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Zum Haare raufen: die Sache mit der Nachhaltigkeit.
Zum Haare raufen: die Sache mit der Nachhaltigkeit.Bild: enscene.ch
Die Nachhalterin

Ein halbes Jahr nachhaltiger leben – die ehrliche Zwischenbilanz

Begeisterung und Überforderung, Neugier und Überdruss wechseln sich ab. Was ich im letzten halben Jahr als Nachhalterin gelernt habe – und wo es noch hapert.
29.10.2021, 08:10
Contentpartnerschaft mit WWF
Dieser Blog ist eine Contentpartnerschaft mit WWF. Die Beiträge werden von der freischaffenden Journalistin Jennifer Zimmermann verfasst.

Man muss nicht perfekt sein, um das Klima zu schützen! In dem WWF-Motto findet sich auch Jennifer wieder. Sie lebt (meist) vegetarisch, duscht (zu) oft (zu) lange und wühlt zum Unbehagen mancher Familienmitglieder (fast) immer in den «Gratis zum Mitnehmen»-Kisten am Strassenrand. Als «Die Nachhalterin» schreibt sie für den WWF und hilft dir und sich selbst, den Weg zu einem nachhaltigeren Leben zu finden. Für weitere Panda-Tipps zur Nachhaltigkeit: WWF/klimatipps.ch

Es handelt sich nicht um bezahlten Inhalt.

Ich sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Aber halt, gibt es noch Wald oder wurde er schon lange gerodet? Wohl für den Anbau von Soja und Palmöl? Gibt es noch Orang-Utans, Vögel und Insekten? Oder sind da nur noch Dürre und Einöde? Gespenstische Stille und apokalyptische Landschaften?

Ich verstehe von Nachhaltigkeit nur Bahnhof, habe ich manchmal das Gefühl. Oder war es «Flughafen»? Ach nein, da sollte man nicht mehr hin.

«Nun ja, Hemd wie Hose», sage ich mir. Gefolgt vom nächsten Gedanken an Nachhaltigkeit: Sind die Kleider aus Bio-Baumwolle, Plastik oder Hanffasern? Womit wurden die Textilien gefärbt? Wo und unter welchen Konditionen wurden sie hergestellt? Fragen über Fragen ...

Einsiedlertum als einzige Lösung?

Egal, wohin ich schaue, ich sehe nur noch das Thema «Nachhaltigkeit». Geht euch das manchmal auch so? In den Medien Katastrophenmeldungen bis zum Abwinken: Waldbrände hier, Überschwemmungen dort, Dürre hier, Erdrutsche da. Die Welt brennt, erstickt, ersäuft und wir mit ihr. Können wir als Individuen dagegen etwas unternehmen, das wirklich hilft, frage ich mich unweigerlich? Und zwar ohne unserer (Konsum-)Gesellschaft ganz abzuschwören, ja keine Kinder zu kriegen und uns als EinsiedlerInnen im Wald zu verschanzen. Und ja – in welchen Wald denn, wenn es immer weniger davon gibt. Ich drehe fast durch und mich im Kreis ... Vielleicht ist es doch leichter, einfach zu resignieren? Zu essen, was mir schmeckt, dahin zu fliegen, wo ich will, so zu wohnen, wie es mir beliebt.

Ich hab genug – unser Planet bestimmt auch

Manchmal ist mein Kopf zum Bersten voll – und die Schnauze habe ich dann auch voll von Nachhaltigkeit. Ich hab's satt, mir die ganze Zeit Gedanken darüber zu machen, Entscheidungen abzuwägen, Nerven und Zeit zu investieren. Wenn ich doch als Einzelperson gefühlt so wenig ausrichten kann. Wenn es doch an der Politik wäre, die wirklich grossen Hebel in Bewegung zu setzen und Dinge zu ändern.

Aber wisst ihr, was auch voll ist? Unser Planet. Voll Menschen, voll von der durch sie verursachten Umweltzerstörung, voll von Schadstoffen, voll Leid.

Unser Planet hat die Schnauze bestimmt gestrichen voll von uns.

So sehe ich als einzige Option, mir weiterhin Mühe zu geben. Mein Bestes zu geben, damit ich möglichst wenig zur Umweltzerstörung und zum Klimawandel beitrage. Selbst wenn meine Bemühungen ein Tropfen auf den heissen Stein sein mögen und mein Lebensstil bei weitem nicht perfekt ist. Wenigstens schlafe ich abends mit einem halbwegs guten Gewissen ein.

