Schweiz

Trotz Arbeit arm: In der Schweiz leben 145'000 Working Poor

15.05.17, 12:08 15.05.17, 12:19

Sieben Prozent der Schweizer Bevölkerung sind arm. Bild: KEYSTONE

In der Schweiz sind im Jahr 2015 rund 570'000 Menschen von Einkommensarmut betroffen gewesen. Gegenüber dem Vorjahr nahm die Armut gemäss Bundesamt für Statistik (BFS) leicht zu. Im europäischen Vergleich steht die Schweiz noch gut da.

Von Einkommensarmut betroffen waren 7.0 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung in Privathaushalten, wie das BFS am Montag bekannt gab. Im Jahr zuvor waren es rund 530'000 Menschen oder 6.6 Prozent gewesen.

Besondere Risikogruppen waren wie in den Vorjahren Menschen in Haushalten ohne Erwerbstätige mit einer Armutsquote von 18.2 Prozent. Bei alleinlebenden Erwachsenen im Erwerbsalter sowie bei Menschen in Einelternhaushalten mit Kindern unter 18 Jahren habe die Armutsquote je 12.5 Prozent betragen, bei Menschen ohne nachobligatorische Schulbildung 10.9 Prozent.

Zudem sei auch die Armutsquote der Ausländerinnen und Ausländer aussereuropäischer Herkunft mit 11.7 Prozent deutlich höher als jene der Gesamtbevölkerung, schreibt das BFS weiter.

Eine überdurchschnittlich hohe Armutsquote von 13.9 Prozent hätten auch Menschen ab 65 Jahren aufgewiesen; wenn sie alleine leben, habe die Armutsquote sogar bei 22.8 Prozent gelegen.

Gerade Menschen im AHV-Alter würden aber häufiger auf ihr Vermögen zurückgreifen, um die laufenden Ausgaben zu bestreiten. Entsprechend seien sie deutlich seltener von materiellen Entbehrungen betroffen als die übrigen Altersgruppe.

So seien beispielsweise lediglich 1.9 Prozent der Menschen im Rentenalter nicht in der Lage gewesen, alle Rechnungen pünktlich zu bezahlen. Bei den 18- bis 64-Jährigen dagegen sei dies bei 9.3 Prozent der Fall gewesen.

145'000 sind trotz Erwerbsarbeit arm

Die Armutsquote der erwerbstätigen Bevölkerung lag laut BFS mit 3.9 Prozent zwar markant tiefer als die Armutsquote der nicht erwerbstätigen Menschen ab 18 Jahren (13.6 Prozent). Dennoch seien 2015 rund 145'000 Erwerbstätige von Armut betroffen gewesen.

Insgesamt lebten rund 238'000 Armutsbetroffene in Haushalten mit mindestens einer erwerbstätigen Person. Darunter waren knapp 49'000 Kinder unter 18 Jahren, wie das BFS weiter schreibt.

Im europäischen Vergleich sei die Schweiz weiterhin gut platziert. So sei die international gebräuchliche Armutsgefährdungsquote in der Schweiz mit 15.6 Prozent weiterhin unter dem Durchschnitt der EU von 17.3 Prozent gelegen.

Hinsichtlich der materiellen Versorgung gehöre die Schweiz zu den bestplatzierten Ländern Europas. Ihre Quote der materiellen Entbehrung, die als finanziell bedingter Mangel in drei von neun Lebensbereichen definiert sei, habe 2015 wie im Vorjahr 4.6 Prozent betragen. Im europäischen Durchschnitt habe sie dagegen bei 17.0 Prozent gelegen.

Caritas: erschreckende Zahlen

Das Hilfswerk Caritas spricht von zwar nicht neuen, aber erschreckenden Zahlen. Eine kohärente Armutspolitik sei dringlich. Es gelte auf allen Ebenen Armut aktiv zu bekämpfen und zu verhindern, teilte Caritas mit.

Mit dem nationalen Programm gegen Armut habe der Bund 2013 den Handlungsbedarf im Bereich der Armutsbekämpfung erkannt. Gerade in Kantonen und Gemeinden seien aber mit dem Argument des Spardrucks in den letzten Jahren häufig Leistungen und Armutsbekämpfung und -prävention gekürzt. (sda)

Knochenjob – Kinderarbeit in Bangladesch

Die Schweiz ... mal anders

28 Schweizer Dinge, über welche sich Touristen wundern – die für uns aber völlig normal sind

Dieses Land ist SOWAS VON merkwürdig! Was Ausländern in der Schweiz am Leben unter Eidgenossen auffällt

11 unübersetzbare schweizerdeutsche Wörter, die total verheben, imfall

Erstaunliche Fakten über die Schweiz, die du kennen solltest

Typisch Schweiz: «Ich sollte eigentlich im Bett sein, aber …*hust hust*»

Du weisst, dass du im gehobenen Mittelstand der Schweiz angekommen bist, wenn du ... 

