Sport

Mark Beaumont erreicht die drittgrösste Stadt der Mongolei, Darchan.  bild: mark beaumont

Dieses Abenteuer wird die «Grenzen der menschlichen Möglichkeiten verschieben»

In 80 Tagen um die Welt. Seit Jules Vernes Klassiker aus dem Jahr 1873 fasziniert dieses Abenteuer die Menschheit. 144 Jahre später versucht Mark Beaumont das Gleiche – mit dem Velo. Das macht rund 385 Kilometer täglich. Schafft er es, wäre es eine fast unmenschliche Leistung.

29.07.17, 00:00 29.07.17, 16:55

Mit 12 Jahren radelte er durch Schottland; mit 15 durch Grossbritannien; mit 24 um die Welt. Mit 27 fuhr er mit dem Velo von Alaska nach Feuerland; mit 32 von Kairo nach Kapstadt. Ohne Support. 42 Tage brauchte er für das letzte Abenteuer. Schneller war zuvor niemand. 

Dazwischen gehörte er einer Expedition an, welche von Kanada durch die Arktis zum Nordpol reiste (2011) und er wollte von Marokko nach Barbados in einem Ruderboot paddeln (2012) – er musste aus Seenot gerettet werden.

Mark Beaumont: Kein Wunder glaubt er, dass er in 80 Tagen um die Welt radeln kann. Er kann schliesslich auch sein Rennrad mit einem Fingerli halten.

Keine Frage: Mark Beaumont ist ein Abenteurer und Extremsportler. Vor allem die Weltumrundung 2007/2008, welche die BBC in einer Dokumentation zeigte, machte ihn als «The Man who cycled the world» bekannt. 194 Tage benötigte er damals. Die Regeln sind einfach: Mindestens 29'000 Kilometer musste die Fahrt dauern, am gleichen Ort enden, wie sie gestartet wurde und mindestens zwei Antipole mussten durchquert werden (also beispielsweise Spaniens Madrid und Wellington in Neuseeland).

Der offizielle Trailer zum Projekt. Video: YouTube/Mark Beaumont

The man who cycled the world

Mark Beaumonts erster Versuch, die Welt mit dem Fahrrad so schnell wie möglich zu umrunden, wurde von der BBC begleitet und in einer vierteiligen Doku 2008 ausgestrahlt. Hier geht's zum ersten Teil.

Der Rekord wurde seither zehnmal unterboten. Seit 2015 steht er bei 123 Tagen, gehalten von Andrew Nicholson. Mark Beaumont will es nun in 80 Tagen, also in zwei Dritteln der Zeit, schaffen. Wahnsinn. «Dieses Abenteuer wird die menschlichen Möglichkeiten verschieben», kündigt das Team an. Nichts weniger als das.

Das ist die Strecke von Mark Beaumont. Aktuell befindet er sich am Ende der «Stage 1». Und hier gibt's das ganze noch in einem kurzen Video erklärt. bild: artemisworldcycle.com

Der 34-jährige Schotte bereitete sich zuletzt damit vor, dass er in zwei Wochen rund um Grossbritannien fuhr. Für die Weltumrundung wird er während 75 Tagen täglich 385 Kilometer abfahren müssen. Dazu kommen fünf Pausen-/Reisetage für die Flüge. «Das ist der Höhepunkt meiner Vorbereitung der letzten 20 Jahre, in welchen ich Ausdauersport trainiert habe. Es ist mein grösster Traum», sagt der zweifache Familienvater dazu.

Der erste Tag begleitet von einem Global-Cycling-Network-Journalist. Video: YouTube/Global Cycling Network

Am 2. Juli startete Beaumont beim Arc de Triomphe in Paris. Aktuell radelt er durch China. Ende September will er wieder in Frankreichs Hauptstadt ankommen.

Einige Eckpunkte des Abenteuers

Die Ankündigung des Rekordversuchs. Video: YouTube/Mark Beaumont

Aktuell rast Beaumont auf Peking zu, wo er seinen Flug am Samstag nach Perth erwischen muss (hier gibt's das Livetracking). Gestern wurde er an der chinesischen Grenze aufgehalten, weil diese um 17 Uhr schloss. Kurz davor quälte er sich zusammen mit seinem Team durch die Wüste Gobi, wo sich plötzlich die Strasse verlief. Beaumont musste sein Velo schieben, das Wohnmobil blieb im Sand stecken.

Probleme mit dem Sand in der Wüste Gobi. bild: Mark beaumont

«Der erste Monat bis Peking wird wohl der schwierigste», sagte Beaumont vor dem Abenteuer. Ab Australien sind alles Teerstrassen. Er wollte in einem Monat durch China sein. Aktuell liegt er gut im Plan.

