Schweiz

Fall Walker: Wegen der neuen Aktenflut steht der Prozess auf der Kippe

Nächste Woche soll der Prozess im Fall Walker fortgesetzt werden. Nun verlangt Walkers Verteidiger, den Termin zu verschieben. Der Grund: Eine regelrechte Aktenflut wenige Tage vor dem Prozess.

18.02.16, 09:14

carmen epp

«Fall Walker»

Was bisher geschah

Ignaz Walker soll im November 2010 einen Killer beauftragt haben, seine damalige Ehefrau umzubringen. Bereits im Januar soll er vor seinem Cabaret auf den Holländer Johannes Peeters geschossen haben. Er wurde 2013 vom Urner Obergericht zu 15 Jahren Haft verurteilt.

Das Bundesgericht hob das Urteil im Dezember 2014 auf und schickte den Fall zur Neubeurteilung ans Urner Obergericht zurück – mit einer klaren Anweisung: Peeters muss als Hauptbelastungszeuge befragt werden.

Im Oktober 2015 wurde der Fall vor Obergericht neu aufgerollt. Zur geforderten Befragung von Peeters kam es nicht. Er sei unauffindbar, hiess es. Recherchen der «Rundschau» jedoch zeigten, dass die Staatsanwaltschaft sehr wohl gewusst hätte, wo man Peeters hätte finden können.

Das neue Urteil gegen Walker hätte noch Ende 2015 gefällt werden sollen. Nachdem aber die Ungereimtheiten im Verhalten der Staatsanwaltschaft publik wurden, holte das Obergericht im November Akten sowie das Rechtshilfeverfahren zu Peeters ein und legte einen neuen Verhandlungstermin für den 22. bis 24. Februar fest.

Die neuen Akten im Fall Walker befeuern einen Verdacht, der bereits seit Jahren im Raum steht: Walker behauptet nämlich, der Holländer Johannes Peeters habe sich nach dem Schuss auf ihn bei ihm, Walker, entschuldigt. Er sei von der Polizei zu einer Falschaussage gegen Walker gedrängt worden.

Wurde Peeters beim Amphetamin-Deal womöglich geschont – als Gegenleistung für eine Falschaussage gegen Walker?

Aktenflut wenige Tage vor Prozessbeginn

Nachdem Walkers Verteidiger die neu hinzugezogenen Akten – insgesamt 700 Seiten – gesichtet hatte, stellte er dem Obergericht im Januar den Antrag, Staatsanwaltschaft und Polizei mögen die offenen Fragen beantworten. Eine Reaktion des Obergerichts auf die Beweisanträge blieb jedoch aus.

Nachdem die SRF-Sendung «Rundschau» am 10. Februar die Ungereimtheiten rund um den Kronzeugen publik gemacht hatte, reagierte Obergerichtsvizepräsident Thomas Dillier und beauftragte Staatsanwaltschaft und Kantonspolizei, in einem Amtsbericht ein paar der offenen Fragen zum Verfahren gegen Peeters zu beantworten.

quelle: srf/rundschau

Die besagten Amtsberichte sollen bis heute Mittwoch beziehungsweise morgen Donnerstag vorliegen.

Noch mehr Akten

Zusätzlich zog das Obergericht am Montag, 15. Februar, also eine Woche vor Prozessbeginn, weitere 398 Seiten neue Akten bei. Ausserdem wurde die Staatsanwaltschaft aufgefordert, noch weitere Akten zu sichten, die allenfalls ebenfalls zu den Akten Walker genommen werden.

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Sämtliche Verfahrensparteien sehen sich also mit einer eigentlichen Flut an neuen Akten konfrontiert – und das wenige Tage, bevor der Prozess vor dem Obergericht wieder aufgenommen wird. Dies, obwohl dem Urner Obergericht die Drogenakten von Peeters bereits seit 2013 bekannt sind und Walkers Verteidiger die Fragen dazu vor über einem Monat gestellt hatte.