13 Sätze, die Schweizer in den Ferien nicht mehr hören können

23 Sätze, die du in der Schweiz nie hören wirst

«Finken! Überall FINKEN!!» – Was Ausländern am Leben in der Schweiz auffällt – Teil II

25 Schweizer Menüs aus deiner Jugend, die deine Kinder schon nicht mehr kennen werden

«Das geht eindeutig zu weit!» – so lacht die Welt über die Schweiz 

Bünzli-Test! Welche dieser 11 Schweizer Marotten hast du auch?

Zum RS-Beginn: Von Curry bis Militärschoggi – 12 Armee-Rationen im Direktvergleich

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
26Alle Kommentare anzeigen
26
Um mit zudiskutieren oder Bilder und Youtube-Videos zu posten, musst du eingeloggt sein.
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • Aliyah 15.05.2017 19:53
    Highlight Ist doch nicht wahr !? Mein Nachbar bezieht eine IV Rente und arbeitet an einem geschützten Arbeitsplatz niederprozentig (was halt noch möglich ist). Alles in allem "verdient" er mehr als ein working poor. Ich fühl mich verarscht wenn ich so was lese.
    2 10 Melden
    • Spooky 15.05.2017 21:22
      Highlight @Aliyah
      "Alles in allem "verdient" er mehr als ein working poor."

      Arme Leute kann man sehr leicht gegeneinander ausspielen. Ein Working Poor sieht seinen armen Nachbarn, den IV-Rentner, der 100 Fr. mehr verdient als er selber. Und die abstruse Logik des Working Poor geht so: "Mein Nachbar, der IV-Rentner, soll auch so wenig verdienen wie ich."

      Aber jemand, der Millionen kassiert, ohne dafür arbeiten zu müssen, ist für den Working Poor kein Problem.

      Der Feind des Armen ist nicht der Reiche, sondern sein armer Nachbar.

      Doofer geht's halt nicht mehr.
      12 0 Melden
    • Aliyah 17.05.2017 22:01
      Highlight Tschuldigung, ich denke da gibt es ein Missverständnis... Das mit den "Grossen" in den oberen etagen geht mir eh auf den Geist irgendwelche CEO's welche das x-fache der Putzfrau verdienen, ist nich nur unfair sondern unterste Schublade! Aber was kann ich dagegen machen? Ich denke, dass ich als Einwohner eines Landes darauf zählen darf, dass jemand nur eine IV Rente kriegt wenn diese benötigt wird und nicht weil jemand ein ausserordentliches Talent zum schauspielern hat.....
      0 0 Melden
    600
  • pamayer 15.05.2017 16:30
    Highlight Stelle verloren, arbeitslos, Stelle woanders, Umzug, Krankheit, das alles kann mir nichts dir nichts sehr grob ins Geld gehen.
    10 1 Melden
    600
  • notordinary 15.05.2017 15:33
    Highlight Bedingungsloses Grundeinkommen.

    Und zwar so hoch, dass es die Würde zum Leben eines Menschen schützt.
    Es ist genau so finanzierbar wie alles, was die Politik sonst auch will, nur fordert es ein Umdenken.

    Oder findet ihr es normal, dass 95% aller Menschen mit 5% des Weltvermögens leben müssen, während 5% der Menschen 95% des Weltvermögens gehört.

    Und sagt mir jetzt nicht, die 5% hätten sich die 95% durch harte Arbeit verdient. Das ist schlicht unmenschlich.




    30 7 Melden
    600
  • Kreasty 15.05.2017 15:19
    Highlight Globalisierung, Outsourcing, Lohndumping und Geiz sind zum Teil ausschlaggebend dass immer mehr Menschen und Berufsbereiche in dieses Niveau reindriften.
    22 1 Melden
    600
  • Wilhelm Dingo 15.05.2017 14:24
    Highlight Armutsgrenze Familie mit 2 Kindern=4850.- (SKOS2014).
    8 2 Melden
    • Pisti 15.05.2017 19:36
      Highlight Brutto oder Netto?
      0 0 Melden
    600
  • Hugo Wottaupott 15.05.2017 14:01
    Highlight Seit wann sind working poor nicht erwerbstätig?
    15 6 Melden
    600
  • banda69 15.05.2017 13:29
    Highlight Und wann tut die selbsternannte "Partei des Volkes" (SVP) endlich was für die gemeine Bevölkerung?

