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150 Kinder ausgebeutet? Erneute Vorwürfe gegen Lafarge-Holcim 

03.05.2017, 08:1903.05.2017, 08:35

Der Zementhersteller Lafarge-Holcim ist am Tag seiner Generalversammlung vom Mittwoch mit neuen Vorwürfen konfrontiert worden. Bis im letzten Herbst habe der Konzern in Uganda 150 Kinder ausgebeutet, teilten die Hilfswerke Brot für alle und Fastenopfer am Mittwoch mit.

Vor mehr als einem Jahr deckte die französische «Le Monde» auf, dass Lafarge-Holcim in Uganda Hunderte Kinder in Minen für sich arbeiten lässt. In den Steinbrüchen, die die Lafarge-Holcim-Tochter Hima Cement belieferten, haben bis letzten September 150 Kinder gearbeitet, wie eine Untersuchung der Schweizer Hilfswerke Brot für alle und Fastenopfer zusammen mit der Partnerorganisation vor Ort ergab. Die meisten befragten Kinder hätten zudem Verletzungen erlitten. Die Arbeit sei sehr gefährlich.

Im Januar hatte Lafarge-Holcim eine interne Untersuchung vorgestellt. Danach gab es keine Hinweise, dass es bei Hima Cement oder in der Zulieferkette je Kinderarbeit gegeben habe. Ebenfalls im Januar erklärte Hima Cement, nichts mehr aus handwerklichem Abbau zu beziehen.

Erneut unter Beschuss: Lafarge-Holcim.
Erneut unter Beschuss: Lafarge-Holcim.Bild: EPA/KEYSTONE

Wiedergutmachung gefordert

Den Hilfswerken reicht der Rückzug aber nicht. Der Konzern habe jahrelang Profit auf Kosten von Kindern und Jugendlichen gemacht, schreiben die Hilfswerke. «Er soll die jungen Menschen unterstützen, damit sie fehlende Schuljahre und Ausbildungen nachholen können», fordert Maillard Ardenti von Brot für alle. Lafarge-Holcim solle zur Wiedergutmachung der Opfer von Menschenrechtsverletzungen beitragen, statt nur seinen Ruf zu schützen. Die ugandische Hima Cement gehörte zu Lafarge, bevor diese 2015 mit Holcim zu «Lafarge-Holcim» fusionierte.

Das Puzzolan, das in den Minen der Stadt Fort Portal abgebaut wird, ist ein kieselartiges Mineral, das in Kombination mit Zementklinker (Kalk und Lehm) die Produktion von günstigem Zement ermöglicht.

Gemäss den 54 von den Hilfswerken befragten Kleinschürfern, Lastwagenfahrern, Behördenvertretern und lokalen Landbesitzern reicht diese Kinderarbeit bis in die frühen 2000-er Jahre zurück.

Lafarge-Holcim insistiert und hilft

Auf die neuen Vorwürfe wiederholte Lafarge-Holcim gegenüber der SDA nochmals die Befunde der internen Untersuchung. Und betonte, im April 2016 sei die Zahl der Kontrollbesuche erhöht und zudem ein GPS-Monitoring auf allen Lieferfahrzeugen installiert worden.

Ausserdem habe eine Kontrolle des Corporate-Responsibility (CSR)-Programms ergeben, dass nur wenige CSR-Aktivitäten in der betroffenen Region Harugongo durchgeführt würden. Deshalb seien diese verstärkt worden. «Wir sind dabei, mit dem Bau von Sanitäranlagen für Kinder in der Harugongo Primary School zu starten», sagt Lafarge-Holcim-Sprecher Eike Meuter. Zudem hoffe das Unternehmen im laufenden Quartal eine Absichtserklärung für eine Partnerschaft mit den lokalen SOS Kinderdörfern zu unterzeichnen.

Weitere Leichen im Keller

Der Vorwurf der Kinderarbeit ist ein Problem unter grösseren, mit denen sich Lafarge-Holcim derzeit herumschlägt. Letzte Woche hatte das Unternehmen Konzernchef Eric Olsen entlassen. Der überraschende Abgang steht im Zusammenhang mit den Schutzgeldern, die Lafarge-Holcim in Syrien an bewaffnete Gruppen, darunter auch den sogenannten «Islamischen Staat», gezahlt hat. Menschenrechtsorganisationen haben in Frankreich Klage gegen den Konzern und seine Verantwortlichen eingereicht. Die Vorwürfe lauten auf Terrorismusfinanzierung und Beihilfe zu Kriegsverbrechen.

An der heutigen Generalversammlung muss die Führung von Lafarge-Holcim mit Gegenwind rechnen. Wegen den Vorkommnissen in Syrien will die Schweizer Anlagestiftung Ethos gegen die Entlastung des Verwaltungsrates stimmen. Sie lehnt zudem den Vergütungsbericht ab.

226 Millionen Franken verdient 

Zu Jahresbeginn hat Lafarge-Holcim dank dem Verkauf des Vietnam-Geschäfts einen Gewinn geschrieben. Im ersten Quartal verdiente der Zementriese 226 Millionen Franken. Im Vorjahr stand an dieser Stelle ein Verlust von 107 Millionen Franken. (nfr/sda)

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