Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Pierin Vincenz, CEO Raiffeissen orientiert an einer Medienkonferenz in Zuerich am Freitag, 28. Februar 2014 ueber das vergangene Geschaeftshjahr. Raiffeisen hat den Gewinn 2013 um fast 13 Prozent auf 717 Mio. Fr. gesteigert. Das bessere Ergebnis der nach UBS und Credit Suisse drittgroessten Schweizer Bankengruppe kam einerseits durch den Wegfall von ausserordentlichen Pensionskassenzahlungen, anderseits aber auch durch Ertragssteigerungen zustande. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Die Hinterlassenschaft von Pierin Vincenz wird sukzessive demontiert. Bild: KEYSTONE

Mit Notenstein entsorgt Raiffeisen die grösste Altlast der Ära Vincenz

Mit der Privatbank Notenstein wollte der frühere Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz in den Kreis der «Grossen» aufsteigen. Nun zieht die Genossenschaftsbank einen Schlussstrich unter dieses missglückte Abenteuer.



Im Frühjahr finden in den 255 Raiffeisen-Genossenschaften jeweils die Generalversammlungen statt. In der Regel sind es unspektakuläre Anlässe, gekrönt durch ein feines Essen. Der drittgrössten Schweizer Bankengruppe geht es blendend. In diesem Jahr hingegen wurden die GVs von einem Ereignis überschattet: der Verhaftung von Ex-CEO Pierin Vincenz.

Der Fall des einstigen Vorzeige-Bankers gab viel zu reden, so auch in «meiner» Bank. Der Verwaltungsratspräsident zeigte sich betroffen, formulierte aber auch eine Art Kampfansage: «Falls sich die Vorwürfe gegen ihn als unhaltbar erweisen, wird Pierin Vincenz, so wie ich ihn kenne, zurückschlagen.» Dieses Szenario wird jedoch zunehmend unwahrscheinlich.

Patrik Gisel, CEO Raiffeisen Gruppe an der Bilanzmedienkonferenz in Zuerich am Freitag, 2. Maerz 2018. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Der neue Chef Patrik Gisel sucht den Befreiungsschlag. Bild: KEYSTONE

Letzte Woche verlängerte die Zürcher Staatsanwaltschaft die bald dreimonatige Untersuchungshaft gegen Vincenz und seinen Kompagnon Beat Stocker. Gleichzeitig weitete sie das Verfahren auf zwei weitere Personen aus. Hinzu kamen neue Vorwürfe: Vincenz und Stocker hätten in Zug eine Briefkastenfirma betrieben, über die sie «heikle Firmenkäufe und -verkäufe abwickelten», schrieb die «Schweiz am Wochenende». Für beide gilt die Unschuldsvermutung.

Das ruhmlose Ende von Wegelin

Nun hat Raiffeisen die wohl grösste Altlast des früheren CEO entsorgt. Sie hat ihre Privatbanken-Tochter Notenstein La Roche für 700 Millionen Franken an die Zürcher Bank Vontobel verkauft. Sie beendet damit den missglückten Versuch, im Geschäft mit den reichen Privatkunden mitzumischen. Die Tochterfirma habe Raiffeisen «nie richtig Freude bereitet», schreibt die NZZ.

Pierin Vincenz hatte Anfang 2012 grosse Teile der St.Galler Privatbank Wegelin übernommen. Sie hatte amerikanischen Steuerflüchtlingen «Asyl» gewährt und war deshalb von der US-Justiz in die Mangel genommen worden. Wegelin-Teilhaber Konrad Hummler gab später in einem Interview mit der «Weltwoche» zu, man habe nicht erkannt, «dass allein eine amerikanische Klagedrohung ausreichen würde, um eine ausschliesslich schweizerische Bank ins Jenseits zu befördern».

Raiffeisen kaufte die «gesunden» Teile von Wegelin für 580 Millionen Franken und gab der neuen Tochter den Namen Notenstein. Anfang 2015 kam die Basler Privatbank La Roche hinzu. Der Einstieg in das noble Private Banking war der Höhepunkt von Pierin Vincenz' Ambitionen, mit der im ländlichen Raum verwurzelten Kleine-Leute-Bank im Konzert der Grossen mitzuspielen.

