International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Bild: EPA/EPA

Westen zweifelt an Israels Beweisen zu Irans Atomwaffenprogramm

01.05.18, 18:28

Westliche Staaten haben zurückhaltend auf neue Vorwürfe Israels gegen den Iran reagiert. In den von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu präsentierten angeblichen Beweisen sahen Vertreter der USA, Deutschlands, Frankreichs und Grossbritanniens am Dienstag keinen Bruch des Atomabkommens mit dem Iran von 2015.

Während die europäischen Unterzeichnerstaaten keinen Grund für einen Kurswechsel sahen, bekräftigte US-Präsident Donald Trump seine grundsätzlichen Bedenken am Abkommen. Er will bis zum 12. Mai entscheiden, ob er neue Sanktionen gegen den Iran verhängt und das Abkommen damit faktisch aufkündigt.

Am Montagabend hatte Netanjahu Videos, Fotos und Grafiken vorgestellt, die zeigen sollen, dass der Iran entgegen seinen Beteuerungen ein Atomwaffenprogramm unterhalten habe. Der Iran wies die Vorwürfe umgehend zurück.

Die Pressekonferenz von Netanjahu kann hier nachgeschaut werden: 

Video: YouTube/CNN

US-Aussenminister Mike Pompeo erklärte, die Unterlagen belegten frühere Lügen der iranischen Regierung, nie an der Entwicklung von Atomwaffen gearbeitet zu haben. Übereinstimmend mit Vertretern anderer westlicher Regierungen urteilte der ehemalige CIA-Chef aber auch, ein Beleg für eine Verletzung des Atomvertrages von 2015 gehe daraus nicht hervor.

Trump bekräftigte seine Kritik, der Vertrag sei ein «furchtbares Abkommen für die USA». Der Iran werde nach sieben Jahren - dann läuft der Atomvertrag aus - wieder Atomwaffen entwickeln können. Dann würden sich Netanjahus Enthüllungen bewahrheiten.

Deutschland und Frankreich erklärten übereinstimmend, die von Netanjahu vorgestellten Unterlagen müssten zwar noch untersucht werden, aber schon jetzt stehe fest, dass sie die Notwendigkeit des Atomabkommens von 2015 bestätigten.

«Klar ist, dass die internationale Gemeinschaft Zweifel daran hatte, dass der Iran ein ausschliesslich friedliches Atomprogramm verfolgte», sagte ein deutscher Regierungssprecher. Aus diesem Grund sei das Atomabkommen geschlossen worden mit einem «präzedenzlos tiefgreifenden und robusten Überwachungssystem» der IAEA.

Keine Hinweise auf Atomwaffenprogramm

Es sei essenziell, dass die Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) das Einhalten überprüfen könne. Nach Angaben IAEA gibt es «keine glaubwürdigen Hinweise» auf ein iranisches Atomwaffenprogramm nach 2009. Dies teilte ein IAEA-Sprecher am Dienstag in Wien mit.

Der iranische Aussenminister Dschawad Sarif sprach auf Twitter von «alten Vorwürfen», mit denen sich die IAEA bereits befasst habe.

Die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini erklärte, aus den Unterlagen von Netanjahu ergebe sich bislang keine Verletzung des Abkommens von 2015. Auch der britische Aussenminister Boris Johnson plädierte dafür, nicht am Atomvertrag mit dem Iran zu rütteln. Allerdings müssten auch die Bedenken der USA und anderer Verbündeter berücksichtigt werden.

Das französische Aussenministerium erklärte, die israelischen Informationen könnten ein Beleg für die Notwendigkeit sein, vom Iran Zusicherungen zu erhalten, sich längerfristig an seine 2015 für zehn Jahre gemachten Zusagen zu halten.

Netanjahu: Iran versteckt Unterlagen

In seiner im Fernsehen übertragenen Präsentation hatte Netanjahu Materialen vorgestellt, die nach seinen Angaben aus einem iranischen Geheimarchiv stammten. «100'000 geheime Unterlagen» bewiesen, dass die iranische Führung mit ihrer Beteuerung gelogen habe, nicht nach Atomwaffen zu streben.

Bis 2003 habe der Iran an einem Projekt mit dem Codenamen «Amad» zum Bau von Atombomben gearbeitet. Selbst nach dem internationalen Atomabkommen habe der Iran sein Wissen über Kernwaffen zu erhalten und zu mehren versucht. Zudem hätte der Iran nach dem Abkommen von 2015 alle bisherigen Aktivitäten auf den Tisch legen müssen.

Netanjahu zufolge versteckte die iranische Führung die Dokumente zu seinem Atomwaffenprogramm an einem geheimen Ort in Teheran. Israel verfüge über Kopien dieser Unterlagen und werde sie anderen Staaten und der IAEA zur Verfügung stellen.

