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Postfinance gibt 400'000 für Gamer aus

Während Angestellte um Job bangen: Postfinance gibt 400'000 für Gamer aus

22.07.2018, 04:3422.07.2018, 08:43

Hansruedi Köng, Chef von Postfinance, hat grosse Pläne: Bis 2020 soll das Finanzinstitut die führende digitale Bank der Schweiz werden. Oder anders ausgedrückt: zum «Digital Powerhouse», wie Köng gerne betont.

Hansruedi Koeng, CEO Postfinance, spricht waehrend einer Medienkonferenz, am Donnerstag, 7. Juni 2018 in Bern ueber die geplanten Entlassungen bei der Postfinance. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
Postfinance-Chef Hansruedi Köng spricht gerne vom «Digital Powerhouse».Bild: KEYSTONE

Das neuste Vorhaben in diesem Bestreben ist die Gründung eines E-Sport-Teams. Fünf Erwachsene sollen sich voll und ganz dem Computerspiel «League of Legends» widmen können. Dabei handelt es sich um ein beliebtes Online-Spiel, zu welchem sogar Weltmeisterschaften mit Preisgeldern von über 2 Millionen US-Dollar ausgetragen werden.

Mit dem Unterfangen soll die «strategische Transformation zur führenden digitalen Bank der Schweiz» unterstützt werden, zitiert Blick die Postfinance. Dadurch sollen Erfahrungen gesammelt und «junge, digital affine» Kunden angesprochen werden.

Kritik und Unverständnis

Ein Jahr lang sollen die fünf Auserwählten in einem voll ausgestatteten Haus mit Trainingsraum unterkommen. Unterstütz werden die E-Sportler von einem Coach und verschiedenen Beratern. Als Entlöhnung sind monatlich 2500 Schweizer Franken pro Kopf vorgesehen. Insgesamt belaufen sich die Kosten für Unterkunft, Personal und Lohn auf mindestens 400'000 Franken.

Die Postfinance hatte kürzlich bekanntgegeben, dass bis Ende 2020 bis zu 500 Vollzeitstellen abgebaut werden. Begründet wurde dieser Schritt mit der zunehmenden Automatisierung und Digitalisierung von Prozessen. Für die Angestellten, die derzeit um ihren Job bangen, ist das Projekt ein Schlag ins Gesicht. «Es kann nicht sein, dass man fünf Gamern Hunderttausende Franken nachwirft und treue Angestellte, viele von ihnen mit Kindern, ihre Jobs verlieren», sagt eine Angestellte.

Politik wird aktiv

Beim Walliser SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor stösst das Vorhaben auf Unverständnis. Er will in der Herbstsession eine Interpellation einreichen und wissen, ob «ein solches Experiment zum Kerngeschäft der Postfinance gehört», wie der Blick schreibt.

Bei Postfinance sei man sich bewusst, dass das Vorhaben im Hinblick auf den Stellenabbau auf Kritik stosse. Sprecher Möri betont, dass für das E-Sport-Team keine zusätzlichen Gelder ausgegeben werden. In den letzten Jahren sei das Sponsoring-Budget sogar reduziert worden. (vom)

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