revolution begann, auch die Phase des globalen Aufstiegs der kapitalistischen Gesellschaftsordnung ist.

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