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So kassieren Schweizer Bauern EU-Subventionen und profitieren gleichzeitig vom Grenzschutz

Sie sorgen seit Jahren für Ärger: Schweizer Bauern, die deutsche Äcker bewirtschaften und dafür auch noch EU-Subventionen kassieren. Doch wie gross ist das Problem wirklich? Aktuelle Zahlen geben Aufschluss.

18.07.18, 05:32

Sven Altermatt / Nordwestschweiz



Wenn Schlagzeilen wie «Widerstand gegen Schweizer Schnäppchen-Bauern» in deutschen Medien auftauchen, ist es wieder so weit. Seit Jahrzehnten schon schwelt der Streit, und mit zuverlässiger Regelmässigkeit bricht er offen aus: Schweizer Bauern bewirtschaften deutsches Ackerland und verärgern damit ihre Berufskollegen jenseits der Grenze. Dass sich deutsche Landwirte derzeit wieder lautstark über die «Landnahme» der Schweizer beklagen, hat mehrere Gründe: Durch den Verlust von Bauland und Ausgleichsflächen in der prosperierenden Grenzregion ist der Flächendruck auf die Landwirtschaft allgemein akut. In den vergangenen drei Jahren führte zudem der starke Franken dazu, dass sich das Problem weiter zuspitzte. Grenzbauern aus der Schweiz seien dadurch in der Lage, noch höhere Preise für die Flächen zu zahlen, kritisieren Bauern aus dem benachbarten Bundesland Baden-Württemberg.

ZUR FORDERUNG DER KLEINBAUERN-VEREINIGUNG BEZUEGLICH  EINER OBERGRENZE FUER DIREKTZAHLUNGEN AN SCHWEIZER BAUERN STELLEN WIR IHNEN AM DIENSTAG, 2. FEBRUAR 2016, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Dank dem Wetterhoch Sabine mit sommerlichen Temperaturen kann der Bauer am Mittwoch, 5. Juni 2013, in Kuessnacht, sein frisch gemaehtes Gras verzetteln und Heu generieren. (KEYSTONE/Sigi Tischler)

Bis zu 300 Schweizer Bauern sind auf Feldern ennet der Grenze in Süddeutschland tätig. (Symbolbild) Bild: KEYSTONE

Als Ursache allen Übels gilt jedoch ein Abkommen aus dem Jahr 1958. Es erlaubt Bauern beider Länder, Erzeugnisse aus einem zehn Kilometer langen Grenzstreifen zollfrei in ihr Heimatland einzuführen und dort zu verkaufen. Wegen des Preisgefälles lohnt sich das allerdings heute nur für Schweizer Landwirte. Weizen etwa kann hierzulande locker doppelt so teuer verkauft werden wie in Deutschland. Besonders stossend ist aus deutscher Sicht, dass die Schweizer für ihre Flächen auch noch Subventionen der Europäischen Union beantragen können. Erst recht, weil ihre Höfe nicht den Kontrollen der deutschen Behörden ausgesetzt seien, wie die Dachorganisation der Bauern in der Grenzregion erinnert.

Deshalb solltest du ein Kuh für 400 Franken leasen

Video: srf

Subventionen aus Brüssel

Doch wie viel Geld kassieren hiesige Grenzbauern aus EU-Töpfen? Weniger, als man angesichts der deutschen Wehklagen annehmen könnte. Neue Zahlen zeigen das Ausmass der Subventionsbezüge: 678 707 Euro erhielten 88 Schweizer Betriebe im Jahr 2017 aus den Mitteln der gemeinsamen Agrarpolitik Europas. Das Geld bekamen sie unter anderem dafür, dass sie sich um die Vielfalt beim Ackerbau bemühten. Immerhin: Für ihre Grundstücke in Deutschland können die Grenzbauern nicht noch zusätzlich Direktzahlungen aus der Schweiz einstreichen. Die Angaben stammen aus einer aktuellen Antwort der Berliner Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion. Die Agrarpolitiker der Liberalen wollen das Kabinett von Kanzlerin Angela Merkel mit ihrem Vorstoss «für die besondere Situation der südbadischen Landwirtschaftsbetriebe sensibilisieren».

