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Ein paar der Mitarbeiter aus meiner Praxis kafi freitag

FragFrauFreitag

Darf ich die Therapeutin auch mal was Persönliches fragen?

Liebe Kafi. Ich bin in einer psychotherapeutischen Behandlung und gehe so eine therapeutische Beziehung ein. Ich frage mich dabei immer wieder, wo die Grenzen sind. Wenn meine Therapeutin z.B. in die Ferien fährt, dann würde ich sie gerne fragen, wohin oder ob sie sich erholen konnte. Darf ich sie solches fragen oder ist das bereits übergriffig? Sie muss sich ja auch abgrenzen können ... Wie siehst du das als Therapeutin? Wie viel kannst/darfst du deinen Klienten preisgeben? Was ist dir zuviel? Amelie, 30



Liebe Amelie

Da ist eine mega spannende Thematik, mit der ich mich natürlich auch schon oft beschäftigt habe. Dennoch kann ich Ihnen nicht sagen, wie es Therapeuten an sich handhaben. Ich bin ja keine Therapeutin und mache keine Therapien, sondern gebe Coachings und das ist nicht das Gleiche.

Für mich persönlich ist Augenhöhe im Coaching etwas enorm wichtiges und darum sind meine Kunden keine Patienten, die von mir abhängig sind, sondern eben Klienten, die meine Dienstleistung in Anspruch nehmen. Das mag vielleicht selbstverständlich klingen, aber ich mag das Gefälle zwischen Menschen per se nicht. Ein Arzt, der auf mich hinunterschaut, weil er einen weissen Kittel trägt und ich nicht, ist bei mir unten durch. Und bei einem Therapeuten oder Coach habe ich diese Ansprüche auch.

Ich kenne viele Coaches, die ihre Klienten ausschliesslich siezen und niemals berühren würden, weil ihnen diese Abgrenzung enorm wichtig ist. Das muss jeder für sich selber herausfinden, ich bin da eher unorthodox unterwegs. Bei mir im Coaching duzt man sich und ich erzähle auch mal von meiner Erfahrung und plaudere auch mal aus meinem eigenen Nähkästchen. Wenn eine Frau bei mir ist und weint, weil sie sich von ihrem Mann getrennt hat und ihre Kinder vermisst, die nun nicht mehr immer um sie herum sind, dann sage ich ihr selbstverständlich, dass ich diese Situation auch kenne und darum weiss, wie schmerzhaft das sein kann. Manchmal kann es schon sehr heilend sein, wenn man merkt, dass man nicht der einzige Mensch auf der ganzen Welt mit dieser Thematik ist. Und es kann sogar vorkommen, dass ich mal jemanden in den Arm nehme und drücke. Dieses Sharing kann ich machen, weil ich keine Angst vor Nähe habe und mich gleichzeitig wahnsinnig gut abgrenzen kann. Um so arbeiten zu können, muss ich mir meiner Sache absolut sicher und mir über die Thematik Nähe/Distanz sehr bewusst sein.

Für mich sind meine hohe Empathiefähigkeit und mein Mut, mich als Mensch und nicht nur als Coach in die Sitzung einzubringen, der Schlüssel für meinen Erfolg und der Grund, warum mir meine Arbeit so wahnsinnig Freude macht. Diese Art der Zusammenarbeit entspricht meinem Wesen und ich bin in dieser Beziehung kompromisslos authentisch. Gleichzeitig bin ich mir bewusst, dass das nicht zu jedem passt und es Menschen gibt, denen die Arbeitsweise eines Therapeuten mehr entspricht. Insofern ist weder das eine richtig noch das andere. Es gilt herauszufinden, was für einen stimmig ist und wo man sich einfacher auf seinen Prozess einlassen kann.

