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«House of Cards»

Die First Lady (Robin Wright) und der First Bösewicht (Kevin Spacey) waren einst ganz gross. Bild: netflix

Adieu, «House of Cards», wir liebten dich heiss, aber Trump hat dich getötet. Ein Nachruf

Die fünfte Staffel des Netflix-Hits ist jetzt da. Ach, hätte sie das Licht unserer Screens doch nie erblickt. Aber keine Angst: SPOILER gibt es nicht in diesem traurigen Text.



Jetzt liegt es also da, das Kartenhaus. In sich zusammengesunken, verregnet, und dann hat auch noch ein Hund draufgepisst. Der Regen heisst Realität. Der Hund: Donald Trump. Die Lackschicht beginnt sich von den Karten zu lösen, der König und die Königin sind verzerrte Schemen auf schlaffem Papier. Ihre Namen: Francis und Claire Underwood, dargestellt von Kevin Spacey und Robin Wright.

Ihr Job: Netflix-Serienbösewichte mit Stil und bisher brillantestes, weil intrigantestes Herrscherpaar im Weissen Haus. In der Fiktion jedenfalls. Jetzt sind sie an der weit besseren Unterhaltung der Realität gescheitert. Schon nach nur zwei Folgen der fünften Staffel von «House of Cards» will man die Serie nie wieder schauen. Okay, eigentlich war schon die erste Folge genug.

«House of Cards»

Achtung, gleich richtet sich Kevin Spacey wieder an die Zuschauer. Robin Wright muss schon weinen deswegen. Bild: netflix

Es war verdächtig ruhig gewesen im Vorfeld dieser neuen Staffel des einstigen Prestige-Projekts von Netflix. Der Anbieter hatte seine PR-Energie in das Teen-Drama «13 Reasons Why» gesteckt und zehrte noch vom Riesenerfolg von «The Crown» und «Stranger Things».

Robin Wright sagt schon länger, Trump hätte die Serie ruiniert, zuletzt im «Guardian»: «Trump stahl all unsere guten Ideen.»

Hier geht's zum ganzen Beitrag

Frank und Claire wirken wie zwei in die Jahre gekommene Shakespeare-Darsteller, die zu oft «Macbeth» spielen mussten. Und wenn sie jetzt wieder angestrengt versuchen, alternative Fakten zu schaffen, denkt man sich müde: Okay, Geschirr waschen wär jetzt auch ne Alternative. (Die Kritikerin der Online-Plattform «Salon» hat es wiederholt getan, um zu schauen, ob sie was verpasste und kam zum klaren Schluss: nein. Allerdings schwört sie auch, dass die letzten drei Folgen richtig Spass machen. Bloss: Wie hält man so lange durch?)

«House of Cards»

Der Stabschef Doug Stamper (Michael Kelly) und die Beraterin Leann Harvey (Neve Campbell). Bild: netflix

Sassen die Underwoods früher auch schon so endlos lange vor ihrem Washingtoner Wohnzimmerfenster? Wahrscheinlich schon. Aber wie viel unterhaltsamer wäre der Blick ins Wohnzimmer von Donald und Melania! Wie viel perverser muss deren Ehe sein! Und waren die Kommentare, die Kevin Spacey an die Zuschauer richtet, schon immer so katastrophal hölzern und künstlich?

Spacey hat betont, er würde sich damit direkt an Trump richten. Und das klingt nun, als würde der Klassenlehrer von früher aus dem Grab heraus dozieren.

Oder kann der Stab der Underwoods irgendwie mit dem von Trump mithalten? Claires Beraterin Leann Harvey (Neve Campbell) mit dem verdrehten Irrsinn einer Kellyanne Conway? Pressesprecher Seth Grayson (Derek Cecil) mit dem vernunftbefreiten Sean Spicer? Und so weiter. «Früher gab es viel mehr Etikette. Und jetzt? Wird in den Wind gepisst», sagt Robin Wright zum Kulturwandel in Washington.

Die fünfte Staffel von «House of Cards» wirkt gegen «House of Trampel» wie eine Rosamunde-Pilcher-Romanze im Vergleich zu den neureichen Reality-Rüpeln aus «Die Geissens».

