Wirtschaft
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Frauen und Geld

«Ich finde Geld schwierig, für mich ist das eine Hassliebe»

Sie verbindet Profit mit sozialer Wirkung – ein Gespräch über Innovation und Geld mit Aimeé van der Wolde.

Olga Miler
Olga Miler



Sie entscheidet über das Schicksal vieler Jungunternehmer/innen und bewegt die Startup-, Tech- und Impactszene, um soziale Wirkung und Profit zu vereinbaren. Aimée van der Wolde, 33 Jahre, gebürtige Holländerin und seit 4 Jahren in der Schweiz, ist Managing Partner bei der SEIF Driving Impact Innovation und Mitglied verschiedener Jurys bei Wettbewerben wie den World Summit- (WSA), Climate Kick- und Venture-Awards. Vor ihrem Job in der Schweiz war sie selbständige Beraterin für Programme für soziale und demokratische Innovationen. Wir treffen uns online, um über Innovation, Profit und soziale Wirkung zu sprechen.

Armee van de Walde

Aimeé van der Wolde. bild: zvg

watson: Aimeé, wie wird man von Beruf ein «Impact-Accelerator»?
Aimeé van der Wolde: Ich glaube, das fängt mit der Motivation an. Mich hat das schon von klein auf interessiert, wie man die Welt besser machen kann. Nach dem Studium war ich zuerst bei Stiftungen und dann bei der Regierung in Holland angestellt. Dann habe ich entdeckt, dass man beides haben kann, soziale Wirkung und ein gutes, profitables Geschäftsmodell. So habe ich angefangen, mich damit zu beschäftigen.

Dein Job ist es, Start-Ups und Unternehmen zu helfen, mehr soziale Wirkung zu erzielen und sie gleichzeitig fit zu machen für Investoren. Wie muss man sich das vorstellen?
Mit verschiedenen Programmen, auch in Zusammenarbeit mit Konzernen, und durch unser grosses Netzwerk sprechen wir Start-Ups an und laden sie ein, sich am Auswahlprozess zu bewerben. Einmal dabei, prüfen wir verschiedene Kriterien, z.B. stimmt die Technologie, wer ist im Team, wie ist das geplante Geschäftsmodell und was für soziale Ziele hat das Jungunternehmen. Kommt es zur Auswahl, gehen die Gründer durch ein Programm, bekommen Hilfe von Experten, verfeinern ihre Geschäftsidee und erhalten Zugang zu möglichen Kunden und Investoren. Das hilft, das Unternehmen schneller auf die Beine zu stellen und wachsen zu lassen.

Nachhaltigkeit liegt im Trend. Welche neuen Entwicklungen und Innovationen beobachtest du?
Das kommt ganz drauf an, wo man schaut. In der Schweiz sind es vor allem Themen wie Klimawandel, Energie, Ernährung, Abfall, Finanzen und alternde Gesellschaft, in welchen viel Innovation stattfindet. Für uns müssen die Unternehmen in Europa zu Hause sein, damit wir Unterstützung anbieten.

Welchen Jungunternehmen bist du in den letzten Monaten begegnet, die besonders innovativ waren?
Oh, da fallen mir eine ganze Reihe ein, z.B. Planted, die entwickeln Hühnerfleisch auf Pflanzenbasis, Emovo, die eine neue robotische Hand für Menschen mit Schlaganfall entwickeln, Project Circleg machen aus altem Plastik Ersatzbeine für Entwicklungsländer, WePlusCare, eine App, die hilft, Unterstützung für Menschen, die Hilfe brauchen, zu koordinieren, oder DePoly, die PET-Recycling revolutionieren.

Was unterscheidet denn ein «Impact-Startup» von einem normalen Startup? Sind das nicht nur Buzzwords?
Wirkung – Impact – ich weiss, dass das irgendwie mittlerweile ein Modewort ist. Um die soziale Wirkung zu messen, hilft es uns, die Nachhaltigkeitsziele als Rahmen zu nehmen und zu schauen, ob ein Unternehmen wirklich einen soliden Beitrag als Grossteil seines Geschäftsmodells leistet. Denn:

«Nur am Rande was zu tun oder für einen guten Zweck zu spenden, zählt da nicht.»