Mir ist bewusst, dass ich mit meiner Ausführung Ihre Frage nicht wirklich beantwortet habe. Aber das kann ich tatsächlich nicht, da man Äpfel auch nicht mit Birnen vergleichen kann und es müssig ist darüber zu diskutieren, welche Frucht nun besser schmeckt. Das ist schlussendlich eine Sache des Geschmacks und das muss jeder für sich selber beantworten. Trotzdem bin ich der Meinung, dass es in einer Therapie möglich sein müsste, genau diese Frage zu klären. Fragen Sie die Therapeutin doch, wie sie zu diesem Thema steht. Das können Sie in niederschwelliger Art und Weise tun, indem Sie nach dem Urlaub sagen, dass Sie jetzt eigentlich am liebsten fragen würden, ob die Ferien erholsam gewesen sind, Sie sich aber nicht sicher sind, ob für diese Frage Raum besteht.

Wie offener Sie mit solchen Themen umgehen, umso mehr können Sie von der Therapie profitieren. Stellen Sie all die Fragen, die sich Ihnen stellen. Denn dann können Sie damit beginnen, an den wirklichen Themen zu arbeiten und müssen sich nicht mehr mit solchen Nebenschauplätzen herumschlagen.

Mit herzlichem Gruss. Ihre Kafi

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www.fragfraufreitag.ch
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Kafi Freitag (41!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit ihrem 12-jährigen Sohn in Zürich.

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45
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45Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Danusha Nushi Kuchtová 27.03.2017 02:28
    Highlight Highlight danke kafi.

    ich finde der schluss der antwort trifft es besonders.

    ich möchte mich hiermit an amélie:

    liebes, wenn du online bei einem therapeuten(sawwy, coach,I know..) nachfragst, wie weit du deiiinen therapeuten befragen darfst, hat das bestimmt gründe, die deine therapie rechtfertigen.

    so was ist suuuperintim!
    frag alles was du willst! oder auch nicht! hauptsache du fühlst dich wohl und aufgehoben. wenn nicht, dann --> neeext.

    es gibt für jeden jemandem.
    glaubsu nicht?
    frag sie doch mal :)

    alles alles gute <3
  • Bruno Wüthrich 27.03.2017 01:05
    Highlight Highlight Zitat Frau Freitag: «Für mich persönlich ist Augenhöhe im Coaching etwas enorm wichtiges und darum sind meine Kunden keine Patienten...»

    Ich halte diese Angabe für falsch (vor allem das Wort «darum»). Es suggeriert, dass es Frau Freitags Entscheidung ist, ob sie Kunden oder Patienten hat.

    Ärzte, Zahnärzte, Spitäler, Therapeuten etc. haben Patienten. Coachs haben keine Patienten. Nie!

    Wir glauben Frau Freitag selbstverständlich trotzdem, dass ihr Augenhöhe im Coaching wichtig ist.
  • Spooky 27.03.2017 00:56
    Highlight Highlight Therapeuten nützen die Not der Leute aus, um sich zu bereichern. Gleich wie Mike Shiva.
    • Charlie Brown 27.03.2017 06:41
      Highlight Highlight Köche nutzen den Hunger der Leute aus, um sich zu bereichern.

      Ärzte nutzen die Krankheit der Leute aus, um sich zu bereichern.

      Frisöre nutzen den Haarwuchs der Leute aus, um sich zu bereichern.

      Lehrer nutzen den Wunsch nach Bildung der Leute aus, um sich zu bereichern.

      Sanitäre nutzen den Stuhlgang der Leute aus, um sich zu bereichern.

      Lokführer nutzen das Mobilitätsbedürfnis der Leute aus, um sich zu bereichern.
    • lilie 27.03.2017 07:58
      Highlight Highlight ... und Kommentarschreiber nutzen die Kommentarfunktion aus, um ihren Frust loszuwerden. 😉

