Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

150 Kinder ausgebeutet? Erneute Vorwürfe gegen Lafarge-Holcim 



Der Zementhersteller Lafarge-Holcim ist am Tag seiner Generalversammlung vom Mittwoch mit neuen Vorwürfen konfrontiert worden. Bis im letzten Herbst habe der Konzern in Uganda 150 Kinder ausgebeutet, teilten die Hilfswerke Brot für alle und Fastenopfer am Mittwoch mit.

Vor mehr als einem Jahr deckte die französische «Le Monde» auf, dass Lafarge-Holcim in Uganda Hunderte Kinder in Minen für sich arbeiten lässt. In den Steinbrüchen, die die Lafarge-Holcim-Tochter Hima Cement belieferten, haben bis letzten September 150 Kinder gearbeitet, wie eine Untersuchung der Schweizer Hilfswerke Brot für alle und Fastenopfer zusammen mit der Partnerorganisation vor Ort ergab. Die meisten befragten Kinder hätten zudem Verletzungen erlitten. Die Arbeit sei sehr gefährlich.

Im Januar hatte Lafarge-Holcim eine interne Untersuchung vorgestellt. Danach gab es keine Hinweise, dass es bei Hima Cement oder in der Zulieferkette je Kinderarbeit gegeben habe. Ebenfalls im Januar erklärte Hima Cement, nichts mehr aus handwerklichem Abbau zu beziehen.

epa05925072 (FILE) - The logo of LafargeHolcim on panels in front of company headquarters in Zurich, Switzerland, 15 July 2015 (reissued 24 April 2017). According to media reports on 24 April 2017, CEO of LafargeHolcim, Eric Olsen, was to resign after the cement group had admitted on 02 March that 'unacceptable' deals with armed groups in northern Syria allowed its activities there to continue. The group back then said Lafarge's local branch in Syria provided funds to armed groups via middlemen in 2013 and 2014 to guarantee safe passage for company employees and supply the plant it operated.  EPA/PATRICK B. KRAEMER

Erneut unter Beschuss: Lafarge-Holcim. Bild: EPA/KEYSTONE

Wiedergutmachung gefordert

Den Hilfswerken reicht der Rückzug aber nicht. Der Konzern habe jahrelang Profit auf Kosten von Kindern und Jugendlichen gemacht, schreiben die Hilfswerke. «Er soll die jungen Menschen unterstützen, damit sie fehlende Schuljahre und Ausbildungen nachholen können», fordert Maillard Ardenti von Brot für alle. Lafarge-Holcim solle zur Wiedergutmachung der Opfer von Menschenrechtsverletzungen beitragen, statt nur seinen Ruf zu schützen. Die ugandische Hima Cement gehörte zu Lafarge, bevor diese 2015 mit Holcim zu «Lafarge-Holcim» fusionierte.

Das Puzzolan, das in den Minen der Stadt Fort Portal abgebaut wird, ist ein kieselartiges Mineral, das in Kombination mit Zementklinker (Kalk und Lehm) die Produktion von günstigem Zement ermöglicht.

Gemäss den 54 von den Hilfswerken befragten Kleinschürfern, Lastwagenfahrern, Behördenvertretern und lokalen Landbesitzern reicht diese Kinderarbeit bis in die frühen 2000-er Jahre zurück.

Lafarge-Holcim insistiert und hilft

Auf die neuen Vorwürfe wiederholte Lafarge-Holcim gegenüber der SDA nochmals die Befunde der internen Untersuchung. Und betonte, im April 2016 sei die Zahl der Kontrollbesuche erhöht und zudem ein GPS-Monitoring auf allen Lieferfahrzeugen installiert worden.

Ausserdem habe eine Kontrolle des Corporate-Responsibility (CSR)-Programms ergeben, dass nur wenige CSR-Aktivitäten in der betroffenen Region Harugongo durchgeführt würden. Deshalb seien diese verstärkt worden. «Wir sind dabei, mit dem Bau von Sanitäranlagen für Kinder in der Harugongo Primary School zu starten», sagt Lafarge-Holcim-Sprecher Eike Meuter. Zudem hoffe das Unternehmen im laufenden Quartal eine Absichtserklärung für eine Partnerschaft mit den lokalen SOS Kinderdörfern zu unterzeichnen.

