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Wie Zürich zur Grossstadt wurde

Panorama von Zürich, Anfang des 20. Jahrhunderts.
Panorama von Zürich, Anfang des 20. Jahrhunderts.Bild: Schweizerisches Nationalmuseum

Wie Zürich zur Grossstadt wurde

1893 wurde Zürich zur grössten Stadt der Schweiz. Der Aufstieg erfolgt über Nacht, denn das Wachstum erfolgte durch die Eingemeindung von elf Vororten.
10.01.2021, 19:22
Andrej Abplanalp / Schweizerisches Nationalmuseum

Am 1. Januar 1893 rieb man sich in Zürich verwundert die Augen. Eben noch hatte man sich auf der Strasse gegrüsst und war Teil einer grösseren Dorfgemeinschaft und nun gehörte man zu den Einwohnern der ersten Schweizer Grossstadt. In der Nacht vom 31. Dezember 1892 auf den 1. Januar 1893 war Zürich um knapp 90'000 auf 121'000 Einwohner gewachsen. Auf diesen Zeitpunkt hin waren die Nachbargemeinden Aussersihl, Enge, Fluntern, Hirslanden, Hottingen, Oberstrass, Riesbach, Unterstrass, Wiedikon, Wipkingen und Wollishofen in die Stadt Zürich eingemeindet worden.

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Dorfausgang von Hirslanden, um 1889.
Panorama von Zürich, Anfang des 20. Jahrhunderts.Bild: Schweizerisches Nationalmuseum

Mit dem Zusammenschluss wurden einige Probleme gelöst, die sich mit dem starken Wachstum der Städte im Zeitalter der Industrialisierung gebildet hatten. So war beispielsweise der Aufbau und die Pflege der arg strapazierten überkommunalen Infrastruktur ein langwieriger Prozess, da jede der beteiligten Gemeinden damit einverstanden sein musste. Zudem stand es finanziell nicht überall zum besten und ein gemeinsamer Weg in die Zukunft schien nicht die schlechteste Lösung. Nur in Wollishofen und Enge gab es breiten Widerstand. Die beiden Gemeinden waren wohlhabend und grundsätzlich nicht bereit, für die restlichen Orte von «Neu-Zürich» zu bezahlen. Vor allem Wollishofen wehrte sich und ging bis vor Bundesgericht. Allerdings ohne Erfolg.

Nicht alle wollten die Eingemeindung. Abstimmungswerbung im Tagblatt der Stadt Zürich, 1891.
https://www.stadt-zuerich.ch/portal/de/index/portraet_der_stadt_zuerich/digitale-zeitreise/politik.html#&am ...
Panorama von Zürich, Anfang des 20. Jahrhunderts.Bild: Stadt Zürich

Licht und Schatten

Ein Erfolg war hingegen der gemeinsame Weg für Zürich. Nicht nur hatte man Genf, Basel oder Bern bezüglich der Einwohnerzahl weit überflügelt, auch punkto Siedlungsbau und Stadtarchitektur wurden in der Limmatstadt nach 1893 grosse Schritte gemacht. Die Wirtschaft entwickelt sich schnell und mit der Eröffnung des Flughafens Dübendorf 1910 wurde die Region auch rasch zu einem nationalen Verkehrsknotenpunkt.

Der Flughafen Dübendorf Ende 1915.
Der Flughafen Dübendorf Ende 1915. ETH Bibliothek Zürich, Bildarchiv

Aber die neue Grösse hatte auch Schattenseiten. Der über Nacht zur Grossstadt gewordene Ort zog viele Arbeiter aus ländlichen Gebieten und aus dem Ausland an. Die jährliche Zuwanderungsrate lag nach der Eingemeindung bald bei rund fünf Prozent. Bereits 1900 hatte Zürich über 150'000 Einwohner. Fast ein Drittel davon waren Ausländerinnen und Ausländer. Neben einer steigenden Angst vor Überfremdung machten den Behörden vor allem eine steigende Armut, die massive Wohnungsnot und der Anstieg von Krankheiten zu schaffen. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs verschärfte sich die Situation und es kam zu sozialen Spannungen.

Postkarte aus Seebach von 1900. Der Ort wurde 1934 Teil der Gemeinde Zürich.
Postkarte aus Seebach von 1900. Der Ort wurde 1934 Teil der Gemeinde Zürich.Bild: Schweizerisches Nationalmuseum

Erst in den 1920er-Jahren entspannte sich die Lage wieder und Zürich begann bald wieder an zu florieren. Mit der Eingemeindung von acht weiteren Vororten 1934 wuchs die Stadt erneut über Nacht um rund 50'000 Personen auf über 300'000 Einwohnerinnen und Einwohner. Obwohl auch andere Schweizer Städte wie Biel, Basel oder Genf Vororte in ihr Gemeindegebiet eingliederten, ist Zürich bis heute die grösste Schweizer Stadt geblieben. Mit Vor- und Nachteilen.

Übrigens, wenn Sie in Obersteckholz wohnen, gehören Sie seit dem 1. Januar zur Stadt Langenthal.

>>> Weitere historische Artikel auf: blog.nationalmuseum.ch
watson übernimmt in loser Folge ausgesuchte Perlen aus dem Blog des Nationalmuseums. Der Beitrag «Wie Zürich zur Grossstadt wurde» erschien am 1. Januar.
blog.nationalmuseum.ch/2021/01/zuerich-wird-grossstadt

Das Verkehrschaos in Zürich 1932

Video: watson/Roberto Krone
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53 Kommentare
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Frechsteiner
10.01.2021 19:33registriert März 2019
Hab mir mehr neue Erkenntnis und Geschichte aus meiner Stadt erhofft als nur: Eingemeindung.

Wieso genau Zürich und nicht Bern so gross wurde und auch wieso andere Städte wie München oder Milano noch viel grösser sind oder etwas in diese Richtung
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Posersalami
10.01.2021 19:50registriert September 2016
Man müsste mal an eine zweite Welle denken. Im Prinzip ist alles von Kloten bis Thalwil und Dietikon bis Dübi schon lange eine Stadt. Dem sollte endlich Rechnung getragen werden mit einer grossen Eingemeindung.
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MrBlack
10.01.2021 20:06registriert September 2016
Wohne am Stadtrand in Zürich und fühle mich wie in einem Dorf (positiv gesehen). Man ist zwar nicht so schnell im Stadtzentrum, aber man kann die Vorteile einer Stadt(gute Infrastruktur, kurzer Arbeitsweg) mit den Vorteilen eines Dorfes(Ruhe, Nähe zu Natur) kombinieren.
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