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Ludmila Balkanovic

Wenns um die Liebe geht, kennt Mama «-ic» keine Gnade



Zuerst die Fakten: Ich bin eine Single-Mittdreissigerin. Dann die gute Nachricht: Mir geht es wunderbar dabei. Und jetzt die schlechte Nachricht: meiner Mutter nicht. Sie leidet nicht nur aus Empathie unter Torschlusspanik, nein, sie befürchtet, dass ich ihr keine Enkel mehr schenken werde.

Ludmila Balkanovic

Unsere neue Kolumnistin Ludmila wuchs zwischen Mani Matter, Kettenraucher, harten Schweizer Schulregeln und einer «Fuck the System»-Kultur auf. Hier erzählt die Mittdreissigerin aus ihrem Leben zwischen Schweizer Bünzli- und dem Jugotum.

Während ich mich entspannt zurücklehne – immerhin habe ich gerade erst meine letzte Trennung überwunden – beschäftigt sich meine Frau Mama längst damit, den Einen für mich und ihre Enkel zu finden. Dabei ist sich die Gute für nichts zu schade. 

Der Sohn des Cou-Cosuins des Arbeitskollegen von Papa

So wie neulich. Wir waren gerade zusammen beim Optiker, um ihre Brille abzuholen. Ihre ältere Tochter sei schon verheiratet und habe ein Kind, sagte sie. Diese «sexy Kurven hier» – sie zeigte auf mich – wären aber noch zu haben.

Dass der Optiker und ich ziemlich sicher null gemeinsame Interessen haben – er Anzug, ich Chucks, er Typ Seefeld, ich Kreis 4 –, bemerkt meine Mutter nicht. Warum auch? Solchen Nichtigkeiten schenkt sie keine Beachtung.

Als wir den Laden verlassen, weise ich meine Mutter zum achtmillionsten Mal in meinem Leben zurecht und bitte sie ganz bestimmt, sich nicht in mein Liebesleben einzumischen. Sie ist jetzt beleidigt.

Partys und Polyamorie sind einfach mehr sein Ding als Monogamie und Kinder.

Nur um mich nach 30 Sekunden erneut an den Rand des Wahnsinns zu treiben: «Erinnerst du dich an den Sohn des Cou-Cousins des Arbeitskollegen von Papi?» Natürlich erinnere ich mich nicht, was ihr natürlich schnurzpiepegal ist.

«Er ist im Fall wieder Single. Arzt, kinderlos, 38. Ich habe ihm letztens ein Foto von dir gezeigt. Hat er dich schon auf Facebook geaddet?» Hat er, lüge ich. Mama strahlt. Ich solle ihn doch zum Znacht einladen. Sie koche uns was Schönes. Brauche ihm ja nicht zu sagen, dass sie dahinter steckt.

«Kind, kennst du Tinder!?!»

Die richtig harte Keule trifft mich aber, als ich mich überreden lasse, eine Ikea-Tour mit meiner Mutter und ihrer Schwester zu machen. Jetzt attackieren sie mich zu zweit. Meine Tante erklärt mir, dass die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft ab dem 35. Lebensjahr massiv abnimmt.

Und schon ist die Tante den Tränen nah. Nicht wegen mir, sondern wegen ihres Sohnes, meines Cousins. Er ist 41. Und Single. Partys und Polyamorie sind einfach mehr sein Ding als Monogamie und Kinder.

Das weiss die Tante natürlich nicht. Ich halte zu meinem Lieblingscousin und nehme uns beide in Schutz. Bis ich mich von ihm verraten fühle ...

«Kind, du kennst doch Tinder bestimmt auch!?!», fragt mich meine Tante. Der Cousin hat sie von der Dating-App unterrichtet. Und davon, dass er schon viele Frauen getroffen hat und sicher ist, dass die Eine auch bald kommt. Bluffer!

Nun kommt meine Mutter in Fahrt. Ein Leben ohne Tinder kann sie sich für mich nicht mehr vorstellen. Sie weiss auch schon, wie ich mich auf der Dating-App anpreisen soll: «Schreib, dass du klug, schön, lustig und eloquent bist. Und dass du super kochen und backen kannst. Und dass du Kinder liebst. Und dass deine Mutter immer für dich da ist.»

Eure Ludmila!

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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Spooky 25.03.2017 20:27
    Highlight Highlight Für mich wieder ein Highlight, dieser Text.
    Im nächsten Leben will ich eine Mama «-ic».