Es ist schwieriger, so ein Geschäftsmodell zu bauen als eine ganz traditionelle Geschäftsidee umzusetzen. Oft haben die Unternehmen auch eine emotionale Geschichte. Die Gründer wollen wirklich etwas bewegen. Investoren zu finden ist schwieriger, vor allem in der Schweiz, da viele noch nicht verstehen, wie Profit und soziale Wirkung Hand in Hand gehen können.

Bei deinem Job musst du immer sehr gut informiert sein, wie bleibst du auf dem Laufenden und wie entdeckst du neue Trends?
Man muss vor allem gut vernetzt sein. Ich lese viel, bin viel bei Events und in Kontakt mit verschiedenen anderen Programmen, Experten und Unternehmen, die sich einsetzen. Oft geht es dabei auch um Überzeugungsarbeit, dass es möglich ist, profitabel zu sein und einen Beitrag an die Welt zu leisten. Und dass solche Innovationen wichtig und zukunftsträchtig sind.

Was sind das für Menschen, die in solche Start-Ups investieren?
Oft geht es nicht nur um das Geld. Für viele ist es eine Herzangelegenheit. Die Investoren sind Personen, die ihr Geld in etwas anlegen wollen, das Sinn macht. Und dann hast du solche, die vor allem das Geschäftsmodell überzeugt. Mit Corona ist das schwierig geworden, da alle vorsichtiger sind. In Jungunternehmen zu investieren, ist grundsätzlich mit Risiko verbunden, wenn es noch Unternehmen sind, die neben Profit auch eine soziale Wirkung haben und messen, dann wird heute das Risiko als noch grösser wahrgenommen.

Welche Möglichkeiten haben denn ganz normale Menschen, Geld in solche Innovationen zu investieren?
Leider gibt es in der Schweiz ausser Crowdfunding oder direkte Investitionen in Start-Ups noch nicht so viele Möglichkeiten, das ist noch im Aufbau.

«Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir nicht für voll genommen werden.»

Ihr seid eine von Frauen gegründete Firma, macht es das einfacher oder schwieriger oder spielt das keine Rolle?
Die Start-Up-Szene ist immer noch sehr männlich und in den Unternehmen fällt es uns nicht immer leicht, Kontakte zu knüpfen. Es macht es schwieriger, eine Frau zu sein, vor allem in der Schweiz. Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir einfach nicht für voll genommen werden.

In deinem Job hast du täglich mit Geld zu tun, was ist Geld für dich persönlich und wie gehst du damit um?
Ich finde Geld schwierig, für mich ist das so eine Hass-Liebe-Beziehung. Ich bin nicht so profit- oder geldgetrieben, aber ich merke immer mehr, man braucht Geld. Hat man zu wenig, dann ist es schwierig. Wenn wir zu wenig Geld für unsere Programme haben, dann gibt das enorm viel Unsicherheit. Jedes Jahr von neuem auf die Suche nach Unterstützung und Investoren zu gehen, braucht viel Kraft und Durchhaltewillen.

Welche Tipps hast du für Menschen, die gerne am Puls von Innovation und sozialer Wirkung arbeiten möchten – wie stelle ich das an?

Was wünschst du dir für die Schweiz?
Die Schweiz hat eine unglaubliche Möglichkeit, wirklich ein Key Player zu werden für «Tech for Impact» – Technologie mit sozialer Wirkung. Ich wünsche mir, dass wir ein noch grösseres System aufbauen. Wir haben hier genug Wissen und Kapital, die Chance sollten wir nutzen!

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bild: zvg

Olga Miler ...

... war über zehn Jahre in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig, unter anderem hat sie dort das Frauenförderungsprogramm Unique aufgebaut. Jüngst gründete sie das Start-up SmartPurse, eine Plattform, auf der sie digitale Kurse, Workshops und Coachings zum Thema Finanzen für Frauen anbietet. Ab dem 27. Januar wird uns Miler im watson-Blog «Frauen und Geld» an ihrer Expertise teilhaben lassen.

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