Blick auf den Hauptsitz der Bank Wegelin und Co am Freitag, 27. Januar 2012 in St. Gallen. Wegelin und Raiffeisen teilten am Freitag mit, das gesamte Nicht-US-Geschaeft der 1741 gegruendeten Privatbank werde per sofort in die Notenstein Privatbank uebertragen und eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von Raiffeisen.  (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Die 1741 gegründete Wegelin war die älteste Privatbank der Schweiz. Bild: KEYSTONE

Viele Genossenschafter verfolgten das Treiben des charismatischen Bündners mit Argwohn. Der vor 200 Jahren geborene Friedrich Wilhelm Raiffeisen hatte die genossenschaftliche Bewegung in Deutschland gegründet, um die Bauern aus den Klauen der Kredithaie mit ihren Wucherzinsen zu befreien. Eine «Bank für Reiche» sollte es nie werden.

Kundenvermögen geschrumpft

Tatsächlich blieb Notenstein «ein Fremdkörper im genossenschaftlich geprägten Raiffeisen-Universum», so die NZZ. Die Zahlen sprechen für sich: Bei der Übernahme vor sechs Jahren verwaltete die Privatbank 21 Milliarden Franken. Mit der Übernahme von La Roche kamen weitere sechs Milliarden hinzu. Heute sind die Kundenvermögen auf 16.5 Milliarden Franken geschrumpft.

Offensichtlich fremdeln viele Superreiche mit der bodenständigen Raiffeisen-Welt. «Die Ambitionen im Private Banking, die wir hatten, konnten nicht eingelöst werden», sagte der heutige CEO Patrik Gisel an einer Medienkonferenz. Nun will Raiffeisen «back to the roots» und sich laut Gisel «auf kleine und mittlere Kundenvermögen» konzentrieren.

Gisel kann das Gesicht wahren

Dank dem Kaufpreis von 700 Millionen Franken kann Raiffeisen das Abenteuer mit einem blauen Auge beenden. Damit dürfte der unter Druck geratene langjährige Vincenz-Weggefährte Partrik Gisel vorerst aus der Schusslinie sein. «Dass Vontobel bereit ist, derart tief in den Sack zu langen, hilft Gisel, das Gesicht zu wahren», kommentiert der Blog Inside Paradeplatz.

Raiffeisen und Vontobel verband eine langjährige Partnerschaft. Die Genossenschafter hielten einen Anteil von 12,5 Prozent an der Zürcher Privatbank. Durch den Kauf von Notenstein kam es zu einer massiven Zerrüttung, Vontobel zerrte Raiffeisen vor ein Schiedsgericht. Schliesslich kam es zur Trennung der beiden Banken. Mit dem heutigen Deal dürfte sich das Verhältnis normalisieren.

Die Schweiz hat den dritthöchsten Anteil an Millionären

abspielen

Video: srf

Das könnte dich auch interessieren:

MEI, Minarett und Güsel: Das musst du zum Polit-Röstigraben wissen

Link zum Artikel

Pasta mit Tomatensauce? OK, wir müssen kurz reden.

Link zum Artikel

Ich hab die 3 neuen Huawei-Handys 2 Monate im Alltag getestet – es gab einen klaren Sieger

Link zum Artikel

Greta Thunberg wollte Panik säen, erntet nun aber Wut

Link zum Artikel

ARD-Moderatorin lästert über «Fortnite»-Spieler und erntet Shitstorm – nun wehrt sie sich

Link zum Artikel

Wahlvorschau: Die Zentralschweiz ist diesmal nicht nur für Rot-Grün ein hartes Pflaster

Link zum Artikel

Immer wieder Djokovic – oder Federers Kampf gegen die Dämonen der Vergangenheit

Link zum Artikel

Der neue Tarantino? Ist Mist. Aber vielleicht seht ihr das ganz anders

Link zum Artikel

So viel verdient dein Lehrer – der grosse Schweizer Lohnreport 2019

Link zum Artikel

Gewalt und Krankheiten – die Bewohner der ersten Steinzeit-Stadt lebten gefährlich

Link zum Artikel

Sogar Taschenrechner verwirrt: Dieses Mathe-Rätsel macht gerade alle verrückt

Link zum Artikel

Google enthüllt sechs Sicherheitslücken in iOS – das solltest du wissen

Link zum Artikel

Wohin ist denn eigentlich die Hitzewelle verschwunden? Nun, die Antwort ist beunruhigend

Link zum Artikel

Uli, der Unsportliche – warum GC-Trainer Forte in Aarau unten durch ist

Link zum Artikel

Apples Update-Schlamassel – gefährliche iOS-Lücke steht zurzeit wieder offen

Link zum Artikel

«Es ist absurd» – der Chef erklärt, was er vom Feminismus hält

Link zum Artikel

2 mal 3 macht 4! – Das wurde aus den Darstellern von «Pippi Langstrumpf»

Link zum Artikel

Prügelt Trump die amerikanische Wirtschaft in eine Rezession?

