DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Annina Walt

Annina Walts Welt wird bald ziemlich gross. Sie braucht bloss so weiter zu machen, wie sie angefangen hat.
Bild: www.petite-machine.net

Von Muttermord bis Gangbang: Der Schweizer «Amateur Teens»-Star Annina ist 19 und spielt die härtesten Rollen

The New Girl: Annina Walt ist die Entdeckung 2015. Angst kennt sie kaum, Talent hat sie tonnenweise. Ab sofort kann man sie im Kino sehen.



Annina also. Sitzt da mit ihren 19 Jahren und hat noch immer keinen Fernseher zuhause. Obwohl sie schon darin zu sehen war, letztes Jahr in einem «Tatort». Als Muttermörderin. Damals wusste sie gar nicht so richtig, was «Tatort» eigentlich ist. «Wir Jugendlichen schauen ‹Tatort› nicht wirklich. In Deutschland schon, aber in der Schweiz wissen wir bloss, dass das irgendwie mit Kommissaren und Kriminalfällen zu tun hat.»

Bei den Dreharbeiten war sie 17. Mit 18 drehte sie bereits zwei Kinofilme. Beide als weibliche Hauptdarstellerin. Einer davon läuft jetzt an, der nächste im Frühjahr 2016. Der Frühjahrs-Film heisst «Nichts passiert» von Micha Lewinsky. Star ist der «Tatort»-Kommissar Devid Striesow, ein Familienvater mit einer riesigen Lebenslügen-Neurose, der die Tochter (Annina) seines Chefs mit in die Skiferien nimmt, worauf der Tochter Grässliches widerfährt.

Hormonschleudern unter sich

Der Jetzt-Film heisst «Amateur Teens» von Niklaus Hilber und hat gerade den Publikumspreis am Zurich Film Festival gewonnen. Ein schneller, mal grausam lustiger, mal enorm herziger, mal schlicht brutaler Film in Dutzenden von kleinen Szenen. Hilbers Stars sind lauter Teenager. Vor den Dreharbeiten lernten sie einander in einem Lager kennen und wurden Freunde und Vertraute. Das war auch nötig, denn der Film selbst geht gar nicht freundlich mit ihnen um.

«Amateur Teen» Annina Walt

Lara (Annina Walt) ist in «Amateur Teens» definitiv nicht gerade sonnig zu Mute.
Bild: Look Now

Trailer zu «Amateur Teens»

abspielen

YouTube/looknowfilm

Annina spielt Lara, die Neue in einer Klasse aus 15-jährigen Hormonschleudern. Krasse Sachen geschehen – «Amateur Teens» ist schliesslich auch eine Suchkategorie für Internet-Pornos. Es geht um die drängenden Themen Gangbang, Rape Culture, Cyberbullying inklusive allem, also auch einer Nacktszene in einer Mädchendusche. Schwierig? «Nein. In dem Moment war das kein Problem, ich hab’s einfach gemacht, ich hatte bloss Angst, auf dem nassen Boden auszugleiten.»

Dokumentation einer Generation

Irgendwer schrieb, dass man nach diesem Film alles über die Kinder der Generation YouTube wissen würde. Dumme Frage: Ist das wahr? Reden Jungs auf dem Pausenplatz wirklich nur über die Arbeitskapazität von Pornostars? Haben Mädchen Sex mit jedem, der sie online anquatscht? Finden Partys wie im Film statt?

Annina entschuldigt ihr nicht ganz exaktes Wissen damit, dass sie ja schon um einiges älter sei als die Teenies im Film. Aber der Slang würde stimmen. Und: «Ich bin mir ziemlich sicher, dass es in Zürich an gewissen Schulen so ist.» «Amateur Teens» ist also die Dokumentation einer Generation.