Israels gefährlichster Gegner

Israel sieht im Iran einen seiner gefährlichsten Gegner in der Region. Dessen früherer Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte mit der Auslöschung Israels gedroht. Durch den syrischen Bürgerkrieg hat der Iran seinen Einfluss an den Grenzen Israels ausbauen können, da es mit von ihm gesteuerten schiitischen Milizen zu den wichtigsten Unterstützern des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zählt.

2015 hatte die so genannte Sechsergruppe - USA, Russland, China, Grossbritannien, Frankreich und Deutschland - nach jahrelangen Verhandlungen ein Abkommen mit dem Iran erreicht, in dem sich die iranische Republik zu IAEA-Kontrollen seiner Atomanlagen sowie den Verzicht auf eine Atombomben-fähige Urananreicherung verpflichtete.

Im Gegenzug stellte die Staatengruppe ihre Sanktionen gegen das unter wirtschaftlichen Schwierigkeiten leidende Land ein. Der Vertrag hat eine zehnjährige Laufzeit. Trump sieht in ihm einen grossen Fehler, weil er das iranische Raketenprogramm ausser Acht lasse und die Bedingungen für Kontrollbesuche von Waffeninspektoren nicht genau definiere. (sda/reu/afp/dpa/vom)

Das könnte dich auch interessieren:

Entsteht in Italien das Modell eines modernen Faschismus?

Diese 15 Orte darfst du nicht besuchen. Und das ist besser so für dich

Ein schamloser Kuhhandel: Der AHV-Steuer-Deal ist eine schlaue und heikle Idee

11 Gründe, weshalb du den Sommer in der Schweiz verbringen solltest

präsentiert von

Züri-Hools gingen nach Basel zum Prügeln – das hätten sie besser sein lassen

Fact oder Fake? Experte hält Rätsel um MH370-Verschwinden für gelöst

Trump gräbt Nordkorea eine Atom-Grube und fällt nun selbst hinein

Diese 9 Influencer-Fails beweisen, wie «real» Instagram ist – nämlich gar nicht

Dieser kleine Trick hat mich von meiner Handy-Sucht befreit

Die Rebellion der ungefickten Männer kommt aus dem Internet! Ein Experte erklärt «Incel»

Der grosse Lohn-Check: So viel verdient die Schweizer Bevölkerung

«Die Angriffe sind real» – Experten warnen vor «unrettbar kaputter» E-Mail-Verschlüsselung

Der Bikini-Trend, auf den wirklich niemand gewartet hat: Nude

21 Markenlogos, in denen sich geheime Botschaften verstecken

Wie viele Menschen erträgt die Erde?

Französin wählt wegen Schmerzen den Notruf und wird ausgelacht – wenig später ist sie tot

Dieses Rätsel wurde für Superhirne mit IQ 131 oder mehr entworfen? Schaffst dus trotzdem?

Oben ohne auf der Rückbank – 8 Taxifahrer erzählen ihre absurdesten Erlebnisse

Stell dir vor, es ist Masseneinbürgerung und keiner geht hin (ausser ein paar Italiener)

Ach Tagi, was ist aus dir geworden? (K)eine Liebeserklärung zum Jubiläum

Da kocht das Blut, da blüht die Rose in der Hose ... Unsere Basler Bachelorette mal wieder

«Tote Mädchen lügen nicht» kommt wieder – wie gefährlich ist die Serie wirklich?

Alle Artikel anzeigen
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
14
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • WeischDoch 01.05.2018 23:56
    Highlight Ich kenne zwar israelis kaum...aber mit dem iran habe ich schon einiges an Erfahrung. Ganz ehrlich, lieber ein Atomstaat Israel als ein Atomstaat Iran. Israel teilt immerhin ähnliche Werte wie wir. Der mittlere Osten versteht leider fast nur die Sprache der Gewalt...Israel macht da eben mit...find ich nicht gut aber eben, die sind mir lieber
    4 6 Melden
  • Ueli der Knecht 01.05.2018 23:02
    Highlight US-Aussenminister Mike Pompeo (dem die Lügen offenbar nicht so leicht über die Lippen gehen wie Trump und Netanyahu) relativiert und findet,

    die Akten seien uralt,

    das meiste schon längst bekannt, und

    was noch nicht bekant sei, müsse er erst übersetzen lassen, bevor er irgendwas dazu sagen könne, und

    die Iraner haben diese historischen Akten vielleicht nur fürs Museum aufbewahrt.