«House of Cards»

Der konservative Kontrahent Will Conway (Joel Kinnaman) mit Gattin (Dominique McElligott). Auch sie sind völlig frustriert über die fünfte Staffel.  Bild: netflix

Mit dem Unterschied, dass Pilcher-Verfilmungen einigermassen teuer gemacht sind und «House of Cards» nicht. Das rächt sich jetzt. Plötzlich wird überdeutlich, wie wenig Schauplätze es eigentlich gibt. Dass der Grossteil der Serie in schlicht gefilmten Dialogen besteht. Bloss fiel das früher nicht auf. Weil die Dialoge so monströs durchtrieben waren.

Jetzt ist jeder Trump-Tweet aufregender. Das dumme Monster besiegt das stilsichere. Weil es ungeheuerlicher ist. Weil unser Staunen darüber grösser ist.

Aber hätte man denn «House of Cards», so, wie die Serie angelegt war, überhaupt retten können? Unter Trump nicht. Unter Clinton wäre sie geblieben, was sie unter Obama schon war: der diabolische Gegenpol zu Washington. Jetzt ist sie sein matter Schatten. Und nun geh'n wir weinen.

Von diesen Serien wünschen sich die watson-User ein Remake

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25
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    Alle Leser-Kommentare
  • Ich mein ja nur 11.06.2017 20:12
    Highlight Highlight Schön geschrieben. Geht mir genau so. Lange gewartet, dann: Gähn.
  • thelegend27 02.06.2017 08:15
    Highlight Highlight Halt, stopp!

    Benutzer Bild
    • Walti Rüdisüli 02.06.2017 11:14
      Highlight Highlight Covfefe
  • Alnothur 01.06.2017 22:28
    Highlight Highlight "Und waren die Kommentare, die Kevin Spacey an die Zuschauer richtet, schon immer so katastrophal hölzern und künstlich?" ähhm, ja, leider schon. Ansonsten waren die ersten beiden Staffeln okay. Den Rest konnte man schon damals vergessen. "House of Cards" war mittelmässig. Nicht schlecht, nicht super, aber okay.
  • j_west3 01.06.2017 21:42
    Highlight Highlight Es gibt Serien, die hätten ein paar Staffeln früher aufhören sollen und wären dann als "Grossartig" in Erinnerunge geblieben. Bei House of Card dachte ich das nach der vierten (oder vielleicht schon dritten) Staffel auch. Allerdings möchte ich noch nicht abschliessend urteilen, da ich die fünfte Staffel noch nicht gesehen habe. Und ich lasse mir die Staffel jetzt auch nicht durch diesen Artikel kaputt machen (dank der positiven Worte in einigen Kommentaren). Jedenfalls bin ich ein grosser Fan beider Hauptdarsteller und gebe deswegen der fünften Staffel eine Chance.
  • sleeper 01.06.2017 20:02
    Highlight Highlight Ich muss vorallem in einem Punkt wiedersprechen: Die Realitaet ist fuer mich nicht spannender. Das geniale an House of Cards ist die Methode und das Kalkuel hinter dem Wahnsinn. Bei Frank passt ein diabolisches Raedchen (meistens) perfekt ins andere. Trump hat die Uhr zerschlagen (wahrschinlich nachdem er sie als "fake time" bezeichnet hat) und masturbiert jetzt groelend auf einem Berg von kapputen Raedchen. Das Eine fasziniert mich und beim Anderen moechte ich mich uebergeben. Was schaue ich mir wohl lieber an?
  • Grundi72 01.06.2017 19:13
    Highlight Highlight House of Cards zeigt, wie das Washington-Establishment zu Zeiten von Clinton und Obama funktionierte bevor Trump kam.

    Trump pfeifft darauf und endlich haben wir was Obama jeweils während Wahlkämpfen versprach: CHANGE!
    • Unserious_CH 01.06.2017 19:21
      Highlight Highlight Wenn du bei deinem Auto das Gas und Bremsbedal vertauschst hast du auch ein 'Change'.
      Aber ob du damit sicher ans Ziel kommst?
  • Mulder 01.06.2017 18:56
    Highlight Highlight Das schlicht gefilmte Dialoge etwas Negatives sind wundert mich sehr, Frau Meier! Solche Szenen lösen bei mir gerade eben dieses gute ungute Gefühl aus - was die Serie schlussendlich ausmacht.
    Ich finde die neue Staffel grossartig, Ihre Artikel mit jedem neuen jedoch noch schlechter...
  • Die Erleuchtung 01.06.2017 18:07
    Highlight Highlight "Unter Clinton wäre sie geblieben, was sie unter Obama schon war: der diabolische Gegenpol zu Washington." 🙄

    Meinen Sie das ernst Frau Meier?!