Bleiben noch zwei Fragen:

1. Warum?

«Ich wollte immer neue Wege gehen. Es reizt mich, der erste zu sein, der in 80 Tagen mit Muskelkraft um die Welt fährt. Wer erinnert sich noch an den zweiten Mann auf dem Mount Everest? Niemand. Wir wollen herausfinden, ob der menschliche Körper zu so einer Leistung fähig ist. Es geht nur um die Performance, darum werde ich rund um die Uhr unterstützt und muss mich um nichts ausser ums Velo fahren kümmern.»

Mark Beaumont fährt mit dem Velo in 80 Tagen um die Welt

2. Was rätst du jemandem, der etwas «Verrücktes» machen will

«Hört auf zu reden und träumen: Macht es einfach. Das können viel kleinere Dinge sein, als mit dem Velo um die Welt zu fahren. Meist werden die schrecklichsten Erinnerungen – campen im Regen oder eine steile Wanderung auf einen Berg – zu denjenigen, an welche man sich immer erinnern wird. Und nirgends lernst du dich besser kennen, als während solchen Erlebnissen.»

Mark Beaumonts Tour um die Welt folgen

Mark Beaumonts Versuch in 80 Tagen um die Welt zu radeln, kannst du auf seiner Website verfolgen. Oder auf Facebook, Instagram und Twitter. Das Livetracking gibt's hier. Und natürlich sammelt er auch noch Geld für einen guten Zweck. Rund 230'000 Franken (180'000 Pfund, macht 10 Pfund pro gefahrene Meile (18'000)) sollen es am Ende sein.

PS: Nach zweijährigem Rätselraten gab Sherpa Tenzing Norgay 1955 zu, dass Edmund Hillary als erster Mensch auf dem Mount-Everest-Gipfel stand. Die zweite erfolgreiche Expedition gelang 1956 den Schweizern Ernst Schmied und Jürg Marmet.

Noch so einer (ein Schweizer!), der mit dem Velo verrückte Sachen macht:

Ein 105-jähriger Franzose holt sich Fahrrad-Rekord

1m 7s

Ein 105-jähriger Franzose holt sich Fahrrad-Rekord

Video: reuters

Nicht um die Welt, aber dafür durch die ganze Schweiz

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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16
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16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • rodolofo 29.07.2017 07:55
    Highlight Bei einem solchen Stress hat er ja gar nichts von seiner spektakulären Weltreise!
    Damit gibt dieser Extrem-Sportler ein Parade-Beispiel dafür ab, wie unsere Kapitalistische Hochleistungs-Gesellschaft am Wesentlichen im Leben vorbei rast.
    Ziele sind gut, als Orientierung-Hilfe.
    Aber noch wichtiger, als das Ziel, ist doch der Weg!
    Wenn das Ziel alles bestimmt, dann wird der Weg zur Schinderei eines Sklaven.
    Am Schluss seiner Selbstausbeutung winken ihm natürlich ein Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde, etwas mediale Aufmerksamkeit und Geld. Das ist schon so.
    14 18 Melden
    • fcsg 29.07.2017 12:30
      Highlight Er hat sich aber selber das Ziel gesetzt, es in 80 Tagen zu schaffen. Ihn zu kritisieren, weil er keine Sightseeing Tour durch die Welt macht, ist ziemlich armselig. Was das Wesentliche ist und wie stark man sich an seinen Zielen orientiert, muss doch jeder Mensch für sich selber bestimmen. Nur wer an seine Grenzen geht, lernt sich selber wirklich kennen.
      Und wieso soll er mit dieser Leistung nicht Geld verdienen? Denn diese Reise ist auch alles andere als gratis, viel Geld wird er damit nicht verdienen.
      20 1 Melden
    • 's all good, man! 29.07.2017 14:58
      Highlight Na ja, der Grund für seine Weltumrundung ist in diesem Fall jetzt halt nicht der Genuss und das bewusste Langsamreisen.