Eine Nachfrage beim Landwirtschaftsministerium Baden-Württemberg zeigt: Wurden im Jahr 2007 noch rund 3500 Hektar deutsches Grenzland von Schweizern bewirtschaftet, waren es 2017 bereits 5100 Hektar. 1800 Hektar befinden sich im Besitz von Bauern aus der Schweiz, 3300 Hektar werden von ihnen gepachtet. Schätzungsweise 250 bis 300 Bauern sind ennet der Grenze tätig, hauptsächlich in den Landkreisen Waldshut, Schwarzwald-Baar, Tuttlingen, Lörrach und Konstanz. Genauere Zahlen sind nicht erhältlich; laut Angaben von Verbänden stammen die meisten Grenzbauern aber aus dem Kanton Schaffhausen.

Berlin will Abbau von Grenzschutz

Der baden-württembergische Agrarminister Peter Hauk (CDU) hat den Kampf um das Ackerland auf die Agenda gesetzt. Sein Ministerium hat mit Betroffenen und Behörden vor Ort einen Arbeitskreis zur Unterstützung der Grenzlandwirte gegründet. In diesem würden «aktuelle Informationen und Problemfelder besprochen», erklärt Ministeriumssprecher Jürgen Wippel. Schon seit 2009 kennt Baden-Württemberg indes eine «Lex Schweiz»: Landwirtschaftliche Flächen innerhalb der 10-Kilometer-Grenzzone dürfen nicht für mehr als 120 Prozent der ortsüblichen Tarife verkauft oder verpachtet werden.

Ungeachtet dessen moniert die Regierung des Bundeslandes regelmässig, die Schweizer Zukäufe von Agrarland führten in den Landkreisen an der Grenze zu einer «Preisspirale nach oben». Selbst der Grundstücksverkehr allein zwischen deutschen Bauern sei unterdessen davon betroffen. Käufer müssten bisweilen Preise hinnehmen, «die an der Grenze des ökonomisch noch Tragbaren liegen», so die Landesregierung.

Eine Preisspirale nach oben? Zumindest anhand offizieller Daten lässt sich eine solche nicht belegen. Gemäss Stellungnahme der Bundesregierung lag die Zunahme der Kaufwerte landwirtschaftlicher Grundstücke in den meisten Grenz-Landkreisen deutlich unter dem durchschnittlichen Anstieg Baden-Württembergs; im Landkreis Konstanz gar 57 Prozent unter dem Schnitt. Allerdings steht auch für die Merkel-Regierung ausser Frage: Wegen der Preisverhältnisse profitieren praktisch nur die Schweizer Landwirte vom Zollabkommen. Deshalb hofft man in Berlin vor allem eines: dass sich die Schweiz endlich zu einem Abbau des hohen Grenzschutzes ihrer Landwirtschaft durchringen kann. (aargauerzeitung.ch)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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19
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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Samuel Keller 18.07.2018 09:03
    Highlight Wenn die deutschen Grenzgänger bzw. deutsche Firmen in der Schweiz ihr Geld verdienen bzw. ihre Produkte mit dem SCHWEIZZUSCHLAG verkaufen, hört man diese Jammerei doch NICHT!
    Das die Schweiz qualifizierte Arbeiter aus dem Ausland benötigt, ist unbestritten. Ich habe genug Arbeitskollegen und Freunde die KEINEN CH- Pass haben und damit auch kein Problem

    Betreffend des Tierschutz sei noch erwähnt, das kein Land auf diesem Planeten einen strengeren Schutz bzw. hygiene Standart hat und systematische unangemeldete Kontrollen bei den Bauern durchführt, als in der Eidgenossenschaft!
    12 13 Melden
    • Fabio74 18.07.2018 10:06
      Highlight Darum weichen unsere Rechten zu Bern den Gewässerschutz auf. Bremsen den Naturschutz. Wollen bauen in geschütztem Gebiet erlauben.
      Und ob der Schutz strenger ist als anderswo wage ich zu bezweifeln.
      Zudem es heisst StandarD!
      28 11 Melden
    • kellersamuel182@gmail.com 18.07.2018 16:48
      Highlight @Fabio74

      Auf den kantonalen Internetseiten des jeweiligen Veterinäramtes, sind sämtliche Daten öffentlich zugänglich einsehbar! Also ist alles ganz klar dokumentiert! Wo sind Ihre Beweise, für Ihre Tatsachenbehauptung?