    ;-)
  • Spooky 25.03.2017 00:36
    Highlight Highlight Ich bin Hindu. Und nachdem ich die Artikel von Ludmila gelesen habe, will ich in meinem nächsten Leben eine Mutter aus dem Balkan. Just for fun ;-)
  • Spooky 24.03.2017 19:42
    Highlight Highlight Ich habe auf dem Bau ständig mit Jugos zu tun gehabt. Eines Abends, nach einem gemütlichen Bier mit einem dieser Jugo-Kumpels, hat er mir gesagt, falls ich Lust hätte, könne ich seine Frau ficken. Ich war ein bisschen vor den Kopf gestossen und habe freundlich abgelehnt. Er war begeistert und hat gleich noch 2 Bier bestellt.

    Nach diesen 3 super Artikeln von Ludmila verstehe endlich, dass dass mein Jugo-Kumpel mir nur sagen wollte, ich sei ein super Kumpel, und er möge mich gut.
  • rodolofo 24.03.2017 09:12
    Highlight Highlight ...
    Die Berufswahl eines Familien-Mitglieds muss mit den Vorstellungen und Wünschen der Familie übereinstimmen.
    Bei der Partnerwahl versucht die Familie - wie in der guten alten Zeit - kontrollierend und manipulierend mitzuwirken, was aber nach dem Einbruch der Moderne auch in Metro-Manila immer weniger gelingen kann.
    So gehen die Mädchen während ihren College-Jahren sturmfrei an Parties.
    Nach wie vor zählt das Wort der Ältesten sehr viel, da es immer auch mit Geld und Macht zusammenhängt.
    Vom Staat gibt es nichts, also muss man dem Patriarchen schmeicheln.
    Hat auch gewisse Nachteile...
  • rodolofo 24.03.2017 09:06
    Highlight Highlight Ich habe in eine Philippinische Grossfamilie eingeheiratet (meine Ehefrau ist eine Migration aus den Philippinen).
    Und so ergibt es sich, dass ich immer wieder mal mit ihrer Verwandtschaft zusammenkomme, oder mitbekomme, was sie miteinander besprechen.
    Was mir dabei immer wieder auffällt, ist die Art, wie alle möglichen Dinge besprochen und bewältigt werden.
    Bei allen Entscheidungen redet die Familie ein gewichtiges Wörtchen mit!
    Bereits die Schulaufgaben kleiner Kinder werden gemeinsam erledigt.
    ...
  • Dingsda 23.03.2017 21:33
    Highlight Highlight Same here Ludmilla, nur eben als Schwanzträger und ein bischen jünger.

    Ne predaj se ;)
    • Neversober 30.03.2017 17:07
      Highlight Highlight Fühle mit, brate!

      Zivot je takav.
  • Luca Brasi 23.03.2017 17:32
    Highlight Highlight Gibt es Kriterien? Vielleicht bewerbe ich mich ja. Ich gehe aber normalerweise über den Vater wie mein Vorbild Michael Corleone (Sicilian Style): :D
    Play Icon
  • Thomas Bollinger (1) 23.03.2017 16:39
    Highlight Highlight Was macht eine Mittdreissigerin eigentlich ständig mit ihrer Mutter?
    • Lami23 23.03.2017 17:10
      Highlight Highlight warum den nicht?
    • Philipp Burri 24.03.2017 04:03
      Highlight Highlight Du kennst wohl keine Yugos, hä?
    • Nonqi 24.03.2017 08:59
      Highlight Highlight Sie nicht vernachlässigen.
  • Goldfish 23.03.2017 16:32
    Highlight Highlight Mütter lediger Kinder am Rande des Nervenzusammenbruchs!

    Könnte der Filmtitel eines Almodovar-Films sein.
    • pamayer 24.03.2017 06:51
      Highlight Highlight Genau.


      Allerdings fehlten dann die obligaten, grellen Transen. Weil so eine(r) würde... ... das Weltbild von Mama eher sprengen.
  • lily.mcbean 23.03.2017 16:20
    Highlight Highlight Ich wurde von meiner punica schon beim ersten Treffern um Enkel angebettelt. Angebettelt! Bitte bitte meine lieben Kinder ich möchte nicht mehr so lange warten. Da ich aber zum glück italienische Wurzeln habe bin ich Teflonbeschichtet ;) stay strong Ludmilla moj jarane 😍 (sorry falls ich es falsch geschrieben hab!)
  • zsalizäme 23.03.2017 16:01
    Highlight Highlight Jebo te, Ludmilla. Gute Unterhaltung die du da lieferst.
    • Ghombrich 24.03.2017 08:40
      Highlight Highlight Gelernt ist gelernt! :)

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