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In this photo taken on Tuesday, July 10, 2018,  a six-meter high cartoon baby blimp of U.S. President Donald Trump stands inflated during a practice session in Bingfield Park, north London. Trump will get the red carpet treatment on his brief visit to England that begins Thursday: Military bands at a gala dinner, lunch with the prime minister at her country place, then tea with the queen at Windsor Castle before flying off to one of his golf clubs in Scotland. But trip planners may go out of their way to shield Trump from viewing another aspect of the greeting: an oversize balloon depicting the president as an angry baby in a diaper that will be flown from Parliament Square during what are expected to be massive gatherings of protesters opposed to Trump’s presence. (AP Photo/Matt Dunham)

Trump als Riesen-Baby-Ballon. Bild: AP/AP

Analyse

Aus Angst lässt Trump alle Hemmungen fallen

Ein Sieg der Demokraten hätte für den Präsidenten gravierende Folgen. Deshalb greift er jetzt zu faschistoiden Methoden.



Das Video zeigt einen Mexikaner namens Luis Bracamontes. Er ist in Kalifornien wegen des Mordes an zwei Polizisten zum Tode verurteilt worden. Im Video prahlt er mit diesen Morden und kündigt an, er werde noch mehr Polizisten töten.

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Der Mörder Luis Bracamontes prahlt mit seinen Taten. Video: YouTube/DtoTheK

Trump hat dieses Video mit seinen 55 Millionen Twitter-Followern geteilt. Er behauptet dreist, die Demokraten hätten Bracamontes mehrmals in die USA einreisen lassen. Das ist eine Lüge. Es geschah während der Amtszeit von George W. Bush.

Das Video passt auch bestens zu einem offiziellen Wahlkampfvideo der Grand Old Party. Darin wird behauptet, bei einem Sieg der Demokraten würden die Grenzen geöffnet und die amerikanischen Städte von anarchistischen Banden überrannt.

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Die Republikaner verbreiten Angst und Schrecken. Video: YouTube/GOP

All dies hätte Hitlers berüchtigter Propagandaminister Joseph Goebbels nicht besser hingekriegt. Passend auch, dass der Rassismus der Republikaner nicht nur auf Schwarze und Braune abzielt, sondern mittlerweile offen antisemitisch geworden ist. Trump und mehrere Republikaner unterstellen George Soros, er habe die Immigranten-Karawane aus Honduras finanziert. Der Milliardär Soros ist jüdisch und Hedge-Fund-Manager.

«Trumps Wahlkampf wirkt wie Gift.»

Donna Brazile

In amerikanischen Wahlkämpfen geht es seit jeher rau zu. Schon die beiden Gründerväter Thomas Jefferson und Alexander Hamilton bekämpften sich bis aufs Blut. Der ältere Bush, George H. W., gewann seinerzeit nur, weil er einen verurteilten schwarzen Mörder namens Willie Horton ins Zentrum seiner Kampagne stellte.

Doch Trump geht weiter, viel weiter: «Das ist ansteckend, das fährt in die Knochen», sagt die demokratische Strategin Donna Brazile. «Es ist wie Gift.»

epaselect epa07134342 US President Donald J. Trump speaks during the Make America Great Again Rally in Hertz Arena, Fort Myers, Florida, 31 October 2018. Trump holds a national midterm campaign tour with rallies scheduled in key congressional districts and states including Florida, Missouri, West Virginia, Indiana, Montana, Georgia, Tennessee, and Ohio supporting the GOP majorities in the House and Senate.  EPA/CRISTOBAL HERRERA

Hetzt und hetzt: Trump an einer seiner zahlreichen Wahlkampfveranstaltungen. Bild: EPA/EPA

Dabei hätte Trump sehr viele andere Trümpfe in der Hand: Die Wirtschaft boomt, die Arbeitslosigkeit befindet sich auf einem rekordtiefen Niveau und die Börsen scheinen ihren Schwächeanfall überwunden zu haben. Dem Präsidenten ist es gelungen, seine Steuerreform durch den Kongress zu peitschen, er hat zwei oberste Richter ernennen und mit Mexiko und Kanada neue Verträge aushandeln können.

Davon ist im Wahlkampf kaum die Rede. Trump hat es auch verpasst, nach dem Anschlag auf eine Synagoge in Pittsburgh versöhnende Worte zu finden. Stattdessen ging er nahtlos in den Angriffsmodus über und zog an seinen Wahlkampfveranstaltungen über die Demokraten und die Medien her.

All dies hat die Stimmung im Lande geprägt. «Die beiden letzten Wochen haben Angst und Schrecken verbreitet», kommentiert die «New York Times». «Selbst diejenigen, die nicht direkt vom Horror betroffen sind, spüren, dass etwas schrecklich falsch gelaufen ist.»

Davor hat Trump panische Angst

Warum rastet Trump so aus, schlimmer noch als im Wahlkampf 2016? Warum setzt er nicht auf seine wirtschaftlichen Erfolge? Warum heizt er seine ohnehin schon erhitzten Fans bis zum Wahnsinn auf? Schlicht und ergreifend: Weil er panische Angst hat.

Trump weiss nur zu gut, was ein Erfolg der Demokraten – wobei schon der Gewinn einer Mehrheit im Abgeordnetenhaus ein solcher Erfolg wäre – für ihn bedeuten wird, nämlich dass die Demokraten anders als die Republikaner ihre Aufsichtspflicht auch wahrnehmen werden.

Das bedeutet konkret: Die Arbeit des Sonderermittlers Robert Mueller wird unantastbar. Es bedeutet aber auch, dass Untersuchungen gestartet werden, die Trumps Vermischung von privaten Geschäften mit seinem Amt unter die Lupe nehmen; und es bedeutet schliesslich, dass Trump endlich seine Steuerrechnungen offenlegen muss. All dies wird vor laufenden Kameras an öffentlichen Hearings passieren.

Wird Trump all dies mit seiner offen rassistischen Kampagne abwehren können? Wohl kaum. Die Demokraten haben gute Aussichten, die Mehrheit im Abgeordnetenhaus zu erreichen. Auch die Chancen, dass sie mehrere Gouverneure stellen werden – selbst in roten Bundesstaaten –, sind intakt. Sollte die «blaue Welle» am kommenden Dienstag Tatsache werden, wird die amerikanische Politlandschaft umgepflügt.

8 Rohrbomben an Obama & Co: Trump rügt Medien

Video: srf

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