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Die Altstadt von Tallinn. Estland unternimmt alles, um die weltweit führende Nation in digitalen Zeitalter zu werden. 
Die Altstadt von Tallinn. Estland unternimmt alles, um die weltweit führende Nation in digitalen Zeitalter zu werden. 
Bild: REX
Interview

«Abstimmen per Internet wird sich weltweit durchsetzen»

Seit mehr als zwölf Jahren können die Menschen in Estland ihre Stimme per Internet abgeben. Das sei nicht nur sicher, es sei auch bequem, sagt Tarvi Martens, der für dieses elektronische Abstimmungssystem verantwortlich ist.
07.01.2018, 10:12

Seit 2005 können die Menschen in Estland elektronisch abstimmen. Was haben Sie für Erfahrungen gemacht?
Das Programm wird immer populärer. Inzwischen geben rund ein Drittel der Menschen in Estland ihre Stimme per Internet ab.  

Sind das vor allem junge Wählerinnen und Wähler?
Anfänglich waren es tatsächlich vor allem junge Männer, die so abgestimmt haben. Das hat sich geändert. Inzwischen entspricht das Profil des Internet-Wählers dem Profil des durchschnittlichen Wählers: Alte und Junge, Frauen und Männer sind gleichermassen vertreten.  

Tarvi Martnes ist verantwortlich für das elektronische Wahlsystem in Estland. Er wird am Dienstag, den 27. Januar 2018, am 1. Swiss E-Voting Event als Redner auftreten. Der Anlass findet im&nbsp;<a href="http://www.swiss-evoting.ch" target="_blank">SIX Convention Poin</a>t an der Pfingstweidstrasse 110 in Zürich statt.&nbsp;&nbsp;
Tarvi Martnes ist verantwortlich für das elektronische Wahlsystem in Estland. Er wird am Dienstag, den 27. Januar 2018, am 1. Swiss E-Voting Event als Redner auftreten. Der Anlass findet im SIX Convention Point an der Pfingstweidstrasse 110 in Zürich statt.  

Sind ältere Menschen nicht überfordert?
Überhaupt nicht. Das System ist sehr einfach zu bedienen. Und es ist vor allem auch sehr bequem. Niemand muss sich mehr bei Wind und Wetter in ein Stimmlokal begeben. Gerade deswegen wird das Programm immer beliebter.  

Ein solches Programm muss nicht nur einfach zu bedienen, es muss auch sicher sein. Lässt sich das unter einen Hut bringen? Ist die Gefahr des Wahlbetrugs nicht sehr gross?
Nein. Das System setzt voraus, dass der Wähler gleichzeitig einen Computer und sein Smartphone einsetzt. Das verhindert, dass man es mit einem Trojaner überlisten kann und macht das ganze System sehr sicher. (Ähnliche System werden in der Schweiz von Banken für den elektronischen Zahlungsverkehr eingesetzt. Anm. d. Red.)  

«Wir können unser politisches Wahlsystem genauso effektiv schützen wie die Banken ihr System zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs.»

Seit bekannt ist, dass Russland die US-Wahlen beeinflusst hat, herrscht weltweit Angst vor Wahlmanipulation durch fremde Mächte. Gerade Estland wurde ja einst Opfer einer russischen Cyberattacke.
Russland hat in den USA nicht das technische System angegriffen, sondern versucht, die Menschen in ihrem Wahlverhalten zu manipulieren. Deshalb kann ich keine Gefahr für das System erkennen. Wir können unser politisches Wahlsystem genauso effektiv schützen wie die Banken ihr System zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs.  

Findest du Abstimmen per Internet eine gute Sache?

In der Schweiz ist die Skepsis gegen ein Wahl- und Abstimmungsverfahren per Internet sehr gross. Wie kann diese Skepsis überwunden werden?
Überhaupt nicht. Es ist eine Frage der Zeit, bis sich diese Systeme überall auf der Welt durchsetzen werden.

Es geht auch ohne Internet: Landsgemeinde in Glarus.
Es geht auch ohne Internet: Landsgemeinde in Glarus.
Bild: KEYSTONE

Weshalb? Die Schweizer Demokratie hat bisher auch ohne Internet bestens funktioniert.
Ja, aber mit einem elektronische Wahl- und Abstimmungsverfahren wird sie dereinst noch besser funktionieren. 

Was ist mit der Angst vor Big Brother? Vielen Menschen ist die Vorstellung nicht geheuer, dass die Regierung weiss, ob und wie ich abgestimmt habe.
Das ist eine eingebildete Angst. Unser System ist inzwischen so verlässlich, dass wir eine solche Überwachung ausschliessen können.

Ab wann können wir online abstimmen?

Video: srf

Wahlfälschung in der Schweiz

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Wahlfälschung in der Schweiz
quelle: keystone / valentin flauraud
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