      Charlie hat den Nagel auf den Kopf getroffen. 👍
    • Charlie Brown 27.03.2017 10:03
      Highlight Highlight @lilie: <3
    Weitere Antworten anzeigen
  • Mischa Müller 26.03.2017 23:07
    Highlight Highlight Eine Therapeuten seien mit Klienten auch mal ne körperliche Beziehung eingegangen, heisst es. Oder was ist eigentlich das Ziel von Psychotherapien? Und was heisst es, keine Neurose mehr zu haben? Zumindest ist dann “Selbstverständlichkeit“ da. Wohl am Ende vielleicht beim Therapeuten nicht mehr... wenn es denn ein Ende der Therapie gibt...
    • Zwischenton 27.03.2017 07:36
      Highlight Highlight Irgendetwas wollten sie uns mitteilen....🤔
  • Maya Eldorado 26.03.2017 21:22
    Highlight Highlight Ja, liebe Amalie, die Therapeutin muss sich abgrenzen können. Das musst Du nicht für sie machen.
    Also frag sie ruhig, wenn Dir danach ist. Sie wird Dir schon sagen, wenn sie über etwas mit Dir nicht sprechen will. Oder Du merkst an der Antwort, wenn diese eher ausweichend ausfällt.
    Du darfst sie auch ruhig fragen, ob ihr diese Frage von Dir unangenehm ist.
  • lilie 26.03.2017 20:47
    Highlight Highlight Eine Therapeutin, die man nicht fragen kann, wie ihr Urlaub war, taugt nichts, sorry.

    Denn eine solche Frage kann man beliebig ausführlich und persönlich beantworten, von einem höflichen "danke, gut" bis Details zu Wetter, Hotel und Urlaubsbekanntschaften - und natürlich alle Abstufungen dazwischen.

    Wer nicht in der Lage ist, eine solche Frage so zu beantworten, dass einerseits die professionelle Distanz gewahrt und andererseits so viel Info gegeben wird, wie die Therapeutin preisgeben will, taugt nicht als Therapeutin.

    Nur meine persönliche Meinung.
  • Spooky 26.03.2017 20:32
    Highlight Highlight Schönes Bild! Ich habe auch eine russische Puppe.
    • pamayer 26.03.2017 20:56
      Highlight Highlight Hatte eine Babuschka als Kind. Bzw einige. Aber sie küssen sich nicht kombinieren, da jede ein Unikat.
    • Spooky 26.03.2017 22:50
      Highlight Highlight @pamayer
      Fies. Du vergönnst ihnen das Küssen ;-)
    • pamayer 27.03.2017 06:33
      Highlight Highlight Spooky
      Tja, da hat die Autokorrektur bzw mein nicht-nochmals-durchlesen etwas anderes daraus gemacht.

      Ich meinte:
      Aber sie lassen sich nicht kombinieren.

      Mit dem küssen ist's eigentlich noch schöner...

      Ich versuchte es wenigstens.

FragFrauFreitag

Guten Tag Frau Freitag! Ich habe einen 19 Monate alten Sohn und erwarte in 5 Wochen unser 2. Kind. Als Entlastung für mich haben wir vor 4 Wochen mit der Eingewöhnung in einer Krippe begonnen. 

Allerdings hat unser Sohn nun gerade eine ziemliche "Mama Phase" (was wohl auch mit der fortschreitenden Schwangerschaft zu tun hat) und will ohne mich nicht in der Krippe bleiben. Die Krippenleiterin meint auch das sich dies wohl bis zur Geburt des 2. Kindes nicht ändern wird. Nun breitet sich eine kleine Panik in mir aus und der Respekt vor der neuen Situation mit 2 Kindern ist groß. Es gibt nun 2 Möglichkeiten und ich würde gerne von Ihnen wissen welche dieser beiden Sie bevorzugen würden: 1. Ich

Liebe Ariane  Eines vorweg: Es gibt nie nur 2 Möglichkeiten zur Lösung eines Problems. Nie. So auch bei Ihnen nicht, aber dazu später. Was kann ich Ihnen gut nachfühlen! Es ist ja bei mir bereits 10 Jahre her, dass ich meinen Sohn in die Krippe eingewöhnt habe, aber ich erinnere mich wahnsinnig gut daran. Das tut vermutlich jede Mutter, denn schliesslich ist es ein erstes grosses Loslassen des Kindes. Davon kommen später noch viele mehr, aber das erste Mal ist natürlich sehr …

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