    Und ich meine damit nicht Steuersenkungen für die Reichen und Abzocker - sprich für die SVP-Parteileitung.
    44 16 Melden
    • saukaibli 15.05.2017 14:29
      Highlight Das Perfide daran ist ja, dass die SVP, aka Partei der Bauern und Bonzen, häufig von genau den untersten Einkommensschichten gewählt wird. Vermutlich eine Folge davon, dass die untersten Einkommen auch bei der Bildung benachteiligt werden.
      31 11 Melden
    • Moti_03 15.05.2017 14:54
      Highlight @banda: wieder dein standart Spruch. Immer die böse svp. Sie kennen sich mit unserem polit System nicht aus wie es scheint. Die svp hat und wird niemals eine Mehrheit haben, bei uns braucht es immer Mehrheiten aus verschiedenen Lager, es gibt keine Koalition. Es kann niemand alleine regieren. Somit ist ihr Kommentar absolut unwahr. Ich bin kein bonz, profitiere aber auch von Steuersenkungen nund finde ich gut. Ich verdiene Viel mehr als 5 Jahre zuvor, zahle aber im Verhältnis überproportional Viel mehr Steuern, siehe Progression. Es ist leider nichts so wie sie gerne meinen.
      10 11 Melden
    • Ökonometriker 15.05.2017 15:06
      Highlight Wen können die Arbeiter sonst wählen? Selbst in der SP Fraktion gibt es nur 1 Handwerker.
      Der Anteil der Löhne am BIP sinkt, gedrückt durch die Globalisierung (siehe Heckscher&Ohlin).
      Die Linke verteilt höchstens das Einkommen vom Mittelstand an die Armen, die Vermögenden lässt man in Ruhe.

      Die SVP bekämpft zumindest die Zuwanderung und somit den Lohndruck - damit ist sie die ökonomisch rationale Wahl für mittellose Arbeitnehmer mit wenig Bildung. Wenn die Linke diese Bevölkerungsteile abholen will, muss sie Ihnen eben auch etwas bieten...
      15 6 Melden
    • Gelöschter Benutzer 15.05.2017 15:13
      Highlight Die SVP ist gegen Zuwanderung, weil die bösen Ausländer den Schweizern die guten Jobs wegnehmen. Laut deren Logik machen sie also sehr wohl etwas gegen Armut.

      "Würden die Deutschen nicht immer die gut bezahlten Arztstellen besetzen, könnte das ein armutsgefährdeter Schweizer machen." ©SVP
      10 9 Melden
    • banda69 15.05.2017 16:38
      Highlight @moti - Mir ist es grundsätzlich egal was die SVP tut.

      Was aber nicht geht ist, dass sich die SVP als "Partei des Volkes" verkauft und somit einen Grossteil ihrer Wählerschaft hemmungslos über den Tisch zieht um sich in die eigene Tasche zu wirtschaften.

      Sie mögen das befürworten. Ich nicht.
      7 4 Melden
    • zzZüri 15.05.2017 16:51
      Highlight @Ökonometriker

      Wer ist immer gegen Flankierende Massnahmen usw.? Die Linken, ich weiss.
      Schaut doch mal wer im Parlament was abstimmt. Die "Bürgerlichen" sind gegen fast alles, was mir als "Arbeiter" nützen würde.
      3 2 Melden
    • Pokus 15.05.2017 19:34
      Highlight @Malin.B: was natürlich quatsch ist, aber wenn man keinen job bekommt, evtl. ein naheliegender gedanke
      3 1 Melden
    • Ökonometriker 16.05.2017 06:11
      Highlight @zzZüri: Die flankierenden Massnahmen auszubauen scheint mir aus ökonomischer Sicht bei einer strikten Umsetzung ein durchaus gangbarer Weg, um die Arbeiter zu schützen. Eventuell könnte die Linke hier mehr Werbung machen?

      Ich bin kein Marketingexperte, aber eventuell sind sie auch zu kompliziert um sie in eine einfache politische Botschaft zu verpacken?
      3 1 Melden
    600
  • herpderpschlerp 15.05.2017 13:22
    Highlight lieber arm dran, als arm ab
    17 24 Melden
    600
  • Matthias Studer 15.05.2017 13:02
    Highlight Es ist kein Geheimnis, die Schweizer Politik kümmert sich nicht um Armut. Da können noch so viele Statistiken erstellt werden mit Trend zum negativen.

    Hast du einmal Schulden, kommen Gebühren, Mahnkosten und Verzögerungskosten usw. hinzu, dass es noch schwerer wird, herauszukommen.

