Anfänglich erstaunlich wenig. Als am 24. Februar 2022 Putin den grössten Angriffskrieg auf europäischem Boden seit dem Zweiten Weltkrieg entfesselte, kostete ein Euro 1.038 Franken. An den ersten drei Kriegstagen bewegte sich der Franken-Euro-Kurs nur wenig. Doch dann begann er zu rutschen. Am Freitag kratzte er an der Parität: Ein Euro kostete nur noch minim mehr als einen Franken. Andréa Maechler, Direktoriumsmitglied der Nationalbank, begründete die Aufwertung in der «Schweiz am Wochenende» mit den wachsenden Unsicherheiten: «Es bleiben so viele offene Fragen: zum Kriegsverlauf, zu Umsetzung und den Folgen der Sanktionen …» In Krisenzeiten stehe der Franken als sicherer Hafen traditionell unter Aufwertungsdruck, weil die Nachfrage steige.
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Je ungewisser der Kriegsverlauf und die damit verbundenen Folgen für die Weltwirtschaft sind, umso grösser ist das Risiko, dass der Franken noch stärker wird. Dass bislang die Parität nicht durchbrochen wurde, deutet darauf hin, dass die 1-Franken-1-Euro-Marke von der Nationalbank verteidigt wird. SNB-Direktoriumsmitglied Maechler sagte am Freitagabend: «Wir verfolgen die Lage am Devisenmarkt sehr genau und sind jederzeit bereit, bei Bedarf zu intervenieren.» Konkret bedeutet dies, dass die Nationalbank beispielsweise Euro-Anleihen aufkauft und so die Frankenmenge vergrössert. Doch wenn die globale Nachfrage nach Schweizerfranken massiv steigt, wird die SNB nicht dauerhaft Gegensteuer geben können.
Weniger schlimm als 2015, als die Franken-Euro-Parität letztmals erreicht war. Damals hob die Nationalbank den Mindestkurs zum Euro auf. Seither war die Teuerung in der Schweiz viel weniger hoch als im Euro-Raum. Die Inflationsdifferenz betrug allein seit Beginn der Pandemie fast 5 Prozent. Das heisst, vor zwei Jahren war ein Kurs von 1.05 etwa gleich schmerzhaft wie jetzt einer von 1.00. Trotzdem: Für den Export und den Tourismus ist dieser Wechselkurs eine Belastung. Weltweit ist die Pandemie noch nicht besiegt; das Reisegeschäft lahmt noch immer, und viele Exportfirmen kämpfen mit gebrochenen Lieferketten. Einen superstarken Franken haben sie zuletzt gebraucht. Die Kehrseite ist natürlich, dass für Schweizer Konsumenten das Einkaufen im Ausland billiger wird.
Aktuell erlebt die Schweiz eine unheilvolle Kombination. Die Konsumentenpreise haben innerhalb eines Jahres um satte 2.2 Prozent angezogen; einen Wert von über 2 Prozent gab es zuletzt vor vierzehn Jahren. Vor allem Heizöl, Gas und Benzin haben massiv aufgeschlagen. Und diese Inflation beinhaltet noch nicht den jüngsten Preisschub wegen des Kriegs. Im internationalen Vergleich bleibt die Schweizer Teuerung aber tief. Der Aufwertungsdruck beim Franken schützt vor einem massiven Preisschub. Die SNB erwartet mittelfristig eine rückläufige Inflation – weltweit und auch für die Schweiz.
Langfristige Hypotheken sind seit Anfang 2022 um bis zu 0.5 Prozentpunkte teurer geworden. Dieser Anstieg wurde mit dem Krieg gestoppt, teilweise sanken die Sätze sogar leicht. Langfristige Zinsen widerspiegeln Erwartungen, und diese haben sich nicht fundamental, aber doch ein wenig geändert. Eben noch ging man davon aus, dass die Zentralbanken die Zinsen erhöhen würden, einige haben das auch schon getan – dies, weil die Konjunktur mit dem nahenden Ende der Pandemie sich weltweit erholt. Eine brummende Wirtschaft bedeutet steigende Inflation und eben auch steigende Zinsen; nun stellt der Krieg die bisher positiven Prognosen infrage. Für alle, die demnächst eine Hypothek aufnehmen oder ablösen wollen, ist aber klar: Historisch gesehen sind die aktuellen Sätze äusserst tief, Schwankungen um ein paar Zehntelprozentpunkte sind kein Grund zur Nervosität.