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So ein kleiner Griff ins Eingemacht, wer wird denn da gleich #Schweizeraufschreien? 
So ein kleiner Griff ins Eingemacht, wer wird denn da gleich #Schweizeraufschreien? kafi freitag im Rijksmuseum Amsterdam
FragFrauFreitag

Als Mann beim Vorstellungsgespräch gesagt bekommen, man solle sich doch erst einmal um die Familie kümmern.Geht's noch?

Liebe Kafi. Neulich bekam ich, nach der zweiten Vorstellungsrunde, eine telefonisch Absage, welche inhaltlich für mich nachvollziehbar war. Eine Anmerkung am Schluss irritierte mich jedoch, als Vater von zwei Kleinkindern, heftig. "Wir meinen, dass Ihre Familie jetzt im Mittelpunkt Ihres Leben stehen sollte". Weder war die Familie, noch irgendwelche Anfragen zu Absenzen (ich hatte in den letzten Jahren 0 Absenzen) ein Thema, noch gab es irgendeine Relevanz auf das Stellenprofil. Darf man das? Stefan, 36
17.10.2016, 11:0717.10.2016, 15:43

Lieber Stefan

Danke für Ihre spannende Frage. Sie passt gerade extrem gut in die Diskussionen der letzten Tage, wie ich finde. Man könnte Sie eigentlich als #SchweizerAufschrei durchgehen lassen, nicht? Ob man das darf, oder nicht, kann ich Ihnen nicht beantworten. Ich könnte das recherchieren, aber das ist nicht mein Job. Es gibt genügend Fragen/Antworten-Formate, die sich um die Abklärung von rechtlichen Dingen kümmern. Einer davon im Beobachter. Mich interessiert die rechtliche Seite daran auch nicht wirklich, muss ich Ihnen sagen. Sondern viel mehr, dass Sie da was erlebt haben, was praktisch jede berufstätige Frau erlebt, die zu Hause Kinder hat. Sie finden das heftig irritierend? Ist es auch! Es ist sogar vollkommen jenseits. Und dennoch an der Tagesordnung, reden Sie mal mit ein paar berufstätigen Müttern in Ihrem Umfeld.

Ob es das besser macht? Sicher nöd! Aber es zeigt wenigstens eine Realität auf, die uns Frauen mehr als geläufig ist. Man könnte den Betrieb drum fast schon fortschrittlich nennen, da er diese unsägliche Fragen nicht nur Frauen, sondern auch Männern mit Kinder stellt.

Sie regen sich darüber auf? Warum denn eigentlich? Ist diese Frage bei Ihrer Frau legitimer als bei Ihnen? Und warum ist eigentlich so klar, dass sich in der Regel die Mütter um die kranken Kinder kümmern und viel viel seltener die Väter. Ich kenne Paare, die eine ach so moderne Aufgabenteilung leben und gegen aussen propagieren. Beide arbeiten im gleichen Rahmen Teilzeit, der Papi wäscht, und kocht auch. Aber kaum ist das Kindli krank, ist es dann doch die Mutter, die mit ihm zum Arzt fährt und danach eine Woche zu Hause neben dem fiebrigen Gesichtli wacht. Ein Klischee sagen Sie? Stimmt nicht bei allen? Ja richtig! Nie ist öppis 100 %, gopf. Aber es ist meistens so, das hat mir auch mal eine Kinderärztin erzählt, die mir sagte, dass ihr bei den ersten Entwicklungsuntersuchungen oft noch beide Elternteile gegenübersitzen. Später dann aber bei einer Grippe oder sonst was, zu 90 die Mütter. Ist doch spannend, oder öppe nicht?

Sie können sich jetzt schon zünftig ärgern, dass man Sie das gefragt hat. Ich wünschte mir, dass sich auch mehr Frauen darüber ärgern würden. Aber mit der geballten Faust im Sack ist es nicht getan. Sie wollen wissen, ob man das darf? Fragen Sie nicht Frau Freitag! Fragen Sie die HR-IdiotInnen, mit denen Sie zu tun hatten. Fragen Sie nach, was diese Bemerkung eigentlich soll! Und betonen Sie, dass Sie diese Fragestellung bei Frau und Mann vollkommen daneben finden. Schauen Sie mal, was Sie als Antwort erhalten. Sie haben den Job nicht bekommen, Sie haben also nichts mehr zu verlieren. Ob man sich gegen etwas wehrt und aufsteht, hat doch nicht unbedingt nur damit zu tun, ob etwas rechtens ist oder nicht. Es geht um Ihre Wahrnehmung und was diese Ihnen sagt. Nehmen Sie diese Stimme ernst, sie hat es verdient!

Mit herzlichem Gruss. Ihre Kafi

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Kafi Freitag (40!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit ihrem 11-jährigen Sohn in Zürich.

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43 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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lilie ❤ Bambusbjörn
17.10.2016 14:15registriert Juli 2016
Kafi antwortet mal wieder knapp an der Frage vorbei: Stefan hat ja eben gerade keine Fragen zur Familie beantworten müssen, deshalb wundert er sich doch so, dass es bei der Absage plötzlich erwähnt wurde.

Also, rechtlich sehe ich da kein Problem, da ja die Familie nicht der Grund für die Absage war. Es war bloss die subjektive Meinung des Arbeitgebers, die er geradesogut hätte für sich behalten können (und es vielleicht gescheiter auch getan hätte).

Und am Ende kann Stefan doch froh sein, wenn er nicht bei einem Arbeitgeber ist, der ihm ins Privatleben dreinquatscht. 😉
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Spooky
18.10.2016 19:08registriert November 2015
"Es geht um Ihre Wahrnehmung und was diese Ihnen sagt. Nehmen Sie diese Stimme ernst, sie hat es verdient!"

Meine Wahrnehmung ist, dass dieser Personalchef eine Schraube locker hat.
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PeterLustig
20.10.2016 06:43registriert April 2015
Wenn man sich für einen Job bewirbt, will man einen Job und keine Vorschläge wie man sein Leben gestalten soll. So einfach ist es. Und nein, progressiv ist es nicht wenn man Männer genau gleich ignorant behandelt wie die Frauen. Es ist regressiv.

Und wieso muss man aus jedem Thema eine Geschlechterdiskussion machen? Hier ging es um einen unverschämten Personalchef der einem vorschreiben will was man im Leben tun soll.
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