    https://www.state.gov/secretary/remarks/2018/281346.htm

    Naja... the show must go on... ;)
    4 1 Melden
  • Cillit Bang 01.05.2018 21:55
    Highlight Wieso nimmt man diesen Alten noch ernst? Oder besser, WER nimmt ihn ernst?
    24 4 Melden
  • Radiochopf 01.05.2018 21:44
    Highlight Noch besser an Isreal Behauptungen ist ja, dass Israel selber offiziell keine Atomwaffen hat obwohl alle wissen das sie sicher Atomwaffen haben... Netanjahu ust also ein Heuchler! Etwas anderen vorwerfen was man selber macht ist echt lächerlich...
    25 8 Melden
  • Volkan Aydın 01.05.2018 21:14
    Highlight Wohl oder über wird es der Westen sein, der den Krieg unterstützen wird. Entweder entscheidet sie sich für frieden in dieser Region oder für Israel, denn eins können sie sicher sein, irgendwann wird Israel auch an Ihrer Grenze stehen, und wie sie Grenzen respektieren sieht die Wlt jeden Tag, auch wenn der westen ihre augen NOCH verschliesst
    9 12 Melden
  • Radiochopf 01.05.2018 20:39
    Highlight Das ganze scheint mit der USA abgesprochen und inszeniert zu sein... langsam habe ich sowieso das Gefühl, dass die USA eine sehr israelfreundliche Politik betreiben.. das zudem die Saudis und Isreal neue beste Freunde sind ist auch aussergewöhnlich... vielleicht sollte Mueller mal schauen, ob nicht eher Netanjanuh seine Finger im Spiel hatten bei den US-Wahlkampf...
    18 6 Melden
  • ErklärBart 01.05.2018 20:18
    Highlight Tja shit happens Netanjahu. Angst mag ein guter Kriegstreiber sein, ist aber definitiv ein schlechter Ratgeber.

    Die Welt lässt sich nicht mehr verarschen.
    31 7 Melden
    • elias776 01.05.2018 20:29
      Highlight Trump ist nicht die Welt..
      6 7 Melden
  • äti 01.05.2018 19:44
    Highlight Dass es leere Bücherhüllen gibt lernt man in alten englischen Filmen, dass es auch leere Ordner gibt kenn ich zu gut, sogar leere DVDs hab ich im Kasten. Warum ich das alles nicht im Israelischen TV auf englisch präsentiere? Netanjahu ist mir zuvor gekommen.
    20 4 Melden
  • Echo der Zeit 01.05.2018 18:49
    Highlight Netanjahu wie Bush damals - und Trump wird's wohl Glauben.
    68 12 Melden
  • Gregor Hast 01.05.2018 18:40
    Highlight Ausser diese Waffen wurden so gut versteckt, dass die gar nie auffindbar sind. Trotzdem - man sollte hier sehr vorsichtig sein, wenn es um solche Behauptungen geht!!! Und noch was, Israel selbst besitzt doch auch solche Waffen warum sollte das dem Iran nicht erlaubt sein? Trotzdem an diesem Iran - Deal muss wirklich etwas gemacht werden!!!
    9 46 Melden
    • Echo der Zeit 01.05.2018 18:57
      Highlight Sie können das ja Ihrem Idol Trump sagen - der Verkauft denen gleich welche.
      19 2 Melden
    • Datsyuk 01.05.2018 19:22
      Highlight Der letzte Satz zeigt, wie du Trump mit blondem Gehorsam folgst. Krass...
      18 4 Melden
  • Gregor Hast 01.05.2018 18:38
    Highlight Es könnte gut möglich sein, dass dieses Abkommen voller Lücken ist und nur den einen nützlich ist. Deswegen sollte man wirklich einmal über die Bücher und sich den ganzen Deal nochmals durch den Kopf gehen lassen. Dann sollten allfällige Lücken geschlossen oder ausgebessert werden, so dass er am Ende für alle Beteiligten nützlich sein wird. Für Israel, Iran, USA, Europa, Russland etc. Israel behauptet der Iran habe Atomwaffen - stimmt das? Denkt nur an den Irak! Da wurde das auch behauptet und der Irak war nie im Besitz solcher Waffen bzw. ABC- Waffen. 1/2
    8 44 Melden

Warum der Krieg in Syrien für die Welt erst jetzt so richtig gefährlich wird

Sieben Jahre nach Beginn der Bürgerkriegs ist Syrien zu einem Tummelplatz für rivalisierende Mächte geworden. Daraus könnte ein Flächenbrand entstehen, in dem vieles möglich wird. Sogar ein bewaffneter Konflikt zwischen NATO-Ländern.

Wladimir Putin liebt den grossen Auftritt. Am 11. Dezember 2017 traf der russische Präsident zu einem Überraschungsbesuch auf dem Luftwaffenstützpunkt Hameimim in der westsyrischen Provinz Latakia ein. Vor Soldaten erklärte er sich zum Sieger im Krieg gegen die «Terroristen» in Syrien und kündigte den Abzug eines Grossteils der russischen Truppen an.

Zweieinhalb Monate später sieht es so aus, als ob Putins Auftritt eine Art «Bush-Moment» gewesen wäre. Er weckte unweigerlich Erinnerungen an …

Artikel lesen