«Amateur Teen» Annina Walt

So sehen Laras Widersacherinnen aus. Bitchy.
Bild: Look Now

In «Amateur Teens» und in «Nichts passiert» spielt Annina Figuren mit einem heftigen Nachtschatten auf der Seele und einem Gesicht voll düsterer Entschlossenheit. «Das scheinen die Leute ein bisschen in mir zu sehen, ja.» Sie lässt sich in diese Rollen einfach fallen, schützt sich nicht, sucht sich einen kleinen Talisman, ein Detail, an dem sie die Geschichte ihrer Figur aufhängen kann. In «Nichts passiert» war das ein kleiner grüner Dufttannenbaum in einem Auto. Ausgerechnet der war die Eselsbrücke zu ihrer Figur.

In echt ist Annina total entspannt. Im Sommer hat sie die Matura geschafft, alles ging gut «ausser Mathe», jetzt will sie reisen, dann an eine Schauspielschule. Sie ist kein bisschen von ihren Rollen geschädigt und sehr mitteilsam. Nur einmal nicht. Was ist ihr Hintergrund, was sind ihre Eltern von Beruf? «Mhh ... meine Familie steht voll und ganz hinter dem, was ich mache. Ich würde sie jedoch gerne aus dem Spiel lassen.»

«Nichts Passiert» Lewinsky, Annina Walt, Devid Striesow

Skiferien des grässlichsten Grauens: Annina Walt als Sarah in «Nichts passiert».
Bild: Filmcoopi

Trailer zu «Nichts passiert»

abspielen

YouTube/filmcoopi

Aber es geht nicht um die Hausnummer und das Auto der Eltern oder so, bloss um ein grundsätzliches Verständnis dieser Annina-Dynamik, der Wahl von aussergewöhnlich harten Rollen, der rückhaltlosen Abgründigkeit im Spiel, der problemlosen Preisgabe von Intimität. Das kommt nicht von nichts. «Sagen wir so: Meine Eltern sind beide im künstlerischen Bereich tätig.»

Das passt. Deshalb lassen die Eltern sie auch den Weg gehen, den sie so sehr liebt. Und das erklärt auch, wieso es in Annina Walts Welt Fernseher nur in Ferienhäusern oder bei Freundinnen gibt. Wieso «Germany’s Next Topmodel» oder das «Dschungelcamp» noch kein Haar ihres guten Geschmacks krümmen konnten.

«Auf eine schöne Art traurig»

Ihr Kinofilmgeschmack etwa ist ungefähr der ambitionierteste, den man sich für eine 19-Jährige vorstellen kann: «Am liebsten schaue ich französische Filme.» Und zwar die komplizierten. «La vie d’Adèle» mit ihrer einen Lieblingsschauspielerin Adèle Exarchopoulos. Oder «Deux jours, une nuit» der belgischen Dardenne-Brüder, also Hardcore-Studiokino-Kost, mit ihrer anderen Lieblingsschauspielerin Marion Cotillard. Und Filme mit der Dänin Alicia Vikander, der Mädchen-Maschine aus der kargen Science-Fiction-Fantasie «Ex Machina». Auf «The Danish Girl» mit Vikander und Eddie Redmayne freut sie sich sehr.

Cast member Marion Cotillard poses during a photocall for the film

Sehr schönes Vorbild: Marion Cotillard.
Bild: REGIS DUVIGNAU/REUTERS

Actress Alicia Vikander attends the premiere of

Fast noch schöneres Vorbild: Alicia Vikander.
Bild: EDUARDO MUNOZ/REUTERS

Zum Schauspiel kam sie vor drei Jahren aus der Lust nach mehr. Weil ihr das Leben und die Schule einfach nicht genug Ausdrucksmöglichkeiten boten. Schon das erste Theaterprojekt, dem sie sich anschloss, war «magisch». Dann folgten dicht aufeinander das «Tatort»-Casting und die beiden Kinofilme. Und wie im Theater hingen auch an den Filmen diese Kurzzeit-Künstlerfamilien, die sich nach der Arbeit wieder irgendwohin verlieren.

«Ich finde es schön, dass das so momentbezogen ist. Länger könnte man eine solche Intensität doch gar nicht aufrecht erhalten. Das sind spezielle Verbindungen, und wenn sie sich auflösen, ist das auf eine schöne Art traurig. Vielleicht kommt man irgendwann wieder zusammen.» Ganz gewiss. Denn Annina Walts Welt wird jetzt gross. So viel Talent lässt sich nicht rückgängig machen.

