DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Die Titelseite einer mexikanischen Zeitung nach Trumps Wahlsieg. bild: thomas schlittler

Per Autostopp um die Welt

Mexiko hat einen neuen Staatsfeind Nummer eins: Donald Trump

Während die Welt noch immer nicht richtig weiss, was die Wahl von Donald Trump zu bedeuten hat, steht für die Mexikaner bereits fest: nichts Gutes!

Thomas Schlittler
Thomas Schlittler



Der neue US-Präsident ist noch nicht einmal im Amt, doch Mexiko leidet schon jetzt unter ihm: Der US-Autobauer Ford hat auf Druck von Trump die Pläne für ein neues Werk in Mexiko gestrichen und der mexikanische Peso ist aus Furcht vor einem Handelskrieg mit den USA auf den tiefsten Stand seiner Geschichte gefallen.

Bild

Seit Trumps Wahlsieg am 8. November 2016 hat der Mexikanische Peso gegenüber dem US Dollar rund 20 Prozent an Wert verloren.  quelle: bloomberg

Routenplan

Wegen Trumps abfälligen Bemerkungen über die schätzungsweise 5,5 Millionen Mexikaner, die ohne Papiere in den USA leben und arbeiten, sowie der angekündigten Grenzmauer – die Mexiko auch noch bezahlen soll – fühlen sich viele Mexikaner zudem im Stolz verletzt. Es vergeht kaum ein Tag, an dem in den mexikanischen Zeitungen nicht der Name Trump auf der Titelseite prangt.

Bild

Trump kommt näher; Der Dollar auf 22.10 Pesos; Es vergeht kaum ein Tag, an dem der neue US-Präsident in den mexikanischen Zeitungen kein Thema ist. bild: thomas schlittler

Kurz: Die Mexikaner waren auf den grossen Bruder im Norden schon besser zu sprechen. Das spüren vereinzelt auch meine Freundin Lea und ich. Unsere Vermieterin in Hermosillo erklärt uns aus dem Nichts, dass sie uns rausschmeissen wolle, weil wir unfreundlich seien und sie sich mit uns nicht wohlfühle. Erst als sie erfährt, dass wir keine Amerikaner sind, ist plötzlich wieder alles in Ordnung. Auf Spanisch sagt sie uns: „Ich spreche eigentlich ein bisschen Englisch. Aber jetzt mit Trump mache ich das aus Prinzip nicht.“

Die Bilder von Woche 85: Von Hermosillo nach Guadalajara 

Eine ähnliche Situation erleben wir bei José und Elvira im Auto. Nachdem wir dem alten Ehepaar gesagt haben, dass wir aus der Schweiz kommen, will Elvira von uns wissen: «Was hält ihr von Trump?» «Wir mögen ihn nicht», antworten wir. Sie: «Aber warum habt ihr ihn dann gewählt?» Wir: «Wir haben ihn nicht gewählt. Die Schweiz liegt in Europa und nicht in den USA.» Elvira hat die Schweiz offenbar für einen US-Bundesstaat gehalten. Nachdem dieses Missverständnis geklärt ist, laden uns die beiden in ihre Berghütte zum Mittagessen ein.

Bild

«Warum habt ihr Trump gewählt?» Elvira (links) meint zuerst, dass wir Amerikaner sind. bild: thomas schlittler

Aber auch wenn die Mexikaner über die Amis und ihren neuen Präsidenten fluchen: Zum Arbeiten wollen trotzdem viele in die USA. Mittlerweile leben in den Vereinigten Staaten rund 36 Millionen Menschen mit mexikanischen Wurzeln. Einer davon ist Martin, der uns von Arizona nach Mexiko gebracht hat. Der 29-jährige IT-Spezialist besitzt eine sogenannte Green Card, mit der er unbefristet in den USA bleiben darf. Doch nach Trumps Wahl ist sich Martin da nicht mehr so sicher: «Die Migrationsgesetze können sich von einem Tag auf den anderen ändern. Ich will deshalb so bald wie möglich die US-Staatsbürgerschaft beantragen.»

Bei allen Mexican Americans, die keine Green Card besitzen, sei die Verunsicherung noch grösser, erzählt uns Martin: «Ich kenne viele solche Leute. Sie machen sich Sorgen, weil bald Trump im Weissen Haus sitzt. Wer kann, beantragt eine Greencard.»

Von Sahuarita: Mexikanischen Boden betreten wir mit Martin. Er ist Mexikaner, lebt und arbeitet aber in Phoenix, USA

Martin (rechts) hat eine Greencard. Doch mit Trump reicht ihm das nicht mehr. Er will so bald wie möglich die US-Staatsbürgerschaft beantragen. bild: thomas schlittler

Juan Carlos, der uns 130 Kilometer weiter Richtung Süden bringt, hat keine Green Card – und er will auch keine. Der 27-jährige Familienvater kann sich ein Leben in den USA nicht vorstellen. Im Sommer arbeitet er aber Jahr für Jahr auf einer Tabakfarm in Virgina. Juan Carlos besorgt sich dafür jeweils ein temporäres Arbeitsvisum. Das koste ihn zwar immer zwei- bis dreihundert Dollar, es zahle sich aber trotzdem aus: «Ich verdiene in Virgina 12 Dollar pro Stunde. Auf einer Tabakfarm in Mexiko kann man nicht einmal an einem Tag so viel Geld machen.» Dass Trump seinen Sommerjob in den USA gefährden könnte, glaubt Juan Carlos nicht: «Die Arbeit in der Sommerhitze auf dem Feld ist sehr hart. Für 12 Dollar pro Stunde macht das kein Amerikaner.»