    Am Schluss erhält man ein Schuldbrief, der keinen weiter hilft. Denn auch ohne Schuldbrief hat man schon ein mehrfaches bezahlt.

    Hat man aber Geld, geht es vor allem darum, Schulden zu machen um weniger Steuern zu zahlen.

    Verkehrte Welt.
    47 11 Melden
    • herpderpschlerp 15.05.2017 13:52
      Highlight nun ja, lieber matthias studer, das leben ist leider kein ponyhof. wer sich verschuldet, der soll die schulden auch bezahlen. wo kämen wir sonst nur hin? oder eben auch nicht hin?
      zudem ist es ein grosser unterschied, ob man sich verschuldet weil man kein kapital hat oder sich verschuldet, obwohl kapital vorhanden wäre.
      wer sich verschuldet weil das kapital fehlt, der kann natürlich dank den schulden allenfalls einen mehrwert erwirtschaften. wer aber damit elektronik und klamotten kauft, dem nimmts früher oder später dä ärmel ie.
      im grossen ganzen funktioniert das system aber ganz ok
      16 36 Melden
    • Matthias Studer 15.05.2017 15:09
      Highlight @herpderpschlerp, soviel dazu. Glauben sie mir, die wenigsten Armutsbetroffenen gönnen sich irgend welchen Luxus. Das was sie hier vortragen ist eine Leier aus alt bekanntem.

      Löst das irgend ein Problem? Nein.

      Ich habe nur Fakten erzählt. Nicht mehr, nicht weniger.

      Ich kenne viele Fälle, die plötzlich zur Verschuldung geführt haben. Todesfall, Krankheit usw. Und manchmal, wenn ich solche Aussagen höre, ertappe ich mich dabei, Menschen wie ihnen einen solchen Schicksalsschlag wünsche. Nicht Krankheit oder schlimmeres, nur so viel, das sie spüren, was es bedeutet.

      17 1 Melden
    • Bronko 15.05.2017 16:01
      Highlight ZB. die HELSANA Inkasso betreibt unter Umständen monatlich, inkl. Betreibungsgebühren etc., das wären dann ca. 200.- Zusatzschulden pro Monat nebst offener Prämie. Gesundheit!!!
      17 1 Melden
    • herpderpschlerp 15.05.2017 17:51
      Highlight wir reden wahrscheinlich von unterschiedlichen fällen. wer einen schicksalsschlag erlebt und dadurch in der schuldenspirale landet, der tut mir auch leid. zum glück sind das nur wenige. nur: was soll man tun? wenn mir jemand geld schuldet, will ich es auch zurück, schicksalsschlag hin oder her. sonst sitze ich am schluss auf einem haufen nicht bezahlter rechnungen, verschulde mich dadurch selbst etc... was all die gebühren angeht: auch der aufwand muss jemand bezahlen, keiner arbeitet gratis. komplexe geschichte
      0 5 Melden
    • Pisti 15.05.2017 19:40
      Highlight Gebühren von Inkasso-Unternehmen müssen nucht bezahlt werden. Auch wenn die es gerne versuchen.
      6 0 Melden
    • Matthias Studer 15.05.2017 21:15
      Highlight @herp, ich habe mit keinem Wort erwähnt, dass man seine Schulden nicht bezahlen soll.

      Ich störe mich an den horenden Mehrkosten, wenn es eben nicht geht. Und dabei geht es nicht um irgend welche Kosten. Oftmals die ohnehin sehr teuren Krankenkasse kosten.

      Und nein, so komplex sind die nicht. Es ist schlicht und einfach Wucher.

      @Pisti, stimmt. Aber das sagt dir niemand. Weder das Betreibungsamt noch sonst jemand. Dieses Geld wird einfach ergaunert. Sie kaufen eine Rechnung für billiges Geld und erhöhen den Betrag um ein Vielfaches.

      Klar kann man sagen, ist halt so. Ist es befriedigend?
      8 0 Melden
    600

Nirgends in Europa sind weniger Jugendliche ohne Arbeit als in der Schweiz

Im zweiten Quartal 2017 ist die Erwerbslosigkeit in der Schweiz insgesamt zurückgegangen. Zugenommen hat allerdings der Anteil der 50-Jährigen und älteren ohne Stelle. Gleichzeitig ist die Zahl der Erwerbstätigen um 1,3 Prozent auf 5,015 Millionen angestiegen.

Die Jugenderwerbslosenquote blieb im zweiten Quartal stabil bei 6,9 Prozent. Damit steht die Schweiz europaweit am besten da. In der Europäischen Union waren 16,6 Prozent der 15-24-Jährigen ohne Stelle, im Vergleich zu 18,7 Prozent im …

Artikel lesen