Verteidiger fordert Verschiebung

Nun müssen sich die Staatsanwaltschaft, die Verteidigung und auch das Obergericht innerhalb weniger Tage seriös mit den neuen Akten beschäftigen. Zum Vergleich: Die 700 ersten Aktenseiten zu Peeters wurde den Verfahrensparteien im November 2015 zugestellt. Bis das Obergericht zum Schluss kam, dass die Akten relevant sind und sich dazu Fragen aufdrängen, vergingen drei Monate. Dass die nun zusätzlichen über 400 Seiten neuer Aktenstücke innerhalb weniger Tage seriös ausgewertet werden können, ist mehr als fraglich.

Verteidiger Linus Jaeggi (l.) und Ignaz Walker.
Bild: KEYSTONE

Das sieht auch Linus Jaeggi, Walkers Verteidiger, so. Er hat deshalb beim Obergericht die Verschiebung des Prozesses beantragt. «Der Verteidigung derart wenig Zeit einzuräumen, führt direkt dazu, dass eine effektive Verteidigung vereitelt wird», hält Jaeggi in seinem Antrag fest.

Nicht möglich, Akten in so kurzer Zeit zu sichten

Mit dieser Meinung ist er nicht alleine. Matthias Fricker, Fachanwalt SAV Strafrecht, würde in dieser Situation ebenfalls um eine Verschiebung des Prozesses beten. Seiner Meinung nach ist es nicht möglich, Akten in diesem Umfang innert dieser kurzen Zeit seriös zu studieren. «Je nachdem, welche Erkenntnisse aus den Akten gewonnen werden, müssen diese ja auch noch mit dem Klienten besprochen werden», fügt Fricker an.

Rechtsanwalt Marc Engler hält fest, dass die Zeit, die man für ein seriöses Aktenstudium benötigt, von der Relevanz der besagten Akten abhängt. «Aber wenn man berücksichtigt, wie viel Zeit sich das Gericht nahm und worum es hier geht, und darüber hinaus, wie lange dieses Verfahren schon dauerte, dann wäre es schon aus Gründen der Fairness angebracht, der Verteidigung mehr Zeit zu geben.»

Ob das Obergericht auf den Antrag eingeht und die Verhandlung von kommender Woche verschiebt, ist bis dato unbekannt.

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Zeno Hirt, 25.6.2017
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  • Minoe McLee 20.02.2016 21:38
    Highlight Peeters hatte vielleicht hohe Kundschaft.
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  • Spooky 20.02.2016 01:04
    Highlight Der Fall Ignaz Walker ist aus meiner Sicht ein Spiegelbild der abgefu...sorry...abgewrackten Schweizer Justiz. Darum hätte der Fall Ignaz Walker mehr Aufmerksamkeit verdient als die Massenhysterie um die DSI, weil dieser Justizskandal aus dem Kanton Uri den Zustand der Schweizer Justiz 1:1 widerspiegelt. Aber es ist bezeichnend für die Geisteshaltung der linken Watson-Kommentarschreiber, dass sie diesen Justizskandal praktisch vollkommen ausblenden, weil ihnen die kriminellen Ausländer näher am Herzen liegen als das Schicksal eines Schweizers, der vielleicht jahrelang unschuldig im Knast war.
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  • Hierundjetzt 18.02.2016 12:58
    Highlight Bringt eben Milizgerichtsbarkeit mit sich, man muss ja den Volg-Laden führen oder die Chäsi am laufen halten. Da hat man keine Zeit um Fristen einzuhalten. Auch da wieder: Die SVP wehrt sich gegen eine Professionalisierung und wie üblich kosten SVP-"Lösungen" am Schluss für alle mehr.

    Die Milizgerichtsbarkeit wurde ausgelegt um einfache Kuhdiebstähle zu beurteilen. Nicht für internationalen Drogenhandel. Diese Form der Rechtssprechung im 2016 schlicht ein Skandal.
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