«Amateur Teens» läuft ab Do, 15. Oktober, im Kino.

Schon gesehen? Das sind die besten Story-Vorschläge der watson-Leser

Das falsche Hungerbild aus Madaja und seine verheerende Wirkung auf die Solidarität mit der syrischen Zivilbevölkerung

Link zum Artikel

Wir wissen schon jetzt, welche Baby-Namen im Jahr 2015 am beliebtesten waren

Link zum Artikel

Doch zu gut, um wahr zu sein? Salt nimmt sensationell günstige Flatrate «Hello World» vom Markt

Link zum Artikel

«Ich bin Moslem und ehre Jesus» – Aktivist will in Zürich im Edelweiss-Hemd Brücken bauen

Link zum Artikel

Boeing 777-300ER: Hier hebt das neue Flaggschiff der Swiss zum Erstflug ab

Link zum Artikel

Itchy und Scratchy metzeln sich in der «Star Wars»-Welt nieder: Dieser Schweizer Lego-Film muss es in den Vorspann der Simpsons schaffen!

Link zum Artikel

Was macht ein Schweizer Postauto inmitten von US-Bombenentschärfern in Afghanistan?

Link zum Artikel

Operation Lego-Shooter: So entsorgst du einen Laptop richtig

Link zum Artikel

«Dr Einzig» ist der einzige Schwarze im Muotathal – und dies ist eine einzigartige Lovestory

Link zum Artikel

Gummischrot aus wenigen Metern und Pfefferspray für eine Frau – Videos von Polizeieinsatz an der Zürcher Langstrasse werfen Fragen auf

Link zum Artikel

So selten wie spektakulär: Wasserhose wirbelte am Morgen über den Zürichsee

Link zum Artikel

«Ich spürte, wie mein Puls hochging»: Warum watson-User Andreas bei diesem Foto ziemlich mulmig zumute war (und welches wilde Tier hier zu sehen ist)

Link zum Artikel

Rassismus auf Facebook sind wir gewohnt: Aber was dieser «Ratgeber» einer Schweizer Zeitung an Hass absondert, erreicht eine neue Dimension 

Link zum Artikel

«So nicht, liebe Männer!» Tinder-Knigge zweier watson-Userinnen macht aus Eseln Hengste

Link zum Artikel

Wir wollten eure Sternschnuppen-Fotos, jetzt haben wir nicht nur eines, sondern gleich zwei, drei, vier! 

Link zum Artikel

Fast 30'000 Mal geteilt: Darum geht ein drei Jahre alter Leserbrief mit Falschinformationen über Asylbewerber viral – und das sagt die Autorin dazu

Link zum Artikel

Dirk Koy ist der User des Tages. Sein «Lost in Translation»-Video ist genial!

Link zum Artikel

Der User des Tages ist Amadé Fries, weil er uns steckte, wie es dem FCL-Fotografen erging

Link zum Artikel

Die User des Tages sind Mario Schmidli, dessen Bild um die Welt ging, und «goschi», der ein grosses Herz hat

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Preiszerfall im Sex-Gewerbe: Corona treibt blutjunge Prostituierte in die Schweiz

Vor einer Woche hob auch der Kanton Zürich das Prostitutionsverbot auf. Seither kommen vermehrt 18- bis 20-jährige Sexarbeiterinnen in die Schweiz. Sie müssen ihre Dienstleistungen für einen tieferen Preis anbieten, weil es zu wenig Kunden gibt.

Samstagabend an der Langstrasse in Zürich: Trotz miesem Wetter versammelt sich das Partyvolk zu Hunderten auf und neben den Trottoirs. An den Hausmauern lehnen Sexarbeiterinnen, die das Geschäft wittern. Rund um die Piazza Cella stehen sie dicht an dicht, lächeln und sprechen ab und an eine vorbeigehende Männergruppe an.

Es ist das erste Wochenende, seit im Kanton Zürich das Prostitutionsverbot aufgehoben wurde. Über ein halbes Jahr lang war Sexarbeit in Zürich aufgrund der Pandemie verboten. …

Artikel lesen
Link zum Artikel