Link zum Artikel

Oppos Reno 5G ist ein spektakuläres Smartphone – das seiner Zeit voraus ist

Link zum Artikel

Die Bloggerin, die 22 Holocaust-Opfer erfand, ist tot, ihre Fantasie war grenzenlos

Link zum Artikel

«Es war die Hölle» – dieser Schweizer war am ersten Woodstock dabei

Link zum Artikel

Mein Horror-Erlebnis im Militär – und was ich daraus lernte

Link zum Artikel

AfD-Politikerin Alice Weidel ist heimlich wieder in die Schweiz gezogen

Link zum Artikel

Liam und Emma sind die beliebtesten Namen der Schweiz – wie sieht es in deinem Kanton aus?

Link zum Artikel

Keine Hoffnung auf Überlebende nach Unwetter im Wallis ++ Gesperrte Pässe in Graubünden

Link zum Artikel

YB-Fan lehnt sich im Extrazug aus dem Fenster – und wird von Schild getroffen

Link zum Artikel

Vorsicht, jetzt kommt die Wohnmobil-Rezession!

Link zum Artikel

10 Tweets, die zeigen, dass in Grönland gerade etwas komplett schief läuft

Link zum Artikel

Ab heute lebt die Welt auf Ökopump – und diese Länder sind die grössten Umweltsünder

Link zum Artikel

QDH: Huber ist in den Ferien. Wir haben ihn vorher noch ein bisschen gequält

Link zum Artikel

Du bist ein Schwing-Banause? Wir klären dich rechtzeitig fürs Eidgenössische auf

Link zum Artikel

Die bizarre Geschichte der Skinwalker-Ranch, Teil 4: Die Zweifel des Insiders

Link zum Artikel

Zug steckt während 3 Stunden zwischen Grenchen und Biel fest – Passagiere wurden evakuiert

Link zum Artikel

Schweizer Firmen wollen keine Raucher einstellen – weil sie (angeblich) stinken

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

4
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • CASSIO 24.05.2018 19:23
    Highlight Highlight die grösste altlast aus seiner zeit wird sich wohl im hypothekargeschäft wiederfinden. dank der rekordtiefen zinsen und der eur-schwäche wird sich dieses problem jedoch nicht so schnell bemerkbar machen.
  • Yippie 24.05.2018 14:19
    Highlight Highlight 120 mio Gewinn (ca. 20% vom Kaufwert) über 6 Jahre ist jetzt aus meiner Sicht nicht so ein übles Geschäft. Sparkonto.

    Mal sehen was an der GV meiner Raiffeisen-Genossenschaft (die Grösste in der CH) so über Vincenz erzählt wird.
    • Crecas 24.05.2018 14:43
      Highlight Highlight Naja, zum Kaufpreis der Raiffeisen damals musst du noch den Kaufpreis für La Roche dazuzählen (Schätzungsweise 150-250m) und die ganzen Investitionen in die IT (>50m) sowie die Verluste, die man seit der Akquisition gemacht hat. Dann sieht die Rendite nicht mehr so toll aus...
    • chnobli1896 25.05.2018 07:49
      Highlight Highlight Die Investitionen in die IT sind wohl mehr als 100 Mio, plus noch die Kosten um die Marke (die jetzt verschwindet) in der Schweiz bekannt zu machen...

Trump sagt: «Ich bin der Auserwählte» – und meint es ernst

Kein Witz: Der US-Präsident glaubt, er sei von Gott auserkoren.

Seit dem Rücktritt von Sarah Huckabee Sanders sind die Presse-Briefings der Trump-Regierung gestrichen. Stattdessen spielt sich auf dem Rasen vor dem Weissen Haus regelmässig folgende absurde Szene ab: Vor dröhnenden Helikopterrotoren brüllen Reporter dem Präsidenten Fragen zu – und dieser brüllt zurück.

Am vergangenen Mittwoch war nur eines noch absurder als die Szenerie: die Antworten des Präsidenten. Auf die Frage, wie es im Handelskrieg mit China weitergehe, entgegnete Trump: «Ich bin dazu …

Artikel lesen
Link zum Artikel