Bild

Juan Carlos (rechts) glaubt nicht, dass Trump seinen Sommerjob auf einer amerikanischen Tabakfarm in Gefahr bringt; «Das macht das kein Amerikaner.» bild: thomas schlittler

Trump hin oder her: Die enge Verflechtung von Mexiko und den USA wird sich wohl nicht so schnell auflösen. Vielleicht ist es aber kein Zufall, dass uns ein junger Mann in der Millionenstadt Guadalajara eine Kiste mit Lolipops entgegenstreckt und sagt: «Bitte kauft etwas. Ich will Geld sparen, um auszuwandern – nach Kanada!»

Livemusik in einer Outdoor-Bar in Mazatlan; Das Lebensgefühl in Mexiko ist mindestens so schön wie in den USA – wenn nur die Löhne nicht so niedrig wären. Video: watson.ch

Per Autostopp um die Welt

«Hier leben 320 Millionen Menschen, und wir finden nichts Besseres?»

Link zum Artikel

«Hemmungslos in Seattle» – Masturbieren im Lieferwagen

Link zum Artikel

Thanksgiving auf den Strassen Vancouvers: Wo Miniröcke auf Obdachlose treffen

Link zum Artikel

Wie alles begann – zurück am Geburtsort meines Autostopp-Traums

Link zum Artikel

Kanada absurd: Warum muss sich Charles als Ureinwohner den weissen Zuwanderern anpassen?

Link zum Artikel

Im Zelt in Alaska ist es kalt – doch bei Ex-Mormonin Ming im Auto wird mir wieder warm ums Herz

Link zum Artikel

Liebes Mami, ich erkläre dir jetzt, warum ich kein Heimweh habe

Link zum Artikel

Bären statt Burnout: Auf dem Weg nach Alaska treffe ich auf einen Aussteiger nach dem anderen

Link zum Artikel

1000 Kilometer mit einem komplett Andersdenkenden: Joe mag Donald Trump – und ich mag Joe

Link zum Artikel

Allein unter Seebären – per Frachtschiff über den Pazifik

Link zum Artikel

Seit einem Jahr an den Strassenrändern der Welt: Das A bis Z zum Jubiläum

Link zum Artikel

Dümmer geht's nicht: Wie ich in Japan Schlafsack und Flipflops verliere – und dafür noch belohnt werde

Link zum Artikel

Dieser Brief einer 17-jährigen Koreanerin zeigt, wieso Reisen immer noch die schönste Sache der Welt ist

Link zum Artikel

Bevor ich China Richtung Südkorea verlasse, verrät mir «Jack» sein Geheimnis: «Ich bin schwul»

Link zum Artikel

It's all about the money – ganz besonders beim Reisen

Link zum Artikel

Offener Brief an die Thailänder: Reisen in eurem Land ist langweilig (das ist ein Kompliment!)

Link zum Artikel

Das Autostopp-Experiment: Komme ich in Laos auf einer Strasse, die keine ist, überhaupt weiter?

Link zum Artikel

Per Autostopp um die Welt zu reisen ist mutig. Aber es braucht mindestens gleich viel Mut, als Freundin zurückzubleiben

Link zum Artikel

Er ist Chinese, er heisst Li – und trotzdem ist er einzigartig!

Link zum Artikel

Per Autostopp von Winti nach Ürümqi (China): Es ist Zeit für eine Halbjahresbilanz von A bis Z

Link zum Artikel

Arschloch, Ignorant oder Angsthase: Wie verhältst du dich, wenn du an Autostöpplern vorbeifährst?

Link zum Artikel

Ein Hoch auf das Smartphone! 7 Gründe, wieso Reisen im Jahr 2015 besser ist als zu Hippie-Zeiten

Link zum Artikel

Alleine in Kasachstan: So ist es, wenn in Paris schreckliche Dinge passieren – und du mit niemandem darüber reden kannst

Link zum Artikel

Die Frauen Istanbuls: Zwischen Burka, Bier und bösen Blicken

Link zum Artikel

Im 27. Kanton der Eidgenossenschaft – nirgends ist die Schweiz so präsent wie im Kosovo

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Wie der Flugverkehr 2020 eingebrochen ist – und wie er sich bis heute «erholt» hat

Die Corona-Pandemie hat die Luftfahrt in historischem Ausmass getroffen. Auf dem grössten Flughafen der Schweiz in Zürich-Kloten sank die Passagierzahl 2020 auf 8,3 Millionen, das ist ein Rückgang von fast drei Vierteln. Von den 8,3 Millionen Passagieren wurde rund die Hälfte in den Monaten Januar und Februar abgefertigt, danach kam der Flugbetrieb teilweise fast komplett zum Stillstand.

Im April – auf dem Höhepunkt der Krise – wurden gerade einmal 27'000 Personen abgefertigt. Das war …

Artikel lesen
Link zum Artikel