Wie ging das jetzt nochmal mit der Nachhaltigkeit?
Wie ging das jetzt nochmal mit der Nachhaltigkeit?Bild: enScene.ch

Was ich bisher gelernt habe – und was nicht

Ernährung

  • Die Themen Veganismus und Milchkonsum erhitzten eure Gemüter und ihr habt in der Kommentarspalte fleissig diskutiert. Das trifft sich gut, denn die Ernährung verursacht rund einen Drittel des persönlichen Fussabdrucks.
  • Ich bleibe bei Sojadrink statt Milch, denn sie schneidet bezüglich Gesamtumweltbelastung noch immer besser ab als Milch, ist billig und kann beim Proteingehalt mithalten. Ich ziehe den Hut vor allen VeganerInnen. Nicht nur, weil sie konsequent nach ihren Moralvorstellungen leben, sondern auch, weil sie sich ständig rechtfertigen müssen und nicht selten angefeindet werden.
  • Mehr über Veganismus und leckere vegane Rezepte zu erfahren hat mich im ersten Moment sehr motiviert, meine Ernährung schrittweise in die Richtung zu verändern. Immer wieder kommt mir aber meine Bequemlichkeit in die Quere. Eine Verhaltensänderung braucht Zeit und man muss mit alten Gewohnheiten brechen. Das ist nicht immer einfach, auch wenn das WWW mit guten Ideen und Rezepten überquillt. Die Umsetzung ist das andere. Gerade, weil ich nicht sonderlich gerne koche. Dennoch habe ich mich im Grillieren von veganen und vegetarischen Gerichten geübt. Das wäre noch umweltfreundlicher, hätte ich saisonal und lokal eingekauft. Hier kann ich noch dazulernen. Ebenso beim Label-Dschungel.

Wohnen und Konsum

  • Putzmittel selbst herzustellen, ist einfach und günstig. Ich bin aber trotz meiner ursprünglichen Absicht nicht ganz auf selbst gemachtes Waschmittel und Natron, Essig & Co. zum Putzen umgestiegen. Während der Recherche rief ich mir dafür wieder mal Tipps zum nachhaltigen Waschen ins Gedächtnis.
  • Hygiene- und Kosmetikprodukte kann man ebenfalls sehr einfach selbst herstellen. Auch hier bin ich aber ein Gewohnheitstier und wider Erwarten nicht auf Natron-Deo und schon gar nicht auf Roggenmehl-Shampoo umgestiegen.
  • Upcyceln macht mir teilweise Spass, ist aber viel zu zeitaufwändig – und der ökologische Impact ist vernachlässigbar. Man setzt sich aber damit auseinander, aus welchen Materialien Alltagsgegenstände bestehen und wie viel Abfall wir täglich produzieren. Das führt möglicherweise zu einem Wertewandel und bewussterem Konsumverhalten. Am nachhaltigsten wäre es natürlich, nichts zu kaufen und gar nichts recyceln oder upcyceln zu müssen («reduce, reuse, recycle»). Dem Thema Recycling will ich mich bei Gelegenheit näher widmen.

Mobilität und Reisen

  • Für nachhaltige und zugleich aufregende Reisen muss man nicht weit reisen, wie meine Kurztrips ins Neuenburger Jura und zu einem Demeter-Erlebnisbauernhof in Adliswil gezeigt haben.
  • Ich fahre Fahrrad, gehe zu Fuss, benutze den ÖV – und fliege. Meine letzte Reise führte mich nach Köln und ich nahm immerhin den Zug dahin. Der (Deutschen) Bahn traue ich zwar nach mühsamen Erlebnissen nur bedingt, ich wollte aber der Umwelt zuliebe nicht fliegen und zudem war die Zugreise viel billiger als zu fliegen. Mit Nachhaltigkeit kann man zum Glück manchmal auch Geld sparen.

So taste ich mich Schritt für Schritt weiter an das Thema Nachhaltigkeit heran. Ich versuche, mich von Rückschlägen nicht zu sehr entmutigen zu lassen, geduldig mit mir zu sein und vor allen Dingen meine Freude und Neugier zu bewahren.

Wo befindet ihr euch auf eurer nachhaltigen Reise? Habt ihr Verhaltensweisen geändert oder euch bestimmte Ziele gesteckt?
DANKE FÜR DIE ♥
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