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Kimpembe kriegt den Ball an die Hand – PSG kassiert den entscheidenden Penalty. bild: screenshot srf

«Vielleicht sind die Regeln einfach falsch» – VAR-Penalty sorgt für hitzige Diskussionen



Es war das wohl unverdienteste Weiterkommen in der Geschichte der Champions League. Manchester United hatte gegen Paris St-Germain auch im Rückspiel des Champions-League-Achtelfinal-Duells keinen Stich, setzte sich aber dank der Auswärtstorregel trotzdem durch.

Die Statistiken zum Spiel:

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Diese Statistik zeigt, wie einseitig die Partie war. bild: twitter/@statszone

PSG hatte das Spiel nach allen Regeln der Kunst beherrscht, machte sich das Leben aber selbst schwer. Beim 3:1-Sieg im Parc des Princes profitierte die United zunächst von zwei kapitalen PSG-Eigenfehlern. Vor dem 1:0 in der 2. Minute spielte Verteidiger Thilo Kehrer einen katastrophalen Rückpass, vor dem 2:0 leistete sich Torhüter Gigi Buffon einen seltenen Patzer. Beide Male sagte Romelu Lukaku «danke» und zeigte, dass er auch gegen grosse Gegner treffen kann.

Zu reden gaben aber nicht diese beiden Patzer, sondern der Penalty, der in der 94. Minute zum entscheidenden 3:1 führte. Einen Schuss von Diogo Dalot prallte PSG-Verteidiger Presnel Kimpembe an die Hand. Schiedsrichter Damir Skomina entschied zunächst auf Eckball, bekam vom VAR aber den Rat, sich die Szene noch einmal anzuschauen. Nach dem Video-Studium entschied er schliesslich auf Penalty, den Marcus Rashford souverän verwandelte.

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Für dieses Handspiel gab es den Penalty. Video: streamable

Natürlich sorgte die Last-Minute-Entscheidung für hitzige Diskussionen. Im Pariser Lager haderte man mit dem späten Knockout. Während Neymar seiner Empörung über den Entscheid freien Lauf liess, gab sich Trainer Thomas Tuchel etwas zurückhaltender. Doch auch bei ihm war der Frust unüberhörbar.

Neymar (PSG, verletzt):

«Das ist eine Schande. Die setzen vier Typen hin, die nichts von Fussball verstehen, um sich das Spiel in Zeitlupe anzuschauen. Das ist surreal. Wie will er seine Hand auf seinen Rücken halten? Oh, fuck off!»

Thomas Tuchel (Trainer PSG):

«Ich denke, es war eine 50:50-Entscheidung. Man kann über den Penalty natürlich diskutieren und man wird immer Leute finden, die meinen, es wäre kein Elfmeter. Die bringen dann die gleichen Argumente wie die Leute, die meinen, es sei einer. Das ist das Problem beim Handspiel. Für mich ergibt der Penalty auch keinen Sinn. Der Schuss von ausserhalb des Strafraums wäre zwei Meter über die Latte gegangen und am Ende gibt's einen Strafstoss von elf Metern.»

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Das Handspiel von Kimpembe. Penalty oder nicht?

Auf der Insel wurde der Penalty logischerweise deutlich weniger thematisiert, zu süss schmeckte das unverhoffte Weiterkommen des englischen Rekordmeisters. In seiner Kolumne in der Daily Mail sprach der ehemalige englische FIFA-Schiedsrichter Mark Clattenburg aber Klartext: «Für mich ist das niemals ein Penalty, da Kimpembe den Ball nicht absichtlich mit der Hand spielte. Der Spieler dreht sich weg und versucht, seinen Arm wegzuziehen. In der Premier League würde so was nie gepfiffen werden.»

Dennoch verteidigte der EM-Final-Schiedsrichter von 2016 seinen Kollegen Skomina: «Lassen Sie mich klarstellen. Damir hat nichts falsch gemacht, er hat nur die Regeln der UEFA angewandt.» Laut Clattenburg hat der europäische Fussballverband seinen Unparteiischen unlängst die Anweisung gegeben, Handspiele im Strafraum rigoroser zu ahnden. Die UEFA wolle, dass gepfiffen wird, wenn der Arm «in einer unnatürlichen Position» ist.

Grund für die Anweisung sei das Handspiel von ManCity-Verteidiger Nicolas Otamendi im Achtelfinal-Hinspiel in der Königsklasse vor zwei Wochen gegen Schalke gewesen. Damals hatte es für ein ähnliches Vergehen wie das von Kimpembe gestern ebenfalls Elfmeter gegeben.

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Für dieses Handspiel von Otamendi gab es Penalty. Video: streamable

Bei BT Sport wurde die Penalty-Szene ebenfalls genau unter die Lupe genommen. Der ehemalige Premier-League-Schiedsrichter Peter Walton erklärte zunächst, warum es gemäss FIFA-Regeln ein Penalty war: «Er dreht sich ab und übernimmt so keine Verantwortung, wohin der Ball prallt. Der Arm ist draussen und er macht seine Körperfläche damit grösser. Für mich ein klarer Penalty.»

Die offizielle Handspiel-Regel im Wortlaut

Regel 12 des FIFA-Regelwerks:

«Ein Handspiel liegt vor, wenn ein Spieler den Ball absichtlich mit der Hand oder dem Arm berührt. Folgendes ist zu berücksichtigen:

• die Bewegung der Hand zum Ball (nicht des Balls zur Hand),

• die Entfernung zwischen Gegner und Ball (unerwarteter Ball),

• die Position der Hand (das Berühren des Balls an sich ist noch kein Vergehen).»

Doch dann schaltet sich Experte Rio Ferdinand ein: «Versteht mich nicht falsch. Ich freue mich, dass es ein Handspiel war», so die ManUnited-Legende. «Aber ich verstehe es nicht. Die Arme eng am Körper zu halten, ist keine natürliche Haltung. Sie leicht draussen zu haben, das ist natürlich. Für mich war das kein Handspiel.» Auch für Michael Owen nicht: «Nicht in Millionen Jahren ist das ein Penalty.»

Walton entgegnete, dass die Regel nun halt einmal anders laute und das regelbestimmende International Football Association Board IFAB an einer Modifizierung der Regeln arbeite. Am letzten Wochenende wurde Folgendes entschieden:

  1. Die «unnatürliche Vergrösserung der Körperfläche» wird offiziell Teil des Regelwerks. Eine Armhaltung über Schulterhöhe wird damit künftig grundsätzlich bei einem Kontakt mit Hand oder Arm als strafbares Handspiel gewertet. Auch unterhalb der Schulterhöhe wird eine «unnatürliche Vergrösserung der Körperfläche» strafbar.
  2. Unabsichtliches Handspiel wird teilweise strafbar. Und zwar immer dann, wenn daraus eine klare Torchance oder sogar ein Tor erfolgt. Diesen «klaren Vorteil» darf es nicht mehr geben.

Ab 1. Juni sollen die neuen Regeln in Kraft treten. Ferdinand und Owen dürften keine Freude daran haben. Und auch Owen Hargreaves, der dritte BT-Sport-Experte nicht. Er forderte, dass ehemalige Fussballer die Regeln im IFAB mitbestimmen sollten, denn: «Vielleicht sind die Regeln einfach falsch.» Momentan bestimmt ein achtköpfiges IFAB-Gremium, das aus vier Vertretern der vier britischen Verbände und vier FIFA-Mitgliedern besteht, die Regeln.

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