Eismeister Zaugg
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Biels Janis Jerome Moser, Marco Pedretti, Goalie Jonas Hiller, jubeln über den Sieg, nach dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen dem EHC Biel und den ZSC Lions, am Samstag 1. Dezember 2018 in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Die Bieler hatten am Samstagabend Grund zur Freude. Sie bezwangen die ZSC Lions mit 4:2.  Bild: KEYSTONE

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Biel gegen die ZSC Lions – Eishockey von morgen gegen Eishockey von gestern

Mit ausgetauschten Topskorern hätten die ZSC Lions die Partie in Biel gewonnen. Aber die Bieler haben Damien Brunner (32) und die Zürcher halt nur Denis Hollenstein (29).



Es ist nicht einfach ein dramatisches, intensives, schnelles, hochstehendes Spiel. Es ist ein «Kampf der Kulturen.» Biel gewinnt 4:2.

Biels Cheftrainer Antti Toermaenen erteilt Anweisungen im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EHC Biel und dem Geneve Servette HC, am Freitag, 21. September 2018, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Antti Törmänen Bild: KEYSTONE

Biel zelebriert unter Antti Törmänen (48) das Hockey von morgen. Die ZSC Lions unter Serge Aubin (43) das Hockey von gestern. Beides kann erfolgreich sein. Ja, in der Unerbittlichkeit der Playoffs ist Eishockey von gestern oft erfolgreicher. So sind die ZSC Lions unter dem konservativen Haudegen Hans Kossmann soeben Meister geworden.

Le Coach du ZSC Lions, Serge Aubin, lors du match du championnat suisse de hockey sur glace de National League LNA, entre le Geneve Servette HC et le ZSC Lions, ce vendredi 28 septembre 2018 a la patinoire des Vernets a Geneve. (KEYSTONE/Martial Trezzini)

Serge Aubin. Bild: KEYSTONE

Was heisst Eishockey von morgen? Stark vereinfacht gesagt: Scheibenbesitz-Hockey. Wenn die Bieler den Puck haben, dann beginnt das grosse Karussell mit allen Stürmern und Verteidigern zu drehen. Die Gegenspieler verlieren die Orientierung, Räume öffnen sich und durch diese freien Räume stürmen die Bieler. Die Angriffe kommen oft aus der Tiefe des Raumes. Eishockey wird mehr gespielt als gearbeitet. Biel ist das offensiv produktivste Team der Liga (80 Tore).

Es ist ein hochentwickeltes, spektakuläres und riskantes Hockey. Es funktioniert nur, wenn alle Lämpchen auf Grün stehen. So wie gegen die ZSC Lions.

Was heisst Eishockey von gestern? Stark vereinfacht gesagt: Hockey mit wenig Scheibenbesitz. Wenn die Zürcher den Puck haben, schiessen sie ihn oft in die gegnerische Zone und setzen wuchtig nach. Die Offensivaktionen haben ihren Ursprung meist in erkämpften Pucks vorne «an der Front». Eishockey wird mehr gearbeitet als gespielt. Die ZSC Lions haben erst 51 Tore erzielt. Nur Davos (49) und Rapperswil-Jona (39) noch weniger.

Und doch: Das Spiel stand lange auf des Messers Schneide. Damien Brunner, der Gambler, machte mit dem dritten Treffer alles klar. Am Vorabend hatte er bereits die Auseinandersetzung in Lugano mit drei Toren entschieden (4:3).

Biels Goalie Jonas Hiller, links, bezwungen von Lions, Tim Uhlmann, rechts, zum 1:1 Ausgleich, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen dem EHC Biel und den ZSC Lions, am Samstag 1. Dezember 2018 in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Jonas Hiller verdient in Biel am meisten. Bild: KEYSTONE

Damien Brunner ist nach Jonas Hiller die Nummer zwei in Biels Salärhierarchie. Während der Vorbereitung und den ersten sieben Spielen (2 Tore) war noch keineswegs sicher, ob wir in Biel noch einmal den besten Damien Brunner sehen würden. «Aber es ist nie die geringste Hektik aufgekommen», sagt Biels Topskorer. «Man hat mir Zeit gelassen.»

Alle NL-Topskorer der Qualifikation seit 2002/2003:

Wenn er über sein erstaunliches Comeback spricht, braucht er oft Worte wie «Gelassenheit» und «Ruhe». Ruhe und Gelassenheit gehören zur DNA Biels. Für einen Spieler, der zuvor nie in Biel, aber in der NHL und in Lugano war, eine neue, wunderbare Erfahrung.

Biels Topscorer, Damien Brunner, jubelt zum 1:0, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen dem EHC Biel und den ZSC Lions, am Samstag 1. Dezember 2018 in der Tissot Arena in Biel. (PPR /Marcel Bieri)

Biels Topscorer Damien Brunner. Bild: PPR

Der beste Schweizer Skorer der Liga wirkt so ruhig und selbstsicher wie noch nie seit der Rückkehr aus der NHL im November 2014. In Lugano, wo er unter dem Erwartungsdruck zerbrach (und deshalb den Vertrag vorzeitig auflöste), wirkte er im Spiel oft hektisch und neben dem Eis unruhig, als ob er noch den letzten Zug erwischen müsste. Inzwischen hat er für Biel bereits 14 Tore erzielt. In Lugano waren es in der Qualifikation nie mehr als 13.

Damien Brunner ist wieder der einzige echte «Gambler» unter den Schweizer Stürmern. Er geht Risiken ein, ohne das Spielsystem zu missachten. Er findet intuitiv die freien Räume und tut nicht das, was seine Gegenspieler erwarten. So ist er einer der ganz wenigen «Gamebreaker». Einer, der in einem Spiel ganz allein die Differenz machen kann. Sage mir, ob Damien Brunner trifft, und ich sage dir, wie es um Biel steht.