    Es ist offensichtlich, dass Francis und Claire Underwood am ehesten an Bill und Hillary Clinton angelehnt sind.
    Es gibt zahlreiche Analogien was die Macher bestätigt haben, z.B hier im Bezug auf Hillary:

    https://www.buzzfeed.com/jimwaterson/you-might-think-that-but-we-couldnt-possibly-comment?utm_term=.bnPZe882G#.lfVZWppGM

    Dass die Medien konsequent versuchen die Clintons als "die Guten" darzustellen war ein wichtiger Grund für Trumps Wahl.
    • Doradal 02.06.2017 21:05
      Highlight Highlight Danke!
  • a.k.a.1896 01.06.2017 17:49
    Highlight Highlight aufwachen wär jetzt angebracht... liebe ami's...aufwachen...bitte...pliiiis... hacker der welt! vereint euch! ✊
  • maettu 01.06.2017 17:36
    Highlight Highlight Trump mit Underwood zu vergleichen finde ich Underwood gegenüber eine Frechheit.
  • Meet The Mets 01.06.2017 17:26
    Highlight Highlight Ich fand die Serie am Anfang sehr unterhaltend, habe aber nach der 3. Season aufgehört, weil ich einfach keine Lust hatte, nochmals 20 Stunden mit diesen bösen Menschen zu verbringen...
  • Bazoo 01.06.2017 17:14
    Highlight Highlight Soo ein Quatsch...
    Realität und Fiktion zu vergleichen funktioniert nur äusserst selten.
    In diesem Fall definitiv nicht...
  • WhaaaatTF? 01.06.2017 16:37
    Highlight Highlight Und was sagt das nun über uns aus?
  • Doradal 01.06.2017 16:19
    Highlight Highlight Könnte man nicht auch sagen, dass zu Zeiten von Obama oder Clinton, die Serie ein ziemlich genaues und schonungsloses Abbild von Washington war oder gewesen wäre?
    • Alle haben bessere Namen als ich. 01.06.2017 16:31
      Highlight Highlight Kann man natürlich, wäre dann aber wahrscheinlich falsch...
  • Michael Mettler 01.06.2017 16:16
    Highlight Highlight Nein, ich lasse es nicht zu das Trump als Schauspieler wichtiger wird als Kevin Spacey. Verdammt, ein weiterer Schritt bei dem wir das Getrumpel akzeptieren. Nein. Nein. Nein.
    • Shin Kami 01.06.2017 16:21
      Highlight Highlight Trump spielt die Sache nicht, das ist ja das Problem dabei...
  • Scaros_2 01.06.2017 16:13
    Highlight Highlight Oder man kann sich einfach nur ab dem stil eines kevin spacey freuen!
    • Gutelaunetyp 01.06.2017 18:20
      Highlight Highlight Hat aber in der 5. Staffel (bis jetzt) klar nachgelassen. Die fiesen und durchtriebenen Dialoge fehlen mir klar. Wahrscheinlich liegt es daran, dass man plötzlich voll auf die 12 hauen wollte. Dieser Speech am Anfang fande ich völlig übertrieben.
  • DrFisch 01.06.2017 16:13
    Highlight Highlight Was?
  • DailyGuy 01.06.2017 16:12
    Highlight Highlight Naja. Also sind wir ehrlich: Ich finde Trump alles andere als Unterhaltung. Es ist schlimm was dort abläuft. House of Cards ist für mich eine Serie, welche ich super spannend finde. Trump hingegen macht mir echt Angst.
    In House of Cards gibt es durchgeplante Intrigen. Bei Trump gibt es nur einen machtgeilen Elefant im Porzellanladen.
    • Tornado 01.06.2017 17:27
      Highlight Highlight Ich würde sogar sagen die Serie hat definitiv mehr Niveau als die Realität

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