Weitere Leichen im Keller

Der Vorwurf der Kinderarbeit ist ein Problem unter grösseren, mit denen sich Lafarge-Holcim derzeit herumschlägt. Letzte Woche hatte das Unternehmen Konzernchef Eric Olsen entlassen. Der überraschende Abgang steht im Zusammenhang mit den Schutzgeldern, die Lafarge-Holcim in Syrien an bewaffnete Gruppen, darunter auch den sogenannten «Islamischen Staat», gezahlt hat. Menschenrechtsorganisationen haben in Frankreich Klage gegen den Konzern und seine Verantwortlichen eingereicht. Die Vorwürfe lauten auf Terrorismusfinanzierung und Beihilfe zu Kriegsverbrechen.

An der heutigen Generalversammlung muss die Führung von Lafarge-Holcim mit Gegenwind rechnen. Wegen den Vorkommnissen in Syrien will die Schweizer Anlagestiftung Ethos gegen die Entlastung des Verwaltungsrates stimmen. Sie lehnt zudem den Vergütungsbericht ab.

226 Millionen Franken verdient 

Zu Jahresbeginn hat Lafarge-Holcim dank dem Verkauf des Vietnam-Geschäfts einen Gewinn geschrieben. Im ersten Quartal verdiente der Zementriese 226 Millionen Franken. Im Vorjahr stand an dieser Stelle ein Verlust von 107 Millionen Franken. (nfr/sda)

Das könnte dich auch interessieren:

Mayotte – Europas zerrissenes Paradies am Ende der Welt

Link to Article

Ein junger Jude verliebt sich in eine Schickse – Orthodoxe fühlen sich im falschen Film

Link to Article

Hallo, Impfgegner – diese 7 Antworten zur Grippeimpfung sind speziell für euch

Link to Article

Die 11 schönsten Höhlen der Welt, in denen du dich vor der Fasnacht verstecken kannst

Link to Article

Die tiefe Spaltung der USA ist alarmierend – und ein Zeichen der Zeit

Link to Article

Wichtig: Eine Rangliste der 18 besten Drunk Foods aus aller Welt 🍺🍕🍻🍔🍺

Link to Article

Wie zwei Nerds die Welt eroberten – und ihre Ideale verrieten

Link to Article

Diese 10 Dinge kommen Ausländern als Erstes in den Sinn, wenn sie an die Schweiz denken

präsentiert vonBrand Logo
Link to Article

Eklat beim F1-Grand-Prix von Brasilien: Verstappen pöbelt Ocon nach dem Rennen an

Link to Article

Es ist Tag der schlechten Wortspiele oder wie wir vom Sport sagen: Heimspiel!

Link to Article
Alle Artikel anzeigen
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

Abonniere unseren Newsletter

1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Hansdamp_f 03.05.2017 10:13
    Highlight Highlight Wenn das stimmt, dann hat der frühere Branchenleader Holcim einen erneuten Tritt ans Schienbein - nach den Syrien-Schmiergeldzahlungen - erhalten von jetzt Partner Lafarge. Sowohl die Missstände in Uganda als auch die Schmiergeldzahlungen in Syrien gehen aufs Konto von Lafarge. Da war Holcim nämlich nie.

    Diese Fusion hat wirklich ihren Platz unter den dämlichsten Megalomanieprojekten verdient. Schade um Holcim. Einst eine tolle Schweizer Firma.

    11 1 Melden

Neues IT-Debakel beim Bund: Steuerverwaltung konnte keine Mahnungen verschicken

Das Informatikprojekt Insieme der Eidgenössischen Steuerverwaltung war ein Millionengrab. Das Nachfolgeprojekt Fiscal-IT ist inzwischen in Betrieb, ist aber ebenfalls ein Sorgenfall. Die Systeme sind unzuverlässig und zu wenig leistungsfähig.

Das hat die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht festgestellt. Die alte Anwendung für die direkte Bundessteuer wurde im Oktober 2017 durch das neue System DIFAS abgelöst. Dieses wies damals noch zahlreiche …

Artikel lesen
Link to Article