      Verstehe schon, was du meinst, aber Beaumont zu kritisieren, finde ich auch fehl am Platz. Er soll doch jetzt nicht stellvertretend seinen Kopf hinhalten müssen für eine ansonsten durchaus zu kritisierende gesellschaftliche Haltung. Hier geht es jedoch einzig und alleine um eine sportliche Höchstleistung, die auch einfach gewürdigt werden darf.
      13 0 Melden
    • rodolofo 29.07.2017 15:16
      Highlight Meistens ist das Kritisieren eines bestimmten Verhaltens ein Teil des Selbstfindungs-Prozesses.
      Ich habe also nicht das Ziel, diesen Hochleistungs-Velofahrer zu verändern, sondern mir darüber klar zu werden, was mir eine solche Art von Leistung bedeutet, nämlich gar nichts!
      Dass Ihr beiden wiederum betupft seid, dass ich diese Einstellung äussere und ihr wiederum meinen Kommentar kritisiert, ist teil Eures eigenen Selbstfindungsprozesses.
      Wenn Ihr das so toll findet, was der Mann da macht, dann könnt Ihr meinetwegen mitradeln.
      Ich habe überhaupt nichts dagegen!
      Versteht Ihr, was ich meine?
      3 12 Melden
    • Petrarca 29.07.2017 18:05
      Highlight @rodolofo: Dein Kommentar hatte das Verhalten des Radfahrers als Abbild der heutigen, vermeintlichen Leistungsgesellschaft interpretiert. Das hat nichts mit Deinem Selbstfindungsprozess zu tun, sondern mit einer subjektiven und pauschalen Wertung dessen, was der Radfahrer tut und der Geselschaft, innerhalb derer er dieses tut. Das war also nichts weiter als eine ziemlich banale Fremdzuschreibung und Wertung (der Radfahrer und seine Leistung als Produkt der Leistungsgesellschaft). Ich geb Dir die Frage daher zurück: Verstehst Du, was Du meinst?;)
      8 1 Melden
    • rodolofo 29.07.2017 18:17
      Highlight @ Petrarca
      Mein Selbstfindung-Prozess besteht auch darin, meine Haltung zu gewissen Phänomenen und Verhaltensweisen in unserer Gesellschaft auszudrücken und sie in einen Zusammenhang mit anderen Phänomenen und Verhaltensweisen in unserer Gesellschaft zu bringen.
      Daraus ergibt sich ein ganz persönliches Bild, an dem ich male.
      Selbstfindung muss also nicht heissen, sich andauernd mit sich selbst zu beschäftigen.
      Du findest Dich auch in der Aussenwelt!
      Eigentlich gibt es diese Grenzen zwischen dem "Selbst" und "dem Anderen" gar nicht wirklich.
      Alles verschwimmt und geht ineinander über.
      Verstaan?
      2 3 Melden
  • sambeat 29.07.2017 01:18
    Highlight Wenn er es schafft, und ich hoffe das für ihn, dann sollte man unmittelbar nach erreichen seines Ziels SEINE Beine fotografieren und darüber berichten ;)
    17 0 Melden
  • Dr. Lindic 28.07.2017 21:17
    Highlight Möchte er nicht irgendwas sehen unterwegs? Mal Pause machen, tief einatmen und die Natur oder was auch immer auf sich wirken lassen? Nein?
    8 21 Melden
    • sambeat 29.07.2017 01:15
      Highlight Mit diesem Ziel vor Augen liegt das einfach nicht drin ;) Egal ob wollen oder nicht.
      5 0 Melden
  • 's all good, man! 28.07.2017 18:24
    Highlight Sehr geiler Typ. Wenn es ihm tatsächlich gelingen sollte, wäre das wirklich äusserst bemerkenswert. 385km in 16 Stunden pro Tag entspricht einer Geschwindigkeit von 24km/h. Und das innerhalb 80 Tagen 75 Mal. Wahnsinn - ein einigermassen ambitionierter Hobbysportler könnte das wohl für ein paar wenige Tage am Stück durchziehen, wenn überhaupt.
    29 1 Melden
  • c_meier 28.07.2017 16:47
    Highlight Reto Fehr: Merci für diese interessanten Artikel (ob Africa-Cup oder solche Ausdauer-Sportler.. top!)
    43 0 Melden
    • Reto Fehr 28.07.2017 18:00
      Highlight Danke. Afrika-Cup ist ja neu jetzt leider auch im Sommer. Aber freue mich auch schon wieder drauf😉
      14 0 Melden
  • Scaros_2 28.07.2017 16:24
    Highlight Respekt! Ein wenig gestört aber mein Respekt hat der Mann!
    48 0 Melden
  • dä dingsbums 28.07.2017 16:23
    Highlight Und ich Weichei bin mir noch unsicher, ob ich es wagen soll mit dem Velo von Zürich ans Mittelmeer zu fahren...

    Viel Glück bei diesem Vorhaben!

    By the way, der zweite Mann auf dem Mount Everest war Sherpa Tenzing. Den kennt man eigentlich schon.
    48 0 Melden
    • sheep 28.07.2017 17:24
      Highlight Und ich kann mich noch nichtmal dazu durchringen, mit dem Velo zur Arbeit zu fahren :(
      35 0 Melden
    • Reto Fehr 28.07.2017 18:01
      Highlight Ja, Sherpa Tenzing steht im Artikel. Der war ja Team Hillary, da hinkt der Vergleich Beaumonts bisschen. Aber die bei der zweiten Besteigung, hättest du die - obwohl Schweizer - auch gekannt?
      22 0 Melden

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