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Auch auf kargem Grund wächst Neues.
Auch auf kargem Grund wächst Neues.kafi freitag
FragFrauFreitag

Liebe Kafi. Mein Mann und ich sind seit 11 Jahren zusammen und davon 3 Jahre verheiratet – glücklich wie ich meinte. 

Vor kurzem sagte er, dass er nicht mehr dasselbe fühle wie früher und er brauche Zeit für sich, um zu wissen, wie es weitergehen soll. Er sei sich in vielen Dingen nicht mehr sicher. Mir hat dieses Gespräch den Boden unter den Füssen weggerissen und ich bin völlig überfordert. Ich liebe meinen Mann über alles und weiss nicht, wie ich damit umgehen soll. Larissa, 27
07.09.2016, 10:4007.09.2016, 16:45

Liebe Larissa

Was Sie mir beschreiben, passiert in ganz vielen Beziehungen. Man wähnt sich in Sicherheit und merkt eines Tages, dass man einer Illusion erlegen ist. Dass nichts so ist, wie es schien. Dass man die Entwicklung nicht gespürt hat. Schockierende Tatsache, das verstehe ich sehr gut. Nicht selten sitzen Paare bei mir in der Praxis und beschreiben genau diese Entwicklung. Fast immer ist es passiert, weil man zu wenig geredet hat. Oder weil man zwar zusammen gesprochen hat, aber die Gespräche nicht in die Tiefe gingen, nicht wirklich über die Themen, die wichtig gewesen wären. Ein «Wie geht es Dir?» reicht da leider oft nicht aus, ist aber immerhin ein Anfang. Zu Beginn einer Beziehung will man alles über den anderen wissen. Wenn man länger zusammen ist, dann fragt man sich gegenseitig nicht mehr so viel, weil man denkt, die Antworten schon zu kennen. Das ist ein fataler Fehler, der oft in diese Einbahnstrasse führt. Weil Menschen sich verändern und weil man den anderen nie wirklich kennt, auch wenn man 11 Jahre nebeneinander lebt. Die Arroganz, die man im Bezug auf den anderen gern entwickelt, ist manchmal zum Himmel schreiend.

Es wäre darum sinnvoll, wenn man immer mal wieder eine gründliche Bestandsaufnahme machen würde. Das klingt unromantisch, ich weiss. Aber es kann auch aufregend sein, sich mal wieder etwas neu kennenzulernen. Wenn ich mit Paaren arbeite, dann rate ich zu einem jährlichen TÜV-Gespräch, in dem man sich mit der Aktualität auseinandersetzt. Wo stehe ich? Wo stehst Du? Was hat sich verändert in der Beziehung und ausserhalb? Wo will ich hin? Wo willst Du hin? Wo wollen wir hin? Bei einem Auto kontrollieren wir regelmässig das Profil der Reifen und passen die Bereifung den Umständen an. In der Beziehung jedoch muss ein Allradreifen ein Leben lang halten. Dass das nicht funktionieren kann, ist eigentlich logisch. Aber warum erkennt man es immer erst, wenn es fast schon zu spät ist? Weil wir Menschen faule Säcke sind, die erst investieren, wenn das Wasser bereits bei den Ohren steht.

Zu Beginn einer Beziehung will man alles über den anderen wissen. Wenn man länger zusammen ist, dann fragt man sich gegenseitig nicht mehr so viel, weil man denkt, die Antworten schon zu kennen.

Sie dürfen sich drum gern an der eigenen Nase nehmen, liebe Larissa. Ich gehe davon aus, dass Sie diese Fragen auch nie in der Konsequenz gestellt haben, die man sollte. Nun stehen Sie da und haben einen Schock, weil das Fundament zu brösmeln beginnt. Natürlich ist es nicht einfach, wenn man so wachgerüttelt wird. Aber Sie können es auch als Chance und als Weckruf sehen. All diese Fragen können Sie sich und Ihrem Mann noch immer stellen. Beginnen Sie dabei aber unbedingt bei sich. Setzen Sie sich ehrlich und aufrichtig mit den Themen auseinander. Wie haben Sie sich in den letzten 11 Jahren verändert? Was ist aus Ihren Träumen und Visionen geworden? Wer sind Sie eigentlich? Wenn Sie den Antworten etwas auf die Spur gekommen sind, können Sie die Antworten auch von Ihrem Mann einfordern. Dieser Prozess braucht aber Zeit. Seien Sie geduldig, das ist nichts, was sich in 3 Monaten klärt. Und ja, es gehört auch Angst dazu, den anderen in dieser Zeit zu verlieren. Das ist der bittere Preis, den man zahlt, wenn man mit diesen Fragen zu lange wartet.

Dennoch ist es kein Grund, aufzugeben. Dass Ihr Mann nicht mehr das gleiche fühlt wie vor 11 Jahren, ist nur logisch. Er hat sich entwickelt und ist nicht mehr der gleiche. Wenn Sie ganz ehrlich sind, ist das bei Ihnen nicht anders. Diese Ehrlichkeit muss jetzt unbedingt auf den Tisch! Auch wenn sie schmerzhaft sein kann. Es führt kein Weg daran vorbei. Wenn Sie diesen Fragen zusammen begegnen und sich dem Prozess stellen, werden Sie als gestähltes Paar aus der Sache hervorgehen. Dann kann die Beziehung noch einmal richtig loslegen, weil sie nun eine ganz andere Tiefe erreicht hat.

Gehen Sie diesen Weg gemeinsam. Es ist noch nicht zu spät! Und für alle anderen, die mitlesen; reden Sie! Aber bitte richtig! Die wenigstens Paare reden Tacheles miteinander und wundern sich dann, wenn es knapp vor zu spät ist. Wundern Sie sich lieber früher, am besten noch heute! Das rate ich übrigens auch den Paaren, die mich für eine freie Trauungszeremonie buchen. In meinem Package, das Vorgespräche und eine sehr persönliche Trauungsrede beinhaltet, liegt auch ein Gutschein für ein Paarcoaching bei mir in der Praxis bei, den man ein Jahr lang einlösen kann. Wenn man lernt zu reden, bevor es wirklich «verhocket» ist, dann hat man eine gute Basis für Gespräche gelegt, die weniger harmonischer verlaufen.

Mit herzlichem Gruss. Ihre Kafi

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Kafi Freitag (40!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit ihrem 11-jährigen Sohn in Zürich.

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9 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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jules_rules
07.09.2016 12:32registriert Januar 2014
Eigentlich eine gelungene Antwort, wenn da diese Eigenwerbung am Schluss nicht wäre...
7319
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lilie ❤ Bambusbjörn
07.09.2016 16:50registriert Juli 2016
Meine Internetverbindung weigert sich standhaft, einen kritischen Kommentar zu verschicken. 😂

Jetzt schreib ich mal nur, was ich gut finde, vielleicht klappts ja dann 😆:

Ich finde den Rat sehr gut, und zwar nicht nur für Paarbeziehungen, sondern (allenfalls in angepasster Form) für Beziehungen aller Art. Oft nehmen wir es als recht "gegeben" hin wie es läuft und tauschen uns nicht mehr darüber aus, ob es eigentlich noch für alle Seiten stimmt.
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Ich hab eine Woche lang versucht, «gesünder» zu leben – so lief's!
Jedes Jahr erörtert die Sanitas-Gesundheitsstudie, wie zufrieden man hierzulande mit der eigenen Gesundheit ist. Und auch diesmal geben neun von zehn Schweizerinnen und Schweizern an, etwas an ihrem Verhalten diesbezüglich ändern zu wollen. Warum tun wir das denn nicht einfach?

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