Mit vertauschten Topskorern hätten die ZSC Lions die Partie mit ziemlicher Sicherheit gewonnen. Der Meister hat keinen «Gambler» wie Damien Brunner. Den gelben Helm des Topskorers trägt mit Denis Hollenstein ein fleissiger Musterprofi. Er ist schnell und mutig, aber in seinem Spiel berechenbar. Wahrscheinlich der beste und bestbezahlte Mitläufer der Liga. Mit halb so vielen Skorerpunkten (12) wie Damien Brunner ist er Topskorer der ZSC Lions und die Nummer 47 der Liga-Skorerliste.

Der Zuercher Denis Hollenstein gegen den Berner Thomas Ruefenacht, rechts, beim Eishockeyspiel der National League ZSC Lions gegen den SC Bern im Zuercher Hallenstadion am Freitag, 30. November  2018. (PPR/Walter Bieri)

Denis Hollenstein (rechts) in der Partie gegen den SC Bern. Bild: KEYSTONE

Das Spiel des Meisters lebt nicht vom Genie der Künstler. Sondern von der Energie und dem Mut seiner Hinterbänkler. Den Fräsern vom dritten und vierten Block. Sie haben in Biel auch die beiden Treffer erzielt. Der zweifache Torschütze Tim Ulmann (31) hat fast seine ganze Karriere im Farmteam (GCK Lions) gedient und verdient pro Jahr nicht viel mehr als Denis Hollenstein in einem Monat.

Die ZSC Lions laufen wegen verletzungsbedingten Ausfällen und formschwachen offensiven Leitwölfen sozusagen erst auf zwei von vier offensiven Zylindern. Sie haben die vier Ausländerpositionen (noch) nicht erstklassig besetzt. Wir haben die wahren ZSC Lions nach wie vor nicht gesehen. Nicht einmal die halbwahren.

Die Stadien der 12 NLA-Klubs – plus das von Kloten:

Wahrscheinlich ist Serge Aubin nicht der grosse Trainer, der charismatische Bandengeneral, den ein grosses Hockey-Unternehmen wie die ZSC Lions eigentlich braucht. Auch keiner, der ein Spielsystem einübt, das zu einem unverwechselbaren Stil führt wie in Biel mit Antti Törmänen, in Ambri mit Luca Cereda, in Zug mit Dan Tangnes, in Genf mit Chris McSorley, in Langnau mit Heinz Ehlers oder einst in Davos mit Arno Del Curto.

L'entraineur zugois Dan Tangnes donne des conseils a ses joueurs lors du match du championnat suisse de hockey sur glace de National League entre le Lausanne Hockey Club, LHC, et le EV Zug, EVZ, ce dimanche 30 septembre 2018 a la patinoire de Malley 2.0 a Lausanne. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Zugs Trainer Dan Tangnes. Bild: KEYSTONE

Die ZSC Lions haben ja immer zwei Saisonziele. Eines ist natürlich der Gewinn der Meisterschaft bzw. die Verteidigung des Titels. Das andere, intern ebenso wichtige, ist den Trainer unter allen Umständen im Amt zu halten. Serge Aubin hat noch einen Vertrag bis Ende der nächsten Saison.

Mag sein, dass der Meister in der Qualifikation zu wenig aus seinem Potenzial herausholt. Mag sein, dass die Zuschauer nicht zufrieden sind. Mag sein, dass nach wie vor keine taktische Handschrift des Trainers zu erkennen ist.

Aber erstens gehört eine durchzogene Qualifikation zur ZSC-Kultur. Die zwei letzten Titel sind vom 7. Platz aus gewonnen worden. Und zweitens ist die Gewissheit unerschütterlich, dass es in den Playoffs doch reichen kann. 1:4 gegen Bern und 2:4 in Biel Ende November, Anfang Dezember – na und?

Solange die Playoff-Qualifikation nicht ernsthaft in Gefahr gerät, kann Serge Aubin nach wie vor ruhig schlafen.

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26 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
PizzaPestoni
02.12.2018 04:21registriert June 2016
Zaugg liegt schon richtig, aber wenn Drew Shore der einzige offensiv Center deines Teams ist, wird es zwangsläufig halt auch einfach schwierig.
Die Genialität, die Biel (durch Brunner) hat, fehlt dem ZSC momentan, da Spieler wie ein Wick, Suter oder Cervenka verletzt fehlen. Näme mich mal Wunder, wie Bern spielen würde, wenn Arcobello, Moser und Ebbett zeitgleich fehlen würden. Auf kurze Zeit kann dies klappen, durch irgendwann kollabiert jedes Team, wenn 4 deiner Top 6 guys verletzt fehlen ! (Nilsson...)
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Dynamischer-Muzzi
02.12.2018 08:42registriert February 2017
Was verletzte Leistungsträger ausmachen, hat man auch bei Biel im November gesehen. Mit Forster, Lüthi, Fey, Kreis, Dufner, Pouliot, Diem fehlten zeitweise 7 Leistungsträger und das hat man dann auch deutlich in den Ergebnissen gesehen. Nun kommen langsam alle wieder zurück und das Spiel wirkt sofort homogener.
Was Brunner im Moment abliefert erstaunt mich aber extrem. Bei ihm ist eine Leichtigkeit im Spiel zu sehen, wir er sie zu seinen besten Zeiten hatte. Er hat auch kein Problem mal nach einem Spiel paar Stunden mit den Fans in der Spielbar zu sitzen. Ihm gefällt es in Biel!
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manolo
02.12.2018 07:27registriert February 2014
Gute Analyse von „klausi „!
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