Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Gotthardpass

Der Gotthardpass gab dem Gebirgsmassiv den Namen. 
Bild: Wikimedia

Serie – der Gotthard

Das «Dach Europas»: Der Berg, den es gar nicht gibt



Julius Cäsar hielt das Gotthardmassiv für die höchste Erhebung der Alpen (Summae Alpes) und damit der ihm bekannten Welt. Diese nicht ganz korrekte Vorstellung hielt sich bis ins 18. Jahrhundert – erst 1716 korrigierte Johann Jakob Scheuchzer den Irrtum.  

«Summae Alpes. Der Gothart», Ausschnitt aus Aegidius Tschudis Schweizerkarte von 1538.

«Summae Alpes. Der Gothart», Ausschnitt aus Aegidius Tschudis Schweizerkarte von 1538.
Karte: Universitättsbibliothek Basel

Auch später, als längst bekannt war, dass andere Berge den Gotthard bei weitem überragen, behielt der Gebirgsstock in der Kette der Zentralalpen eine besondere Bedeutung. Goethe schrieb 1779 aus der Schweiz: 

«Der Gotthard ist zwar nicht das höchste Gebirge der Schweiz, und in Savoyen übertrifft ihn der Montblanc an Höhe um sehr vieles; doch behauptet er den Rang eines königlichen Gebirges über alle andere, weil die grössten Gebirgsketten bei ihm zusammenlaufen und sich an ihn lehnen. (...) So befindet man sich hier auf einem Kreuzpunkte, von dem aus Gebirge und Flüsse in alle vier Himmelsgegenden auslaufen.» 

Johann Wolfgang Goethe
Quelle: «NZZ Folio»

Johann Wolfgang von Goethe

Goethe hielt den Gotthard für ein «königliches Gebirge».
Bild: Gemeinfrei

In der Tat ist das Gotthardmassiv ein Kreuzungspunkt: Hier treffen ost-westliche (Vorderrheintal-Rhonetal) und nord-südliche (Reusstal-Leventina) Alpenfurche aufeinander. Und hier entspringen vier der grossen Alpenflüsse: die Quellen von Reuss, Rhone und Ticino liegen allesamt im Gebiet der sogenannten Gotthardgruppe, und auch mehrere Quellflüsse des Vorderrheins entspringen hier.

Das Gotthard-Massiv als Wasserschloss und Wasserscheide: Gern bemüht man das Bild des Wassertropfens, der auf eine Steinkante direkt auf der Europäischen Hauptwasserscheide fällt und von dort – je nachdem, auf welche Seite der Kante er trifft – seine Reise zur Nordsee oder zum Mittelmeer antritt. 

Karte Gotthard-Gruppe

Karte der Gotthard-Gruppe.
Karte: Wikimedia/Pechristener

Abgrenzung und Einordnung

Das Gotthardmassiv, in dem der Alpenhauptkamm und der Nebenkamm aufeinandertreffen, wird von Geologen und Geografen je nach Gesichtspunkt anders abgegrenzt und eingeordnet. Das Kerngebiet erstreckt sich über gut 20 km Länge vom Furkapass im Westen über den Gotthardpass bis zum Oberalppass im Nordosten. Oft wird im Westen auch noch das Gebiet bis zum Nufenenpass oder darüber hinaus bis Brig, im Osten bis zum Lukmanierpass oder gar bis zum Greinapass dazugerechnet. Nördlich ist das Massiv durch das Urserental, südlich durch das Bedrettotal begrenzt; manchmal wird gegen Norden auch die Dammagruppe noch mit eingeschlossen. 

Manche Geologen betrachten das Gotthardmassiv als eigenständige Gebirgsgruppe, andere schlagen es den Zentralschweizer Alpen oder den Lepontinischen Alpen zu. 
Die höchsten Gipfel sind im Kerngebiet der Pizzo Rotondo (3'192 m ü. M.) und die Muttenhörner (3'099 m ü. M.). Im erweiterten Gebiet zählen auch der Piz Medel (3'210 m ü. M.) und der Dammastock (3'630 m ü. M.) zu den höchsten Erhebungen. 

Quelle: Wikipedia

Die wichtigsten Gipfel des Gotthardmassivs

Der Gotthard verdankt seinen Ruf als Kreuzungspunkt, Zentrum und «Dach Europas» allerdings nicht nur den topographischen Gegebenheiten. Hier treffen auch verschiedene Sprach- und Kulturräume aufeinander: Der Mittelpunkt bildet hier zugleich die Grenze zwischen dem mediterranen und mitteleuropäischen Teil des Kontinents. 

Mehr noch aber ist der Gotthard, seitdem die Schöllenen bezwungen wurde, ein Durchgang. Das Massiv ist denn auch nach dem Pass benannt, nicht etwa umgekehrt – einen Berg namens «Gotthard» hat es gar nie gegeben. Der Name «Sankt Gotthard» stammt von dem Benediktiner Godehardus, der Bischof von Hildesheim war und 1131 heilig gesprochen wurde.

Diesem Godehardus weihte der Erzbischof von Mailand – vermutlich gegen Ende des 12. Jahrhunderts – eine Kapelle auf der Passhöhe, die darauf dem Pass den Namen gab. Der Name des Hospizheiligen verdrängte bald auch die älteren Bezeichnungen für den mehrgipfligen Gebirgsstock wie «Elvel», «Mons Elvelinus» (rätoromanisch «Munt Avellin») oder «Mons Ursarie» («Ursernberg»). 

Als es am Gotthard noch gemütlich zu und her ging

Gotthard

Das Réduit und der Streit, ob die beste Festung der Welt die Nazis abgewehrt hat oder nicht

Link zum Artikel

Das Herz der Schweiz: «Stein mit Löchern und drin sitzen Deutsche im Stau und singen La Paloma»

Link zum Artikel

Die Brücke über den «yberschwänchlich waszerflusz» – abgetrotzt vom Teufel höchstpersönlich

Link zum Artikel

Ab 1. Juni hat die Schweiz den Längsten, Tiefsten und Teuersten

Link zum Artikel

Der Gotthard ist ein Tunnel der Superlative – doch in Kürze überholen uns unsere Nachbarn

Link zum Artikel

Als es am Gotthard noch gemütlich zu und her ging

Link zum Artikel

Sind jetzt alle zufrieden? An der Gotthard-Eröffnung darf auch ein protestantischer Geistlicher mitmachen

Link zum Artikel

Fast drei Stunden Wartezeit vor dem Gotthard-Nordportal

Link zum Artikel

«Schaatz, fahren wir dieses Jahr in den Stau?» – Auffahrts-Ausflügler stranden vor dem Gotthard

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Corona, Pest, HIV: Die Menschheit fällt immer auf die gleichen Lügen rein

Mittel zur Errichtung einer Diktatur und dem Labor entsprungen? Um die Corona-Pandemie kursieren zahlreiche Märchen. Der Blick in die Geschichte entlarvt die Masche, die dahinter steckt.

Im Herbst 1918 wurden in den USA die Särge knapp. Eine Seuche suchte den Globus heim, in der Schweiz notierte der Schriftsteller Stefan Zweig: «Sie frisst täglich 20'000 bis 40'000 Menschen weg.» Die Rede ist von der Spanischen Grippe, der verheerendsten Influenza-Pandemie, die jemals die Menschheit heimgesucht hat.

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

Der Erreger ist ein winzig kleines Virus, doch diese Erkenntnis sollte sich erst in den Dreissigerjahren einstellen. 1918 vermuteten viele …

Artikel lesen
Link zum Artikel