      Also nichts als HEISSE LUFT!

      5 2 Melden
    • Skip Bo 18.07.2018 21:19
      Highlight Sam, fabio mag Bauern nicht. Er ist faktenresistent. Seine Kernkompetenz ist das Schlechtschreiben jeglicher bäuerlicher Tätigkeit. In der Regel wird die SVP, warum auch immer, mit ins Spiel gebracht. Diesmal waren es die Rechten.
      4 3 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • piranha 18.07.2018 08:38
    Highlight Und was ist mit all den Deutschen, die in die Schweiz arbeiten kommen? Dieses Geld fliesst schliesslich nach DE ab.
    9 15 Melden
  • Tekk 18.07.2018 07:21
    Highlight Man muss sich das mal umgekehrt vorstellen...man wäre das Geschrei gross! Kann also die dortigen Bauern gut verstehn, selbst wenn es vieleicht schlimmer dargestellt wird als es ist. ( Aber darin sind unsere Bauern ja auch ganz gross)
    23 7 Melden
  • Skip Bo 18.07.2018 07:12
    Highlight 300 CH Bauern bearbeiten Land in D und können die Produkte zollfrei in der CH verkaufen. Die Produkte müssen übrigens nach CH Bedingungen produziert und kontrolliert werden.
    300'000 EU Pendler arbeiten in der CH und profitieren vom geschützten Arbeitsmarkt (FlaM) mit höheren Löhnen.
    18 8 Melden
    • Unangemeldeter Nutzer 18.07.2018 15:46
      Highlight Lieber ohne FlaM, dafür mit Lohndumping mit negativen Folgen für inländische Arbeitnehmer?
      4 1 Melden
    • Skip Bo 18.07.2018 16:48
      Highlight Ich finde die FlaM nötig. Ich finde Grenzschutz auch nötig. Leider wird die Solidarität von links wie rechtsliberal aufs Spiel gesetzt.
      2 1 Melden
  • na ja 18.07.2018 07:07
    Highlight Ich nehme an, dass 95% der Bauern nicht an der Grenze wohnen und die, die dort wohnen, sicherlich nicht alle ännet der Grenze Land haben! Warum werden wieder ALLE in den selben Topf geworfen?
    12 6 Melden
    • Skip Bo 18.07.2018 16:44
      Highlight 2. Versuch
      Mit den Genfern wären das dann ca. 500 von 56'000 Betrieben
      Die Hardcorebauernbasher hier im watson Forum sind noch nie durch Objektivität aufgefallen.
      Besser, Sven?
      6 2 Melden
  • Swissbex 18.07.2018 06:49
    Highlight Solange wir so viele Lobbyisten aus dem Bauernmilieu in Bern haben wird hier garnichts abgebaut.
    82 27 Melden
    • sealeane 18.07.2018 08:09
      Highlight Wilst du unsere Bauern noch mehr subventionieren? Nein? Dann bleiben die Zölle.
      Alle die über zu Teure Lebensmittel jammern sollen mal schauen wie viel % ihres einkommens tatsächlich dafür drauf gehen. Bei den meisten ists nur ein Bruchteil...
      Nein Zölle auf Lebensmittel sind nicht dad Problem, sondern KK und Miete.
      14 2 Melden
    • Swissbex 18.07.2018 10:17
      Highlight Hat mit dem nichts zu tun. Wir wollen unsere Bauern ja anscheinend subventionieren, dann soll man dies offen und transparent tun und nicht durch die Hintertüre mit Zöllen. Man kann Trump nicht Protektionismus vorwerfen wärend wir es in der Schweiz genauso handhaben.
      11 1 Melden
    • Unangemeldeter Nutzer 19.07.2018 12:36
      Highlight Wer bezahlt die Zölle? Der Konsument! Also derselbe, der mit seinen Steuern die Bauern finanziert hat.
      4 0 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Wilhelm Dingo 18.07.2018 06:47
    Highlight Ich würde die Verhandlungen zum Abbau des Grenzschutzes mit anderen Dossiers verbinden.
    38 13 Melden

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